Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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blueII
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon blueII » 20. Mai 2009 11:42

S-nina hat geschrieben:....

- herzallerliebst ...


ja wirklich :lol: , erklärt ja auch die Frage aus einem anderen Thread, warum manche schw. Männer so unromantisch wirken....kein Wunder wenn Kuscheln SOLCHE Gefahren bergen :lol:

sorry...wir werden jetzt fürchterlich offtopic


@Volker, da gebe ich Dir recht....ist mir letztes Jahr mit unserer Hündin passiert......innerhalb 3 Stunden OP
und das beste
am nächsten Abend hat der Doktor höchstpersönlich angerufen, um sich nach seinem Patienten zu erkundigen. :P

ja, da kommt der Mensch ins schwärmen :razz: .

guteBesserung

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon guteBesserung » 20. Mai 2009 11:58


Hol_den_Bohrer_raus!

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Hol_den_Bohrer_raus! » 20. Mai 2009 17:55

Hej,

ja da kommt Freude auf, wenn man die aktuellen (!) Tips zur Selbsthilfe bei der offiziellen schwedischen "Sjukvårdsupplysningen" (Krankheits- und Behandlungsinformation per Web oder Telefon) nachliest.

Der weiter oben im Thread genannte ungemein pfiffige Vorschlag aus der Broschüre "Egenvård", sich nämlich bei geklemmtem Finger gern selbst ein Loch in den Fingernagel zu bohren, um die Flüssigkeit herauszulassen - das zum Beispiel gern mit einer Büroklammer - ist dort heute am 20.Mai 2009 noch immer zu finden....

Viel Vergnügen beim Lesen! Hier sind die offiziellen schwedischen Tips zur Selbstbehandlung im Krankheitsfalle. Sie sind jedoch - entgegen hier vielfach geäußerten Vermutungen - gar nicht als Comic gedacht. Kaum zu glauben :-)
http://www.sjukvardsradgivningen.se/Inn ... oryID=8813

Das ist original schwedische Behandlungskunst - wie meistens auf die ganz bäuerliche Art...

Willkommen im 19. Jahrhundert!

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Haro
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Haro » 20. Mai 2009 21:31

Hejsan alle hier,

ich habe mir die Beiträge mal durchgelesen und es scheint mir das, dass schwedische Gesundheitssystem genau so wie das deutsche seine Stärken und Schwächen hat. In Schweden sind ja die Läns für das Gesundheitssystem zuständig und daher gibt es scheinbar auch sehr große Unterschiede in der Versorgung. So wie es aussieht scheint die Versorgung in ländlichen Gegenden wohl besser zu sein wie in großen Städten. Bei uns jedenfalls (Kalmar Län, Hultsfred Kommun) ist die Versorgung sehr gut. Da ich selbst unter mehreren chronischen Erkrankungen wie z.b. Diabetes leide kann ich nur sagen das ich hier sehr gut versorgt bin.
Im Gegenteil, ich fühle mich hier sogar besser versorgt wie in Deutschland. Da ich ja durch eine kaputtene Wirbelsäule Frührentner bin und dadurch bedingt öfter sehr starke Rückenschmerzen habe hat mein Arzt in Deutschland mir die guten (teuren) Schmerzmittel die letzte Zeit nicht mehr verschreiben dürfen da die Krankenkassen sie nicht mehr bezahlten. Statt dessen bekam ich Paracetamol verschrieben die nichts halfen und wovon ich nur zusätzlich Magenprobleme von bekam. :( Hier in Schweden bekomme ich ohne Probleme super Schmerzmittel verschrieben die den (guten) von früher aus Deutschland ähneln.
Auch kann ich lange Wartezeiten die oft beklagt werden nicht bestätigen. Als mein Arzt in der Vårdcentral mich ins Krankenhaus nach Kalmar überwiesen hat, hatte ich innerhalb einer Woche den Termin und alles hinter mir. Auch auf Termine in der Vårdcentral habe ich noch nie länger als ein paar Tage warten müssen.
Wie das bei Notfällen aussieht kann ich nicht sagen da ich noch keinen hatte, ich weiß nur das ein Bekannter bei uns aus dem Ort einen Herzinfarkt hatte und Ruckzuck versorgt, nach Jönköping ins Krankenhaus kam und 4 Bypässe gelegt bekam. Er sagte mir das er "Super" versorgt worden sei.
Zu den Zahnarztkosten kann ich nur so viel sagen das ich für die Reparatur einer Krone mit Brücke (ca. 2,5 Stunden Arbeitszeit plus Zahntechniker) 560:-kr bezahlt habe was nicht teuer ist.
Bis letztes Jahr musste man ja in Schweden Zahnersatz selber bezahlen, aber ab letztes Jahr gelten hier auch Zuzahlungsgrenzen. Bis 300 € bezahlt man weiterhin alles selber, ab 300 € bis 1.500 € bekommt man 50 % Zuschuss und über 1.500 € bekommt man 85 % Zuschuss. Ein Bekannter von uns hier hat für 4 Zahnimplantate 38.000:-kr (ca. 3.800 €) bezahlt, ich sollte damals in Deutschland für 2 Zahnimplantate 5.000 € bezahlen was dazu führte das ich mir eine Brücke hab machen lassen, wo ich immer noch 1.500 € zuzahlen musste.
In Schweden brauch ich mich auch nicht wie in Deutschland mittlerweile üblich hinter Privatpatienten in zweiter Reihe anzustellen.
Also, alles in allem kann ich nur sagen das ich mich hier in Schweden jedenfalls in unserer Kommune besser und vor allem gerechter versorgt und behandelt fühle und nicht als Patient zweiter Klasse wie in Deutschland.

