Mobbing schwedischer Alltag

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Aelve
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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon Aelve » 3. März 2009 13:34

Hallo,

umgedreht muß man aber auch aufpassen, dass man nicht laufend denkt, dass man von einigen komisch angesehen wird. Es kann ja durchaus sein, dass jemand einen mit einer außergewöhnlichen Kleidung anschaut, weil er es schick findet. Oder blonde Schweden finden jemanden mit dunklen Haaren und dunklem Teint einfach hübsch. Oder im Orient wird jemand bewundernt angeschaut, weil er so lange blonde Haare hat.

Richtiges und sogar krankmachendes Mobbing und nur komisch gucken liegen doch noch sehr weit auseinander.

Grüße Aelve
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nysn

Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon nysn » 3. März 2009 13:43

Gleichzeitig denke ich aber auch, dass man, einmal diesen Vorstellungen anderer ausgesetzt, immer wieder danach sucht. Es liegt nunmal in der Natur des Menschen, dass er Bestätigung für seine Meinungen sucht.


Auf meinen persönlichen "Fall" bezogen, mag es schon auch zutreffen, dass ich etwas besonders empfindlich bin. Schließlich durfte ich "Mobbing" in der Schule - bei uns hieß das damals noch harmloser "Hänseln" auch schon erfahren ...

Was mich in/an Schweden stört und was mir auch auffällt, sind diese ständigen Versuche sog. "Normalfälle" zu definieren. Ich kenne kein anderes Land in Europa, wo man ähnlich ständig so bemüht ist, alles einzuordnen, einzukasteln, wie in Schweden.

Und wenn man dann permanent solche "Schablonen" - "mallar" - kreiert, dann schafft man auch die Voraussetzungen zum Abgrenzen/Ausgrenzen. Immer wird es welche geben, die aus dem Rahmen herausfallen.

Ich finde das anstrengend - und daher finde ich auch, dass gerade Schweden ein schwieriges Land für Menschen ist, die etwas mehr individualistischer sind.

Schweden ist nicht "Pippi Langstrumpf" sonder eher "Tommy und Annika" ...

so habe ich beispielsweise neulich wieder gelesen:

"Vi lever i ett tekniskt och komplicerat samhälle där det är viktigt att snabbt kunna klassificera varandra"

... Genau das ist für mich typisch schwedisch und daher gibt es meiner Meinung nach mehr Probleme mit Mobbing/Diskriminierung und Kränkung - einfach, weil die Voraussetzungen in dieser Art von Gesellschaft dafür günstiger sind.

S-nina

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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon Aelve » 3. März 2009 14:07

Hallo S-Nina,

ich habe mal eben gegoogelt, weil ich immer glaubte, dass durch die extreme Arbeitssituation in Deutschland in Firmen das Mobbing besonders hoch angesiedelt ist.
Dabei habe ich diesen Link aufgetan:

http://mobbing.seitenstark.de/index_w.a ... &titelid=7

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausl ... 37,00.html

http://www.spiegel.de/schulspiegel/lebe ... 43,00.html

http://www.kinofenster.de/filmeundtheme ... 6/mobbing/

Ich will zwar nicht abstreiten, dass es in Schweden mit Mobbing auch schlimm ist, aber nur zu bedenken geben, dass gerade in Regionen, in denen der Verdrängungswettbewerb groß ist, das Mobbingrisiko noch größer ist oder noch weniger dagegen vorgegangen werden kann.

Grüße Aelve
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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon nysn » 3. März 2009 14:32

Danke Aleve für die Links - besonders, weil es ja auch schwedische Beispiele gibt.

Darin wird auch bestätigt, dass besonders häufig Menschen gemobbt werden, die rein äusserlich "anders" sind als der Rest der Gesellschaft.

Daher ist Schweden vielleicht auch anfälliger, weil es hier gesellschaftlich eher so ist, dass Einheitlichkeit angestrebt wird.

Interessant - Zitat aus deinen Links:

Als besonders gefährdet gelten Menschen, die sich durch ein oder mehrere Merkmale von der Gruppe abheben, zum Beispiel durch die Sprache, einen anderen Sozialstatus (z. B. Alleinerziehende) oder äußere Auffälligkeiten wie Kleidung, Haare oder das Verhalten. Die Mobbinghäufigkeit liegt bei Behinderten nach wissenschaftlichen Untersuchungen in Schweden fünfmal so hoch wie bei nicht behinderten Mitarbeitern.


In dieser Beziehung ist Schweden absolut kein Vorzeigeland.

S-nina

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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon janaquinn » 3. März 2009 14:56

Hej Nina,
das Mobbing Behinderter kann ich nun wiederrum nicht bestätigen, zumindest nicht für Schweden, Ausnahme unser Ex-Vermieter in Stuvsta.
Ich kann hier ohne Probleme, ohne Getuschel und ohne Geglotze mit meinem Sohn durch die Strassen laufen, in Deutschland das gegenteilige Bild, bis hinzu bösartigsten Sprüchen, die ich nicht wiederholen werde. Dies haben wir sowohl in München als auch in W´tal erlebt...sind also keine Erfindung oder nur regional bedingte Phänomene.

Ich empfinde die gesellschaftliche Akzeptanz Behinderter Menschen in Schweden als normaler und besser als in Deutschland, wo wir irgendwann nur noch sehr ungern unterwegs gewesen sind.

