Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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Blauauge

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Blauauge » 18. Mai 2009 15:17

Aelve hat geschrieben:
Denn dann würden sie merken, dass tatsächlich in Schweden noch ein besseres, humaneres und lebenswerteres System herrscht.


Grüße Aelve



Ja, so isses

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 18. Mai 2009 15:44

Aelve, ich hab hier keine Lust, das große Deja-Vu-Spiel zu spielen - schon alleine, weil es nichts mit dem Thema hier zu tun hat.

Schweden ist nicht generell humaner oder besser.

In Deutschland freut man sich nicht über die Suppe, sondern kann mit Inbrunst über das Haar diskutieren, das man darin gefunden hat.
Sicherlich gibt es in ihr eine Menge Haare, aber man würde sich auch nicht darüber freuen, wenn es nur einziges kleines wäre. Die deutsche Mentalität hat das Motto "Finde ich ja gut, aber...".

Das Ganze ist mehr als eine Mentalitätsfrage als ein reales Problem. Wenn es den Deutschen angeblich so schlecht geht, was sollen dann die Briten sagen, bei denen jedes Jahr Rentner reihenweise in ihren Wohnungen erfrieren? Oder die Spanier, die so etwas wie eine staatliche Sozialhilfe gar nicht haben?

Hier kannst du dir mal die Höhe der schwedischen Sozialhilfe ansehen:
http://www.socialstyrelsen.se/NR/rdonlyres/35076888-9901-4348-A202-96A805E7DA08/6802/Svenska200611425rev.pdf
Da erhält beispielsweise eine fünfköpfige Familie (Kinder 5,8 und 14) insgesamt 13070 kr försöjningsstöd, also 2614 kr pro Person. Bei Hartz-IV erhält eine vergleichbare Familie 1335 €, wenn ich richtig gerechnet habe - und dabei ist nichtmal eingerechnet, dass das schwedische Kindergeld deutlich geringer ist als das deutsche.
Was human daran sein soll, bedürftige Menschen bei schwedischen Preisen mit 2614 kr im Monat leben zu lassen, erschließt sich mir nicht.

Deswegen ist Schweden nicht schlechter als Deutschland. Wir können hier Kindertagesstätten loben, ein verständliches Steuersystem und eine gute Studienförderung. Wir können die Lohngleichheit loben und die unkomplizierte Bürokratie. Das ist schön, das ist gut - aber es ist eben nur die halbe Wahrheit, denn dieses Land ist kein Philanthropenparadies, sondern hat ebenso Schwächen, und das Gesundheitssystem ist eine davon.

Um zum Thema zurückzukehren:

Wir müssen hier einfach zwei Dinge unterscheiden: systematisch bedingte Schwächen und schlechte Erfahrungen im Einzelfall. Wenn ein Arzt eine Krankheit nicht richtig erkennt, dann ist das nicht systematisch bedingt. Wenn man aber ein Vierteljahr warten darf, bis man überhaupt den Arzt sieht, dann kann man das System durchaus dafür verantwortlich machen.
Und es ist nunmal ein Fakt, dass ein Viertel aller Patienten so lange warten muss, während dies in Deutschland nur bei einem kleinen Bruchteil der Fälle so ist.

Dies ist ein Mangel in Schweden, der eben den Deutschen besonders augenfällig ist, weil man so etwas in Deutschland eben nicht erlebt - und es ist definitiv etwas, das geändert werden muss.

nysn

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon nysn » 18. Mai 2009 16:32

Kürzlich habe ich gelesen:

"Zorn sei die Voraussetzung für Mut" (Thomas v. Aquin).
"Zorn öffnet den Rahmen des Denkens. Im Zorn denkt man die Möglichkeit des Unmöglichen"

Eine Kultur der Zufriedenen, der sich selbst Genügsamen birgt daher auch eine Gefahr - Denken/Fortschritt/Weiterentwicklung werden gehemmt/abgeschaltet.

Ich kann es mir nicht anders als so erklären: Das Gesundheitssystem ist hier noch nicht ausreichend schlecht - die Warteschlangen sind noch zu kurz, als dass man hier darüber richtig "zornig" werden würde. Außerdem pflegt man ja auch eine Konsens-Kultur, wo man erst eine ausreichend große Menge einheitlicher Meinungen zusammentragen muss, bevor man sich traut, wirklich durchgreifende Reformen einzuleiten.

