Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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unbekannt

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 4. Oktober 2011 14:59

Eine Stunde Telefonzeit ist ja wirklich eine Zumutung. Unsere vårdcentral ist nicht privat sondern gehört dem landsting. Die Telefonzeiten sind von 8:00 bis 16:00. Besonders bequem ist das Eintippen seiner Telefonnummer auf eine Internetseite, um zurückgerufen zu werden. Der Umgang ist überwiegend freundlich.

Hier stehen die Beurteilungen der einzelnen vårdcentralen und anderen medizinischen Abteilungen:
http://www.indikator.org/publik/

Weitere Links zu Beurteilungen medizinischer Leistungen:
http://www.omvard.se/patienttoppen
http://www.doktorsguiden.se/

Utusch
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Utusch » 4. Oktober 2011 17:20

Also in Laholm habe ich bisher nur positive Erfahrungen gemacht,einen Termin
bekomme ich in der Regel innerhalb von 3 Tagen.Wenn es mir nicht gut geht
am selben Tag,selbst bei kleinen und nicht akuten Geschichten.Letztens hatte
ich einen Hexenschuss und bin sehr gut betreut worden,fast schon unheimlich.
Auch die Termine bei Fachärzten in Halmstad gingen einigermassen schnell.
Die Akutabteilung im Krankenhaus ist allerdings eine Tortur, 5 bis 6 Stunden
muss man wirklich einplanen.
Viele Gruesse aus Halland
Utusch

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon spanni » 25. Juli 2012 22:39

Der Thread ist zwar schon nen bisschen angestaubt :smt064 , aber trotzdem noch etwas Öl ins Feuer.
Ich könnte auch noch einiges mehr schreiben.
Ich belasse es mal bei diesem einen.
Letztes Jahr im Sommer passiert.
In meinem geliebten Schweden.

Mit diesen beiden Fingern bin ich letzten Sommer zur Vårdcentrale gefahren.
Die beiden Krankenschwestern waren nach dem Anblick redlich bemüht mich auf ein Bett zu bitten.
Während eine bei mir blieb, wollte die Andere den Arzt holen.
Sie kam zurück und erklärte mir die Ferndiagnose des Arztes am anderen Ende des Hauses, er könne sich darum nicht kümmer, ich möge doch bitte ins nächste Sjukhus nach Varberg oder Falkenberg.
45 Min. vergangen.
Meine Frau war so nett und fuhr mich also nach Varberg ins Sjukhus.
1 Std. 15 Min. vergangen.
In der Notaufnahme angekommen, ging ich zum Empfang, mit der Bitte mich doch zu Versorgen. Kommentar der Dame war, ich möge bitte eine Nummer ziehen.
Aus Frust 10 Nummern gezogen und 5 mal den Notknopf gedrückt.
1 Std. 25 Min. vergangen.
Erster ernsthafter Kontakt mit einer Schwester. Ein separates Zimmer bekommen, mit Liege, zur Aufnahme der Formalitäten.
2 Std. vergangen.
Erster Kontakt mit einer chirurgischen Assistenzärztin, die mich auch weiterhin betreuen sollte.
Anamnese.
2 Std. 30 Min. vergangen.
Man hat sich doch tatsächlich entschieden, mich zu Röntgen.
Also mit dem Rolli in die Röntgenabteilung, wenigstens gabs da frischen Kaffee, Fernsehen und Zeitschriften.
3 Std. 30 Min. vergangen.
Man hat geschafft mich zu Röntgen. Rückfahrt in die Notaufnahme.
4 Std. 30 Min. vergangen.
Tröstende Blicke der Schwestern und der zweite Kontakt mit meiner Ärztin. Die schüttelte nur den Kopf und versuchte mir sanft zu erklären, dass sie moch gar nicht weiß wie sie den Nagel raus bekommt. Es sind die Weichteile wie Sehnen, Nerven u.s.w. getroffen.
Erstes Angebot von Morphium.
5 Std. vergangen.
Man betritt das Zimmer mit dem Hausmeister, der lief los und holte einen Seitenschneider.
5 Std. 15 Min. vergangen.
Erster Versuch den Nagel zu ziehen. Nicht geglückt, jedoch habe ich jetzt von dem Angebot des Morphiums Gebrauch gemacht.
5 Std. 30 Min.
Man erklärte mir, man wolle den Nagel oben und unten abknipsen? Veto meinerseits und noch mehr Glück geben lassen.
2 Schwestern und die Ärztin haben es dann doch nach 6 Stunden geschafft mir den Nagel zu entfernen.
Die Versorgung der Wunde war erstklassig, wirklich. Es wurde Präventiv behandelt. Nur die Nachsorge des Gefäßchirurgien hat mir gefehlt. Durch die relativ nachlässige Nachsorge bin ich nur knapp den steifen Fingern entgangen.

