Hallo Marina,
ist das ein internationaler Masterstudiengang, d. h., sind die Veranstaltungen auf englisch? Das wäre für dich, wenn du nicht fließend Schwedisch sprichst, ja wichtig zu wissen.
Zu deinen Fragen:
Zitat:
Wie ist die Qualität der schwedischen Unis generell und der Lund Uni insb.?
Ich persönlich habe keine Erfahrungen mit der Uni in Lund, weiß aber, dass das eine sehr traditionsreiche Universität ist, die die gesamte Stadt sehr prägt.
Ich habe in Uppsala die Qualität der Lehrveranstaltungen als sehr unterschiedlich erlebt.
Als deutlich besser als in Deutschland habe ich die Ausstattung, die Lehre und die Lernbedingungen empfunden:
- sehr kleine Seminare (7 bis 15 Leute),
- persönliche Kontakte zu Lehrenden (keine auf Wochen ausgebuchte Sprechstundentermine sondern spontane, zeitnahe Terminabsprache und offene Türen, Interesse an den Studierenden und ihren Leistungen),
- sehr strukturierte Arbeitsbedingungen und -anforderungen (sehr viel Selbststudium mit wöchentlichen "Hausaufgaben" und daher kürzere, einfachere Anforderungen an Hausarbeiten,
- keine strikte Trennung von Vorlesung und Seminar, so dass überall diskutiert und gefragt werden konnte,
- gute Bibliotheken, gute Ausstattung mit Computern und saubere Toiletten, viele Arbeitsräume, angenehme Atmosphäre (nicht so bahnhofsmäßig wie ich das aus manchen Instituten in Dtl. kenne), etc...
Für die Veranstaltungen, die ich im sozialwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Bereich belegt habe, gilt: Teilweise ging es mir, gerade durch die starke Strukturierung der Inhalte, nicht tief genug. In Deutschland nehme ich von einer Veranstaltung sehr viel von einem Spezialthema mit, in dem ich ein Referat halte, eine Diskussion moderiere, eine 25seitige Hausarbeit schreibe und mich richtig vertiefe; dafür habe ich in andere behandelte Themen eher nur einen Einblick. In Schweden habe ich (war aber auch nur ein Jahr dort) keine Referate gehalten oder gehört, dafür wöchentlich eine Hausaufgabe abgeliefert, noch mehr Kleingruppenarbeit geleistet und war so ebenso gut in jedes Thema eingearbeitet wie die anderen Teilnehmer/-innen; jede/r Teilnehmer/-in sammelt also vergleichbares Wissen, hat also einen breiteren Einblick aber kein Spezialthema, in das sich der oder die Einzelne sehr tiefgehend eingearbeitet hat. Schulischer eben. Das gilt insbesondere für die mir aus Dtl. unbekannte Leistungsnachweisversion des Hemtenta: Ich
bekomme Fragen und die beantworte ich; in Dtl. stelle
ich mir eine Frage - und die beantworte ich.
In manchen Kursen war mir die SWS-Anzahl ein wenig zu gering; ich gehe gerne mindestens zehn Stunden in eine geleitete Veranstaltung, einfach, weil ich was geboten bekomme, weil es abwechslungsreich ist, weil man durch Diskutieren und Argumentieren ziemlich viel lernt, weil man da Leute kennenlernen kann - das war in Schweden nicht immer gegeben; das Selbststudium war schon sehr dominant.
Von der Qualität war es manchmal nicht besonders herausragend, manchmal aber schon. Genauso unterschiedlich wie ich es auch in Deutschland erlebe. Aber, in meinem Fall, nicht extremst hohe Anforderungen.
Zitat:
Ihrer Einschätzungen nach, ist der Ruf deutscher Unis besser, als der von schwedischen Unis?
Da kann ich konkret nichts zu sagen; aber insgesamt muss ich mal nachhaken. Was für einen "Ruf" meinst du denn? Geht es dir um deutsche Arbeitgeber (da würde ich sagen: die sind schon beeindruckt, wenn man einen Teil seines Studiums im Ausland absolviert hat - vllt. ist es da egal, wo?) oder um schwedische Arbeitgeber oder um ganz andere? Kann man denn die deutschen Unis als pauschal gut oder als pauschal schlecht ansehen?
Lund ist auf alle Fälle eine anerkannte Uni. Wie die im Verhältnis zur Uni Kiel oder zur Uni in Heidelberg oder zur Uni Rostock oder zur LMU oder zur FU oder zu sonst einer Uni in Dtl. steht, das kann dir bestimmt niemand beantworten.
Zitat:
Könnte es ein Nachteil sein, dass es in Schweden mit Praktika echt schlecht aussieht (oder täusche ich mich?
Den Eindruck habe ich auch; aber wer hindert dich daran, für ein Praktikum in irgendein anderes Land zu gehen?
Naja,
ich denke, der Witz am BA/MA-System ist ja, dass die Mobilität erleichtert wird. Insofern bietet es sich geradezu an, für den zweiten Teil des Studiums die Uni oder das Land zu wechseln. Wundere dich aber nicht: Mit der europäischen Angleichung ist es nicht so weit her - letztendlich ist das Studium immer noch in jedem Land (und auch innerhalb der Länder an jeder Uni) unterschiedlich.
Gruß aus Tübingen,
Berta.