Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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Aelve
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 19. Mai 2009 10:34

Hallo Hansbaer,

Deine Meinung und Deine Aufklärung in allen Ehren. Ich weiß, dass der Spruch, woanders ist das Gras grüner nicht auf die Natur Schwedens gemünzt ist, sondern darauf, dass man das was man nicht hat, immer gutheißt und besser findet. Ich könnte dazu sehr viele Beispiele nennen, z.B. dass jemand abends im Dunkeln am Ufer steht, sieht ein tolles Haus am anderen Ufer und gerät ins Schwärmen. Er will sich das Haus näher anschauen, schlägt den Weg zu der anderen Seite des Ufers ein, um sich das tolle Haus von nahem zu beschauen. Plötzlich ist er ganz erstaunt, als er nah genug am Haus ist, denn dann sieht er dass es sich um sein eigenes Haus handelt, was er von weitem und im dunkeln als wunderschön erachtet hat, dass er meinte, der Hausbesitzer müßte der glücklichste Mensch auf Erden sein.
Denke also bitte nicht, Du hast es hier mit einem Dummchen zu tun, lieber Hansbaer, ich kenne mich schon ganz gut aus, das kannst Du mir gerne glauben. Und niemals habe ich gesagt, dass Deutschland mit Somalia gleichzusetzen ist, obwohl ich überzeugt davon bin, dass in Deutschland viel schief läuft und verbesserungswürdig ist. Also praktisch genau das Gleiche, was Du von Schweden schreibst. Auch habe ich in keinem posting behauptet, dass ich vom Gesundheitssystem in Schweden begeistert bin, ich selber war in Schweden noch nie in irgendeiner Behandlung, kann also mit keinem eigenen Bericht aufwarten. Ich weiß nur, dass auch in D das Gesundheitssystem sich nach und nach immer mehr verschlechtert hat, also die finanziellen Probleme haben auch über Deutschland keinen Bogen gemacht.

Ich hörte jetzt von jemanden, der nach Spanien ausgewandert war und mittellos zurückgekommen ist. Seine Aussage war:
das Problem war, dass ich deutsch gedacht habe, ich bin deutsch erzogen worden, ich habe deutsche Gewohnheiten,
ich kann mich mit der Mentalität der Spanier nicht anfreunden und ecke deshalb auch überall an.
Als Einwanderer muß man an sich selber arbeiten, muß zumindest versuchen, seine deutsche Denkweise etwas abzustellen, auch wenn es sehr schwer fällt, weil man nun einmal so erzogen wurde, immer korrekt, immer alles sofort zu erledigen, alles perfekt zu regeln, immer zu funktionieren.
Die Spanier sind anders, nach dem Motto, komme ich heute nicht, komme ich morgen.

Deshalb muß man sich über dieses im Klaren sein, so wie Volker es sehr gut ausführt, was ich voll unterstreichen kann.
Als Ausländer oder Eingewanderter muß ich mich umstellen, sonst wird man immer - so wie Ihr es oft hier macht - glauben, dass in Deutschland alles besser lief und immer noch läuft. Ich bin mit meinem Leben hier in D nicht unglücklich und auch nicht frustriert, trotzdem gefällt mir vieles in Schweden einfach besser, dafür weiß ich, dass auch Nachteile hinzunehmen sind.

Grüße Aelve
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon janaquinn » 19. Mai 2009 10:48

Eigentlich wollte ich mich in diesem Thread nicht mehr zu Wort melden, aber tue es trotzdem.
Erstmal möchte ich Fabian für sein tolles Posting danken, ich kann es in allen Punkten unterschreiben, da ich gleich denke und fühle.

