Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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sverige_aelg
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon sverige_aelg » 26. März 2009 20:57

blueII hat geschrieben:mmh, nun ich persönlich empfinde die deutsche ärtzliche Versorgung von normalen Sch7wangerschaftsverläufen zu "medizinisch". Und mir ist die schwedische Version, die Betreuung durch Hebammen viel sympathischer.

Da ich aus organischen Gründen mich VOR der Schwangerschaft sehr mit diesem Thema beschäftigt habe, bin ich auf die VErsion Hebammenbetreuung gestoßen -wird einen ja auch nicht freiwillig in D erzählt, das man das kann.
Sehr zum Mißmut meines Frauenarztes habe ich mich fast 100% auf die Hebamme und mich verlassen.
Wenn man von Beginn an sein Körpergefühl vertraut und schult funktioniert das wunderbar.
Ich hatte wahrlich keine problemlose Schwangerschaft, aber ich wußte vorher wann die Hilfe der Hebamme ausreicht oder wenn es Zeit war den Arzt zu konsultieren.

Ich weiß natürlich nicht ob es der Praxis in Schweden entspricht, aber die Hebammen sind mehr darauf geschult ,die Frauen auf ihr eigenes Körpergefühl zu konzentrieren.
Denn vor lauter US- Herztöne usw wird das Wissen um den eigenen Körper vollkommen in den Hintergrund gedrängt. Man verlernt es ja gerdazu. Anstatt auf seinen Bauch und Körper zu hören, ersehnt man nur den nächsten Untersuchungstermin. Und so manche Vermessungen oder Aussagen eines Artzes kann zudem ganz schön verunsichern.

Ganz schrecklich finde ich die Handhabung von sogenannter Risikoschwangeren, also 35Jahre+ in D.
Ohne genügende Aufklärung wird man zu Untersuchungen gedrängt, deren Risiko größer ist als das Risiko welches man ausschließen will.
Da empfinde ich das schwedische System, die Betreuung durch Hebamme ohne das der Frauenartz darauf beleidigt reagiert ,schon frauengerechter.

LG
Heike


Dem bleibt eigentlich nichts mehr hizuzufügen, eller hur?
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sverige_aelg
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon sverige_aelg » 26. März 2009 21:07

blueII hat geschrieben:
Nun, das liegt in der eigenen individuellen Verantwortung, sich vorab zu informieren, was passieren wird, um vorab entscheiden zu können, ob man was will oder nicht.
Ich habe zum Beispiel verweigert, dass man Kind diese Traubenzuckergabe nach der Geburt bekommt, da ich Angst um den Trinkwillen des Babys hatte und somit die erste hochnahrhafte Muttermilch nach der Geburt von ihr verweigert wird.
Heike


Ich denke, auch in D. gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten (Geburtshaus, Hebamme, ambulante Entbindung), aber auch hier wiegt die Frage, wo man sich lokal befindet und welches Personal gerade da ist, entsprechend. Berlin ist da sicherlich weit vorn im Gegensatz zum (bayerischen) ländlichen Raum?! Wir mussten in Berlin schließlich ins KH, auch wenn das nicht von vornherein so geplant war. Die Betreuung durch die Nachmittagsschicht war grauenhaft und unprofessionell. Zum Schichtwechsel bekamen wir eine (offenbar sehr erfahrene) Hebamme, bei der alles dann reibungslos und absolut professionell ablief. Dank ihrer Hilfe war unsere Maus dann ziemlich schnell draussen. Wir wurden auch zu nix gezwungen oder überredet, im Gegenteil, man überließ uns noch fast 2 Stunden den Kreißsaal für's erste entspannte Kennenlernen und Durst löschen :lol:
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Privat geht's besser

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Privat geht's besser » 26. März 2009 21:40

hej,

bezugnehmend auf sverige älgs folgende Aussage:

"Hier auf Lidingö haben wir die Capio Kliniken, die auf mich bisher einen sehr kompetenten Eindruck gemacht hat."

möchte ich darauf hinweisen, daß Capio Kliniken privat ist und von der (guten) Leistung her Lichtjahre entfernt vom zentralistisch gesteuerten, schluffigen postsozialistischen schwedischen Normal-Vård. Das man bei Capio kompetent betreut wird, kann ich mir aus eigener Erfahrung gut vorstellen. DAS aber ist im sonstigen schwedischen Gesundheitssystem eben nicht die Norm.

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 26. März 2009 21:49

sverige_aelg hat geschrieben:Andererseits kommen auch die meisten schwedischen Kinder durchaus gesund zur Welt und komischerweise haben die Schweden eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Wovon profitieren sie, wenn das Gesundheitssystem so grottenschlecht ist?


Ich habe mich aus den Schwangerschaftsthemen etwas ausgeklinkt, da ich da naturgemäß nicht viel beitragen kann.