Schreiende Titelblätter auf den Boulevardzeitungen, wie neulich als das Kind wegen zu später Behandlung starb, erregen zwar kurzzeitige Aufmerksamkeit, lassen die Leute insgesamt aber recht kalt. Nach einigen Tagen ist so was zumeist (leider) vergessen - heute ist z. B. schon wieder wichtiger, dass Schweden das Melodiefestival nicht gewonnen hat (im schwedischen Morgenmagazin haben nicht weniger als 3 Leute eine geschlagene halbe Stunde darüber diskutiert).

Wenn ich so überlege, dann bin ich schon froh, wenn man in Deutschland über jedes "Haar in der Suppe" erst mal schimpft und sich aufregt. Dies kann ja auch verhindern, dass erst das "Fass zum Überlaufen" gebracht werden muss, bevor sich etwas ändert.

S-nina

tilmann

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon tilmann » 18. Mai 2009 16:43

Hej!
Möglicherweise regt man sich in Deutschland lieber auf als in Schweden. Dass dadurch sich aber irgendwas ändert, ist neu für mich.
Grüße,
Tilmann

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 18. Mai 2009 17:31

Hallo Hansbaer,

es mag sein, dass es einige Deutsche gibt, die zum Nörgeln neigen und mit garnichts zufrieden sind. Deshalb gibt es ja auch soviele Ausgewanderte, denen es auch im Land ihrer Auswanderung nicht gefällt und sie auch dort jedes Haar in der Suppe mit der Lupe suchen.

Grüße Aelve
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 18. Mai 2009 21:11

es mag sein, dass es einige Deutsche gibt, die zum Nörgeln neigen und mit garnichts zufrieden sind. Deshalb gibt es ja auch soviele Ausgewanderte, denen es auch im Land ihrer Auswanderung nicht gefällt und sie auch dort jedes Haar in der Suppe mit der Lupe suchen.


Das klingt nach Frustration deinerseits, Christa. Weil Du hier einige nicht davon ueberzeugen kannst das deine Sichweise die richtige ist... verzeih, aber so liest es sich oft.

Speziell ich bin ein Mensch der sehr wenig zum nörgeln neigt, aber mittlerweile so manchen Eindruck den ich mir als Tourist geschaffen hatte ueber Bord werfen musste. Fakt ist: Es ist schwer und nicht nachvollziehbar fuer einen Aussenstehenden der nicht im Land ist und deshalb nicht den Einblick hat so manches nachzuvollziehen was abläuft. ES IST SO!
Aber deswegen lasse ich mir noch lange nicht sagen ich sei "EinHaarinderSuppeSuchender" ;-)
Fuer mich bedeutet das: Zugeben können, Eingeständnisse hinnehmen können, etwas verarbeiten und nach Lösungen suchen. Gerade nach Lösungen haben wir uns hier in einem Thread wo es um Mentalitätsfragen ging/geht sehr viel gegenseitig weitergegeben und annehmen können.
Etwas kritisieren heisst nicht nach Haaren suchen, auch nicht es anprangern, sondern es schlicht und einfach beim Namen nennen. Das dies ab und zu etwas reisserisch, dann und wann emotional und auch einseitig geschieht ist einzig und allein der Spezies Homo sapiens sapiens anzurechnen ;-)


LG
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Samweis » 19. Mai 2009 05:56

Hallo Aelve,

Aelve hat geschrieben:ganz richtig beobachtet. Das liegt daran, dass es in D tatsächlich so schlecht geworden ist, sonst würde es nicht soviele Leute geben, die am liebsten sofort aus D wegmöchten.

Auf das Argument, dass Leute aus D wegwollen, weil für Deutschland/Deutsche das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner ist, antwortest Du, dass sie deshalb wegwollen, weil das Gras ja tatsächlich grüner ist.

Das ist - mindestens - logisch nicht ganz sauber und zeigt ansonsten nur, dass auch Du der Meinung bist, es sei anderswo grüner.
Es gibt auch viele Deutsche, die nach USA auswandern, und Du wirst kaum einen Amerikaner finden, der nicht felsenfest davon überzeugt ist, im "Gelobten Land" zu leben, während überall um ihn herum das Chaos herrscht, die Hexen in den Wäldern wohnen und in Europa die Menschen von feudalen Großgrundbesitzern und Adeligen geknechtet werden.
Folglich ist das Gras in USA grüner als in D oder S?
Besonders in der Anza Borrego...