Ich bin hier in Järna in der beneidenswerten Situation zwischen 2 Vårdcentral wählen zu können, ich habe 2 vollkommen unterschiedliche Apotheken in der Stadt, von denen eine ausschliesslich Weleda-Produkte und-Medizin verkauft, ich habe eine Klinik in der sowohl Schulmedizin als auch Naturheilkunde Hand-in-Hand arbeiten, ich kann mir hier mein Bio-Gemüse und Obst wöchentlich heimliefern lassen....ich könnte es weiter aufzählen, aber es bringt nix.
Ich weiss, wie besonders die Situation in dieser kleinen Stadt vor den Toren Stockholms ist.
ABER ich habe hier nur einen einzigen Zahnarzt, den staatlichen Zahnarzt, die ähnlich den privaten Zahnärzten wahrscheinlich, lieber die teuren Behandlungen durchführen, wenn man einen Termin auf die "Schnelle" bekommt, statt beim einem toten Zahn lieber den einfachen und kostengünstigen, für den Patienten, Weg zu gehen und den Zahn zu ziehen.
Zum Vergleich: Eine Wurzelbehandlung schlägt mal eben mit ca. 3500,.sek zu Buche, die einfache mit 2 Kanälen. Den Zahn rauszuholen und dem Patienten unnötige Kosten zu ersparen, kommt auf gerade mal ca. 1000sek.
Mein Mann, der vor knapp 2 Monaten einen Zahn gezogen bekommen, hat noch immer Probleme damit, weil wahrscheinlich Zahnfragmente im Kiefer vergessen wurden und er keinen neuen Termin bekommt.
Also wird der Deutschland-Besuch mit einem Zahnarztbesuch gekrönt, weil wir wissen, dass dort auf unsere Wünsche eingegangen wird und der Kiefer nochmals untersucht wird, wenn der Zahn draussen ist.
Ja, ich bezahle die Gebühren dann aus eigner Tasche, aber ich weiss, dass ich dann endlich keine Schmerzen mehr habe und wieder vernünftig essen kann.
Ich habe, ganz ehrlich, das Vertrauen an die schwedischen Zahnärzte verloren, nachdem im Dezember ein toter Zahn einfach nur bis zur Wurzel ausgehöhlt wurde und irgendwelche Medizin reingespritzt wurde, damit man irgendwann eine Wurzelbehandlung macht, statt den Zahn direkt rauszuholen und irgendwann eine Krone bzw. ein Implantat zu setzen.

Mir geht es wie Heike, ich kann mich meine "geplatzten" Träumen wunderbar und herrlich in Schweden leben, ich kann akzeptieren, dass nicht alles Eitel-Sonnenschein ist und bin glücklich hier.
Was ich aber nicht akzeptieren kann, sorry wenn ich es so deutlich ausspreche, dass mit der Gesundheit meiner Familie gespielt wird und das werde ich auch weiterhin offen kritisieren.

Ich möchte allerdings auch klarstellen, bevor es böses Blut von Seiten unserer Foren-Ärzte kommt, ich sehe das Problem keinesfalls bei den Ärzten, sondern schlicht im System, welches an sich selbst krankt und auf Kosten der schwedischen Bevölkerung geht.
Die Ärzte können nur soviel tun, wie in ihrer Macht liegt, sie sind Menschen, die in und mit diesem System arbeiten und täglich versuchen, dass beste drauss zu machen.
Ich denke, man muss sehr viel Liebe zum Beruf haben, damit man hier in Schweden als Arzt arbeiten kann, denn wie schonmal geschrieben wurde, des Geldes wegen wird kaum einer nach Schweden gehen.

