Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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Distriktläkare
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Distriktläkare » 21. Mai 2009 13:55

Oha, also die "Apotheken Umschau" ist tatsächlich ein ziemliches Reizthema, allerdings in erster Linie unter den Apothekern selber! Das mit der "Subventionierung mit 0,5 Euro seitens der Apotheker" ist nämlich nur halbfreiwillig: Das Grundprinzip ist, dass ein Verlag OHNE DEN AUFTRAG seitens der Apotheker ein Heft herausgebracht und massiv medial beworben hat, um sich DANACH das Geld von den Apothekern zu holen. Die Botschaft (die auch aktuell noch permanent zu "Hausfrauenzeiten" im Radio dudelt) lautet: Die "Apotheken Umschau" bekommen Sie kostenlos in Ihrer guten Apotheke. Dann wurde sie den Apothekern angeboten, nach dem Motto: "Wenn Du sie Deinen Kunden nicht anbietest, gehen sie davon aus, dass Du nicht zu den GUTEN Apotheken gehörst und gehen woanders hin". Da es - leider - ein deutliches Überangebot an Apotheken gibt und niemand Kunden verlieren will (die dann natürlich wirklich in seiner Apotheke etwas kaufen), kauft er dem Verlag die Dinger ab.
Ziemlich geniales Modell, und aufgrund der Apothekendichte und der o.a. Argumente sehr einträglich für den Verlag. Dazu kommen - wie berichtet - natürlich noch massive Werbeeinnahmen seitens der Pharma- und Naturheilindustrie (siehe dazu auch den Wikipedia-Link). Dass das Konzept aufgeht, bekommen Apotheken zu spüren, die sich weigern, mitzumachen. So sagte neulich mein Schwiegervater, dass sie wohl einen ziemlich geizigen Apotheker hätten. Da bekomme man nicht mal die "Apotheken Umschau". Nun gehe er zu einer anderen Apotheke. Es sitzt also tatsächlich in den Köpfen. Habe ihm natürlich geraten, zu besagter Apotheke zurückzukehren, gerade weil die nicht bei der "Masche" mitmachen.
Übrigens wird die "Apotheken Umschau" unter Kollegen meist als "Rentner-BRAVO" umtituliert :-)

Nochmal zu "kan det själv": Habe es deswegen eingeschränkt ("nicht so schlecht"), weil es für manche Probleme bessere und ungefährlichere Lösungen gibt als die vorgeschlagenen. Siehe 0,8mm Ständerbohrer vs. Büroklammer. Außerdem ist bei uns Bremern "gar nicht mal so schlecht" so ziemlich das größte Lob, das man aussprechen kann ;-)
Zuletzt geändert von Distriktläkare am 21. Mai 2009 13:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 21. Mai 2009 13:58

Boah! Das sind ja reine Mafiamethoden!!
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>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Distriktläkare » 21. Mai 2009 14:00

Hehe, das hast jetzt aber DU gesagt ;-)

Ach, das sehe ich gerade, ZAPP hat das auch schon hinlänglich erörtert, den Link habe ich gerade bei nochmaligem Lesen des Wikipedia-Artikels gefunden.

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archi ... p1718.html

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 21. Mai 2009 17:35

Über diese Apotheken-Zeitschrift habe ich bisher nie so nachgedacht - dachte das wäre einfach typisch für Apotheken, dass die eine Zeitung anbieten - eine ähnliche gibt es ja auch hier in Schweden:
http://www4.apoteket.se/privatpersoner/ ... ning=20091

Habe gerade gesehen, dass man in der schwedischen Apotheke auch Mitglied eines "Kundenclubs" werden kann - mit Kundenkarte, der Möglichkeit einen Newsletter zu abonnieren, ständig Angebote und feine Rabatte zu erhalten - selbstverständlich wird dann jeder Einkauf mit Kundenkarte in der Apotheke registriert und die Daten nach schwedischer Manier großzügig gespeichert ...

Ich sehe schon die künftigen EXTRAPREIS-Angebote auf mich zukommen - "Kaufe zwei Packungen Glückspillen und bekomme die dritte gratis dazu" ... :roll:

Apoteket Plus
Gå med i Apotekets kundklubb och ta del av erbjudanden och rabatter.

im Rahmen der Privatisierung dürften diese Kundendaten auch eine reine Goldgrube sein (werden die denn mitverkauft???) :?