Gruß aus Småland :flagge:
Harald
Man muss dem Leben nur gelassen folgen und ihm ein Höchstmaß an Freude entnehmen.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Distriktläkare » 20. Mai 2009 21:36

Ich will jetzt ja gar nichts sagen, aber das Trepanieren des Nagels ist bei Einblutung unter den Nagel DIE Behandlungsmethode. Das hat nichts mit bäuerlich oder 19. Jahrhundert zu tun, beim Arzt (ja, auch in Deutschland) wird das genauso gehandhabt. Entweder mit einer Büroklammer (über Flamme erhitzt und damit ein Loch in den Nagel sengen) oder mit einer Kanüle ein Loch bohren (wobei das "Sengen" den Vorteil hat, dass die Größe des Loches das Abfließen des Blutes deutlich verbessert). Lindert sofort die Schmerzen, da der Druck abnimmt, und warum soll das ein Arzt machen, wenn man es selber tun kann? Nebenbei, die Tipps auf der besagten Seite sind generell nicht so schlecht und ziemlich fundiert.

schwedenoma

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon schwedenoma » 20. Mai 2009 23:08

Im Moment habe ich mir einen Termin beim Distriktläkare geholt. Nach 6 Wochen ist der Termin am 04. 06.2009. Ich setze sehr viel auf den Termin. Aber ich habe wenig Hoffnung, das man mir hier in Schweden helfen kann. Da sprechen die Aussagen bei meinen Untersuchungen dagegen. Durch einen Besuch in der Akut Central vor 14 Tagen, wo ich Zusammen gebrochen bin, wurde mein Problem kommend vom Rücken diagnostiert. Eine Weiterbehandlung wurde aber nicht eingeleitet.Im Moment klappere ich alle deutschen neurogischen Kliniken ab und versuche für mein Problem einen Termin zur Untersuchung zu bekommen. Aber auch in Deutschland bist Du ein nichts, da Du bei der AOK bist.
Mein Problem ist, das man mit mir kein Geld mehr verdienen kann.
Das hoffe ich, das in Schweden nicht so sein wird.
Schwedenopa

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Samweis » 21. Mai 2009 06:38

Hallo Distriktläkare,
Distriktläkare hat geschrieben:Das hat nichts mit bäuerlich oder 19. Jahrhundert zu tun,

Richtig. Was vor hundert Jahren gut war, muss heute nicht schlecht sein. Schließlich ist auch heute noch die Medizin weit entfernt von einer exakten Wissenschaft.
Nach der Definition von Gesundheit der WHO ist es schon nicht leicht, Krankheit in allen Fällen "objektiv" festzustellen.
Ich sehe Medizin eher als eine Kombination von Handwerk und Kunst. Oder "Handwerkskunst".

