Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
raisalynn
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 254
Registriert: 13. November 2008 15:18
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon raisalynn » 24. März 2009 13:34

Das kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen.

Die Tatsache, dass 15-20% aller erkannten Schwangerschaften (deutsche Statistik) zu Früh- oder Fehlgeburten führen, ist dafür einfach zu hoch. Und dass man dann häufig Frauen trifft, die das auch erlebt haben, ist dann auch nicht mehr verwunderlich.
Wobei Blutungen in der Frühschwangerschaft nicht zwangsläufig zur Fehlgeburt führen müssen. Bei meiner Schwester reichten zum Glück einige Wochen Ruhe im Krankenhaus und der Rest der Schwangerschaft verlief gut. Das war jedoch in Deutschland, ob nach den Geschichten, die ich z.T. hier lese, das auch hier in Schweden so abgelaufen wäre, wage ich einmal leicht zu bezweifeln. Insofern würde ich fast eine höhere Früh- und Fehlgeburtenzahl erwarten.
Die Wolken sind die Gedanken der Erde...

blueII
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 763
Registriert: 4. Mai 2008 21:43
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon blueII » 24. März 2009 14:09

mmh, nun ich persönlich empfinde die deutsche ärtzliche Versorgung von normalen Sch7wangerschaftsverläufen zu "medizinisch". Und mir ist die schwedische Version, die Betreuung durch Hebammen viel sympathischer.

Da ich aus organischen Gründen mich VOR der Schwangerschaft sehr mit diesem Thema beschäftigt habe, bin ich auf die VErsion Hebammenbetreuung gestoßen -wird einen ja auch nicht freiwillig in D erzählt, das man das kann.
Sehr zum Mißmut meines Frauenarztes habe ich mich fast 100% auf die Hebamme und mich verlassen.
Wenn man von Beginn an sein Körpergefühl vertraut und schult funktioniert das wunderbar.
Ich hatte wahrlich keine problemlose Schwangerschaft, aber ich wußte vorher wann die Hilfe der Hebamme ausreicht oder wenn es Zeit war den Arzt zu konsultieren.

Ich weiß natürlich nicht ob es der Praxis in Schweden entspricht, aber die Hebammen sind mehr darauf geschult ,die Frauen auf ihr eigenes Körpergefühl zu konzentrieren.
Denn vor lauter US- Herztöne usw wird das Wissen um den eigenen Körper vollkommen in den Hintergrund gedrängt. Man verlernt es ja gerdazu. Anstatt auf seinen Bauch und Körper zu hören, ersehnt man nur den nächsten Untersuchungstermin. Und so manche Vermessungen oder Aussagen eines Artzes kann zudem ganz schön verunsichern.

Ganz schrecklich finde ich die Handhabung von sogenannter Risikoschwangeren, also 35Jahre+ in D.
Ohne genügende Aufklärung wird man zu Untersuchungen gedrängt, deren Risiko größer ist als das Risiko welches man ausschließen will.
Da empfinde ich das schwedische System, die Betreuung durch Hebamme ohne das der Frauenartz darauf beleidigt reagiert ,schon frauengerechter.

LG
Heike

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 24. März 2009 14:29

Um meine Erfahrung zu fassen, natuerliche Geburt ist in Schweden noch ein Fremdwort, genau wie Körpergefuehl etc. Die wenigsten Geburten verlaufen ohne Schmerzmittel, man muss sich mit Händen und Fuessen wehren, wenn man "nix" haben möchte. Ambulant entbinden die wenigsten. Ganzheitliche Hebammenbetreuung in D entspricht nicht der Vorsorge hier. Hier ist streng schulmedizinisch. Apropos Handhabung von Risikoschwangeren 35+, in Schweden ist es superpopulär auch in juengerem Alter eine Fruchtwasserpunktion zu machen, um Gendefekte zu entdecken, das wird bezahlt und auch rege davon Gebrauch gemacht. Das wird man schon beim ersten Hebammenbesuch in der 12.Woche gefragt. Die meisten lassen es machen, denn sonst sieht man womöglich erst beim einzigen Ultraschall in Woche 18, dass das Kind nicht"gesund" ist.

Benutzeravatar
raisalynn
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 254
Registriert: 13. November 2008 15:18
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon raisalynn » 24. März 2009 14:35

vinbär hat geschrieben:Um meine Erfahrung zu fassen, natuerliche Geburt ist in Schweden noch ein Fremdwort, genau wie Körpergefuehl etc. Die wenigsten Geburten verlaufen ohne Schmerzmittel, man muss sich mit Händen und Fuessen wehren, wenn man "nix" haben möchte. Ambulant entbinden die wenigsten. Ganzheitliche Hebammenbetreuung in D entspricht nicht der Vorsorge hier. Hier ist streng schulmedizinisch.



Man kann aber am Ende entscheiden, wie die Geburt ablaufen soll und "was " man haben möchte?
Die Wolken sind die Gedanken der Erde...

blueII
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 763
Registriert: 4. Mai 2008 21:43
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon blueII » 24. März 2009 14:36

Mamamia, Vinbär.
Schrecklich!!!

Habe mich wohl von dem Wort Hebamme verleiten lassen, zu glauben, dass es in S auf diesem Gebiet anders ist.

Aber zum Glück sind Schwangere ja meistens mündig und können selbst entscheiden.

