mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon nysn » 28. November 2008 12:47

In Schweden hätte er vielleicht den Vorteil, dass er direkt nach seiner Schulzeit irgendwo in einem Beruf anfangen kann und arbeitet sich hoch. In Deutschland wirst Du ohne erlernten Beruf ewig Hilfsarbeiter bleiben, am Fließband stehen oder Toiletten putzen dürfen.


?????
in Schweden hast du einen Beruf nach dem "Gymnasium" - also da arbeitest du dich nicht hoch oder so was ...

Hast du in Schweden keinen erlernten Beruf, weil du z. B. kein Gymnasium besucht hast - also nach der 9. Klasse Grundschule, nach der hier in Schweden auch die allgemeine Schulpflicht endet, die Schule verlassen hast - dann hast du in Schweden WENIG bis GAR KEINE CHANCEN auf dem Arbeitsmarkt - du bist dann auch in Schweden Fließbandarbeiter oder Toilettenputzer!!!

DAS IST IN SCHWEDEN für Leute, die sich nicht oder nur schlecht ausbilden - NICHT BESSER!!! :roll:

S-nina

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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Anni und Tobi » 28. November 2008 12:57

naja, wenn man nicht auf das Gymnasium geht, in Schweden, gibt es so eine Art "Berufsschulen" für Maurer, Tischler, Maler usw.
In Deutschland macht man die Lehre in einem Betrieb und geht (z.B. einmal die Woche in die Berufsschule). In Schweden ist das umgekehrt: Man geht in die Berufsschule und macht dann einige Praktika. Ausnahen gibt es, aber das sind Spezialausbildungen.

Die Schweden unterscheiden also in:
- vor-gymnasiale Ausbildung
- gymnasiale Ausbildung (in einer Fachrichtung) und
- nach-gymnasiale Ausbildung (also Studium an der Uni)

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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon blueII » 28. November 2008 13:12

Ne Anni und Tobi,

ich erkenne nicht dass Aelve und ich vom Gleichen reden.
Aelve setzt deutsches Gymnasium mit schwedischem Gymnasium gleich und sieht nicht die Unterschiede.
siehe den Zitierten Bereich von Nina.

Aber zurück und nicht wieter offtopic.
Die Industrie und Handelskammer Schweden/Deutschland,ist bestimmt nicht schlecht, aber es ist wirklich länderabhängig ob die Ausbildung anerkannt wird oder nicht und ob eine Aus/Weiterbildung gefordert wird.
Hilft nur der Weg zum Amt und der scheint in der Tat sehr langatmig zu sein

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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Aelve » 28. November 2008 14:32

Hallo,

es gibt ja in Deutschland nicht nur die normale Gymnasialbildung sondern auch die Möglichkeit, ein Fachabitur abzulegen.
Anni und Tobi haben es ja sehr richtig erfaßt, was ich meine. Wenn hier jemand Fachabi hat, dann muß er auch noch eine Lehre ablegen, genauso habe ich es gesagt und stehe damit in keinem Widerspruch zu Heikes Aussagen. Mit einem Fachabitur kann man jedoch nicht alle Studiengänge belegen. Und wenn jemand das normale Gymnasium besucht, dann ist er auch kein Geselle, sondern dann muß er auch eine Lehre ablegen, evtl. kann er diese auf 2 1/2 Jahre verkürzen anstatt 3 Jahre Lehrzeit.
Mir ist bewußt, dass Heike und ich genau das Gleiche meinen und sehe daher auch keinen Widerspruch in unseren postins.
Heike meint aber scheinbar, dass ich weder Ahnung von schwedischen Dingen habe noch von deutschen Sachen, da stehe ich mit 43 Jahren Berufstätigkeit und 2 erwachsenen Kindern, die beide auch eine Schulbildung genossen haben, sowie anschließend Lehre bzw. Studium (noch nicht beendet), aber drüber.
Ich weiß nicht, ob es so vorteilshaft in D ist, wenn man als junger Mann mit Abitur mit 27 Jahren ausgelernt hat, vom 16. Lebensjahr an haben wir die ganze Ausbildung nämlich Schule, Zivildienst und Lehre noch für unseren Sohn aufkommen dürfen, für unsere Tochter darüber hinaus ebenfalls Schule und jetzt Studium mit Studiengeb. bezahlt. Ja, ich bin in der glücklichen Lage durch meine Berufstätigkeit, diese ganzen Kosten locker wegstecken zu können. Aber viel Ahnung habe ich sonst nicht :smt064

Grüße Euch Aelve
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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Berta » 28. November 2008 15:34

Hallo Ihr,

wo redet ihr denn von der gleichen Sache?