Die handwerkliche Seite hat in den vergangenen Seiten durch technische Entwicklungen klar hinzugewonnen.
Zur "Kunst" gehören aber z.B. auch kommunikative Fähigkeiten, die dem Patienten Vertrauen und Sicherheit geben. (Dass diese Dinge eine Heilung beschleunigen bzw. manche Patienten sich nach entsprechender Aufklärung trotz weiterhin objektiv feststellbarer Symptome gar nicht mehr krank fühlen, brauche ich Dir als Arzt nicht zu erzählen.)
Meiner Ansicht nach hapert es damit heute manchmal etwas. Ich kann aber aus eigener Erfahrung keinen Vergleich mit dem 19. Jahrhundert anstellen. :wink:
Jedenfalls aber sind lange Wartezeiten, fehlende Wahl- und Einflussmöglichkeiten und eine beschränkte Zugänglichkeit von Ärzten dem Vetrauen und dem Gefühl von Sicherheit nicht förderlich.

Hm, vielleicht wolltest Du aber der sich hier durch Schreckensgeschichten ausbreitenden Unsicherheit entgegentreten? Das wäre sehr löblich, und dann wünschte ich, Du hättest etwas "dicker aufgetragen".
Denn Formulierungen wie
Distriktläkare hat geschrieben:nicht so schlecht und ziemlich fundiert.

führen bei manchen Patienten eher zu dem Gedankengang: "Nicht sooo schlecht - ich sterbe also noch nicht heute. Aber ziemlich bald?" :zwinker:

Viele Grüße

Samweis

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Samweis » 21. Mai 2009 06:54

Hallo,

mal eine etwas provokante Frage (ganz ungewohnt von meiner Seite :wink: ):

Was ist eigentlich so schlecht an dem hier schon einmal erwähnten britischen System der amtlichen Festsetzung eines "Kopfgeldes" für ein Menschenleben, das dann zur Wirtschaftlichkeitsberechnung im Straßenbau (z.B. Leitplanken) oder bei der medizinischen Versorgung herangezogen wird?
Wenn ich doch einmal in der Situation bin, dass ich begrenzte Resourcen habe und nicht alles bezahlen kann, dann kann ich doch wenigstens für Transparenz sorgen, wenn es darum geht, was nicht bezahlt werden soll. "Nicht bezahlt" heißt ja nicht "nicht behandelt".
Klar, wenn ich den Wert einer königlich-britischen Yacht statt in Pfund dann in Menschenleben umrechne, wird's arg makaber...

Aber wenn die medizinische Versorgung eines Kindes von den kommunikativen Fähigkeiten einer aufgeregten Mutter und der Überzeugungskraft einer Krankenschwester im Telefondienst abhängt - zwecks Kostensenkung durch Zugangsbeschränkung...

Im britischen Fall geht es darum, was die Allgemeinheit bezahlt. Im zweiten Fall geht es darum, wer Hilfe bekommt.

So, jetzt gehe ich mal lieber... :wink:

Viele Grüße

Samweis

unbekannt

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 21. Mai 2009 08:01

Hallo zusammen,

da wurden jetzt zwei Beiträge gleichzeitig gechrieben. Mein nachfolgender Beitrag bezieht sich auf die Selbshilfetipps. Das Thema ist von allen Seiten beleuchtet wirklich sehr interessant. Letzten Endes geht es einfach um die Gesundheitskosten, die immer weiter steigen und steigen.

Also ich finde die Selbsthilfetipps unter http://www.sjukvardsradgivningen.se/Inn ... oryID=8813 sehr informativ, nützlich und kompakt zusammengefasst. Indirekt steht dort auch beschrieben, wie ich für einen Artztermin argumentieren muss. In Schweden wird eben nach Möglichkeit gerne erst einmal alles selbst gemacht, angefangen vom Zusammenschrauben seiner Ikea-Möbel bis zur Selbstbedienung in Restaurants. So spart man einfach Geld.