:wink: heike

Benutzeravatar
raisalynn
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 254
Registriert: 13. November 2008 15:18
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon raisalynn » 24. März 2009 14:39

blueII hat geschrieben:Aber zum Glück sind Schwangere ja meistens mündig und können selbst entscheiden.



Naja, das ist eben die Frage!

In Deutschland ist es ja so, dass man sich manchen Krankenhäuser z.T. "beugen" muss. D.h. dass eben z.B. dieses Mittel nach der Geburt standardmäßig gegeben wird, damit die Plazenta auch schnell geboren wird. Obwohl das in den meisten Fällen gar nicht sinnvoll ist, da der Körper das ja alleine sowieso machen würde, geht aber wohl einfach zügiger.
Die Wolken sind die Gedanken der Erde...

blueII
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 763
Registriert: 4. Mai 2008 21:43
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon blueII » 24. März 2009 14:47

raisalynn hat geschrieben:
Naja, das ist eben die Frage!

In Deutschland ist es ja so, dass man sich manchen Krankenhäuser z.T. "beugen" muss. D.h. dass eben z.B. dieses Mittel nach der Geburt standertmäßig gegeben wird, damit die Plazenta auch schnell geboren wird. Obwohl das in den meisten Fällen gar nicht sinnvoll ist, da der Körper das ja alleine sowieso machen würde, geht aber wohl einfach schneller.


Nun, das liegt in der eigenen individuellen Verantwortung, sich vorab zu informieren, was passieren wird, um vorab entscheiden zu können, ob man was will oder nicht.
Ich habe zum Beispiel verweigert, dass man Kind diese Traubenzuckergabe nach der Geburt bekommt, da ich Angst um den Trinkwillen des Babys hatte und somit die erste hochnahrhafte Muttermilch nach der Geburt von ihr verweigert wird.

Man schafft sich nicht immer Freunde mit solchen "Extras" aber das muß man selber entscheiden.
Natürlich nicht besonders einfach in einem fremden Land.

Heike

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vinbär » 24. März 2009 18:42

Man kann und sollte einen Förlossningsbrev verfassen, in dem man genau (also, wenn man denn weiss wie man es vielleicht möchte, wenn die Umstände es denn so zulassen....) beschreiben soll, was man will oder ablehnt. Meine Geburtshebamme hat nur mit den Ohren gewackelt, als sie unseren Brief las. Nein, keine Betäubung, kein Dauer-CTG, nein kein Wehentropf, nein kein Lachgas, nein Fruchtblase nicht routinemässig eröffnen, nein kein Mittel fuer die Plazenta, nein Baby nicht gleich durch´s Wasser ziehen etc etc. Das konnten sie gar nicht verstehen, dass ich einfach meine Ruhe haben wollte, Kind kriegen und schnell nach Hause. Je nachdem an welche Hebamme man dann gerät, gelingt es mit Glueck "sich durchzusetzen" (gar nicht so leicht in Anbetracht der Umstände :) und der Tatsache das die Routinen eben anders sind)
Ich hatte es in D wohl so ähnlich gehandhabt wie Du, Heike-blueII, das Minimum an Frauenarzt und dann nur noch Hebammenbetreuung/Geburt/Wochenbett durch eine freiberufliche Hebamme.
Leider gibt es diese Art von ganzheitlicher Betreuung noch nicht sehr häufig. In Göteborg soll in drei Jahren das erste Birth-Center, das natuerliche Geburten unterstuetzt, eröffnet werden.

Tulipa
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 949
Registriert: 19. November 2008 21:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Tulipa » 24. März 2009 22:23

Imrhien hat geschrieben: In Schweden hätte ich noch locker 8 Wochen auf einen Termin gewartet oder es von selbst gemerkt.... Aus Berichten anderer Frauen hier in der Gegend weiss ich, dass auch der OP-Termin nicht immer sofort vergeben wird. Man bemüht sich. Manchmal kann es aber eine ganze Weile dauern...


Mir kommt gerade ein für mich furchtbarer Gedanke:
In Schweden sind doch Abtreibungen gang und gäbe, oder ? Soweit ich weiss, gilt da eine Fristenregelung. Werden solche OPs demnach BEVORZUGT durchgeführt ?

LG
Tulipa
man vet aldrig, vem som finns där ute

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 24. März 2009 22:33

Leider gibt es diese Art von ganzheitlicher Betreuung noch nicht sehr häufig. In Göteborg soll in drei Jahren das erste Birth-Center, das natuerliche Geburten unterstuetzt, eröffnet werden.


In Göteborg gab es 1994 noch die ABC-Klinik (Alternative Birth Clinic), die dann kurz danach aber leider stillgelegt wurde.
Einige meiner Freundinnen waren dort und hatten ausschließlich positive Erfahrungen damit.

http://www.nvp.se/Temalasning/Barn/Inge ... lossning-/

Wäre schön, wenn es sie wieder geben könnte. Doch wurden inzwischen auch die beiden Krankenhäuser Sahlgrenska und Östra zu einer einzigen großen Einheit zusammengelegt und seither hört man eigentlich nur "Schreckens"-Meldungen - ständige Einsparungen, ständiger Ärzte-/Personalmangel usw.

Außerdem wäre auch zu hoffen, dass diese Kliniken dann nicht nur auf privater Basis wieder "auferstehen".


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste