klacknack hat geschrieben:
.. Übernachten möchte ich im Zelt in der freien Natur (Wildcamping) um die Natur besser erleben zu können.
Dieser Plan mag etwas ungewöhnlich sein, bin offen für verbesserungsvorschläge.
Also meine Fragen:
1. Wie ist das Wetter für gewöhnlich um diese Zeit in Schweden?
2. Habe mich über das Jedermannsrecht bereits informiert und bin davon begeistert. Nur frage ich mich: In der freien Natur Schwedens gibt es ja Elche, Wölfe und auch Bären. Besonders Letzteren möchte ich ungern über den Weg laufen. Gibt es Dinge die ich dafür beachten sollte?
3. Habt ihr eine Empfehlung für eine gute Schwedenlektüre? Wenn möglich sollte diese eine ausreichend detaillierte Landkarte und Empfehlungen für Sehenswürdigkeiten beinhalten.
4. Hat jemand bereits eine Tour durch Schweden gemacht und kann mir eine gute Route empfehlen? (damit meine ich nicht nur Motorradfahrer, gerne auch mit Auto oder Campingwagen gefahren)
Weitere Fragen fallen mir im Moment nicht ein, ich freue mich über jede Art von Rückmeldung, Tips, Hilfe, ...
Wie gesagt, habe noch keine Erfahrung mit Schweden gemacht, will dies aber unbedingt ändern.
gruß,
Alex
Hi Biker,
eine Tour mit dem Mopped durch Schweden kann alles mögliche werden, von supergeil bis ätzend mies.
Zuerst einmal solltest du dich von den romantischen Vorstellungen des Jedermannsrechts trennen, die jeden Anfänger (auch mich in jungen Jahren) auf die Idee bringen, man findet überall einen Übernachtungsplatz, weil man es ja darf. Das ist nicht so !
Speziell in Südschweden.
Es ist schon richtig: prinzipiell kannst du fast überall übernachten. In der Realität sieht es aber so aus, das du durchaus lange nach geeigneten Plätzen suchen musst, wenn du dich nicht am Strassenrand zur Übernachtung betten willst. Das ist in der Urlaubssaison auch nicht unbedingt empfehlenswert, es gibt (südost-)europäische "Urlauber", die nicht zur Erholung nach Schweden reisen, die Polizei vor Ort hat Tips und auch an vielen Rastplätzen kann man sich die Warnplakate durchlesen (beherzigen sollte man sie sowieso).
Wälder gibts zwar genug, aber am Ende vieler Wege stehen Häuser, dort sollte man sein Zelt nicht aufbauen. Auch die Landkarten zeigen viele Seen, nur kommst du selten an einen geeigneten Uferplatz. Die guten Uferplätze sind meist Privatbesitz, da stehen Häuser. Die wenigen freien Stellen sind oft feucht und verwachsen, ein Paradies für Mücken und diesen kleinen Kriebelmücken (Knots heissen die wohl), dort willst du nicht übernachten, glaub mir.
Gerade Südschweden ist vergleichsweise "dicht" bevölkert, da kommst du am Besten, wenn du entweder eine Tour mit festen Übernachtungen planst, oder dir eine selbst zusammenstellst, in der du dich von einem Zeltplatz zum nächsten planst oder eine zentrale Stelle als Ausgangspunkt nimmst.
Ich hab das meistens so gehalten, das ich mich im Vorfeld des Urlaubs nach einer billigen Hütte umgetan hab - am Besten eine mitten im Wald, ohne See und sonstige Verteuerungen - die soll ja nur als Übernachtungs- bzw "Basislager dienen.
Die gibts so je nachdem zwischen 100 und 200 Euronen. Von da aus mach ich dann Tagesausflüge, wo ich abends zum übernachten wieder in der Hütte bin.
Das Gepäck und das Fresszeug ist da gut untergebracht, man muss es nicht immer mitschleppen. Pack dir nen Schlafsack ein, Bettzeug ist meist nicht in den Hütten.
Das ist eindeutig stressfreier, als wenn du jeden Abend vor dem Problem stehst, einen geeigneten Nachtplatz zu finden und in der Beweglichkeit schränkt es dich nur unwesentlich ein.
Wettermässig solltest du selbst im besten Sommer immer mit kurzen Schauern rechnen, Regenkleidung also immer dabei haben. Ansonsten kann es im Sommer sehr warm werden, wie bei uns im Großen und Ganzen.
Tiere siehst du meistens nur als überfahrene Leichen am Strassenrand, Bären gibts da nicht, wo du hinwillst und das andere Viehzeug hat mehr Angst vor dir als du vor ihnen.
Verlass dich nicht auf die Angelei als Nahrungsversorgung, zumindest ich hab die Erfahrung gemacht, das man immer dann keine Fische fängt, wenn man sie am nötigsten braucht. Pack dir bissel Trockenverpflegung ein, Nudeln und so Kram, frische Lebensmittel kannst du auch vor Ort kaufen, die Preise sind nicht soo weit weg von denen hier in Deutschland.
Der wichtigste Tip, den ich dir aus eigener Erfahrung geben kann - speziell als Motorradurlauber in Schweden : Geh auf die Leute zu, rede mit ihnen, frag nach dem Weg, bleib auf den Nebenstrassen. Hatte ich das Reden erwähnt ?
Die Leute sind im Allgemeinen unglaublich hilfsbereit und freundlich. Ich hab es schon mehrfach erlebt, das ich nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gefragt habe und im Laufe des Geprächs zum Essen eingeladen wurde.
Für solche Gelegenheiten sollte man sich auch ein kleines Präsent einpacken, ne gute Flasche Wein oder ein schöner Kräuter, sowas kommt immer gut.
Zu den Preisen lässt sich noch sagen, das Benzin so etwa wie bei uns kostet. Das Tanken ist normalerweise wie bei uns, du kannst aber auch an reine Automatentanken kommen, da brauchst du eine Visa oder EC Karte. Vergewissere dich, das die Karte für Auslandsbenutzung frei ist, ich wollte mal mit Karte tanken und musste feststellen, das meine EC Karte nur für Deutschlandweite Benutzung frei war - sollte mich vor bösen Betrügern schützen, war aber in der Situation ziemlich schaisse.
In solchen Fällen hilft es, mit ein paar Kronen zu wedeln und den nächsten Einheimischen zu fragen, ob er dich auf seine Karte tanken lässt und du ihn bar auszahlst. Von zehn Leuten, die du fragst, sagen elf Ja.
Hatte ich erwähnt, das die Schweden unglaublich freundlich sind ?
In knapp neun Jahren hab ich nur zwei Stinkstiefel erlebt, und das waren Auswanderer aus Deutschland

Kann natürlich gut sein, das ich da nur Glück gehabt habe, aber die Bilanz ist schon beeindruckend.
Viel Spass und immer reichlich Kurven !