Nachteile?

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Peter i Klackbua

Re: Nachteile?

Beitragvon Peter i Klackbua » 4. März 2007 16:30

Adresse? Ich habe ja gar keine Adresse... Mein Briefkasten hängt im Dorf...

Neulich wollte tatsächlich ein Freund die Koordinaten haben - und war dann ganz verwundert als ich ihm dagte dass ich die erst aus der Karte errechnen muß. Seine erstaunte Frage: "Wie soll denn das ohne GPS-Gerät gehen?"

Danach haben wir uns darauf geeinigt dass ich ihm einfach sage bei welchem Telegrphenmasten er seine Karre abstellen soll... und einfach zu Fuß dem Bach folgen... Geht auch ohne GPS...

Manchmal hilft Technik eben nur Probleme zu lösen die man eigentlich gar nicht hat.

Volker
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Re: Nachteile?

Beitragvon Volker » 4. März 2007 19:21

Hallo,

was man als Nachteil sieht, ist doch oft eine Frage der persönlichen Vorlieben. Der eine braucht den Großstadttrubel und dem anderen ist das Dorfleben schon zu hektisch.

Oft wird ja das schwedische Gesundheitssystem kritisiert, obwohl der Schwede statistisch gesehen länger lebt als der Deutsche. Wenn ich aber bedenke, was ich in Deutschland als Selbständiger an Krankenkassenbeiträgen bezahlt habe, auch wenn ich mal nichts verdient hatte, bin ich schon ganz krank beim Lesen der Rechnungen geworden. Hier bin ich auch auf jeden Fall grundversichert, auch wenn ich mal keine Steuern bzw. Beiträge zahlen müsste.

Oder die Straßen: Heute bin ich eine 30 km vereiste Schotterpiste zu einem Restaurant gefahren. Und dann war noch relativ viel los. Alle 10 km Gegenverkehr. Objektiv betrachtet könnte man solche Straßen als miserabel bezeichnen. Ich fahre aber lieber solche Straßen als die notorisch überfüllte A8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart.

Oder die angebliche Servicewüste in Schweden: Das kommt auch darauf an, wie man das sieht. Ich habe gerade mein Auto durch den schwedischen TÜV gebracht. Vielen passt es nicht, dass man dafür einen Termin ausmachen muss und erst nach 2 bis 4 Wochen an die Reihe kommt. Ich hingegen fand es vollkommen stressfrei. Man fährt sein Auto vor, tippt seine Buchungsnummer in den Computer ein, wartet ein paar Minuten im Auto bis man per Leuchttafel aufgerufen wird und kommt pünktlich dran, fährt vor und gibt sein Auto ab. Der Prüfer war sehr freundlich und hat uns sogar einen Kaffee angeboten.

Wenn ich in Schweden einen Mietwagen am Flugplatz abgebe, reicht es meistens, wenn ich den Schlüssel in einen Briefkasten werfe. In Deutschland hingegen reißt mir jemand gleich den Schlüssel aus der Hand, was man wohl unter Service versteht und drei junge Leute stürzen sich sofort mit Taschenlampen bewaffnet auf das Auto, um es akribisch auf Dellen und Kratzer zu untersuchen. Da merkt man, dass man als Kunde ja eh nur lästig ist. Anschließend muss ich noch warten, bis ich was weiß ich wieviele Unterschriften geleistet habe. Ich bin dann immmer froh, wenn ich wieder im Flugzeug Richtung Schweden sitze. Hemma är bäst.

Es stimmt schon, dass es manchmal schwer ist, Kontakt zu den Schweden und zur Nachbarschaft zu finden. Aber in Deutschland sieht es doch oft auch nicht viel anders aus, wenn man in eine fremde Stadt zieht. Am besten ist es, man tritt Vereinen ein, wo man seine gemeinsamen Interessen teilen kann. Oder man hat z.B. einen klapprigen Rasenmäher, der immer kaputt geht. Man hilft sich als Nachbarn sehr gerne gegenseitig und auf diesem Wege lernt man sich auch kennen. Sehr beliebt ist nach meiner Erfahrung ist das Thema Heizungssysteme. Darüber kann man sich hier stundenlang unterhalten.

Man gewöhnt sich sehr schnell an die hiesige Lebensart. Der Nachteil davon ist, dass man sich ein Leben im Land seiner Muttersprache nicht mehr vorstellen könnte. Ein zurück in meine sprachliche Heimat gibt es für mich jedenfalls nicht mehr. In Schweden fühle ich mich heimisch, obwohl es wohl noch einige Jahre dauert, bis ich im Schwedischen richtig sattelfest werde. Das hängt auch davon ab, welche Anforderungen man an seine eigene Sprachkompetenz stellt. Ich will da offen sein. Oft ärgere ich mich, dass ich etwas in meiner Muttersprache viel eleganter beschreiben könnte und man kommt sich doof vor. Damit muss man in den ersten Jahren leben.

glada

Re: Nachteile?