Vielleicht ist es doch eher eine Mentalitätsfrage? Oder eine Folge davon, welches Bild des eigenen Landes und anderer Länder sich der mündige Bürger von "seiner" Presse und "seinem" Fernsehen verkaufen lässt?
(Der mündige Bürger, der natürlich niemals in seinem ganzen Leben den Versuch gewagt hat, auch nur in einem einzigen anderen Land Fuß zu fassen, sondern in echter Selbstkasteiung in der Hölle ausharrt.)

Viele Grüße

Samweis

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 19. Mai 2009 07:35

Hallo Heike, hej Samweis,

frustriert klinge ich eher, weil ich feststellen muß, dass es Personen gibt, die glauben, dass man nur alles Gute zusammen bekommt.
Es ist doch normal, dass eine Sache für einen gut ist, für den anderen eher schlecht. Das wurde hier auch schon zigmal gesagt, ich wiederhole mich deshalb auch nur. Was für einen gut ist, muß jeder selber entscheiden, denn wer sollte ihm die Verantwortung für sein Leben abnehmen?
Wenn jemand das Gesundheitswesen, das Schulwesen, die Lebensbedingungen in Schweden oder auch in einem ganz anderen Land besser findet, weil es eher auf ihn zugeschnitten ist, warum kann er dann nicht sagen, nach meiner Meinung ist es dort und dort besser geregelt? Man darf sich dann aber nicht wundern, dass auch das Gute ihre Schattenseiten hat oder dass die Vorteile, die man vorzufinden hofft, irgendwann doch für einen nicht mehr so zutreffen. Das muß man vor einer Auswanderung ausloten und sich auch bewußt machen, dass man keinen Platz der Erde findet, wo es optimal ist und alles so eingerichtet, wie man persönlich es gerne hätte.
Warum ist seit einiger Zeit in diesem früher so liebenswerten Forum in Schweden nur noch alles mies? Darf jemand, der dorthin auswandern möchte, weil ihm die dortigen Gegebenheiten mehr zusagen, über seine Situation nichts Schlechtes sagen? Aber Ihr, die Ihr bereits die Auswanderung hinter Euch gebracht habt, Ihr dürft Euch ungeniert über das Land negativ auslassen? Ich finde, einige Forumsmitglieder messen mit verschiedenen Ellen. Ansonsten ist ja nichts dagegen zu sagen, dass man auch Kritikpunkte eines Landes anspricht, wobei man sich bewußt machen muß, dass oft das eine ohne das andere nicht machbar ist.

Und natürlich ist für mich in Schweden grüner als es in Deutschland ist, mehr Wald, mehr Seen, viele Wiesen, viele Weiden, viele Acker, zumindest dort wo ich mir eine Bleibe gekauft habe. Denn Schweden ist noch nicht so überlaufen, wie ich es hier nun einmal jeden Tag erleben muß im Großstadtgetümmel, wo man glaubt, dass man eine Ameise in einem Ameisenhaufen ist. Dass ich, wenn ich die Natur Schwedens haben will, nicht gleichzeitig jammern darf, dass dort um die Ecke kein Remmidemmi ist, das ist mir bewußt und weiß ich vorher.

Grüße Aelve
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unbekannt

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon unbekannt » 19. Mai 2009 09:18

Hallo zusammen,

erst einmal zu UnerreichbarerVård: Vor etwa 15 Jahren hatte ich so schwere Schmerzen in den Kniegelenken bekommen, dass Treppensteigen und das Betätigen des Kupplungspedals beim Autofahren zum Problem wurden. Insofern kann ich mitfühlen. Meinen damaligen Beruf als Kameramann konnte ich auch nicht mehr ausüben. Da ich damals in Deutschland lebte, wurde ich natürlich zu unzähligen Fachärzten geschickt, die außer etwas mehr Wasser in den Kniegelenken nichts gefunden hatten. Es war frustrierend und exitenzbedrohend. Nach einem knappen Jahr verschwanden die Schmerzen allmählich wie von selbst. Heute habe ich nur noch Schmerzen, wenn sich eine Erkältung oder eine Infektion anmeldet. Es gibt eben Dinge, die auch das beste Gesundheitssystem nicht in den Griff bekommen kann.