In diesem Sinne
JANA

Nachtrag: Es mag sein, dass ich, auch nach 2 Jahren in Schweden, noch sehr deutsch denke und ticke, aber genau diese Eigenschaft hat meinen Sohn auf eine bessere Schule gebracht. Hätte ich schwedisch gedacht und gefühlt, wäre Yannic noch immer unglücklich auf der alten Schule und ich bzw. wir hätten es stilschweigend akzeptiert.
An Yannic´s Waldorfschule arbeiten viele Deutsche Lehrer und Betreuer, auch sie ticken und denken noch sehr deutsch, aber sie sind integriert im Kollegium, sie fühlen sich und sie trauen sich, obwohl seit Jahren in Schweden und gesellschaftlich akzeptiert, zu sagen, dass auch Deutschland gut und schön ist....dass es gute Seiten an der alten Heimat gibt und sie sich auf die Besuche bei den Familien und Freunden freuen. Aber sie sagen genauso, sie kehren gerne wieder in die Ruhe Schwedens zurück.
Die schwedischen Lehrer kritisieren OFFEN das schwedische Gesundheits-und Schulsystem, der komunalen Schulen, und Järna ist bestrebt sich bis 2014 von der Komune Södertälje zu lösen und eine eigenständige Komune zu werden.
Södertälje behindert Järna mehr in der Entwicklung, als das die Kooperation nutzen bringt...wir werden sehen, wie es ausgeht... Ich persönlich hoffe und unterstütze die eigenständige Komune JÄRNA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 19. Mai 2009 11:24

Aelve hat geschrieben:Denke also bitte nicht, Du hast es hier mit einem Dummchen zu tun, lieber Hansbaer, ich kenne mich schon ganz gut aus, das kannst Du mir gerne glauben. Und niemals habe ich gesagt, dass Deutschland mit Somalia gleichzusetzen ist, obwohl ich überzeugt davon bin, dass in Deutschland viel schief läuft und verbesserungswürdig ist. Also praktisch genau das Gleiche, was Du von Schweden schreibst.


Ich denke auch nicht, dass du ein Dummchen bist. Du kommst jedoch immer wieder mit allgemeinen Aussagen, die einer Überprüfung im Detail einfach nicht standhalten.

Du kannst Somalia gerne durch jedes andere Land der Dritten Welt ersetzen, denn

Hallo Hansbaer,

Du vergißt, dass Deutschland tatsächlich eine Bananenrepublik ist wie sie im Buche steht.


Darauf spielte ich nämlich an - und du kannst mir nicht erzählen, dass dies für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Sache spricht.

Meine Botschaft war und ist: wir sollten weg von Pauschalitäten. Und zu sagen, dass Schweden ein humaneres und besseres System, ist eine solche.

Auch habe ich in keinem posting behauptet, dass ich vom Gesundheitssystem in Schweden begeistert bin, ich selber war in Schweden noch nie in irgendeiner Behandlung, kann also mit keinem eigenen Bericht aufwarten. Ich weiß nur, dass auch in D das Gesundheitssystem sich nach und nach immer mehr verschlechtert hat, also die finanziellen Probleme haben auch über Deutschland keinen Bogen gemacht.


Die Frage bleibt aber, wo es besser ist. Wenn ich die Wahl habe zwischen kostenloser Basisversorgung im Zahnbereich und einem System, bei dem jeglicher Zahnarztbesuch schon mit einem vierstelligen Kronenbetrag zu Buche schlägt, zwischen monatelanger Wartezeit und zügiger Behandlung, dann wähle ich letzteres - selbst wenn es mich als Steuerzahler mehr kostet.

Das ist nämlich der Punkt. Die Försäkringskassan bezahlt Menschen Geld, dass sie ins Ausland fahren, um ihre Kinder zu kriegen, weil in schwedischen Kliniken kein Platz für sie ist. Sie bezahlt viel Material und Geld für Behandlungen, die wegen der langen Wartezeiten und den daraus resultierenden Krankheitsverläufen entstehen. Dies sind auch meine Steuergelder, und ich finde, sie müssten anders verwendet werden.

Ich möchte kein deutsches System hier mit Zweiklassenmedizin, aber der schwedische Staat muss sicherstellen, dass genügend Ärzte im Gesundheitssystem arbeiten und diese auch in akzeptablen Zeiträumen zugänglich sind. Und daran scheitert das Gesundheitswesen kläglich, wenn es selbst die weitläufig gesetzte Grenze von 90 Tagen nicht einzuhalten vermag.

