Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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janaquinn
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon janaquinn » 10. November 2009 06:38

Liebe(r) Schwedenoma,
auch mir tut es leid, dass du erkrankt bist. Aber, wie du selber geschrieben hast, es ist eine extrem seltene Krankheit und es gibt keinerlei Therapiemöglichkeiten mehr. Es gibt sie einfach nicht mehr und da kann weder Deutschland noch Schweden etwas dran ändern. Ich habe selber ein behindertes Kind, kenne die Kämpfe in D.um Therapien und Hilfsmittel, ja auch Leute wie wir müssen kämpfen, obwohl unsere Kinder und Angehörigen so etwas normales wie eine Behinderung haben. Da werden Therapien gestrichen oder nicht mehr gezahlt, weil das Geld einfach nicht mehr da ist. Aber auch ich kann von der Medizin kein Wunder erwarten, denn sie wird mein Kind niemals heilen können oder zumindest nicht in den nächsten 20 Jahren, da das Gehirn noch nicht weit genug erforscht ist. Aber schimpfe ich deswegen stets und ständig? Nein, weil ich meine Energie lieber in mein Kind und seine Pflege investiere als in schwache Hoffnungen, die sich vielleicht irgendwann auf eine nächste Generation beziehen könnten.

Und wenn ich daran denke, wieviele Ärzte in Deutschland um das reine wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen, kann man da von Profitgier nun wirklich nicht mehr sprechen. Es ist eine kleine Gruppe, die viel Geld verdient, aber diese sind dann auch hochspezialisiert und haben Jahre ihres Lebens im Studium verbracht. Ich habe in Deutschland wie auch in Schweden viele hochqualifizierte Ärzte getroffen und kennengelernt, aber keiner, nicht einer, konnte meiner Familie und mir die Sicherheit einer 100% Diagnose geben. Also lebe ich damit und freue mich darüber, dass mein Kind mit Therapien und Hilfsmitteln bereits soviel erreicht hat und gebe die Hoffnung nicht auf, dass es noch mehr erreichen kann.

Und genau aus diesem Grund kann ich deine Frustration nicht wirklich nachvollziehen, denn es gibt Millionen Menschen, denen es sicherlich bedeutend schlechter geht als dir oder meinem Kind. Es gibt jedes Jahr Millionen von Aidstoten, in vielen Gebieten der Welt sterben die Menschen an Seuchen und deren Auswirkungen. Wir leben hier in einem Land, wo wir zum Arzt gehen können, du kannst sogar nach Deutschland in die Charite´fliegen und dich dort behandeln lassen und bist trotzdem unzufrieden. Nein, nicht böse sein, aber nachvollziehen kann ich deinen Frust wirklich nicht.

Grüsse JANA
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Sumac » 10. November 2009 06:58

nachtrag von mir für schwedenoma:

was ist sinnvoller...eine forschung voranzureiben wo millionen von menschen erkrankt¹ sind oder die forschung voranzutreiben, wo einer von einer million erkrankt ist?


¹ Krebs,Aids, MS und viele andere chronische krankheiten.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon janaquinn » 10. November 2009 07:06

@Sumac: Danke, dass du MS erwähnst, denn ein sehr guter Freund unserer Familie ist an MS erkrankt. Ein vorher topgesunder Mensch, dem nichts fehlte. Nun ist er zu 50% Behindert und hat nicht wirklich viel an seiner Lebensart geändert. Vielmehr lebt er jetzt intensiver, als vor seiner Erkrankung, er fährt Motorad und geniesst sein Leben. Denn keiner kann ihm sagen, wie lange dies noch möglich ist.
In meiner Familie gab es mehr Krebstode, als "einschlafen und nicht mehr aufwachen", stecke ich aus diesem Grund den Kopf in den Sand? Nee, warum auch, sollte ich diese Diagnose bekommen, werde ich kämpfen. Auch meiner 70jährigen Schwiegermutter geht es alles andere als gut: Parkinson ect.. und trotzdem ist sie Fit wie ein Turnschuh und kommt uns dieses Jahr sogar in Schweden besuchen.
Es kommt immer auf den einzelnen Menschen an, entweder er kämpft bis zum letzten Atmenzug oder er gibt sich schon im Vorfeld komplett auf und schimpft lieber auf das System, die Ärzte und die Pharmaindustrie.

