Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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HeikeBlekinge
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 5. April 2009 10:28

Hej Tommy,
ich kenne es von D aus absolut nicht, das Zahnfehlstellungen erst dann wenn man ausgewachsen ist korrigiert werden. Es wird, im Gegenteil, sehr frueh mit der Behandlung begonnen.
Ich kenne einen einzigen Fall wo eine Nichte von uns erst da behandelt wurde. Sie hatte allerdings einen heftigen Ueberbiss,der durch durch Verkuerzung der Kieferknochen behoben werden musste - als sie ausgewachsen war logischerweise - und dann bekam sie nochmals eine Zahnspange.
Fehlstellungen lassen sich mit Sicherheit besser in jungen Jahren beheben. Das erscheint nun ja auch mehr als logisch. Eine Skoliose wuerde man ja auch nicht auswachsen lassen oder Schuheinlagen erst im entsprechenden Alter verordnen!
Diejenigen hier, die erst vorein paar Jahren nach S gegangen sind, sollten das aus D doch noch kennen, meine ich!? Was sagt ihr? Wurde euch dort auch bei Fehlstellung empfohlen zu warten??

Also: Entweder hat dein Sohnemann eine besondere Fehlstellung oder das System will sparen. Letzteres wäre ja wirklich (mal wieder) unfassbar!
Was nun Zuzahlungen bei Kindern und Jugendlichen speziell bei Fehlstellungen/Zahnspangen in S betrifft weiss ich nicht genau Bescheid. Ich meine aber alles ist bis zum Beginn des 20.LJ frei. Muesste ich jetzt erst mal beim Lst suchen...
Und ich muesste die Mutter eines Freundes meines Sohnes fragen! Dieser hatte nämlich bis vor einiger Zeit lange eine Spange getragen (8 Jahre). Entweder war sie dann wohl hartnäckig oder sie haben einen Privaten!?

Noch was zum System:
Letzte Woche kam mein Drittältester von der jährlichen Untersuchung bei der Schulschwester. Er hatte ihr von seinen Knieschmerzen erzählt und auch das er aktiver Fussballer ist.
Er solle sich bei TeamSportia Bandagen fuer die Knie kaufen, denn er hätte wohl das Grossmuttersyndrom, das hätten 80 % aller Schweden bis zum 21 LJ. Dann ginge es vorbei.

Ich möchte ja gar nicht abstreiten das sich das auswächst, solche Beschwerden gibt es bei manchen Menschen und unser Sohn hat das sicher.
Bloss wie die Schulschwester damit umgeht (gehen muss?) lässt mir wieder mal die Haare zu Berge stehn. Betroffene sollen fuer 300 Kronen solche Dinger kaufen. Klasse! Und falls was ernsteres hinter Knieschmerzen steckt, dann hat man ja Zeit bis zum 21 LJ...
Genau so säuerlich war ich als sie mittels eines Schreibens letztes Jahr Eltern empfahl bei ihren Kindern Wunden (durch Impetigo contagiosa - trat seuchenmässig auf) mit Wasserstoffperoxid, welches man sich in der Apotheke besorgen solle, auszuwaschen. Von mir bekam sie einen Zettel mit dem Hinweis das mein Juengster (den es heftig erwischt hatte) erst dann wieder zur Schule käme wenn es ausgeheilt sei - auch bei anderen!

So - jetzt widme ich mich lieber erfreulichen Dingen und gehe in den Garten. Frischluft und Bewegung! Man muss ja tuechtig vorbeugen, denn in meinem Alter wächst sich leider nichts mehr aus :roll:

LG
Heike
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

Da kommt Freude auf

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Da kommt Freude auf » 5. April 2009 10:53

Hej,

da kommt Freude auf, immer wieder....

"Das geht Vorbei, "Abwarten", "das wächst sich aus" , " nimm ein Alvedon" sind wohl die gängigsten Behandlungsempfehlungen im schwedischen Gesundheitssystem. Diese "klugen" Empfehlungen hat man uns uns in Schweden auch oft gegeben, z.B. bei gebrochenem Zeh, Skoliose, Veränderungen im Gebärmutterhals-Zellabstrich usw. - Ja, und alles irgendwie "kosmetisch geartete" im Zahnbereich, auch für Kinder, ist ja Luxus, sowas machen nur deutsche Zahnärzte, weil sie so geldgierig sind....In Deutschland hätte mein Sohn z.B. eine feste Zahnspange bekommen, hier war das ganz und gar überflüssig....


