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Schweden
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Schweden und Norwegen - Fähre, Urlaub, Reisen & Meer

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 Betreff des Beitrags: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 10:55 
Schwedenfreund
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Guten Morgen,

anstatt immer nur euch hier etwas vorzujammern, engagiere ich mich zunehmend im Elternverein der Schule. Ich habe dem Vorsitzenden nun gleich eine ganze Liste mit Dingen gegeben, die unsere Familie als diskussionsbedürftig ansehen.

Der war auch sehr erfreut und interessiert und ich habe den Eindruck, da wird es konstruktiv vorangehen. Gestolpert bin ich aber darüber, dass er sagte,
"wie üblich werden diese Vorschläge so vorgebracht, dass niemand erfährt, von wem sie kommen".

Warum das? Ich habe kein Problem, mit meinem Namen zu meiner Meinung zu stehen.
Und schlimmer: ist dies die Vorbildfunktion für die Schüler? Dass man Ansichten und Kritik, wenn überhaupt, nur anonym vorbringen soll? Ist es nicht Ziel, die Kinder zu mündigen Bürgern zu erziehen, die sich eine eigene Meinung bilden und diese dann auch offen nach aussen vertreten?

Gerade die aktuellen Geschehnisse im Wendland zeigen ja, wie viel man als Bürger erreichen kann, wenn man die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit nutzt. Und dies unvermummt und für alle sichtbar.

Mal wieder nur eine Kuriosität der schwedischen Schule? Oder ist es gesellschaftliches Ziel, möglichst anonym und unerkannt zu bleiben?
Die Antwort des Vorsitzenden steht noch aus, bin ich ja gespannt. Oder was meint ihr?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 13:52 
Schweden Guru
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Oha, wenn du dir da mal nicht Unannehmlichkeiten eingehandelt hast!
Es ist absolut unueblich in Schweden Kritik vorzubringen! Dann noch auf die Art und Weise - anhand einer schriftlichen Liste...
Tut mir leid das so sagen zu muessen, aber dies ist eine weit verbreitete "schwedische Mentalitätsmacke", wie ich das mitunter nenne. Ich glaub allein auf das Wort Kritik reagieren viele Schweden schon allergisch, und Verbesserungsvorschläge??! Ja warum das denn? Ist doch alles ok.
Als Zugewanderter sieht man natuerlicherweise vieles mit anderen Augen. Dinge, die Schweden durchaus nicht als verbesserungs- oder diskussionsnötig ansehen. Wir als Deutsche haben durch unsere Geschichte gelernt wie wichtig es ist Dinge zu hinterfragen und offen zu kritisieren. Diesen Hintergrund haben Schweden nicht!
Naja, und vielleicht möchte dich der Rektor tatsächlich schuetzen vor unangenehmen Reaktionen (die sich leider sehr unterschwellig und diffus einstellen könnten, da sind manche Schweden wirklich klasse drin).

Aber ich wuensch dir natuerlich viel Glueck!
(Um welchen Diskussionsbedarf ging es dir denn so?)

LG
Heike

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 14:25 
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Hallo Tulipa,

ja das muss ich Heike Recht geben. Hoffentlich hast Du Dich damit nicht in die Nesseln gesetzt. So etwas ist hier total unueblich, wenn nicht sogar verpönt.

Du zietierst das Wendland, ja die bewundere ich auch sehr. Aber hast Du schon mal gelesen oder erlebt, dass hier in Schweden jemand gegen Atomkraft demonstriert. Ich habe meinen schwedischen Mann neulich gefragt, wo denn der schwedische Atommuell hinkommt, er wusste es nicht. Ich glaube das kaum jemand weiss was damit passiert. Hier wird "noch" alles hingenommen was vom Staat oder von oben kommt, ganz nach dem Motto der Staat sorgt schon dafuer das es uns nicht schlecht geht.

Wenn Du weiter an dem Thema interessiert bist, kann ich Dir nur empfehlen, das Buch "Alptraum Schweden" zu lesen, es lohnt sich. Dort kann viel ueber die Mentalität in Schweden lernen.

Gruss

Speedy


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 19:49 
Schwedenfreund
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Beiträge: 679
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Hej,

danke für eure Rückmeldungen. Dass hier offene Kritik unüblich ist, ist mir natürlich bekannt. Trotzdem sehe ich das nicht so tragisch, wie ihr es darstellt. Und selbst wenn, sollte man sich deswegen von der eigenen überzeugung abbringen lassen?