Das wäre doch eine geniale Geschäftsidee auch eine Art Zeitung ähnlich der Apotheken-Umschau in Schweden zu starten - solche Kundenzeitungen sind hier nämlich ebenfalls äußerst beliebt - schaut mal am Wochenende in Euren Briefkasten (vorher das "Ingen Reklam Tack"-Schild abmachen) - da gibt es Werbung und Hochglanzbroschüren gleich kiloweise ... und ab 1. Juli 2009 sicher bald auch von "Ihrem Apotheker" ...

http://www4.apoteket.se/privatpersoner/ ... tsida.aspx

Ach so, bevor ichs vergesse: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" :D

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Haro » 24. Mai 2009 09:27

Distriktläkare hat geschrieben:Oha, also die "Apotheken Umschau" ist tatsächlich ein ziemliches Reizthema
Hej hej alle,

ja das stimmt, die Apotheken Umschau schon ein Reizthema und im Prinzip nichts anderes als ein Verkaufsblättchen der Pharmaindustrie das bevorzugt von Rentnern mitgenommen wird, aber dieses Blättchen ist nicht das schlimmste.

Ich finde das ganze Gesundheitssystem in Deutschland ein Reizthema. Ein Gesundheitssystem sollte normal kostendeckend und nicht profitorientiert arbeiten, und in Deutschland ist es seit je her so das sich gewisse Gruppierungen (Pharmaindustrie und Kassenärztliche Vereinigung etc.) nach Herzenslust bedienen und die Taschen Vollstopfen. In Deutschand kosteten fast alle Medikament die ich z.b. benötige (Diabetes, Allergie etc.) fast 10 X so viel wie hier in Schweden, warum? Ich hoffe nur das durch die momentan laufende Privatisierung der Apotheken in Schweden nicht auch hier so ein Profitgegeier einsetzt wie in Deutschland und der Schwedische Staat weiterhin ein Auge darauf hat.

Auch die hier so oft erwähnten Wartezeiten in Schweden hat man in Deutschland mittlerweile auch schon sehr oft. (Jedenfalls als Kassenpatient) Die Oma meiner Frau hat z.b. 9 Monate auf eine Hüft OP warten müssen obwohl sie vor Schmerzen kaum Laufen konnte.

Ich für meinen Teil fühle mich hier in Schweden gut und vor allem gerechter und nicht als Mensch zweiter Klasse behandelt. Und man muß ja auch nicht wegen allem zum Arzt, es gibt ja auch immer noch die hier schon erwähnten Hausmittelchen die bei den Schweden übrigens sehr beliebt sind. :D


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hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 24. Mai 2009 10:15

Haro hat geschrieben:In Deutschand kosteten fast alle Medikament die ich z.b. benötige (Diabetes, Allergie etc.) fast 10 X so viel wie hier in Schweden, warum? Ich hoffe nur das durch die momentan laufende Privatisierung der Apotheken in Schweden nicht auch hier so ein Profitgegeier einsetzt wie in Deutschland und der Schwedische Staat weiterhin ein Auge darauf hat.


Die Deutschen zahlen in der Tat viel für Medikamente, aber der Preisvergleich ist so nicht richtig. In beiden Ländern übernehmen die Kassen einen Teil der Medikamentenkosten. Daher lassen die Preise, die man in der Apotheke zahlt, kaum Rückschlüsse auf die realen Preise zu. Es kann ja sein, dass die Medikamente von den Pharmariesen in Schweden billiger verkauft werden, aber an den Apothekenpreisen ist das nicht abzulesen.

Hier übrigens ein interessanter Artikel, der auch einiges zur Qualität des deutschen Gesundheitssystems im internationalen Vergleich sagt:
http://www.bmj.com/cgi/content/full/337/nov07_1/a1997?ijkey=ziTE32RxCC6LVQC&keytype=ref

Auch die hier so oft erwähnten Wartezeiten in Schweden hat man in Deutschland mittlerweile auch schon sehr oft. (Jedenfalls als Kassenpatient) Die Oma meiner Frau hat z.b. 9 Monate auf eine Hüft OP warten müssen obwohl sie vor Schmerzen kaum Laufen konnte.


