Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

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Tommy3

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Tommy3 » 6. Mai 2009 11:43

hansbaer,

auch ohne plakative Aufhänger kann man durchaus starke Zweifel am schwedischen Gesundheitssystem begründen. Und da müsste man sich auch mal aufs platte Land begeben, um das nachzuvollziehen. Die Grosstädte sind, wie in vielen anderen Bereichen auch, ein ganz anderes Schweden.

Klar gibt es nette Wartezimmer, nettes Personal, kompetente Ärzte, hochgerüstete Kliniken. Aber viel zu wenig, oder an den falschen Plätzen. Die Zugangsschranken in Form von Telefonabwimmelung ist unerträglich und kontraproduktiv, aber eine Folge der staatlichen Trägerschaft. Mangelwirtschaft eben.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Skogstroll » 6. Mai 2009 12:14

Tulipa hat geschrieben:Die Besuche mit unseren Kindern in der Barnavårdscentral sind immer echte "höjdare" = Höhepunkte.


Barnvårdcentral?? Was ist das denn?? Sowas gibt es hier im Umkreis von 50mil nicht!
Ich durfte meine fieberphantisierende Tochter schon halb in die Akuten tragen und dort mit ihr stundenlang warten, weil natürlich kein Akuttermin in der VC zu bekommen war. Und im Warteraum dort war schon ein freier Stuhl Grund zur Freude.

Eins ist natürlich richtig: Ist man einmal drin im Räderwerk der VC, dann funktioniert das wie ein schweizer Uhrwerk und mit minimalen Wartezeiten. Nur kommt man nicht rein.

Das Argument des Einzelfalles zieht auch nicht richtig, dazu sind es einfach zu viele "Einzelfälle". Von telefonischer Beratung kann nun wirklich auch nicht die Rede sein. Die "Beratung" besteht aus "ins Bett legen, trinken, Alvedon". Das kann ich auch.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon janaquinn » 6. Mai 2009 12:54

Ich habe mit dem normalen Barnvårdcentral hier in Järna auch nicht die besten Erfahrungen gemacht, entweder ruft man an und es kommt nie ein Rückruf oder die Telefonzentrale ist hoffnungslos überlastet, so dass man garnicht erst durchkommt.

Seit letztem Monat sind die Kinder im Barnvårdcentral bzw. Vårdcentral in der Vidarklinik hier in Järna, wo wir sehr zufrieden sind. Die Ärzte arbeiten sowohl mit der Schulmedizin als auch mit Naturheilmittel, die Medis. stammen zu 90% von Wala bzw. Weleda und sind auf Naturbasis.
Das Rezept für Yannic´s Melatonin, welches das Karolinska noch immer nicht geschafft hat zuzuschicken ( nach ca. 6 Monaten) haben wir von Yannic´s neuen Arzt innerhalb von 14 Tagen gehabt inkl. Lizenz von der Gesundheitsbehörde.
Ein weiterer Vorteil unseres Arztes, er arbeitet direkt mit Yannic´s Schule zusammen, so das auch da ein enger Kontakt besteht.

Für die Stockholmer unter uns, vor allem die mit Kinder, habe ich mal den Link http://www.vidarkliniken.se/index.php

Die Klinik ist wirklich gut.

LG JANA
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Samweis » 6. Mai 2009 13:08

Hallo,

janaquinn hat geschrieben:Die Klinik ist wirklich gut.

... was allerdings die Kritik am staatlichen System bestätigt. Denn Träger der Klinik ist eine private Stiftung.

Viele Grüße

Samweis

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 6. Mai 2009 13:17

Tommy3 hat geschrieben:auch ohne plakative Aufhänger kann man durchaus starke Zweifel am schwedischen Gesundheitssystem begründen. Und da müsste man sich auch mal aufs platte Land begeben, um das nachzuvollziehen. Die Grosstädte sind, wie in vielen anderen Bereichen auch, ein ganz anderes Schweden.

Klar gibt es nette Wartezimmer, nettes Personal, kompetente Ärzte, hochgerüstete Kliniken. Aber viel zu wenig, oder an den falschen Plätzen. Die Zugangsschranken in Form von Telefonabwimmelung ist unerträglich und kontraproduktiv, aber eine Folge der staatlichen Trägerschaft. Mangelwirtschaft eben.


Ich denke, ich habe schon in vorigen Beiträgen klar gemacht, dass ich von dem System nicht viel halte - insofern sehe ich mich da etwas als den falschen Adressaten. Ich plädiere lediglich dafür, dass man einen tragischen Fall nicht überbewertet.