Ich hörte jetzt von jemanden, der nach Spanien ausgewandert war und mittellos zurückgekommen ist. Seine Aussage war:
das Problem war, dass ich deutsch gedacht habe, ich bin deutsch erzogen worden, ich habe deutsche Gewohnheiten,
ich kann mich mit der Mentalität der Spanier nicht anfreunden und ecke deshalb auch überall an.
Als Einwanderer muß man an sich selber arbeiten, muß zumindest versuchen, seine deutsche Denkweise etwas abzustellen, auch wenn es sehr schwer fällt, weil man nun einmal so erzogen wurde, immer korrekt, immer alles sofort zu erledigen, alles perfekt zu regeln, immer zu funktionieren.
Die Spanier sind anders, nach dem Motto, komme ich heute nicht, komme ich morgen.


Das mag auf viele Bereiche zutreffen, und ich maße mir nicht an, den Schweden einen deutschen Stempel aufdrücken zu können - ich möchte es auch gar nicht, auch weil ich vieles in diesem Land sehr schätze.
Jedoch trifft es nicht in diesem Fall zu, denn ich beschwere mich nicht darüber, dass man hier kein deutsches Brot im Supermarkt kaufen kann. Es geht hier um fundamentale Dinge, die jenseits jeder Mentalität stehen, nämlich das gesundheitliche Wohlergehen von 9 Millionen Menschen.

Potentiell kranke Menschen systematisch über Monate nicht zu untersuchen ist zumindest fragwürdig. Dass es in den zuständigen Stellen anscheinend nicht einmal den Willen gibt, wirklich etwas daran zu ändern, ist im Grunde menschenverachtend. Es ist in jedem Falle eines Landes nicht würdig, das sich selbst dafür rühmt, eines der besten Sozialsysteme der Welt zu haben.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 19. Mai 2009 12:05

Hallo Hansbaer,

Du kannst über meine Aussage, dass Deutschland eine Bananenrepublik ist, denken wie Du vermagst. Ich habe es selber erfahren, dass es Bereiche gibt, wo es nicht nach Recht und Gesetz zugeht, wo Filz und Betrug an der Tagesordnung sind. Wo die Gesetze nur Makulatur sind, wo die Richter bestechlich sind, wo es zugeht wie eben in einem korrupten Land. Durch meine Berufstätigkeit, wo ich sehr viel mit Finanzen zu tun habe, weiß ich wovon ich spreche und woher meine Meinung kommt.
Du hast diese Erfahrung noch nicht machen müssen, sei froh darüber, aber spreche anderen Personen nicht ihre eigenen Erfahrungen ab.
Übrigens, Du bist doch immer so smart, warum meinst Du, dass ich andere überzeugen will von meiner Meinung? Ich diskutiere auch nur darüber, ganz genauso wie Du. Im Grunde ist es mir egal, wie Du tickst oder welche Denkweise Du hast.
Und meine Meinung ist eben die, dass ich meine, dass es seltsam ist, wenn ich als Einwanderer in ein anderes Land gehe und mich hinterher beschwere, dass die Bevölkerung eine andere Mentalität hat, das als Beispiel. Es mag stimmen, dass das Gesundheitssystem in Schweden nicht das Allerbeste ist, es sind ja genügend Beispiele aufgeführt, aber meinst Du, dass sich daran in Schweden etwas ändert, wenn Du es hier anprangerst?
Tut was dagegen, wenn Ihr die Möglichkeit habt, entweder versichert Euch zusätzlich oder tretet einer Partei bei, die sich eine Verbesserung auf die Fahnen geschrieben hat. Ich bemängel es genauso wie Du, dass Parteien sich auf die Fahnen geschrieben haben, sozial zu sein, wo es alles andere als sozial zugeht. Das ist wohl die Kunst der Politiker, dass sie genau das, was gar nicht klappt, als eigenen Verdienst noch hervorheben. Mir gefällt das genauso wenig wie Dir, dass etwas angepriesen wird, was in der Praxis so gar nicht stimmt.