Dieses Beispiel wurde schonmal früher in diesem Thread erwähnt, aber ein zweites Beispiel hat bisher noch keiner angebracht. Ja, bei Hüft-OPs ist das so, aber wann sonst? In Schweden ist eher die Frage, bei welchen Behandlungen man nicht warten muss. Bei obigem Link heißt es, dass nur 6% der Patienten in Deutschland mehr als 4 Monate auf "elective surgery" (also chirurgische Eingriffe, die nicht zwingend sofort gemacht werden müssen) warten müssen. In Schweden müssen rund 25% der Patienten schon einmal über 3 Monate warten, bis überhaupt ein Facharzt eine solche Entscheidung treffen kann, und dann warten rund 25% nochmals über 3 Monate, bis sie operiert werden.

Ich möchte auch keine Zweiklassenmedizin, aber wenn der Preis dafür ist, dass einfach alle lange warten müssen, dann kann das nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Dass es in Schweden keine Zweiklassenmedizin gibt, ist außerdem so auch nicht (mehr) richtig. Wohlhabende können sich mit den hier erwähnten Zusatzversicherungen durchaus eine Behandlung ohne Wartezeiten erkaufen.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Haro » 24. Mai 2009 15:17

hansbaer hat geschrieben:Die Deutschen zahlen in der Tat viel für Medikamente, aber der Preisvergleich ist so nicht richtig. In beiden Ländern übernehmen die Kassen einen Teil der Medikamentenkosten. Daher lassen die Preise, die man in der Apotheke zahlt, kaum Rückschlüsse auf die realen Preise zu. Es kann ja sein, dass die Medikamente von den Pharmariesen in Schweden billiger verkauft werden, aber an den Apothekenpreisen ist das nicht abzulesen.
Hej hansbaer,

ich kann mir schon vorstellen das es einen Unterschied ausmacht das die Kassen beider Länder einen Teil der Kosten übernehmen. Aber, wenn man den Unterschied der Mehrwertsteuer noch mit einrechnet was die Deutschen Preise ja noch höher erscheinen lässt, macht das aber mit Sicherheit nicht so viel aus das viele Medikamente in Deutschland 10 X so teuer sind wie in Schweden oder auch anderen Ländern. Zudem gibt es ja auch frei verkäufliche Medikamente die in beiden Ländern frei von der Zuzahlung der Kassen sind, wo die Preisunterschiede ähnlich ist und von daher kann man die Preise schon in etwa vergleichen.


hansbaer hat geschrieben:Dieses Beispiel wurde schonmal früher in diesem Thread erwähnt, aber ein zweites Beispiel hat bisher noch keiner angebracht. Ja, bei Hüft-OPs ist das so, aber wann sonst? In Schweden ist eher die Frage, bei welchen Behandlungen man nicht warten muss. Bei obigem Link heißt es, dass nur 6% der Patienten in Deutschland mehr als 4 Monate auf "elective surgery" (also chirurgische Eingriffe, die nicht zwingend sofort gemacht werden müssen) warten müssen. In Schweden müssen rund 25% der Patienten schon einmal über 3 Monate warten, bis überhaupt ein Facharzt eine solche Entscheidung treffen kann, und dann warten rund 25% nochmals über 3 Monate, bis sie operiert werden.

Wir wohnen in einer ländlichen Gegend in Schweden und haben bis jetzt mit Wartezeiten im Gesundheitssystem hier nichts zu tun, das es in Schweden in den großen Städten oder Ballungsgebieten durch die hohe Zahl der Einwohner zu Wartezeiten kommt kann ich mir gut vorstellen, dann solltest Du oder die, die deine Daten erstellen das aber auch bei Vergleichen berücksichtigen das ca. 70-80 % der Schweden in einigen, wenigen großen Städten leben und der Rest in ländlichen Gebieten. Also, kann man deine Ansichten und Zahlen so nicht allgemein auf Schweden übertragen. Im Gesamten betrachtet mögen die Zahlen vielleicht stimmen aber von daher betrachtet hinken die von Dir genannten Vergleiche meiner Meinung nach schon eine wenig. Wenn man das auch in den Foren richtig beobachtet sind es zum größten Teil Leute aus großen Städten die sich über diese Wartezeiten beschweren.

