Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 26. März 2009 10:04

Heute morgen war wieder ein Bericht über das Gesundheitssysem in der DN, dieses Mal über die Anzahl der Ärzte, die regelmäßig Überstunden machen, und zwar gesetzeswidrig.

Hier die Grafik dazu: http://dn.se/polopoly_fs/1.830426!lakaregrafik.swf

Leider sagt das überhaupt nichts darüber aus, wie hoch der Anteil der überarbeiteten Ärzte ist, denn die Gesamtanzahl der Ärzte wird nicht angegeben. Es ist aber mit Sicherheit eine interessante Fußnote zu den vermeintlich paradiesischen Arbeitsbedingungen für das Personal im Gesundheitssysem.

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 26. März 2009 11:15

Zum Thema Überstunden bei Ärzten habe ich mal auf dem Forum des Ärzteblattes gelesen:

Es soll bei Ärzten (vorzugsweise in Norrland) anscheindend ganz beliebt sein Überstunden/Wochenenddienste zu machen und zwar so viele wie möglich. Der Grund: die Stunden sind sehr gut vergütet und man kann sie später an einem Stück (2-3 Monate) "abfeiern" - z. B. während der Sommermonate. Wer dann keine Lust auf Urlaub hat, der nimmt ein "Vikariat" oder "Mietarztdienst" (hyrläkare) z. B. in Norwegen an und kann sich somit sein Gehalt nochmal etwas aufbessern.

Wie oft und wie häufig das dann tatsächlich praktiziert wird - keine Ahnung ...

interessant in der Statistik bei "Västerbotten" - "vägrar att lämna ut uppgifter" - man weigert sich also Angaben darüber zu machen ... :roll:

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Skogstroll » 26. März 2009 11:46

In Norrbotten sollte das eigentlich nicht vorkommen. Der Landsting ist so klamm, dass er Überstundensperre ausgesprochen hat und auch keine Urlaubsvertretungen mehr einstellt. Was die Versorgungssituation natürlich nicht direkt verbessert.
Da inzwischen die Hälfte aller Landstings mit Verlust arbeitet, wird es wohl woanders ähnlich sein.

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nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 26. März 2009 12:00

Habe nochmals gesucht - hier hatte ich das gelesen mit den Überstunden:

http://www.aerzteblatt.de/v4/foren/beit ... 813&page=1

Doch wie gesagt, ob das tatsächlich so praktiziert wird: Keine Ahnung.

vinbär
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 26. März 2009 12:04

In unserem Landstinget duerfen keine Ueberstunden mehr gemacht werden. Sie verfallen einfach und so regelt sich das von selbst- es macht keiner mehr welche. Dies wirkt sich natuerlich auf die Wartezeiten aus....

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 26. März 2009 12:06

Seitdem die Postings im Ärzteblatt geschrieben wurden hat sich mancherorts einiges verändert.

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 26. März 2009 12:13

Gut 800 Ärzte haben im vergangenen Jahr mehr Überstunden angesammelt als die 200 arbeitsrechtlich zugelassenen. Das berichtet die Zeitung „Dagens Nyheter“. Demnach sollen 150 Ärzte mehr als 400 Überstunden gemacht haben, einige wenige sogar mehr als 700. Dies entspricht vier Monaten Vollzeitarbeit.


... so stehts in dem Nachrichten-Thread ...

Hoffen wir, dass es nicht stimmt. Wenn man schon monatelang auf eine Operation warten muss, möchte man vielleicht auch einen Arzt treffen, der dann ausgeruht und nicht durch Überstunden gestresst ist. Wäre mir zumindest lieber. :D

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon jörgT » 26. März 2009 16:48

In Schweden errechnen sich diese Überstunden völlig anders als z.B. in Deutschland.
Es gibt sog. kompensationstimmar, die bei einem ganz normalen Dienst anfallen.
Hast Du z.B. als Oberarzt Hintergrundsdienst von zu Hause, zählt jede "Störung" bis 30 min als eine halbe Stunde, für die Du am WE oder an Feiertagen die doppelte Anzahl Freizeit erhältst. Diese Zeit geht auf ein separates "Zeitkonto" und bleibt Dir erhalten. An normalen Werktagen wird "nur" mit 1,5 multipliziert.
Die im "Vordergrund" tätigen Ärzte arbeiten im Schichtdienst, also max. 8 Stunden am Stück und nicht 32, wie in Deutschland bis vor ganz kurzer Zeit ...
Arbeitet man an einem ganz normalen Werktag länger, kann diese Zeit als "Flexzeit" abgegolten werden - sie sollte im Monat auf 30 Std. begrenzt werden.
Solche tollen Arbeitsbedingungen hatte ich in Deutschland nicht ...
Jörg :roll:

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon sverige_aelg » 26. März 2009 20:35

hansbaer hat geschrieben:Zum anderen ein Artikel zum Thema Ultraschall in der Schwangerschaftsbetreuung.