Aber ansonsten gefällt mir Schweden seit 10 Jahren ganz gut. Nur ist langsam der propagierte Lack ab.
Gute Nacht.

Die technischen Daten des Nagels: 6x100 mm Skruvspik mit 8 bar geschossen. Ging auch ganz schnell, tat auch nicht weh.
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Steffen86 » 26. Juli 2012 08:20

Und andere zahlen Geld für Piercings...

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 26. Juli 2012 22:21

Schön, dass alles wieder verheilt ist, wie ich hoffentlich annehmen darf. Den Nagel hätte ich selbstverständlich auch gerne so schnell wie möglich wieder losgehabt. Da kommt einem sicherlich jede Minute Wartezeit zu lange vor. Ich denke, das geht den meisten so, egal ob Schwede oder Deutscher. Gegen das Abknipsen mit irgendeinem Werkzeug vom Hausmeister hätte ich mich auch gewehrt. Alleine schon der Ruck beim Abknipsen kann eine Menge Schaden im Finger anrichten. Nägel, die mit einer Kneifzange abgezwickt werden, können sich wie Geschosse benehmen und fliegen bis zu 10 Meter weit.

Nun wollte ich mal wissen, wie lange man in Deutschland in der Notaufnahme warten muss. Dafür habe ich nach "Wartezeiten, Notaufnahme, Krankenhaus" in Google gesucht. Die Ergebnisse waren unter http://www.google.com/search?q=wartezei ... so-8859-15 und http://www.google.com/search?q=zuerst&b ... 29&bih=755 zu finden.

Demnach sind die Wartezeiten in Deutschland ähnlich lange wie in Schweden. Und der Ärger darüber ist auch vergleichbar groß. Laut http://www.gesundheitsberater-berlin.de ... on-warten/ sind in Berlin je nach Andrang und Dringlichkeitslage schon mal 5 bis 6 Stunden drin. Und dort ist es ähnlich wie in Schweden ein Krankenpfleger, welcher die eingehenden Fälle nach der Dringlichkeit einstuft. Die langen Wartezeiten gehören nach meiner Einschätzung zum Teil des Systems. Nur diejenigen sollen die Notaufnahme aufsuchen, die wirklich dringende Hilfe benötigen und nicht bis zum nächsten Tag oder bis zum Montag warten können. Am lautesten beschweren sich in den Foren oft immer die Patienten über das deutsche Gesundheitswesen, welche wegen jeder Kleinigkeit sofort behandelt werden möchten.

Blinddarmentzündungen werden übrigens auch in Deutschland anscheinend regelmäßig übersehen. Die Geschichten gleichen sie schon erstaunlich. In Schweden muss ich allerdings auf Grund der geringeren Bevölkerungsdichte mit längeren Fahrzeiten rechnen, wenn ich auf dem Land wohne. Alles kann man eben nicht haben.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon spanni » 27. Juli 2012 08:29

Jetzt wird schon wieder gedröselt.
Die Frage war nach unseren Erfahrungen. Man kann unsere Länder nicht vergleichen, da wir grundverschiedene Versorgunssysteme haben.

Ich muß zugeben, dass ich leider auch immer zum Vergleich neige.

Ich mag Schweden trotzdem. Nur als Privatpatient ist man dort Patient zweiter Klasse.
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 27. Juli 2012 09:44

Gedrösel? Ich weiß nicht, wie du das meinst? Meine Anteilnahme hast du doch bekommen.

Es geht mir nicht um den Vergleich zwischen Deutschland und Schweden. Es geht mir darum unbegründete Ängste abzubauen. Ich habe hier in den letzten Jahren einiges über die schwedische Noftaufnahme gelesen. Viele Leser glauben nämlich dadurch inzwischen, dass die langen Wartezeiten typisch für Schweden seien. Einige halten deshalb das schwedische Gesundheitssystem deshalb schon für "katastrophal". Dem ist aber nicht so. Überall auf der Welt sorgt man in den Notaufaufnahmen durch lange Wartezeiten dafür, dass wirklich nur die zur Notaufnahme erscheinen, die in Not sind. Ohne lange Wartezeiten wären gerade in Großstädten die Notaufnahmen mit Bagatellfällen und "lauter komischen Typen" überfüllt. Ausgerechnet denen, die sofort Hilfe benötigen, wäre damit geschadet. Es ist wohl klar, dass kein Politiker auf der Welt dies so offen ausspricht und deshalb lieber nur kurze Wartezeiten verspricht.