Gruß aus Småland :flagge:
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Samweis » 24. Mai 2009 15:52

Hallo,
Haro hat geschrieben:Ein Gesundheitssystem sollte normal kostendeckend und nicht profitorientiert arbeiten,

Wie stellst Du Dir das vor?
Heißt das, dass Du möchtest, dass Arzneimittel von privaten Arzneimittelherstellern nicht mehr verschrieben und vertrieben werden dürfen, da die damit ja einen Gewinn machen?
Woher nimmst Du dann die Arzneimittel?
Und wo ist die Grenze? Warum darf der Lebensmitteleinzelhandel einen Gewinn machen?

Haro hat geschrieben:z.b. benötige (Diabetes, Allergie etc.) fast 10 X so viel wie hier in Schweden, warum?

Hm, bist Du sicher, dass Du da dieselben Arzneimittel vergleichst?

Immer wenn ich nämlich so einen Vergleich anstelle, stelle ich fest, dass die Apoteket keineswegs die supergünstigen Preise realisiert, die sie als Monopolist eigentlich bekommen müsste.
Beispiel: Zovirax kostet in D 7,83 €, in S 102 SEK (gleiche Menge, gleiche Dosierung, gleicher Hersteller).
Auch bei Antihistaminika kann ich den Faktor 10 nicht nachvollziehen.

Haro hat geschrieben:in Schweden in den großen Städten oder Ballungsgebieten durch die hohe Zahl der Einwohner zu Wartezeiten kommt kann ich mir gut vorstellen, dann solltest Du oder die, die deine Daten erstellen das aber auch bei Vergleichen berücksichtigen das ca. 70-80 % der Schweden in einigen, wenigen großen Städten leben und der Rest in ländlichen Gebieten.

Hm, diese Logik erschließt sich mir jetzt nicht - Da die meisten Schweden in "Ballungsgebieten" wohnen (von denen das größte wohl Stockholm ist - im Vergleich mit anderen Metropolen Europas ein Kaff.), müssen sie in Ballungsgebieten eine schlechtere medizinische Versorgung und längere Wartezeiten hinnehmen als auf dem Land?
Und weil die meisten Schweden also längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, muss die von hansbaer zitierte Statistik geändert werden?
Irgendwie stehe ich auf der Leitung...