Eben habe ich in der Deutschen Welle in der Sendereihe Focus Europa einen Bericht über das staatliche britische Gesundheitssystem gehört. Mit etwas Suchen wird man ihn ab morgen auf http://www.deutsche-welle.de/ finden. Ein direkter Link ist leider nicht möglich. Nach diesem Bericht ist das schwedische Gesundheitssystem im Vergleich dazu das Paradies. Denn in England werden nach diesem Bericht z.B. teuere Medikamente, die im übrigen Europa Standard sind, an Krebspatienten nicht verschrieben, wenn die nur das Leben älterer Menschen verlängern. Mit Operationen wird ähnlich nach Kosten/Nutzen-Überlegungen verfahren. Also - ich finde, ich habe es in Schweden noch ganz gut getroffen.

Ja, als Anleitung zum Unglücklichsein muss man eben nur lange genug suchen und Vergleiche ziehen, und man wird überall Fehler und Macken feststellen und mit Sicherheit ist es irgendwo auf der Welt besser, andere haben bessere Häuser, bessere Autos, weniger Falten, ein angenehmerers Klima, nettere Nachbarn, bessere Schulen, einen besseres Arbeitsklima in einer besseren Firma und was weiß ich alles. Sucht nur intensiv danach und ihr werdet tatsächlich und unbestreitbar etwas finden, wo das Leben besser ist und entsprechend unzufrieden werden. Und wer kritisch ist, ist ja schlau, was uns die tägliche kritische Berichtersstattung beibringt. Bitte nicht missverstehen. Kritik ist immer notwendig, da ja nichts perfekt ist und alles zu verbessern ist. Auch ist das Leben manchmal hart. Aber leicht kann man in die Falle der Unzufriedenheit hineingezogen werden.

Der Bruder eines schwedischen Freundes lebt seit über 10 Jahren der Liebe wegen in Kalifornien: amerikanische Frau, US-Staatsbürberschaft, spricht akzentfrei amerikanisch, zwei Kinder, eigenes Haus, gut bezahlter Job, tolles Wetter. Der amerikanische Traum fast wie im Bilderbuch. Trotzdem hat er extremes Heimweh nach seinem Schweden und feiert in seinem amerikanisch-schwedischen Club selbstverständlich Midsommar unter der Sonne Kaliforniens. Seine Eltern meinen schon, er sei schwedischer als alle anderen Schweden.

Mein Fazit: Ich lebe in dem unvollkommen Schweden und bin glücklich. Ich habe nie erwartet, dass Schweden ein Traumland ist, wo ich ständig auf Wolke 7 schwebe. Ich nehme die Schweden so wie sie sind und akzeptiere auch das Gesundheits-System. In anderen Ländern wird es anders gemacht aber nicht unbedingt besser. Hier kann man es aber sehr gut aushalten. Sollte ich mal den ganz großen Frust bekommen, täte mir vielleicht ein Entwicklungshilfeeinsatz in Afrika ganz gut oder der Gedanke daran würde mir schon reichen.

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 19. Mai 2009 09:53

Aelve hat geschrieben:frustriert klinge ich eher, weil ich feststellen muß, dass es Personen gibt, die glauben, dass man nur alles Gute zusammen bekommt.


Ich habe nie erwartet, dass hier alles toll ist, und bin deswegen auch nicht enttäuscht, dass es nicht so ist.
Deine Botschaft hier ist, dass man doch bitteschön nicht so viel über das Schlechte reden soll, weil dann die Gefahr bestehe, das Gute zu bedecken. Und wenn es um Deutschland geht, solle man wegen Aussichtslosigkeit so tun, als rede man über Somalia.
Wenn du das so empfindest, ist das deine Sache.

Ein gesellschaftlich involvierter Mensch muss Probleme auch beim Namen nennen und die Verhältnisse kritisieren. Wir sind zwar "nur" Ausländer, aber auch Teil dieser Gesellschaft, und gerade wir, die den Vergleich haben, sollten Anstöße geben. Dies ist nämlich auch ein Teil von Multikulturalität: dass man voneinander lernt, und zwar nicht nur, dass Falafel lecker schmeckt.