Jedoch denke ich schon, dass es eine Rolle spielt, ob man werdende Eltern über Missbildungen im Ungewissen lässt oder ihnen zumindest die Möglichkeit gibt, darüber vorher bescheid zu wissen. Dass man eventuell eine schwere Entscheidung treffen muss, ist meiner Meinung nach besser, als wenn man wegen eines Ultraschall zu wenig erst gar nicht vor diese Entscheidung gestellt wird.

In dem Bericht hieß es übrigens, dass in Stockholm nur ein einziger Ultraschall bezahlt wird - und ich nehme doch stark an, dass die Mehrheit hier der Meinung ist, dass das zu wenig ist.
Hier ist ein längerer Ausschnitt aus dem Bericht: http://www.alltombarn.se/gravid/efterfragan-pa-fler-ultraljud-ger-rusning-till-privatkliniker-1.23362
Leider steht dort nicht, wie es sich auf ganz Schweden bezogen verhält, denn Malmö und Stockholm sind natürlich nur Stichproben.

Eine Sache möchte ich auch noch klarstellen: das perfekte Gesundheitssystem kann es nicht geben, denn es wird immer jemand nicht zufrieden sein. Dass das schwedische System unter deutschen Auswanderern eines der Lieblingsthemen ist, zeigt aber deutlich, dass hier einiges im Argen liegt. Daher halte ich es für wichtig, sich damit kritisch auseinanderzusetzen.

Schweden hat eine der niedrigsten Kindersterblichkeiten und eine der längsten Lebenserwartungen weltweit. Das Thema Gesundheitssystem ist letzten Endes weniger eine Frage des Überlebens als eine Frage der Lebensqualität. Wenn Leute wegen Leiden, die von einem Facharzt schnell behandelt werden könnten, monatelang in ihrem Alltag eingeschränkt sind und unter Schmerzen leiden, dann beeinflusst nicht die zu erwartende Lebensdauer, aber durchaus die Lebensqualität.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 26. März 2009 22:39

Wenn Leute wegen Leiden, die von einem Facharzt schnell behandelt werden könnten, monatelang in ihrem Alltag eingeschränkt sind und unter Schmerzen leiden, dann beeinflusst nicht die zu erwartende Lebensdauer, aber durchaus die Lebensqualität.[/quote]


und nicht nur die Lebenqualität wird eingeschränkt, auch volkswirtschaftlich schlägt das zu Buche, wenn Patienten monate-und jahrelang krankgeschrieben werden/wurden.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 27. März 2009 08:23

http://svt.se/svt/jsp/Crosslink.jsp?d=2 ... ik_1496971

Niedrigverdiener sind laut Bericht schlechter gestellt in der Krankenversorgung als Besserverdienende.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 27. März 2009 08:29

Hejsan,

gestern hate mein Juengster einen Termin beim Specialtandvård. (Endlich uebrigens). Jetzt habe ich einige Probleme mit der Ärtztin, die nicht akzeptieren will das in Tyskland eine leichte Form von Dentinogenesis imperfekta diagnostiziert wurde. Sie wollte mir einreden, die Zahnschäden kämen von Karies, der seine Ursache in Fläschchen oder zu viel Suessigkeiten hätte... Ich bin recht sauer. Mein Sohn wurde 9 Monate gestillt und Suesses trifft nicht zu!! Wir sind doch nicht verrueckt, und achten da nicht drauf wenn so etwas diagnostiziert wurde!!
Meine Frage:
Wie bekomme ich einen Tolk? Denn meine Sprachkenntnisse, gerade auf dem Gebiet, reichen absolut nicht aus mit der Ärztin darueber zu reden, das zu erklären. Ich meine mal irgendwo gehört zu haben ausländischen Mitbuergen stände dann ein Uebersetzer zu!?

LG
Heike
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 27. März 2009 08:30

vinbär hat geschrieben:und nicht nur die Lebenqualität wird eingeschränkt, auch volkswirtschaftlich schlägt das zu Buche, wenn Patienten monate-und jahrelang krankgeschrieben werden/wurden.


Stimmt - und nebenbei steigen sogar noch die Behandlungskosten, denn wer länger wartet, muss auch länger versorgt werden mit Medikamenten, Verbandsmaterial etc.

Unverhofft kam mir heute morgen dieser Podcast unter:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/928544/

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 27. März 2009 08:44

Eigentlich bekommt man den Tolk, wenn man bei der Terminvergabe Bescheid sagt, bzw. sobald das Kallelse kommt, bei der Vårdcentral/Tandvård etc. anruft, und um einen Tolk bittet. Viele Landstnget haben auf Telefontolk umgestellt, der aber auch vorher gebucht wird, wenn es möglich ist. Fuer den akuten ungeplanten Besuch gibt es auch Tolkzentralen, die innerhalb von Minuten einen Telefonuebersetzer bereitstellen.
Das sollte das geringste Problem darstellen, ansonsten viel Glueck bei der Ueberzeugungsarbeit.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 27. März 2009 08:45



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