Grüsse JANA
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon schwedenoma » 12. November 2009 00:02

Wenn ich hier darüber rede, wie es mir mit dem deutschen System ergangen ist, so
will ich mich doch nicht beklagen, ich will nur meine eigenen Erfahrungen mit diesem
System mal erklähren und auch irgentwie meinen Frust heraus schreien. Schon alleine
die Aussagen meines Hausarztes, ich kann dir nur Medikamente verschreiben, aber von deiner
Krankheit habe ich keine Ahnung :evil:
Ich kann hier auch nicht beschreiben, was mir alles in meiner Situation wiederfahren ist.
Nur ein Beispiel will ich anführen, ich konnte nicht mehr gehen und war in der Notaufnahme der
UniKlinik in Eppendorf (Hamburg), geholfen haben sie mir nur, das sie mir einen Termin in 8 Wochen
zu einer Untersuchung angeboten hatten und sie wollten mir Schmerzmittel geben, die ich schon
hatte und die das letzte vor Morphium sind.
Und als ich mich im Juni dieses Jahres überhaupt nicht mehr bewegen konnte und darauf hin fast alle Uni-
Kliniken über E-Mail in Deutschland angeschrieben habe, wer kann mir helfen, war nur eine Klinik
bereit, sich mit meinem Problem zu beschäftigen. Es war die Charite in Berlin. Dort hat man mir wieder
neue Lebensqualität gegeben mir 8 Spritzen in die Wirbel gespritzt und ich muß sagen, heute habe
ich eine neue Lebensqualität und habe auch keine Depressionen mehr. Und das passt eigentlich im
Moment zu den Sachen mit Robert Enke. Ich finde all die Berichterstattung hier zum Teil fehl am Platze.
Es ist tragisch, aber viele Menschen in Deutschland haben viel schlimmere Krankheiten und wissen,
ihr Leben dauert nicht mehr lange und irgendwann ist es zu Ende. Aber man hat wieder etwas zu
berichten und man hat wieder Möglichkeiten der Loppy gefunden mit diesem Problem wieder Geld
zu verdienen. Mit den Medikamenten, welche mir die Charite verschrieben hat, mußte ich nach
Kontrolle in Schweden feststellen, das ich Medikamente für Depressive bekommen habe, obwohl ich
gar nicht Depressiv war. Ich habe natürlich sofort dieses Medikament abgesetzt. Und es hat dann auch
Wirkung gezeigt, das ich ganz anders drauf war und dann das Leben auch anders empfunden habe.
Also diese Scheiß-egal Stimmung war dann auch irgentwie weg. Ich denke, diese Medikamente verstärken noch die Depresiven Stimmungen und der Patient wird mit der Zeit von diesen Medikamenten
abhängig. So kann ich auch sagen, wenn du allzeit Schmerzmittel nimmst, so wirst du irgentwann abhängig und du kannst ohne diese nicht mehr Leben. Das trifft auch auf Tramal zu. Ein Schmerzmittel,
was das letzte vor Morphium ist.
Aber erst einmal Schluß.
LG Schwedenoma

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Sumac » 12. November 2009 06:40

schwedenoma hat geschrieben:und auch irgentwie meinen Frust heraus schreien.


warum gehst du da nicht in ein dafür entsprechendes forum...
z.B.:
http://www.paradisi.de/Health_und_Ernae ... tel/Forum/

wenn jeder seinen frust hier ablassen würde, dann wäre das :schwedentor2: kein platz mehr für schweden relevante dinge, sondern ein frustforum...

übrings sei zufrieden... obwohl du in Schweden lebst, kannst du deutsche krankenhäuser benutzen... also das deutsche krankensystem in anspruch nehmen,
ich denk mal, da gibt es viele in schweden, die dankbar wären, wenn sie es könnten.

schwedenoma

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon schwedenoma » 12. November 2009 21:58

Hallo Sumac,
ich war in so vielen Foren, was habe ich bekommen, nichts. Ich dachte, in diesen Forum
bin ich zu Hause und kann über meine Probleme reden und finde vielleicht Leute, die zwar
nicht die gleichen Probleme haben, aber die auch einen Frust auf das Krankensystem in
Deutschland haben.
Wenn Du der Meinung bist, das ich hier verkehrt bin und ich nicht mehr über diese
Probleme reden sollte, so kann ich ab sofort das Thema sperren und ich werde dann in diesem Forum
nicht mehr versuchen, Probleme anzusprechen und mich auch aus diesen Forum zurück ziehen.
Vielleicht kannst Du mal dazu Deine Meinung äußern.
LG Schwedenoma