LG JANA
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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon Rwitha » 3. März 2009 15:06

S-nina hat geschrieben:Kinder und Alkoholiker ... so habe ich mal gehört ... sagen immer die Wahrheit.


Das sollte dann wohl "Kinder und Betrunkene" heißen und damit ist wohl der Zustand gemeint, den man auch mal haben kann, wenn man nicht unbedingt Alkoholiker ist, weil dann einfach die Hemmschwellen herabgesetzt werden und man auch mal Sachen sagt .... usw. :wink:

Es heißt ja auch nicht ohne Grund "Kindermund tut Wahrheit kund" und Kinder können richtig "grausam" sein - heute nennt man es Mobbing! Ich finde es wirklich nicht gut und man sollte frühzeitg eingreifen, aber wann ist es denn noch "hänseln" und wann wird "gemobbt"?
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon Tulipa » 3. März 2009 20:10

S-nina hat geschrieben:In München fand ich es deshalb so gut, weil es wirklich viele Menschen aus verschiedenen Kulturen überall gab.
Die "Bayern" oder auch die "Münchner" reden natürlich gerne von Zugereisten oder von den Preussen ... das ist aber eher humorvoll zu nehmen. Dass das dann wirklich ernst gemeint war oder Mobbing habe ich so selbst nie wahrgenommen ...

Fremdenfeindlichkeit und auch Mobbing haben immer einen gewissen Anteil von Provinzialismus - "was der Bauer nicht kennt ..."

S-nina


Ja, dass in München selbst dies Gespöttel eher humorvoll gemeint ist, kann ich bestätigen. Bin aber auch in sämtlichen bayerischen Provinzen herumgekommen, und da schlägt Fremden reines Misstrauen oder bestenfalls Erstaunen entgegen.

Ich habe noch im Ohr, wie einer meiner Chefs extra den Lautsprecher einschaltete als ihn sein Chef anrief und sich ereiferte "ja, MüSSEN wir denn eigentlich solche Leute nehmen ?!" - gemeint war ich mit meinem Hochdeutsch ...

Nun aber meine konkrete Frage: Wer kennt und nennt denn ein Land oder einen Ort, an dem Leute, die "anders" und "komisch" sind, nicht gehänselt und gemobbt oder zumindest schief angesehen werden ?
Mir fällt nämlich leider keine solche Gegend ein ...

LG
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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon nysn » 4. März 2009 09:32

Wer kennt und nennt denn ein Land oder einen Ort, an dem Leute, die "anders" und "komisch" sind, nicht gehänselt und gemobbt oder zumindest schief angesehen werden ?
Mir fällt nämlich leider keine solche Gegend ein ...


Nun ja - zwischen "Anschauen" und "Zurückhaltung" ist ja doch noch ein weiter Weg bis hin zu "Mobbing" und "Hänseln" ...

Du willst doch damit nicht sagen, dass Mobbing und Hänseln in Ordnung ist - oder?

Persönlich finde ich, ist Deutschland mit der Integration von Ausländern viel weiter gekommen als Schweden. Gerade auch deshalb, weil man sich nicht immer so hervortut damit, sondern es einfach praktiziert.

Auf dem Land mag es Unterschiede geben - aber in den größeren Städten, wie z. B. auch München habe ich die Leute bisher in der Regel aufgeschlossener erlebt, als wenn ich hier mal zum Vergleich Göteborg nehme (die 2. größte Stadt des Landes).

S-nina

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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon Tulipa » 4. März 2009 10:38

S-nina hat geschrieben:Du willst doch damit nicht sagen, dass Mobbing und Hänseln in Ordnung ist - oder?


SELBSTVERSTÄNDLICH NICHT. Ich bin nur leider nicht so optimistisch, zu glauben, dass es immer und überall vermieden werden kann.

Manchmal habe ich sogar in S den Eindruck, es gehört sich hier, Aussenseiter betont mit einzubinden bzw. niemanden als solchen hinzustellen. Wenn z.B. bei Kindergeburtstagen grundsätzlich die ganze Klasse eingeladen wird. Also auch Kinder, mit denen das Geburtstagskind sonst nie spielt und die es vielleicht gar nicht besonders gut leiden kann. Aber es will sich niemand den Anschein geben, jemanden aus welchen Gründen auch immer auszuschliessen.

LG
Tulipa
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Re: Mobbing schwedischer Alltag

Beitragvon nysn » 4. März 2009 10:43

Aber es will sich niemand den Anschein geben, jemanden aus welchen Gründen auch immer auszuschliessen.


Ja genau, darum geht's - um den ANSCHEIN ...

es ist in Schweden (und das ist meine persönliche Ansicht nach 14 Jahren hier im Land) wichtig, dass man nach aussen hin "korrekt" und "konform" auftritt - das, was man hinter dem Rücken anderer sagt oder denkt, ist oft etwas ganz anderes.

Daher ist es ja ein Problem mit dem Mobbing gerade mit Kindern in der Schule - die Eltern zu Hause vertreten oft eine andere Meinung, als die die von außen, politisch korrekt, gefordert wird.

Wenn es dich interessiert, in welchen Schulen in Schweden am meisten gemobbt wird, dann mach mal einen Ausflug in die nordöstlichen Stadteile von Göteborg. Meine Empfehlung:
Bergsjön, Biskopsgården, Angered ...

S-nina


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