Hier im Elternverein ist zumindest eine Handvoll rühriger Eltern, die regelmässig durchaus hinterfragen und Verbesserungsvorschläge machen. Und dass ich ihm eine Liste maile, hat der ordförande (nicht Rektor) ausdrücklich gewünscht und dann kurz geantwortet, er stimme in allen Punkten zu und ich glaube ihm (oder sind das wirklich alles nur Heuchler hier :roll: da vertraue ich doch meiner Menschenkenntnis + Bauchgefühl).

Ich habe mich ja nur an der selbstverständlichen Anonymität solcher Beiträge gestört. Na, darauf steht die Antwort noch aus, wir werden sehen.

Aber ihr, die ihr das als so grosses Vergehen seht, in Schwerden offene Kritik zu üben, wie lebt ihr damit?
Stört euch das nicht, oder schluckt ihr alles herunter, oder habt ihr nie etwas auszusetzen bzw. Änderungsvorschläge?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 20:30 
Alter Schwede
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Hej Tulipa,

doch, mich stört das sehr! Aber ich kann es nicht ändern, ausser selber anders sein. Allerdings bin ich eher vorsichtig... Nicht so mutig wie Du. Ich möchte mich nicht so schnell in die Nesseln setzen. Aber ich sage schon auch was ich denke. Noch gings immer gut... :)
Und ich weiss auch, dass sogar manche schwedischen Eltern in vielen Dingen zustimmen. Sie machen sich teils die gleichen Gedanken und stellen die gleichen Fragen. Ausser mir sagt nur leider niemand was... das finde ich total doof. Ich bin dann die Dumme und dann noch als Ausländerin. Das Problem habe ich ja auch mit den Betreuungszeiten im Kindergarten. Ich bin diejenige, die sagt, dass das doof ist. Die Schweden belügen den Kindergarten und die Kommue und machen es heimlich. So sagen sie es mir jedenfalls. Das finde ich doof, dass man das muss oder soll. Warum nicht ehrlich für sein Recht kämpfen, und für das anderer? wenn jeder heimlich macht was er denkt und es nicht sagt, merkt ja auch niemand, wo das Problem liegt. Das gilt auch für den Umgang im Krankenhaus. Warum sagt niemand was wenn er sich schlecht behandelt fühlt? Eine Frau, die nach der Geburt bei mir im Zimmer lag, hat heimlich einen Schnuller und ein Stillhütchen benutzt, weil die Hebamme es ihr untersagt hatte. Hallo??? Die Frau ist erwachsen und darf doch bitte selber entscheiden ob sie einen Schnuller möchte oder nicht. Die können/dürfen/sollen ihr natürlich gerne den neuesten Stand der Forschung oder die Haltung des Krankenhauses sagen aber die Entscheidung liegt doch bei der Frau. Und wieso macht sie es heimlich und sagt nichts? Sie hat sich benommen wie ein Schüler, der bei der Prüfung heimlich das Lösungsbuch unterm Tisch hatte... Merkwürdig. Und ich habe heute gehört, dass sie nicht die Einzige ist, die das erlebt hat und genauso gemacht hat.
Scheint also normal zu sein, dass man nichts sagt...

Grüsse
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 21:14 
Schwedenfreund
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Beiträge: 336
Man geht gerne den Weg des geringsten Widerstandes :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 21:52 
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Beiträge: 172
Wohnort: Varberg
Jaaaaaaaa das ist das beste.....


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 9. November 2010 22:09 
Schwedenfreund
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Beiträge: 679
Wohnort: Westküste
hmmm, aber wie verhaltet ihr euch z.B. bei den regelmässigen Elterngesprächen in der Schule? Dort ist man doch ausdrücklich aufgefordert, alles zu sagen was man (bezüglich der Schule) auf dem Herzen hat.

Wir tun dies auch immer, wobei ich dort gern meinen Mann reden lasse. Einfach deswegen, weil er länger in Schweden ist und besser als ich den angemessenen Ton trifft. Inhaltlich sind wir beide uns aber immer einig. Und wir haben uns auch schon gefragt, wie denn die utvecklingssamtal bei anderen ablaufen: Fragen die auch so viel kritisch, oder machen die wie bei den allgemeinen Elternabenden nur freundlichen smalltalk? Es ist jedenfalls nicht so, dass die Lehrer versuchen, Fragen abzubügeln. Oder wenn, dann wohl nur so indirekt, dass ich das wiederum gar nicht merke :)

Und selbstverständlich haben wir alle Themen, die wir nun dem Elternverein zuleiteten, vorher mit dem entsprechenden Lehrer versucht zu klären. Und schriftlich in jedem Punkt "vi upplever" = "auf uns wirkt das so" formuliert, Ich-Botschaften nehmen doch angeblich die Aggressionen.

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 01:02 
Schwedenfreund
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Beiträge: 767
Wohnort: Insel Orust
Hej Tulipa

also ich kann Dir nur hundertprozentig zustimmen und finde es sehr gut dass Du nicht nur "das heilige Gebot" der Kritiklosigkeit brichst sondern noch zur Bestärkung Deines Standings auf Namensnennung bestehst. Ich denke die Botschaft wird ankommen...nicht negativ.

Nachdem ich mich einigermassen an die schwedische Mentalität gewöhnt habe, habe ich mich oft in vielen Situtatioen gefragt, ob ich auf "Ruecksicht" des allgemeinen Verhaltenskodex auf meine Art der Diskussionskultur verzichten sollte und nicht meine Meinung offen kundtun sollte...unbequem oder nicht.

Wenn ich Zeit hatte darueber nachzudenken (meist ist bei mir die Zunge schneller als der Verstand),
habe ich mich meistens dafuer entschieden----denn muss ich gleicher sein als die Schweden selbst?

Die Resonanz war bisher sehr unterschiedlich von Ablehnung bis offene Diskussion.

Nur GERADE bei den Elternabenden und persönlichen Gesprächen mit den Lehrern, äussere ich ALLES was mir auf dem Herzen liegt, angesprochen werden sollte oder mich ärgert.

Im Kiga habe ich beim Elternabend mal zur Diskussion gestellt, warum es denn sein muss, dass Kinder die sich am Nachmittag eigentlich zum SPIELEN besuchen dann gemeinsam FERNSEHEN :roll:
Zu meiner Ueberaschung wurde recht offen und auch direkt darueber diskutiert.

Beim letzten Gespräch mit der Lehrerin (1.Klasse) wurde meine Tochter als sehr folgsam und lieb beurteilt(nur weil sie am Pult sitzen bleibt beim Untericht und nicht wie ihre Mitschueler auf dem Boden rumtollt/kugelt ect.)-
3 Sätze später meinte die Lehrerin, ich sollte meiner Tochter sagen, sie duerfte bei der Vorlesestunde zukuenftig nicht mehr malen, sie wurde es nur Kinder erlauben, die sich sonst während des Vorlesens nicht ruhig verhalten könnten. :shock:
Zugegeben, ich war ein wenig perplex von dieser kuriosen Einstellung und nicht besonders diplomatisch, aber ich habe ihr direkt gesagt, dass ich diese "pädagogischen" Argumentation nicht nachvollziehen kann und ich es meiner Tochter nicht erklären werde.
Wozu auch, sei mir Gerechtigkeitsinn wichtiger und warum muss ein Kind durch Malverbot "bestraft" werden, was sich ruhig verhält?? ...denn so stellt es sich dem Kind ja wohl dann dar...

Beim nächsten Elternabend war es mir ein Freude dies zur Sprache zu bringen...etwas anders verpackt von der Thematik aber ganz offen...warum können unsere Kinder nicht ruhig am Tisch sitzen ...warum herrscht so ein Chaos in der Klasse...was kann man im Elternhaus tun..wie schnell kann man das Problem ändern
...es wurde eine spannende Diskussion :wink:

Aber mal ehrlich, ist es nicht einfacher sich treu zu bleiben als sich zu verstellen,
positiver Nebeneffekt, umso schneller trennt sich dann auch der Spreu vom Weizen und man findet so auch "Gleichgesinnte" unter den Schweden und eventuell mehr als erwartet...vielleicht gibt es mehr die auf einen kleinen Anstoss warten, als man zuvor glaubt.

Lg
Heike


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 10:44 
Schwedenfreund
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Danke liebe Heike, dein Posting ist genau das, was ich jetzt brauche!

Und ja, es kann SPASS machen, nicht nur im Meinungsgleichheitsstrom mitzuschwimmen.
Ich selbst werde mich und meine Lieben weiterhin aus manchen Dingen heraushalten, die uns nicht passen. Aber ich werde mich nicht verstellen; wenn ich etwas sage, die (natürlich möglichst freundliche) Wahrheit.

Ich fühle mich gerade richtig beflügelt. Ich dachte eigentlich, mich hat nun auch die triste Herbststimmung erwischt, aber das war wohl nur diese lähmende Passivität.

Ach ja, aber um auf meine Ausgangssorge zurückzukommen: wie werden unsere hier sozialisierten Kinder den Spagat zwischen Meinungskonsens und der Freude an eigenen Gedanken schaffen?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 10:50 
Schwedenfreund
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ach ja und noch etwas,
zumindest hier in unserem Umfeld wird Kritik nicht grundsätzlich immer negativ aufgefasst. Der harte Kern im Elternverein kocht seit einiger Zeit mehr im eigenen Saft und scheint echt froh über neue Anregungen. Und die kommen von mir und sicher auch von einigen von euch doch aus einem ganz anderen Blickwinkel und mit ganz anderen Erfahrungen im Hintergrund als bei den Einheimischen. So etwas kann doch eigentlich nur vorteilhaft sein, oder?

Na, ich werde euch auf dem Laufenden halten.

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 11:05 
Schwedenfreund
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und gerade kam die Antwort auf meine Frage, warum Beiträge von aussen immer anonym behandelt werden: das machten sie aus Gewohnheit so, weil ja oft heikle Dinge betroffen sind.

Wenn dies "gewohnheitsmässig" durch "auf speziellen Wunsch" ersetzt wird, wäre das doch schon ein Erfolg, oder?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 11:33 
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Absolut Tulipa!

Wie gehe ich damit um?
Nun, ich denke ich habe es mir angewöhnt mich vorsichtig vorzutasten. Bei Leuten, die ich nicht kenne bin ich mit Kritikäusserungen sehr vorsichtig, bei manchem, den ich schon länger kenne und ihn besser einzuschätzen weiss, bin ich offener mit meiner Meinung. Dann passiert es oft das Zustimmung kommt. Wenn, diskutiere ich gern oder hinterfrage das Gesundheitssystem.
Die Reaktionen darauf sind zwar Zustimmung, aber die Schweden mit denen ich darueber spreche nehmen es als Schicksal oder empfehlen einem Privatvård, wie sie selbst es tun. Entspricht zwar nicht gerade meinem Gerechtigkeitsdenken, besonders wenn ich dann an Leutchen denke die sich das auf gar keinen Fall leisten könnten, aber irgendwie findet sich keine andere Lösung. Wenn die Mehrzahl kapituliert hat, was kan ein einzelner (Ausländer!) dann schon bewegen?!?
Ich glaub fast, mit der Zeit passt man sich tatsächlich irgendwie an...

LG
Heike
... die sich frueher gern und mit Vorliebe aufgrund ihrer Direktheit in die Nesseln gesetzt hat ;-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 11:58 
Schwedenfreund
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HeikeBlekinge hat geschrieben:
Absolut


hmmm :) , wieder so etwas, worüber ich manchmal nachdenke.
Die typische Antwort, wenn ich SchwedInnen gegenüber meine Ansichten verbreite.
Dazu ein weiter freundliches, aber irgendwie steinern werdendes Gesicht.

Wie soll man das verstehen? Dass sie genau das Gegenteil meinen, aber sich nicht trauen das zu sagen? Oder dass sie denken, du kannst mich mal ...? Oder habe ich sie tatsächlich überzeugt?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 16:45 
Schweden Guru
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Tulipa hat geschrieben:

Und ja, es kann SPASS machen, nicht nur im Meinungsgleichheitsstrom mitzuschwimmen.
Tulipa


Hallo Tulipa,

Deine Einstellung gefällt mir und es gibt den guten Spruch:

Wer nicht gegen den Strom schwimmt, gelangt nicht an die Quelle.