Grüße Aelve
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 19. Mai 2009 12:57

Aelve hat geschrieben:Du kannst über meine Aussage, dass Deutschland eine Bananenrepublik ist, denken wie Du vermagst. Ich habe es selber erfahren, dass es Bereiche gibt, wo es nicht nach Recht und Gesetz zugeht, wo Filz und Betrug an der Tagesordnung sind. Wo die Gesetze nur Makulatur sind, wo die Richter bestechlich sind, wo es zugeht wie eben in einem korrupten Land. Durch meine Berufstätigkeit, wo ich sehr viel mit Finanzen zu tun habe, weiß ich wovon ich spreche und woher meine Meinung kommt.


Ich kann es nur nochmal wiederholen:

Als Bananenrepublik werden Länder bezeichnet, in denen Korruption und Bestechlichkeit bzw. allgemein staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.


Natürlich gibt es Korruption in Deutschland, und in Schweden gibt es dem Anschein nach weniger davon. Wenn man einmal von subjektiven Erlebnissen weggeht und versucht, objektive Massstäbe anzulegen, dann kann man z.B. einen Blick auf den Corruption Perceptions Index werfen. Da erreicht Schweden einen Wert von 9,3 und kommt damit auf den ersten Platz. Deutschland liegt auf Platz 13 mit einem Wert von 7,9 Punkten. Das ist verbesserungsbedürftig, aber immerhin besser als 21 der 26 anderen EU-Länder.

In einer Bananenrepublik zu leben heißt, einen Reisepass nur gegen Schmiergeld zu bekommen. Einen Arzt nur sehen zu dürfen, wenn man der Krankenschwester Geld zusteckt.

In Deutschland gibt es so etwas nicht - und deshalb ist es auch keine Bananenrepublik.

Übrigens, Du bist doch immer so smart, warum meinst Du, dass ich andere überzeugen will von meiner Meinung? Ich diskutiere auch nur darüber, ganz genauso wie Du. Im Grunde ist es mir egal, wie Du tickst oder welche Denkweise Du hast.

Und meine Meinung ist eben die, dass ich meine, dass es seltsam ist, wenn ich als Einwanderer in ein anderes Land gehe und mich hinterher beschwere, dass die Bevölkerung eine andere Mentalität hat, das als Beispiel. Es mag stimmen, dass das Gesundheitssystem in Schweden nicht das Allerbeste ist, es sind ja genügend Beispiele aufgeführt, aber meinst Du, dass sich daran in Schweden etwas ändert, wenn Du es hier anprangerst?


Es ist eine interessante Vorstellung von Diskussion, dass einfach jeder einmal seine Meinung sagt und dann alle wieder auseinander gehen. Wenn Meinungsaustausch zur reinen Meinungsabgabe wird, dann kann man sich das Diskutieren schenken.
Was wir hier betreiben, ist gegenseitige Information und Meinungsbildung.
Sie ändert für sich genommen nichts, hat aber trotzdem eine wertvolle Funktion. Zum einen erfahren Auswanderwillige mehr darüber, was sie erwartet, im Guten wie im Schlechten. Sie können sich auf Dinge einstellen, von denen sie vorher nicht einmal etwas wussten. Zum anderen lernen alle Beteiligten etwas zum Thema. Jedenfalls geht es mir so, denn ich habe in den letzten Monaten in Threads wie diesem eine Menge über Schweden erfahren, was schon alleine deswegen wertvoll ist, weil ich nur an einem Ort in einem Land mit 450.000 km² und 9 Millionen Menschen lebe. Ohne Anregungen wie diese würde ich mich bei weitem nicht so umfassend informieren, wie ich es derzeit tue. Ich denke, wenn die Teilnehmer hier nächstes Jahr zu den Urnen schreiten, wird auch dies seinen Niederschlag haben.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 19. Mai 2009 14:25