Beitragvon glada » 4. März 2007 22:25

Volker hat geschrieben: In Schweden fühle ich mich heimisch, obwohl es wohl noch einige Jahre dauert, bis ich im Schwedischen richtig sattelfest werde. Das hängt auch davon ab, welche Anforderungen man an seine eigene Sprachkompetenz stellt. Ich will da offen sein. Oft ärgere ich mich, dass ich etwas in meiner Muttersprache viel eleganter beschreiben könnte und man kommt sich doof vor. Damit muss man in den ersten Jahren leben.

Oja, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Sprache ist für mich auch mehr als nur der Austausch von Informationen. Nach wie vor kommt es vor, dass ich einen Dialog beende, bevor das erste Wort gesagt wurde, einfach deshalb, weil ich mich in dem Umfang noch nicht so sicher ausdrücken kann. Meine Frau redet einfach los, wahrscheinlich die viel bessere Methode.
Wie lange lebst du denn schon in Schweden?

Oliver

Peter i Klackbua

Re: Nachteile?

Beitragvon Peter i Klackbua » 5. März 2007 09:03

Wenn es denn nur die Sprache wäre... :D
Viel schwieriger im Falle von Schweden finde ich dass Kommunikation sehr stark von Bildern und als allgemein bekannt vorausgesetzten Inhalten bestimmt wird, die man mit Sprache alleine gar nicht fassen kann. Es ist eher ein gesamtkulturelles kommunikatives Kunstwerk.
Im Deutschen wird mit solchen Mitteln zwar auch "gearbeitet" - aber wesentlich weniger - und selbst dann für den Altagsgebrauch eher unbedeutend.

Ich picke mal als vielleicht bekanntestes Beispiel die "röda stugan" heraus - Das Wortpaar setzt bei der Verwendung in Schweden beim Zuhörer eine ganze Kaskade von Assoziationen hervor die sich so dem die Sprche lernenden kaum erschließt.
Dabei bleibt es aber nicht dabei dass der Zuhörer dies versteht - der Sprechende bedient sich dieser Mittel auch ganz bewußt um dem Gesprochenen eine zusätzliche "tiefere" Bedeutung zu geben.

Im Deutschen war vielleicht einmal "der deutsche Wald" ein ähnliches inhaltsvolles Wortpaar - allerdings ist im Deutschen der Inhalt inzwischen weitgehendst verloren gegangen. Heute denkt der Zuhörer nur noch "der Wald in Deutschland" und gut ist es.

Volker
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Re: Nachteile?

Beitragvon Volker » 5. März 2007 11:11

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ein hochinteressantes Thema. Es gibt natürlich auch Wörter, die sich einfach nicht so ohne weiteres übersezten lassen. Spontan fällt mir da samfällighet, gillestuga und krisgrupp ein. Dies erklärt auch, warum Wörter von einer Sprache in die andere hineinwandern und dabei noch eine Bedeutungsverschiebung erfahren. Gerade letzteres führt dann auf Grund der Sprachverwandtschaft zwischen Deutsch und Schwedisch zu vielen Verwechslungen.

Neulich wollte ich eine Versicherung abschließen und schrieb in meiner Schusseligkeit: "Härmed vill jag avsluta försäkringen.", was so verstanden wird, dass ich die Versicherung beenden möchte. Als ich stark erkältet war, wollte ich mich etwas zurückziehen, um meine Nase zu schneuzen. Ich sagte dann: "Ursäkta, jag måste snusa." Zum Glück zeigen die Schweden dafür Verständnis und Humor (mit snus = so etwas ähnliches wie Kauttabak in kleinen Beuteln, die man sich in den Mund schiebt, kann ich nichts anfangen).

Zum Troste hat sich nach meiner Erfahrung herausgestellt, das die Fachsprache, also die Sprache die für den Beruf, relativ leicht in den Griff zu bekommen ist.

Peter i Klackbua

Re: Nachteile?

Beitragvon Peter i Klackbua » 5. März 2007 15:31

Manchmal passieren einem einfach solche Kloppse - ich wäre vor Jahren auch einmal fast im Boden versunken als ich im Eifer des Gefechts glatt heller und också nach bester deutscher Manier verwurstelte... :)

legionnaire

Re: Nachteile?

Beitragvon legionnaire » 5. März 2007 15:59

hej nobse,
eigentlich bin ich ja kein Neidhammel, aber etwas beneide ich Dich doch für die vier Wochen in Schweden.....
Guten Fang....oder besser Petri Heil
hejdå Gerd


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