Was die regionalen Unterschiede angeht, kann ich dem so nicht zustimmen. Die Ausprägungen mögen unterschiedlich sein, aber das dahinterliegende Grundproblem ist überall dasselbe: zu wenig Einrichtungen, zu wenig Personal.
Es mag ja sein, dass man hier in Stockholm besseren Zugang zur VC hat, aber in der Notaufnahme sitzt man auch 8 Stunden rum und auf weitergehende Behandlungen kann man monatelang warten.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon HeikeBlekinge » 6. Mai 2009 15:40

Man sollte solche plakativen Fälle nicht überbewerten.


Entschuldige mal!
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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Imrhien » 6. Mai 2009 16:09

Hansbaer, ich empfehle zur Vorsicht... Darf ich ganz provokativ sagen, dass Du keine Kinder hast?
Ich gebe Dir im Grunde recht und ich glaube auch, dass ich verstehe wie Du das meinst. Grundsätzlich sage ich auch, dass man ein ganzes System nicht an Einzelfällen festmachen darf. Hier geht es aber um ein totes Kind. Gerade bei Eltern liegen da schon schnell die Nerven blank und man neigt durchaus dazu sowas sehr stark zu bewerten. Die Vorstellung, dass es das eigene Kind sein könnte, dass so behandelt oder eben gerade nicht behandelt wird, das führt nicht mehr zu rationalem Denken...
Ich merke jedenfalls wie mein Blutdruck in die Höhe schnellt wenn ich sowas über Kinder lese. Da ist der Fluchtreflex oder Umzugsfeflex plötzlich ganz strak obwohl ich sonst gar nicht weg will.
Ich weiss aber, glaube ich, wie schon gesagt, wie Du es meinst. Es könnte nur zu Wellen führen...

Liebe Grüße
Wiebke

hansbaer

Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon hansbaer » 6. Mai 2009 20:00

Mir ist bewusst, dass dies das Schlimmste ist, was man sich als Mutter oder Vater vorstellen kann. Daher möchte ich mich für die unglückliche Wortwahl entschuldigen - mir liegt es fern, hier die Gefühle von Eltern zu verletzen.

Mein Anliegen war ein ganz anderes. Hier wurde ein tragischer Fall zum Versagen des Systems umgedeutet - und zwar in der Art, dass die Krankenschwestern am Telefon die Leute abwimmeln, weil sie so wenig Patienten wie möglich haben wollen. Das mag passieren (und passiert vermutlich viel zu oft), jedoch ist es anscheinend nicht in diesem Fall passiert, und deswegen kann man diesen Fall auch nicht zum Kronzeugen für die vermeintlichen Mängel der Telefonberatung machen.
In diesem Bericht ist nämlich nur davon die Rede, dass die Krankenschwestern dazu angehalten sind, Fälle von Magen-Darm-Grippe nach Möglichkeit nicht einliefern zu lassen. Das ist nur verständlich angesichts der Ansteckungsgefahr. Es finden sich keine Hinweise darauf, dass die Abweisung des Jungen eine Folge von Betten- oder Personalmangel war. Vielmehr war es allem Anschein nach die eklatante Fehleinschätzung durch das Personal. Das ist menschliches Versagen, was nicht vorkommen soll und nicht vorkommen darf, aber leider immer wieder vorkommen wird.

Aus solchen Berichten einen allgemeinen Schluss über die Häufigkeit solcher Fälle zu ziehen kann nicht objektiv sein.
Hieraus kann man beispielsweise annehmen, dass über Morde in Deutschland heute mehr berichtet wird als noch vor 5 Jahren:
http://www.google.de/trends?q=mord&ctab=0&geo=all&date=all&sort=0
Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Morde aber rückläufig. Der Umfang der Berichterstattung ist also noch lange kein Indikator dafür, wieviel passiert.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Imrhien » 7. Mai 2009 19:07

Da gebe ich Dir recht.

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Re: Meine Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Skogstroll » 13. Mai 2009 18:49

Nach den heutigen Radiomeldungen muss ich nun doch noch einen drauflegen:
Bis heute gab es in Stockholm ein Bonussystem für Krankenschwestern. Die bekamen einen Tausender extra, wenn sie es schafften, die telefonischen "Beratungsgespräche" in weniger als 3:48 min abzuwickeln. Aus weiter oben diskutiertem Anlass ist das System jetzt so unter Druck geraten , dass man es abgeschafft hat.

Die Schwestern haben das System laut Radiomeldung "unterschiedlich" gesehen. Ein Teil fühlte sich gestresst und unter Druck gesetzt, ein Teil fand es aber auch gar nicht so dumm, sich so einen Tausender dazuverdienen zu können.

Inwiefern der Tod eines Kindes damit in ursächlich zusammenhängen könnte sei noch unklar.

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