Auf der anderen Seite kommen aber die schwedischen Gesundheitseinrichtungen offenbar überhaupt erst dann in die Gänge, wenn die Regierung ihnen (bzw. den jeweiligen landstings) eine Milliarde Kronen zur Belohnung verspricht, falls sie die (ohnehin ) vårdgaranti einhalten. Denn siehe da, plötzlich geht es offenbar (jedenfalls allmählich), nach all den Jahrzehnten extrem zähflüssiger, langsamer und unwilliger Patientenbetreuung: Svenska Dagbladet veröffentlicht heute die neuesten Fakten von Sveriges kommuner och landsting, siehe da, es rührt sich was.... es waren nur die finanziellen Mohrrüben, die gefehlt haben. Mehr Geld für ohnehin bereits bezahlte Arbeit....das man nicht früher drauf gekommen ist :-)

Köerna i olika landsting
•Andel patienter i procent som väntat längre än 90 dagar på en operation eller annan behandling:

1. Gotland: 8

2. Halland: 10

3. Kalmar: 14

9. Stockholm: 25

19. Blekinge: 35

20. Västernorrland: 38
21. Gävleborg: 39

Rikssnitt: 24 procent.


•Andel patienter i procent som väntat längre än 90 dagar på ett specialistbesök:

1. Jönköping: 12

2. Kalmar: 13

3. Västmanland och Västra Götaland: 14

6. Stockholm: 20

19. Östergötland: 36

20. Gävleborg: 42

21. Västernorrland: 45

Rikssnitt: 25 procent.

unbekannt

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 6. April 2009 08:49

Hallo,

ich habe mir bei der schwedischen försäkringskassa eine "european health insurance card" besorgt. Die Karte kostet nichts. Auf ihrer Rückseite steht übersezt": .. gibt dir das Recht zu medizinisch notwendiger Behandlung...". Das ist ja Auslgegungssache, was medizinisch notwendig ist und wie soll ich das als Laie beurteilen? Die Frage ist, auf was man im Ausland (z.B. Deutschland) achten muss, damit die schwedische försäkringskassa auch die Behandlungskosten übernimmt. Angenommen ich besuche meinen ehemaligen Hausarzt wegen anhaltender Schmerzen in der Brust und Atemnot. Ist das für die Schweden ein medizinisch notwendiger Grund oder werden die Kosten abgelehnt, weil ich ja höchstwahrscheinlich so oder so noch am Leben wäre.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Imrhien » 6. April 2009 09:49

Oder der Besuch weil man eh mal grade wieder müsste... Der wird wohl kaum übernommen, wenn der betreffende Arzt nicht akkut drauf schreibt...
Ich finde das auch recht schwer. Wobei, ich, kann ja schon verstehen, dass sie nicht jeden regulären Besuch zahlen wollen. Trotzdem... manchmal wünschte man sich einfach die Möglichkeit, wenn man eh schon mal da ist. Der Besuch beim Arzt hat ja auch was damit zu tun, wie man sich da fühlt. Da muss es ja nicht gleich um Inkompetenz oder so gehen. Ihc gehe halt gerne zu den Ärzten die ich kenne. Das habe ich auch in Deutschland so gemacht, dass ich beim "Heimatbesuch" noch einen Termin beim Gyn oder Zahnarzt gebucht habe. Warum sich woanders einen neuen Arzt suchen, wenn ich mit dem zufrieden bin? Klar, das geht halt nur solange man nichts hat und spontan mal hin muss. Aber das finde ich jetzt etwas schade, dass das so nicht mehr geht.

Grüsse
Wiebke

vinbär
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 6. April 2009 11:57

[quote="Angenommen ich besuche meinen ehemaligen Hausarzt wegen anhaltender Schmerzen in der Brust und Atemnot. Ist das für die Schweden ein medizinisch notwendiger Grund oder werden die Kosten abgelehnt, weil ich ja höchstwahrscheinlich so oder so noch am Leben wäre.[/quote

In diesem Fall wuerde wohl niemand ablehnen die Kosten zu uebernehmen. :wink:

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 6. April 2009 19:41

http://www.metro.se/2009/04/05/57206/stockholmare-ar-nojda-med-varden/

Schon irgendwie grotesk - 25 Prozent der Patienten müssen länger als 90 Tage auf Behandlungen warten, und trotzdem sind 85 Prozent der Stockholmer Bevölkerung zufrieden.

unbekannt

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 7. April 2009 16:21

Hallo Hansbear,

wenn man nichts anderes kennt, ist man damit zufrieden. Ich hatte mal bei der vårdcentral angerufen und schon 3 Stunden später hatte man mir das Blut für eine Untersuchung abgenommen. Ich musste nicht einmal 5 Minuten warten. Was will man denn da mehr verlangen?