Es ist doch normal, dass eine Sache für einen gut ist, für den anderen eher schlecht. Das wurde hier auch schon zigmal gesagt, ich wiederhole mich deshalb auch nur. Was für einen gut ist, muß jeder selber entscheiden, denn wer sollte ihm die Verantwortung für sein Leben abnehmen?


Ja, es ist gut, dass ich in dieser Phase meines Lebens in Schweden bin. Soll ich es deswegen gut finden, dass ich 4 Monate auf die Operation einer gewöhnlichen Fistel warten musste, die ich in Deutschland in 3 Tagen bekommen hätte?
Dies drückt nicht den Wunsch aus, hier solle man das deutsche Gesundheitssystem einführen. Es illustriert aber, dass es besser gehen kann und auch besser gehen sollte.

Andere Leute mögen ihr Wohnsitzland nach den Kriterien eines Autokaufs auswählen - ich tue es nicht.

Wenn jemand das Gesundheitswesen, das Schulwesen, die Lebensbedingungen in Schweden oder auch in einem ganz anderen Land besser findet, weil es eher auf ihn zugeschnitten ist, warum kann er dann nicht sagen, nach meiner Meinung ist es dort und dort besser geregelt?


Du kannst hier jede Meinung äußern, die du möchtest. Jedoch musst du dann damit leben, dass diese debattiert wird - sowas nennt man Diskussion.
Wenn du hier das Gesundheitssystem besser findest (weswegen eigentlich?), dann musst du dir Widerworte von denen gefallen lassen, die 6 Monate auf eine gewöhnliche Magenspiegelung warten müssen. Das sind nämlich auch diejenigen, die sich fragen, ob es nicht ohne kostenlosen Fernseher und Telefon ginge, wenn man dafür einen Arzt mehr bezahlen könnte, der die Wartezeiten verkürzt.
Wenn du das Schulwesen hier lobst und durchaus nachvollziehbare Kritik an seinem deutschen Pendant übst, musst du dir auch gefallen lassen, dass Leute, die aus erster Hand erzählen können, wie es an schwedischen Schulen zugeht, ein paar Wolken in den blauen Bildungshimmel schieben.

Man darf sich dann aber nicht wundern, dass auch das Gute ihre Schattenseiten hat oder dass die Vorteile, die man vorzufinden hofft, irgendwann doch für einen nicht mehr so zutreffen.


Ja, das Gute hat seine Schattenseiten - so ist das immer im Leben, und zwar sowohl in Deutschland als auch in Schweden.

Warum ist seit einiger Zeit in diesem früher so liebenswerten Forum in Schweden nur noch alles mies? Darf jemand, der dorthin auswandern möchte, weil ihm die dortigen Gegebenheiten mehr zusagen, über seine Situation nichts Schlechtes sagen? Aber Ihr, die Ihr bereits die Auswanderung hinter Euch gebracht habt, Ihr dürft Euch ungeniert über das Land negativ auslassen? Ich finde, einige Forumsmitglieder messen mit verschiedenen Ellen. Ansonsten ist ja nichts dagegen zu sagen, dass man auch Kritikpunkte eines Landes anspricht, wobei man sich bewußt machen muß, dass oft das eine ohne das andere nicht machbar ist.


Ich habe gerade einmal die Rubrik "Aktive Themen" durchgesehen. Unter den 91 Themen dort konnte ich 5 finden, die zur Miesepeter-Kategorie gerechnet werden können - und da habe ich noch sehr zu deinen Gunsten gerechnet.

Du darfst durchaus schlechtes sagen, aber es muss fundiert sein. Diese Generalabrechnungen mit dem deutschen Staat, die diesem unterstellen, dass er ein korrupter Moloch im Niedergang sei, gehen ebenso an der Realität vorbei wie das Bild vom Bullerbü-Schweden. Allgemeinplätze helfen weder Probleme zu erkennen noch sie zu lösen.

Und natürlich ist für mich in Schweden grüner als es in Deutschland ist, mehr Wald, mehr Seen, viele Wiesen, viele Weiden, viele Acker,


Der Spruch "the grass is always greener on the other side" ist auch keine Bezeugung der Naturliebe, sondern eine Metapher.


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