Hallo Hansbaer,

da sind wir doch ganz einer Meinung, jeder schreibt in einem Forum seine Erfahrungen und ein Frager oder Interessent sucht für sich das raus, was ihm am ehesten gefällt, was er meint, dass er da was mit anfangen kann, wo er meint, dass er damit übereinstimmt. Sicherlich wird er auch Aussagen, die ihm mißfallen oder mit denen er mit Moment nichts anfangen kann, nicht achtlos vergessen, sonder ebenfalls speichern und sich daran gegebenenfalls auch erinnern, wenn er später die gleichen Erfahrungen sammelt.
Aber man kann nicht davon ausgehen, nur weil eine Person mal gescheitert ist bei der Auswanderung, dass dann jede andere Person auch scheitert.
Oder man kann nicht davon ausgehen, dass bei einem Patient eine Diagnose falsch war, dass das dem anderen Patienten genauso passieren muß.
Dazu gibt es zuviele verschiedene Menschen und möglicherweise bekommt ein Patient keinen schnellen Termin, weil er sich nicht richtig ausdrücken kann, der andere Patient aber bekommt früher einen Termin, weil er seine Sache wichtig machen kann oder sich durchzusetzen vermag.
Also kann man auch nicht allgemeingültig für jeden Fall den richtigen Tipp hier parat haben oder meinen, dass ein Tipp auf alle Leute passen muß.
Was die Sache mit der Bananenrepublik angeht, kannst Du schauen, dass es genügend Leute gibt, die genau das Gleiche behaupten wie ich, weil ihre Erfahrungen dementsprechend waren. Auch wenn Du es persönlich nicht für möglich hälst.

Was ist in Deinen Augen eine richtige Diskussion, dass der andere mundtot gemacht wird und am Ende sagt, dass er sich geirrt hat?
Ich gebe mal zu bedenken, dass Du es warst, der gesagt hat, in Deutschland wollen mehr Leute auswandern als in anderen Ländern.
Als ich dem zustimmte und meinte, dass ja auch viele Leute mit D unzufrieden sind, da sollte es plötzlich nicht mehr sein.
Für mich ist Diskussion auch, dass man die Meinung des anderen toleriert und dass man auch akzeptiert, dass jeder andere Erfahrungen gesammelt hat, die er in einer Diskussionsrunde schildert, ohne dass die anderen Teilnehmer ihm seine Erfahrungen absprechen wollen. Und auch, dass gleiches Recht für alle gilt und nicht, dass einer stöhnen und schimpfen darf, der andere aber hat den Mund zu halten.

Dazu gehört auch, dass jemand, der gute Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in Schweden gesammelt hat, dieses hier auch schildern darf.
Und dazu gehört auch, dass jemand mal sagt, wenn in Schweden das Meiste schlecht ist, warum geht man dann nicht in ein ganz anderes Land oder zurück nach Deutschland, könnte doch sein, dass die Situation dort für die Person besser ist als vor seiner Auswanderung. Jeder ist doch seines Glückes Schmied. Damit sage ich nicht, dass das Gesundheitssystem in Schweden nicht verbesserungswürdig ist, man sollte nie auf einem schlechten Stand bleiben sondern immer Verbesserung gegenüber aufgeschlossen sein.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 19. Mai 2009 14:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Berta » 19. Mai 2009 14:32

Hallo Ihr,

ich glaube, ich kann jetzt nachfühlen, wie es tatsächlich ist, wenn man so unendlich lange auf einen Arzttermin warten muss, auch wenn ich, als ich in Schweden wohnte, keine eigenen Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem gemacht habe: Ich wollte hier in meiner Stadt in Süddeutschland einen Facharzttermin ausmachen - leider nehmen alle entsprechenden Praxen in unserer 80000-Einwohner-Stadt keine neuen Patienten mehr an. Mir wurde empfohlen, mich im Herbst nochmal zu melden, um dann einen Termin für das nächste Frühjahr auszumachen.