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon vitlök » 12. November 2009 22:19

schwedenoma hat geschrieben:, aber die auch einen Frust auf das Krankensystem in
Deutschland haben.

bedingt ja...kannst Du ja versuchen...aber dieses Thema heißt meine Erfahrungen mit dem SCHWEDISCHEN Gesundheitssystem

schwedenoma hat geschrieben:
so kann ich ab sofort das Thema sperren.

damit überschätzt du aber deine Kompetenz

schwedenoma hat geschrieben: und ich werde dann in diesem Forum
nicht mehr versuchen, Probleme anzusprechen

naja...kann man ja niemanden verbieten...aber vielleicht könntest Du mal drüber nachdenken, nicht ausschließlich nur so zu schreiben??????

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Sumac » 12. November 2009 23:32

schwedenoma hat geschrieben:.....dann in diesem Forum nicht mehr versuchen, Probleme anzusprechen
Vielleicht kannst Du mal dazu Deine Meinung äußern.
LG Schwedenoma


es geht nicht um die probleme nicht ansprechen, es geht um deinen frust ablassen... das ist ein kleiner aber feiner unterschied.
alles andere wurde vorher schon erläutert von vitlök...

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 13. November 2009 13:21

ich war in so vielen Foren, was habe ich bekommen, nichts. Ich dachte, in diesen Forum
bin ich zu Hause und kann über meine Probleme reden und finde vielleicht Leute, die zwar
nicht die gleichen Probleme haben, aber die auch einen Frust auf das Krankensystem in
Deutschland haben.


Wird dir schwerfallen da jemanden zu finden.
Erst ich selbst hatte letzte Woche wieder "allerliebste" Erlebnisse mit der schwedischen Akuten und ich bin immer noch stinksauer auf das schwedische Gesundheitssystem, ueberlege nun nach D zu fahren....

ABER! Ich lasse mich trotzdem nicht hier darueber so aus wie du es über das deutsche tust, ganz einfach weil da ganz viel individuelle Erfahrungen, Erlebnisse und insbesondere Einstellungen dazu gibt. Da wird man niemanden gerecht werden können und die Köppe werden nur heißgeredet.
Was erwartest du also hier, Schwedenoma? Das jemand dir zustimmt? Deine oftsmals sehr subjektive Äusserungen beklatscht? Ich glaube nicht das das passiert, denn die Art und Weise wie du schreibt klingt leider nur nach Frustablassen und - entschuldige, aber so ist es: Nach depressiven Stimmungen. Da du ja dafür bist das etwas offen ausgesprochen wird tue ich das mal: Chronische Erkrankungen, insbesondere Schmerzen die das tägliche Leben stark beeinflussen können zu Depressionen fuehren. Meiner Meinung nach zeigst du dafür deutliche Symptome und die Charite hat vielleicht gar nicht so unklug gehandelt.
Soweit ich weiß gibt es auch in S Schmerzambulanzen, bei denen der Patient lernt mit chronischen Schmerzen umzugehen, auch ohne Schmerzmedikamente. Versuch es da doch einmal. Und versuche zu akzeptieren, das Depressionen keine Schande oder ein Tabuthema sind - evtl. hilft dir ja die Geschichte mit dem deutschen Nationaltorwart darüber einmal objektiv und vorurteilsfrei nachzudenken.

Ich wünsche dir alles Gute und möglichst viel Beschwerdefreiheit!

Heike
... die weiß, was chronische Schmerzen und Tramal sind!
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

schwedenoma

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon schwedenoma » 13. November 2009 21:03

Hallo Heikeblekinge,
eigentlich dachte ich, das ich in diesen Forum zu Hause bin
und auch mal darüber berichten kann, was mich alles so bewegt.
Aber in diesen Forum wird man als Mensch nicht akzeptiert und
in diesen Forum hat man auch keine Chanse, über persöhnliche
Probleme zu reden. :smt006
Es ist kein Forum für mich und deswegen will ich auch meine persöhnlichen
Gedanken hier nicht mehr einstellen und warscheinlich auch all meine
Aktivitäten in diesen Forum einstellen?
LG Schwedenoma


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