Dort wird berichtet, dass viele werdende Eltern in Privatkliniken gehen und dort für ca. 2500 kr eine Ultraschalluntersuchung machen lassen. In Malmö zahlt die Krankenkasse gerade einmal zwei Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, in Stockholm wird sogar nur eine einzige bezahlt. So wird jenseits der 13. Woche kaum noch eine Untersuchung gemacht, und viele gravierende Missbildungen können überhaupt nicht erkannt werden. Eigentlich unglaublich.


Ja, das ist so schon richtig, aber auch in D. übernimmt bei normalen Schwangerschaften die Kasse nicht mehr als 3 US-Untersuchungen. In der 20. Woche Feindiagnostik und danach noch eine, den Rest muss man auch selber bezahlen. Und wenn ich es mir so überlege, war unsere erste Schwangerschaft in D. ganz schön nervenaufreibend, weil immer mal wieder irgend ein Wert nicht i.O. war. Dann kam gar noch eine Nabelschnurablasie dazu (statt 3 nur 2 Blutgefäße in der Schnur). Was haben wir uns fertig gemacht und nicht alles ausgemalt. Und herausgekommen ist einganz entzückendes Wesen, was un jeden Tag unendlich viel Freude macht. Mal abgesehen davon: Wo ganz genau siehst Du den Vorteil, wenn Du in der 22. Woche erfährst, dass der Fötus zu 40% Wahrscheinlichkeit irgend etwas hat (z.B. Down-Syndrom durch die Nackenfaltenmessung). Dann siehst Du Dich zwangsläufig mit der Frage konfrontiert: Abtreiben oder nicht? Und eigentlich muss man diese Frage in dem Moment beantworten, wo an sich entschließt, die Untersuchung machen zu lassen. Das ist ein sehr schweres Thema.
Andererseits kommen auch die meisten schwedischen Kinder durchaus gesund zur Welt und komischerweise haben die Schweden eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Wovon profitieren sie, wenn das Gesundheitssystem so grottenschlecht ist?

P.S.: Meine Erfahrungen sind zwar auch nicht die allerbesten, aber Kassenversicherte aus D. erzählen mir zum Thema Barnvård, dass sie auch in D. immer wieder vertröstet werden und der Arzt nichts macht.
Hier auf Lidingö haben wir die Capio Kliniken, die auf mich bisher einen sehr kompetenten Eindruck gemacht hat.
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Imrhien » 26. März 2009 20:50

Es geht gar nicht alleine darum, dass man mit dem Ultraschall was findet und sich dann Gedanken machen muss. Es geht auch darum, dass man nichts findet und sich eben keine machen muss. Das hilft manchen Frauen und auch manchen Männern. Abgesehen davon, egal wie die Entscheidung Abtreibung oder nicht ausfällt, das Wissen und die Möglichkeit sich darauf einzustellen, hilft doch eher den Meisten. Natürlich kann das auch Nachteile haben und man macht sich mitunter zu sehr verrückt. Das hängt leider auch stark vom Arzt oder der Hebamme ab.
Auch wenn die Kasse eigentlich 3 US zahlt, ich kenne fast keine Frau die nur die drei bekommen hätte. Ein Arzt den ich näher kannte, meinte damals auch, dass er allein deshalb gerne mehr macht, damit sich die werdenende Eltern auf das Kind vorbereiten könnten und ein schöneres Gefühl haben. Gerade die Männer haben sonst nicht besonders viele Möglichkeiten teilzuhaben. Wenn das Kind nicht gerade tritt, während sie die Hand auflegen... naja, sie können reden und lesen und machen und tun. Spüren können sie das Kind aber eben nicht. Und da hilft der US doch ein klein wenig, sich das ganze vorzustellen und sich darauf zu freuen. Der Moment in dem man das Herz des eigenen Kindes auf dem Bildschirm schlagen sieht, der ist was besonderes. Da kann keine noch so wohlgemeinte Aufmunterung der Hebamme, dass alles ok und normal verläuft, mithalten. Bei mir war das jedenfalls so und auch bei allen Frauen mit denen ich bisher darüber gesprochen habe. Da war keine dabei die meinte, dass man die ja aus medizinischen Gründen nicht bräuchte und sie deshalb auf dieses schöne Gefühl verzichten möchte.

Grüsse
WIebke


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