Zum Glück kann ich ja aber hier auch in jede andere Stadt fahren und dort Termine ausmachen (das werde ich wohl machen - muss ich halt mit dem Zug zum Arzt fahren... :roll: ).

Was ich sagen will: Ich bin eigentlich ziemlich froh, dass hier im Normalfall keine solchen Verhältnisse herrschen. Den anderen notwendigen Facharzttermin bekam ich sofort einen Tag nach dem Anruf.

Naja,
so weit,
Berta.

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 19. Mai 2009 14:54

Aelve: Für mich ist Diskussion auch, dass man die Meinung des anderen toleriert und dass man auch akzeptiert, dass jeder andere Erfahrungen gesammelt hat, die er in einer Diskussionsrunde schildert, ohne dass die anderen Teilnehmer ihm seine Erfahrungen absprechen wollen.

Warum setzt du das beispielsweise in diesem Thread nicht einfach um - ich meine das Tolerieren der Erfahrungen anderer - auch wenn diese möglicherweise negativer Natur sind?

Aelve: Dazu gehört auch, dass jemand, der gute Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in Schweden gesammelt hat, dieses hier auch schildern darf.

Selbstverständlich darfst du auch deine eigenen Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in Schweden schildern. Ich meinte nur vorhin gelesen zu haben, dass du diesbezüglich keine eigenen Erfahrungen beisteuern kannst:
Aelve: Auch habe ich in keinem posting behauptet, dass ich vom Gesundheitssystem in Schweden begeistert bin, ich selber war in Schweden noch nie in irgendeiner Behandlung, kann also mit keinem eigenen Bericht aufwarten.


S-nina
Zuletzt geändert von nysn am 19. Mai 2009 15:12, insgesamt 1-mal geändert.

Tommy3

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Tommy3 » 19. Mai 2009 15:05

Hej
Nina,

sei vorsichtig in deiner Kritik, sonst fliegst du hier schnell raus!

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon raisalynn » 19. Mai 2009 15:11

Irgendwie geht es hier schon wieder um persönliche Diskrepanzen zwischeneinander.

Wir sollten doch versuchen, beim Thema zu bleiben. Ich finde, dass in den Tread "Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem" diejenigen was zu sagen haben, die tatsächlich Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem gesammelt haben. Und scheinbar gehörst du Aelve nicht dazu. Ich will hier niemandem das Wort verbieten, aber permanent Wortgefechte mitzubekommen, die mit dem Thema einfach überhaupt nichts zu tun haben, finde ich persönlich unangebracht. Klar, zu schreiben, dass man, wenn besonders krasse Beispiele hier aus Schweden kommen, dass man möglicherweise froh ist, in Deutschland zu wohnen oder so, das gehört dazu, aber wie man auf Bananenrepublik und Korruption kommt, ist mir vollkommen schleierhaft und um es deutlich zu sagen: Das hat in diesem Tread nichts zu suchen!

Aber, um zum Thema zurückzukommen. Ich habe seit ich hier wohne, zum Glück, noch keine negativen Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem gesammelt. Habe aber von einer Bekannten dramatische Geschichten zu ihren Zähnen gehört. Wie oben beschrieben, dass auf eine völlige Entfernung das Zahnes verzichtet wurde und eher rumprobiert wurde. Desweiteren wurde sie in derselben vårdcentrale von verschiedene Zahnärzten behandelt, was ja gerade bei Komplikationen nicht zu einem Vertrauensverhältnis führen kann. Schlussendlich ließ auch sie bei Besuchen in Deutschland einen deutschen Zahnarzt das Ganze behandeln - erfolgreich und schmerzfrei.
Die Zahnbehandlung von Jugendlichen erlebe ich hingegen als recht gut. :) Vielleicht sind es ja auch nur die schlechten "deutschen" Zähne...
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