Und deshalb kann so ein Nagel im Finger auch Mal ein paar Stunden warten, da du ja daran nicht sofort verblutest. Wenn ich beim nächsten Mal am Wochenende zu Hammer und Nagel greife, werde ich daran denken, vorsichtig zu sein, denn ich habe auch keine Lust den halben Tag in der Notaufnahme zu verbringen. Meine Finger will ich auch behalten.

Meine Erfahrung mit der schwedischen Notaufnahme: 10 Minuten Wartezeit, weil ich sofort Hilfe benötigte.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon spanni » 27. Juli 2012 10:41

Hallo Volker,

jetzt sind wir ja doch beim Vergleich. Dieses System hat was von Polykliniken, die Zeitungen in Schweden sind voll von Berichten mangelnder Behandlung, da wird man in der Vårdcentrale von der Distrikssjuksköterska erstmal unters Korn genommen, ob man des Arztes überhaupt würdig ist. Als ob man aus lange Weile dort anruft.

Das System bringt Vorteile für den Arzt, aber nicht für den Patienten.

Das einzige, was mir wirklich positiv aufgefallen ist, ist das vernetzte Arbeiten der Stellen.

Meine Familie hat für sich festgestellt, dass das schwedische Gesundheitssystem halt anders ist als das Deutsche.

Sicher gibt es hüben und drüben Wartezeiten in der Notaufnahme, dies ist aber auch Regional bedingt.

In Berlin habe ich nie länger als 4 Stunden warten müssen.

Als Tourist muß man sicher keine Angst haben, wenn ich dort lebe schon.

Das sagen auch unsere Bekannten.

Aber jeder hat halt seine eigenen Erfahrungen gemacht. Wir bisher keine so guten.

Wie gesagt, es ging um unsere Erfahrung.

Meine und die meiner Frau dreimal relativ negativ behaftet, Deine halt gut.

Die Leser können sich doch Ihre Meinung selber bilden.

Und wenn so viele Leute negativ schreiben, könnte da nicht vielleicht ein fünkchen Warheit dran sein, auch wenn es um das geliebte Schweden geht.

Es wird ja niemand persönlich angegriffen, es wird nicht gesagt die Schweden sind doof, nein, das System als solches ist halt anders.

Der sozialistische Grundgedanke fordert halt seinen Tribut.

Und ja, in Deutschland ist auch nicht alles perfekt, hier habe ich aber die Möglichkeit zu dem Arzt meines Vertrauens zu gehen oder ihn zu wechseln.

Patriotismus lässt Grüßen.
Fette Grüße von Sascha

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon cnaydi » 10. Januar 2013 02:13

also ich war dieses jahr beim gynekologen nach meiner 2. entbindung in schweden habe ich keine nachsorgeuntersuchung erhalten und da es schon das zweite mal daher habe ich mir schon sorgen um meinen unterleib gemacht, da ging ich einfach zum frauenarzt der hat mir erklaert das ich auch mit einem auslandskrankenschein bei ihm behandelt werden kann. eine freiwillige versicherung kostete bei der aok etwa 150 euro monatlich der gynekologe bekommt auch etwa soviel fuer die untersuchung. Man sollte abwägen wieviele artzbesuche man benötigt und ob sich das aufrechnet. Ich habe fur mich beschlossen das ich fruehestens mit renteneintritt wieder nach deutschland ziehen werde und habe auch meine krankenkasse gefragt, solange man mit 55 jahren bei keiner privaten krankenversicherung versichert ist wäre das kein problem. Dem swedischen gesundheitssystem vertraue ich auf gar keinen fall mehr. Bin PKA und hatte frueher viel mit ärzten zu tun da liegen welten zwischen schweden und deutschland. Das beste ist sie wissen selber das sie so schlecht behandeln. argumente sind die moderaten haben alles gekurzt frueher war alles besser. Ich verstehe nur nicht warum die immer noch gewählt werden, wenn doch alles so viel schlechter geworden ist. Ich glaube das ist nur eine ausrede fuers nichtstun.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon filifjonkan » 11. Juli 2013 20:55

Eine schwedische Freundin hatte 2001 eine Diagnose Brustkrebs. Damals war sie 41 Jahre alt. Es wurde brusterhaltend operiert. Nach 11 Jahren nun ein Rezidiv, der Tumor ist wieder da in der gleichen Brust und nach Biopsie bösartig. Sie hatte vor 2 Wochen ein CT am Universitetssjukhuset in Lund um nachzusehen, ob Metastasen in der Leber bzw. in den Knochen vorhanden sind. Und es gibt noch kein Ergebnis. Das heisst sie wartet auch heute noch.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei einem Rezidiv Metastasen bilden liegt bei 25-50%, ist also sehr hoch.

Unglaublich, dass man die Menschen so lange warten lässt auf eine Diagnose über Leben und Tod.


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