Ich bin auch so eingestellt, dass ich offen sage, was ich denke, denn wie sollen sich sonst Sachen ändern oder verbessern, wenn niemand etwas sagt? Es hat mir bis heute nicht leid getan, dass ich mich nicht verbiegen ließ, als wir mit Lehrkräften und Schule zu tun hatten. Denn auch in Deutschland mögen Eltern gegenüber Lehrkräften nicht so richtig aufbegehren. Wenn man aber alleine mit den Eltern sprach, dann gab es jede Menge Kritikpunkte, nur ansprechen mochte die kaum jemand.
Es ist gut, wenn sich Eltern aus der Masse der Ja-Sager hervorheben, man kann es ja auch so sehen, dass man mitdenkt und Verbesserungen für alle erreichen möchte. Außerdem denke ich, dass es wichtig ist, Kritikpunkte anzusprechen, damit über die Sache geredet wird. Evtl. gibt es ja Gründe, warum irgend etwas so oder so läuft, wenn nie darüber gesprochen wird, dann kann es zu Missverständnissen führen. Durch eine Aussprache jedoch wird vieles transparenter und klarer.
Wenn man diese Motivation mit anspricht, kann im Grunde doch niemand böse sein, dass man Gesprächsbedarf bzw. Änderungswünsche hat.

Grüße Aelve

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Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 17:39 
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Zitat:
Wie soll man das verstehen? Dass sie genau das Gegenteil meinen, aber sich nicht trauen das zu sagen? Oder dass sie denken, du kannst mich mal ...? Oder habe ich sie tatsächlich überzeugt?


Ich persönlich glaube: Rein gar nichts davon!

Es ist halt nicht ueblich. Nicht mehr und nicht weniger!
Vielleicht wird es als aufdringlich empfunden, als unhöflich, unpassend.
Vielleicht können wir diese Art Mentalität einfach nicht nachvollziehen, weil wir schlicht und einfach nicht mit ihr aufgewachsen sind!?

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 22:59 
Schwedenfreund
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Das Kritik aus Gewohnheit anonym geäussert wird, hat aber auch Vorteile. Da viele Schweden eben "konflikträdd" sind (schon mal bemerkt dass im Laden eigentlich nur "invandrare" und "knäppisar" "tjafsen") erleichtert es es ja für genau diese endlich mal ihre Meinung kundzutun und Kritik zu äussern.

Ausserdem wer viel kritisiert/anmerkt, gilt gerne als Nörgler, was meist dazu führt dass derjenige gleich einen Ruf voraushat und damit eh nicht mehr ernst genommen wird.

Ansonsten hast du in der kommenden Diskussion ja immer noch die Möglichkeit einfliessen zu lassen, dass dies deine Kritik war.

Erzähl mal wie es gelaufen ist...

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Gnäll suger, handling duger.


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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 10. November 2010 23:31 
Schwedenfreund
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Registriert: 19. November 2008 22:51
Beiträge: 679
Wohnort: Westküste
Ja, danke, werde ich tun.

Bisher viel Vorschusslorbeeren beiderseits...

Habe ich gerade dazu einen thread im cafe gestartet, ich möchte nicht den Eindruck erzeugen, dass ich nur mit Kritik um mich haue. Genauso offen erzähle ich auch dem Fröken im Kiga, sie sei laut Aussage meiner Tochter die netteste und der Lehrerin in der Schule, eine andere Mamma habe gesagt, sie sei die beste (stimmt sogar beides).

Danke jedenfalls auch für eure Anteilnahme!

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Meinungsfreiheit
BeitragVerfasst: 11. November 2010 00:11 
Hej,

diese Frage treibt mich auch seit über 20 Jahren um. Einerseots glaube ich inzwischen auch, dass die Schweden Konflikte eher scheuen und Übereinstimmung anstreben, das sagen die sogar selbst.
Andereseits glaube ich auch, dass es da eine sprachliche Überschneidung gibt. Wenn wir auf Deutsch einen Vorschlag vorgestellt kriegen, der absolut unmöglich ist, sagen wir: Nein, das kann ja garnicht gehen, weil.... Der Schweden sagt: Jag tror det blir jättesvårt för att.. Seht ihr den Unterschied? Beide meinen eigentlich das gleiche. Sagen wir als Deutsche in diese Situation: Nej, det är ju helt omöjligt.. dann ecken wir sofort an. Der Unterschied hier ist nicht die Konfliktbereitschaft, sondern die Ausdrucksweise.

Diese sprachlichen Überschneidungen liegen vielen Missverständnissen zugrunde, die dann letztlich in Vorurteilen enden. Wer hätte gedacht, dass die Terme "akademisch" und "Elite", die im Deutschen positiv bewertet sind, im Schwedischen einen stark negativen Klang haben? "Elit" ist im Schwedischen nur im sportlichen Kontext akzeptiert.


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