Allerdings fängt gerade mein Daumen erheblich an zu schmerzen, weil ich mir vorstelle, wie ich mit meiner Ständerbohrmaschine im Keller versuche meinen Daumennagel mit einem 0,8-mm-Bohrer aufzubohren :D. Ich gebe zu, dass mich das Aufbohren eines Fingernnagels auch erhebliche Überwindung kosten würde und das lieber von einem Arzt machen lassen würde, der weiß, was er tut. Ich kenne mich mit der Anatomie eines Fingers einfach nicht genau genug aus. Ich habe schon mal eine Wasserleitung angebohrt. Aber was passiert, wenn ich bei einem Daumennagel zu tief bohre? Das ist bestimmt noch schlimmer. :( . Ja, ich bin jetzt dankenswerterweise informiert, dass man es mit einer heißen Nadel machen soll, aber trotzdem.

Zu dem Thema Selbsthilfe fällt mir die "Apotheken Umschau" http://de.wikipedia.org/wiki/Apotheken_Umschau ein, die in Deutschland mit einer Auflage von über 9 Millionen alle 14 Tage in den Apotheken kostenlos verteilt wird. Die Zeitschrift ist werbefinanziert und wird von den Apotheken mit 0,5 Euro pro Heft mitfinanziert. Eigentlich müsste jeder erkennen, dass die eigentliche Absicht der Zeitschrift ist den Umsatz der Apotheken zu steigern und die Kunden zu binden. Meiner Ansicht ist das Lesen solcher Druckwerke absolute Zeitverschwendung und die meisten Ratschläge nutzen mehr den Apotheken als einem selbst. Ich finde das manipulativ und es macht ehrlich gesagt auch etwas wütend, wenn ich erlebe, was die Leute für einen Quatsch alles glauben.

Bei der "Apotheken Umschau" geht es darum an die Geldbeutel von Patienten heranzukommen. Bei den schwedischen Selbsthilfetipps geht es um Kosten sparen und Volksgesundheit. Letzteres erscheint mir vernüftig und vor allen Dingen ehrlich.

Ach ja, und wenn ich dann noch bedenke, was im Internet mit traumhaften Gewinnmargen und wachsenden Umsätzen an Salben, Pillen und Tröpfchen als "Geheimtipp" verkauft wird, mit denen man sich umbringen oder schleichend vergiften kann, hat uns in diesem Punkt das 17. Jahrhundert der Jahrmarkt-Quacksalberei wieder eingeholt.

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 21. Mai 2009 10:33

Bei der "Apotheken Umschau" geht es darum an die Geldbeutel von Patienten heranzukommen. Bei den schwedischen Selbsthilfetipps geht es um Kosten sparen und Volksgesundheit. Letzteres erscheint mir vernüftig und vor allen Dingen ehrlich.

Es gibt in Schweden genau so eine Zeitung auch in der Apotheke - inwieweit die nun "helfen" möchte oder gar "ehrlich" ist, keine Ahnung. Aber auch in schwedischen Apotheken sollst du "einkaufen/konsumieren" -genau wie in deutschen. In Schweden ist es zurzeit noch ein staatliches Unternehmen (Apoteksbolaget), dessen Privatisierung gerade in vollem Gange ist - bei uns in Halland sollen im Herbst mehr als die Hälfte in privater Hand sein. In Schweden bedeutet dies dann eben eine neue Kette (Apoteks-Ikea/H&M AB oder so ähnlich - Ziel: Profitmaximierung) - du wirst wahrscheinlich kaum kleine, persönliche Apotheken mit freundlicher, gelassener Beratung finden. Schweden steht für "Rationalisierung/Automatisierung" - Gelassenheit geht in Schweden immer damit einher, dass du in erster Linie von einem "Computer" bedient wirst ... schnell und friktionslos ...

http://www.sr.se/Halland/nyheter/artike ... el=2814299

S-nina


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