Nur habe ich dann auf das Ergebnis eine geschlagene Woche gewartet und inzwischen ging es mir immer schlechter und erst dann bekam ich endlich einen Arzttermin, eine ausreichende Untersuchung, eine Diagnose und eine Therapie.


Vielleicht sollte man mal ein paar Details zu einem typischen Ablauf verraten. Wenn man die vårdcentral anruft, meldet sich jedenfalls hier in Finspång erst einmal eine Stimme von der Konserve, die einen auffordert nach Drücken der Raute seine Nummer mit Vorwahl einzugeben. Alternativ kann man seine Nummer auch Aufsprechen. Dann sagt einem eine automatische Stimme, wann der Rückruf erfolgt, der meistens nach 10 Minuten kommt. Es meldet sich eine Krankenschwester (mit finnischem Akzent), der man seinen Fall erklären muss. Meistens sagt sie, dass sie dazu einen Arzt fragen muss, was sie zwischen 11:30 und 12:00 machen kann. Dann bekommt man eventuell einen Rückruf und einen Termin genannt, aber nicht unbedingt gleich bei einem Arzt. Wer kein Schwedisch kann, ist verloren. Lern Schwedisch oder stirb, ist wohl die härteste Motivation sich diese Fremdsprache anzueignen. Sicher gibt es noch einen Weg sich mit Englisch oder Deutsch durzuschlagen, den kenne ich aber nicht und ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich mich blöd gestellt hätte.

schwedenoma

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon schwedenoma » 5. Mai 2009 20:19

Hallo Volker und alle anderen,
Da ich so meine Probleme mit der schwedischen Sprache habe, fahre ich gleich in die
värdcentral, dort kann ich mich auch gut verständigen. Leiter verschwindet hier in der Bürokratie so einiges. War in der värdcentral in Tranas im März und habe dort einen Termin bei einem Arzt vereinbart. Gewartet auf eine Antwort habe ich bis gestern.
Heute war ich noch einmal in der värdcentral und nun habe ich einen Termin für den 04.06.2009 bei dem distriktläkare bekommen. Auch habe ich wieder einiges dazu gelernt. Ich brauche Schmerzmittel und auch magensaftresistente Tabletten. In Deutschland brauchte ich immer ein Rezept. Nun kann ich diese Medikamente hier auch ohne Rezept kaufen. Nach dem Kauf war ich ein wenig entäuscht. Habe ich doch nur für 10 Tage Medikamente bekommen, wo ich für den gleichen Preis in Deutschland
eine Großpackung für mindestens 30 Tage bekommen hätte. Aber dafür kann ich nicht nach Deutschland fahren und für mich waren die Medikamente richtig wichtig.
Bin nun mal gespannt, was aus der Untersuchung am 04.06 2009 wird?
In Deutschland bin ich ja nur noch eine Karteileiche. Mit mir kann man kein Geld mehr
verdienen. Das habe ich in 14 Jahren meiner Krankheit erlebt?
Verzagt alle nicht, nicht alles ist schlecht?
Schwedenoma

MalwiedereinToter

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon MalwiedereinToter » 5. Mai 2009 20:52

Hej,

zum Thema schwedisches Gesundheitssystem heute mal wieder ein Artikel in Dagens Nyheter, der beschreibt, wie das (sagenhaft kompetente) Personal am Telefon trotz mehrerer Anrufe die lebensgefährliche Erkrankung eines Dreijährigen (der beim 2. Anruf seiner Mutter schon nicht mehr ansprechbar war) trotz größter Schmerzen als simple Magenerkrankung diagnostizierte und abwiegelte. Beim dritten Anruf endlich wurde Mutter und Kind erlaubt, in's Krankenhaus zu kommen. Zu spät. In ihren Armen der Knabe war tot.

Solche Berichte gibt es in Schweden regelmäßig, ich jedenfalls lese und höre sie seit 15 Jahren. Oft!

http://www.dn.se/sthlm/pojke-dog-efter- ... t-1.859096

Ich hoffe, ich werde in Schweden niemals ernsthaft krank. Meine bisherigen Erfahrungen mit dem hiesigen Gesundheitssystem reichen mir vollauf.

weristschuld?

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon weristschuld? » 5. Mai 2009 22:10

bleibt aber die Frage offen, warum eine Mutter, die sieht dass es dem Kind so schlecht geht, einen telefonischen Rat einholen will und nicht sofort den Notarzt angerufen hat oder selbst ins Krankenhaus gefahren ist.

Eine Lethargie der Eltern, die mir auch schon oftmals begegnet ist, wenn auch nicht in so einer dramtischen Form.


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