Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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Kaka
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Kaka » 16. Mai 2009 13:54

Steppenwolf hat geschrieben:Habe zwar noch keine Bekanntschaft mit dem schwedischen Gesundheitssystem gemacht, aber bislang nicht allzuviel Gutes darüber gehört seitens meiner Kollegen. Von daher bin ich froh seit April privat krankenversichert zu sein. Aber ob ich davon noch was hab hängt ganz davon ab ob ich meinen Job behalte, da es über die Firma läuft :roll:



WIe versichert man sich privat hier in Schweden?
Kaka

Klockestrand
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Klockestrand » 16. Mai 2009 14:23

zum Thema "gründliche Untersuchung" kann ich nur sagen, daß das in Deutschland auch nicht immer der Fall ist, meine jüngste Enkelin ( jetzt 7 monate) bekam im Feb. diesen Jahres hohes Fieber und krampfartige Hustenanfälle, da zu der Zeit irgeneine Viruserkrankung in D. grasierte wurde auch bei ihr kurzerhand diese Erkrankung behandelt, in der gleichen Nacht mußte meine Schwiegertochter den Notarzt rufen und ab gings ins Krankenhaus- Diagnose Keuchhusten!
Nach einer Woche wurde die Kleine entlassen mit der Auflage zu Hause weiter zu inhalieren und ein Atmungsüberwachungsgerät anzuschließen, aber Pustekuchen, das Inhaliergerät trotz Rezept einfach in der Apotheke abholen -- 3 Tage Wartezeit, weil es beim Vertragshersteller der Krankenkasse bestellt werden mußte oder sofort eins mitnehmen, aber vollen Preis selbst bezahlen, beim Atmungsüberwachungsgerät, trotz ärztlicher Notwendigkeitsbescheinigung keine!!!
Übnahme der Kosten durch die Krankenkasse, die knapp 600,- Euro mußte mein Sohn aus eigener Tasche bezahlen.

Tommy3

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Tommy3 » 16. Mai 2009 23:30

Hej,

privat versichern in S geht nicht. Alle sind in der grauen Masse der Sozialversicherten.
Wegen Keuchhusten ein Atemgerät? In Schweden völlig undenkbar.

Hier ist die Devise: am besten garnicht erst hin zum Arzt, die wimmeln dich ab.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon blueII » 17. Mai 2009 20:07

Tommy3 hat geschrieben:Hej,

privat versichern in S geht nicht.


Ausnahmsweise darf ich Dir mal widersprechen.
Es geht, wie auch von den anderen berichtet, scheinbar nur im Zusammenhang mit dem Arbeitgeber...anderes ist mir wiederum nicht bekannt.

Ich und auch meine Tochter sind durch meinen Mann respektive seiner Firma durch einen fast lächerlichen Betrag per Monat privat zusatzversichert.
Der verschafft uns Zugang zu einer privaten Vardcentral (dessen Qualität aber auch nicht vom Hocker wirft) aber noch wichtiger...fast direkter Zugriff auf die Fachärtze in den Krankenhäusern zur ambulanten oder stationären Behandlung

LG
Heike

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon UnerreichbarerVård » 17. Mai 2009 22:22

Bester Volker,

ich habe seit Jahren Schmerzen in allen großen Gelenken, kann mich oft kaum rühren - das höchste der Gefühle war dann ein Blutbild in der vårdcentral. Da man darin nichts gefunden hat, wird auch weiter nichts gemacht. Das wurde mir ausdrücklich versichert, weitere Versuche zwecklos. Es lebe die Schmerzmittelindustrie! Oder Ryan Air - nach Deutschland..

Ich finde es zynisch, die ewige Nichtbehandlung (und nicht vorhandene Diagnostik) in Schweden stets mit dem Vergleich der Gesundheitssysteme abzuschmettern und gar von Hypochondern zu sprechen.

In Schweden hat man keine Wahl, was ärztliche Behandlung betrifft. Man muß nehmen, was geboten wird - wenn überhaupt was geboten wird. (Und das meiste ist Einheitsmedizin - wie in Ystad, so in Haparanda.)

In Deutschland hat man diese Wahl - nach wie vor. Trotz aller Reformen.

Hier in Schweden gehen die Leute nicht NICHT zum Arzt, weil sie so klug oder keine Hypochonder sind. Hier gehen sie nicht zum Arzt, weil es entweder keine Ärzte oder Termine oder beides gibt - und weil man vor allem irgendwann AUFGIBT.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Tulipa » 18. Mai 2009 11:17

Bei unserem letzten Deutschland-Aufenthalt traf ich mich mit einer alten Schulfreundin, die gebildet und auch in der Welt herumgekommen ist.