Viele Grüße

Samweis

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Haro » 24. Mai 2009 19:00

Hej Samweis,
Samweis hat geschrieben:Wie stellst Du Dir das vor?
Heißt das, dass Du möchtest, dass Arzneimittel von privaten Arzneimittelherstellern nicht mehr verschrieben und vertrieben werden dürfen, da die damit ja einen Gewinn machen?
Woher nimmst Du dann die Arzneimittel?
Und wo ist die Grenze? Warum darf der Lebensmitteleinzelhandel einen Gewinn machen?
Zum ersten Punkt möchte ich Dir folgendes sagen: Gut das mit dem kostendeckend war vielleicht etwas falsch von mit ausgedrückt aber man kann wie in anderen Ländern möglich (übrigens auch Schweden) den Profit begrenzen in dem man vom gleichen Medikamententyp die teuren und nicht wirksameren einfach nicht zulässt. Es sind auf jeden Fall nicht solche Gewinnspannen nötig wie in Deutschland die nur auf Kosten der Allgemeinheit erzielt werden und wo die Pharmaindustrie nach Herzenslust in die Kassen greift.
Samweis hat geschrieben:Hm, bist Du sicher, dass Du da dieselben Arzneimittel vergleichst?
Ja, ich habe die gleichen Medikamente in der gleichen Dosierung, Stückzahl und sogar von selben Hersteller verglichen der angeblich zu den günstigen in Deutschland gehört.
Kannst Du auch gerne hier: http://h-y-kehne.de.tl/Preisvergleiche.htm mit Bildern einsehen. Die Bilder auf unserer Homepage sind von Originalverpackungen aus Schweden und Deutschland. Ich könnte noch mehr dieser Vergleiche bereitstellen.
Samweis hat geschrieben:Immer wenn ich nämlich so einen Vergleich anstelle, stelle ich fest, dass die Apoteket keineswegs die supergünstigen Preise realisiert, die sie als Monopolist eigentlich bekommen müsste.
Beispiel: Zovirax kostet in D 7,83 €, in S 102 SEK (gleiche Menge, gleiche Dosierung, gleicher Hersteller).
Auch bei Antihistaminika kann ich den Faktor 10 nicht nachvollziehen.
Ich weiß nicht welches Zovirax Du jetzt meinst, (gibt ja mehere Dosierungen und Ausführungen.) sollte das, dass gegen Lippenherpes sein dafür habe ich das letzte mal in Deutschland noch für eine kleine 2 g Tube 13,65 € bezahlt, aber ist mal egal.
Außerdem habe ich ja auch nur geschrieben das "fast alle" der Medikamente die "ich benötige" 10 X so teuer sind wie in Deutschland.
(Das ist nur eine Tatsache und Feststellung von mir.) Sicher kann es wie überall auch hier Ausnahmen geben.
Samweis hat geschrieben:Hm, diese Logik erschließt sich mir jetzt nicht - Da die meisten Schweden in "Ballungsgebieten" wohnen (von denen das größte wohl Stockholm ist - im Vergleich mit anderen Metropolen Europas ein Kaff.), müssen sie in Ballungsgebieten eine schlechtere medizinische Versorgung und längere Wartezeiten hinnehmen als auf dem Land?
Und weil die meisten Schweden also längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, muss die von hansbaer zitierte Statistik geändert werden?
Irgendwie stehe ich auf der Leitung...
Dazu muss ich Dir sagen lese Dir das nochmal durch was ich geschreiben habe, da hast Du garantiert was falsch verstanden. Ich habe nämlich nur geschreiben das wir mit den Wartezeiten noch nichts zu tun hatten da wir in einer ländlichen Gegend in Schweden wohnen und das ich mir das vorstellen kann das es in Ballungsgebieten zu Wartezeiten kommen kann. Ferner habe ich geschreiben das 70-80 % der Schweden in den größeren Städten wohnen. Dann habe ich noch geschreiben das im Gesamten betrachtet die Zahlen vielleicht stimmen mögen aber man die von hansbaer genannten Statistiken und Zahlen so nicht allgemein auf Schweden anwenden kann. Außerdem habe ich noch geschreiben: wenn man das auch in den Foren richtig beobachtet sind es zum größten Teil Leute aus großen Städten die sich über diese Wartezeiten beschweren.
(Das war eine Feststellung.)
Ich habe weder was davon geschrieben das die Menschen in Ballungsgebieten eine schlechter Versorgung noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen noch das die von hansbaer genannten Statistiken geändert werden müssen.
Aufgrund dessen kann ich deine Schlussfolgerung und Antwort auf mein Posting nun überhaupt nicht nachvollziehen. :(

PS. Wobei das mit den Statistiken so eine Sache ist, man sollte schon mal dahinter schauen wer sie in Auftrag gegeben oder erstellt hat oder wem sie Nutzen bringen.
Wenn Person eins 2 Millionen Euro hat und Person zwei nichts, haben Statistisch gesehen beide Personen je 1 Million Euro was aber Person zwei auch nichts nützt. :lol: So viel zum Thema Statistiken.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 24. Mai 2009 19:15

Hallo,

da wir gerade in Schweden weilen, habe ich kürzlich eine 80 jährige Dame gefragt, wie es bei ihr mit der ärztlichen Versorgung in Schweden - nahe Malmö - aussieht. Ob sie lange Wartezeiten in Kauf nehmen muß, da sie mit 80 Jahren auch so einige Krankheiten hat. Sie sagte sofort, dass sie immer gleich Arzttermine bekommt, wenn sie in ihrer Vardcentrale anruft. Sie hat immer den gleichen Arzt, sie konnte wählen, welchen Arzt sie haben möchte und wenn sie Beschwerden hat, ruft sie dort an und bekommt umgehend einen Termin.

Dann habe ich heute mit unserem deutschen Vorbesitzer unseres Hauses in Älvsered gesprochen, der gerade an einer Augenentzündung leidet. Ich war erstaunt, dass er mir berichtete, dass er ein Taxi bezahlt bekommt.
In Deutschland muß man sehr viel zubezahlen, wenn man nicht selber Autofahren kann und ein Taxi nehmen muß.
Früher bekam man Fahrtkosten von den Krankenkassen erstattet, wenn man einen Arzt in einem anderen Ort besuchen mußte, wenn es vor Ort keine Praxis gab, das ist alles vorbei.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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