Hej hej !
Imrhien´s Beitrag "Arzt ...." hat mich dazu angeregt, einmal über meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem zu berichten.
In den ersten 6...7 Jahren fand ich es richtig gut - war ich doch kaum ernsthaft krank und wenn doch einmal, gab es einen wirklich guten schwedischen Arzt, der mir helfen konnte.
Aber in den letzten beiden Jahren sah es mit meiner Gesundheit nicht immer so rosig aus (vielleicht altersbedingt, bin jetzt 64).
Der gute Arzt war mittlerweile weggezogen und ich musste hautnah die Mängel der medizinischen Versorgung erleben.
Zwei kurze Beispiele :
1) Bandscheibenvorfall - wirklich unerträgliche Schmerzen - Anruf bei der Vårdcentral: nimm "Alvedon", meine Antwort: hab ich bereits bis an die zulässige Maximaldosierung genommen, aber keine Linderung, VC: nimm halt noch mehr.
2 Tage später liess ich mich hinfahren, bekam u.a. morphinhaltiges Medikament und Krankengymnastik verschrieben.
Wünschte eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule, wurde vertröstet .... und bekam sie nie.
Einige Monate später wurde sie dann in D geröntgt und es zeigten sich ausser dem Bandscheibenvorfall noch 2 weitere Beschädigungen, die mich veranlssten, es nun "etwas ruhiger" anzugehen

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(Anlass war anscheinend das Arbeiten mit der Spaltaxt gewesen)
2) Immer stärker werdende Schmerzen in der Nieren-Blasengegend, öfter roter Urin, der lt.Aussage einer Sjuksköterska wie Blut aussah.
Bei den Tests mit Teststreifen war aber Urin immer klar gewesen, also lt. darauffolgender Aussage in Ordnung.
Blutbild- und senkung brachten auch keine Hinweise.
Aushilfsarzt (Vikarie) schrieb Überweisung für Ultraschall und Blasenspiegelung - Wartezeit 6 (!) Monate.
(hier war Ursache der Erkrankung offentsichtlich das Arbeiten unter meinem Auto (im Freien), bei -28 grd gewesen)
Die Schmerzen wurden immer schlimmer.
Die US-Untersuchung funktionierte dann aber nicht richtig, da gab ich auf und fuhr leicht verzweifelt nach D - mitten im Winter auf schnee- und eisbedeckten Strassen, mit Wohnwagen und meinen Hunden.
Die Fahrt war mehr als abenteuerlich, ich brauchte 4 Tage bis Freiburg (2600 km).
Mal schnell nach D fliegen geht bei mir nicht, weil ich hier keinen Pflege-Platz für meine Hündchen finden konnte (auch nicht in einem Hundehotel), sie sind zwar sehr lieb, aber auch sehr temperamentvoll

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Jetzt, zur absolut unpassenden Jahreszeit bahnt sich wieder ein unfreiwilliges "Abenteuer"
an: seit 3 1/2 Monaten leide ich an einer schlimmen Nebenhöhlenentzündung.
Erst jetzt, nach 3 1/2 monatigem herumprobieren mit verschiedenen Medikamenten, wird endlich mal eine Röntgenuntersuchung veranlasst, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können.
Auf das Ergebnis warte ich nun ............ .
Die Schmerzen werden immer unangenehmer, und ich habe begonnen, den Wohnwagen zu beladen !
Er hat natürlich Spike-Reifen (Dubbdäck) - damit habe ich eine reelle Chance, heil bei meiner Tochter in Freiburg anzukommen

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Ich höre/sehe täglich schwedische Nachrichten und was man da im Laufe der Jahre mitbekommt (alleine nur in Västerbotten), kann einen erschauern lassen - deswegen halte ich das schwedische Gesundheitssystem mittlerweile für menschenverachtend, jedenfalls teilweise !
Es gibt viele, sehr schlimme Beispiele hierzu, teilweise in meiner Nachbarschaft selbst erlebt.
Hier scheint sparen wichtiger zu sein, als heilen.
Hier gibt es so gut wie keine niedergelassenen Ärzte - also auch keine Konkurrenz.
Die üblichen schwedischen Ärzte sind Staatsangestellte ....... .
Fachärzte sieht man, wenn überhaupt, in grösseren Krankenhäusern - das nächste (mittelgrosse) ist 230 km entfernt, die Universitätsklinik knapp 300 km.
Die Entfernungen schrecken mich nicht so sehr, aber die endlosen Wartezeiten und das Betteln um eine Überweisung dorthin.
Wenn es mir mal richtig schlecht ging und keine Hilfe in Aussicht war, habe ich doch tatsächlich überlegt, ob ich jetzt nach 10 Jahren wieder nach D ziehen soll - obwohl ich eigentlich ein "Lappgubbe" bin, der seine Heimat liebt.
Herzliche Grüsse aus Südlappland,
Wolfgang