Irgendwie - über das Zähneputzen der Kinder - kamen wir auf das Gesundheitswesen zu sprechen.

Meine Freundin: "Hier in Deutschland haben wir ja leider kein so fortschrittliches Gesundheitssystem wie ihr in Schweden".

Ich, völlig überrumpelt, versuchte zu erklären, dass es so ja nun auch nicht sei.

Sie: "Ja, du findet ja auch das schwedische Bildungssystem nicht gut".

Was sollte ich dazu noch sagen? :roll:

LG
Tulipa
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Klockestrand » 18. Mai 2009 13:03

Das passiert oft, nicht nur in punkto Gesundheitssystem, denken die Leute in Deutschland in Schweden ist alles besser, auch die Schweden, so habe ich in Gesprächen festgestellt denken in Deutschland ist alles besser, klar die meisten in beiden Ländern hören oder sehen Berichte im Fernsehen o. Rundfunk und da werden eher die positiven Aspekte des jeweiligen Landes gezeigt, um sich eine objektive Meinung bilden zu können muß man schon eine Weile in dem jeweiligen Land leben und selbst dann ist die Meinung immer von persönlichen Erfahrungen geprägt.
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 18. Mai 2009 13:38

Liebe Tulipa, liebe Conny,

ich finde auch, dass es in Schweden alles besser ist....., fortschrittlicher, gepflegter, besser organisiert, eine bessere Natur, ganz besonders die Bildungspolitik ist in Schweden besser und, und und...

Spaß beiseite, es liegt in der Natur des Menschen, dass er in erster Linie nur seine eigenen Probleme sieht und als schlimm erachtet.
Wenn jemand eine Krankheit hat, erzählt es einem anderen, dann wird er die geschilderten Beschwerden erst selber nachempfinden können, wenn er genau das Gleiche durchgemacht hat. Das ist mit allen Dingen so. Solange man selber es nicht auch durchgemacht hat, findet man es nicht schlimm.
So ähnlich ist es mit dem Land in dem man lebt. Da man ja nur die eigenen Probleme im eigenen Land kennt, das andere aber nur vom Hörensagen, findet man, dass es einem selber schlechter geht als dem anderen im anderen Land.
Hinzu kommt, dass man meistens beim eigenen Land eher die negativen Seiten betrachtet, beim anderen Land die positiven Seiten.

Im Grunde lohn es sich kaum, dann darüber zu diskutieren, höchstens um dem Gesprächspartner zu signalisieren, dass eben nicht alles Gold ist was glänzt. Und damit er auch wieder auf den Teppich zurück kommt und das zu schätzen weiß, was er wirklich hat.

Mich rief letzte Woche ein sehr junger Mann aus Schweden an, der einige Zeit in D gelebt hat, auch er erzählte, dass er in D alles besser finde als in S.
Gut, mein Gedanke war, solch junger Mann möchte wohl mehr erleben als nur in der Natur Schwedens zu sein, aber es scheint wohl nicht am Alter zu liegen sondern eher an der Interessenlage.

Grüße Aelve
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hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 18. Mai 2009 13:51

Klockestrand hat geschrieben:Das passiert oft, nicht nur in punkto Gesundheitssystem, denken die Leute in Deutschland in Schweden ist alles besser, auch die Schweden, so habe ich in Gesprächen festgestellt denken in Deutschland ist alles besser,


Das Thema wurde hier schon umfänglich diskutiert (siehe http://www.schwedentor.de/forum/nochmal-bullerbu-syndrom,14078.html), und daher möchte ich dem definitiv widersprechen. Wenn Deutschland im Überall-anders-besser-finden in der Champions League spielt, dann reicht es für die Schweden gerade mal für die Bezirksliga. In Schweden würden Auswanderersendungen nie im Leben eine Popularität erreichen wie in Deutschland. Wenn man sich anschaut, mit welchen Einstellungen hier schon Frage gestellt wurden (so auf die Art "scheißegal, nur weg hier"), dann ist es schwerlich vorstellbar, dass man so etwas auch nur annähernd in Schweden finden wird.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Aelve » 18. Mai 2009 14:38

Hallo Hansbaer,

ganz richtig beobachtet. Das liegt daran, dass es in D tatsächlich so schlecht geworden ist, sonst würde es nicht soviele Leute geben, die am liebsten sofort aus D wegmöchten. Da greift manch einer nach dem Strohhalm. In Schweden gibt es sicherlich auch Personen, die meinen, dass es in D besser sei. Die würden sich schnell umgucken müssen, wenn sie nur eine kurze Zeit in D leben würden.

Denn dann würden sie merken, dass tatsächlich in Schweden noch ein besseres, humaneres und lebenswerteres System herrscht.


Grüße Aelve
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