Es ist doch eben nicht so, dass der schwedische Schüler, der ein Gymnasium mit einer Fachrichtung wie zum Beispiel Friseur besucht hat, ohne Ausbildung dastünde; im Gegenteil: Er braucht danach keine Ausbildung zu machen, hat in etwa gleich lang eine Ausbildung genossen wie ein deutscher Schüler, der im dualen System seine Ausbildung macht. Der Abschluss des schwedischen Schülers ist nicht mit dem Fachabitur zu vergleichen, sondern mit dem Abschluss einer Ausbildung:

In Schweden hat er erst neun Jahre die Grundschule besucht und dann ein paar Jahre das Gymnasium (vergleichbar mit einer rein schulischen Ausbildung plus Praktika), um dort seinen Beruf zu erlernen. Er macht seinen Abschluss und kann sich einen Job suchen.
In Deutschland hat ein ähnlicher Schüler erst neun Jahre die Schule besucht (z.B. Grundschule und Hauptschule) und besucht dann im dualen System (also durch den Besuch der Berufsschule und im Betrieb) die Ausbildung. Dann ist er etwa gleich alt wie der schwedische Schüler, macht seinen Abschluss und kann sich einen Job suchen.

Ohne jetzt zu wissen, wie es konkret mit der Anerkennung aussieht, ist es doch so, dass beide eine Berufsausbildung haben. Warum sollte dann der Schwede (rein prinzipiell) gegenüber dem Deutschen so aussehen, als habe er keine Ausbildung?

Einen Gruß aus dem noch immer winterlichen Schwaben,
Berta.

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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Aelve » 28. November 2008 16:39

belanna hat geschrieben:Hallo zusammen und gleich mal zum Thema: hat ein Schueler in Schweden den gymnasialen Abschluss in, nehmen wir mal an dem Bereich "Omvårdnad" gemacht: kann dieser in D irgendetwas damit anfangen?
Gruss Bel


Nach meinem Verständnis handelt es sich hier nicht um eine sogenannte Berufsausbildung sondern eine Gymnasialbildung oder noch besser gesagt Fachabitur im Bereich Gesundheitswesen. So fasse ich es auf, sonst wäre es ja keine gymnasiale Bildung. Über eine Ausbildung im Sinne einer Friseurin wurde hier zunächst immer behauptet, dass es sowas in Schweden nicht gibt, erst Anni und Tobi haben es richtig gestellt, dass es für Abgänger der 9. Klasse dann eine Ausbildung gibt, die allerdings mehr Schulbildung umfaßt als Praxis.
Hiervon war aber in den Ratschlägen keine Rede.

Und ich meine eben, dass jemand mit sogenannter Fachschulreife (in diesem Fall im Bereich Gesundheitswesen) eben nicht automatisch einem Gesellen oder einer Krankenschwester mit dreijähriger Lehre gleichgestellt werden kann.

Letzte Klarheit kann in der Tat nur eine Anfrage bei einer Handelskammer, Konsulat oder anderen dafür zuständigen Stellen bringen, bei denen man sich erkundigen kann, wie Heike auch richtigerweise ausführt.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 28. November 2008 16:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon DiereineLeere » 28. November 2008 16:40

Also:

Das 3-jährige schwedische Gymnasium (das mit 16 J. beginnt) ist Berufschule und Lehre in einem. Dazu noch ein paar allgemeine Schulfächer. Nach drei Jahren ist man fertig. Abitur gibt es schon seit ca. 40 Jahren nicht mehr in Schweden, also kann man auch keins machen. In Schweden macht man also die Lehre auf dem Gymnasium. Was anderes gibt es nicht (bis auf ein paar versprengte Spezialschulen hier und da). Wer im schwedischen "gymnasialen" Abschlusszeugnis in den Fächern Schwedisch, Englisch und Mathe "Befriedigend" (godkänd) hat, hat die grundlegende Hochschulreife.

Das deutsche Gymnasium hingegen beginnt mit ungefähr 10 Jahren und ist eine rein schulische Ausbildung; auf dem deutschen Gymnasium macht man keine Lehre, sondern erst danach, wenn man will. Oder man studiert. Oder macht keins von beiden.

Persönlich kann ich mir keineswegs vorstellen, dass man mit einer auf dem schwedischen Gymnasium erworbenen Berufsausbildung in Deutschland irgend etwas anfangen kann.Denn diese ist in Schweden ja sehr verschult, meist sehr lässig durchgeführt und es gibt verschwindend wenig Praxis. In Deutschland besteht aber die (in aller Welt wegen ihrer Gründlichkeit recht berühmte) Berufsausbildung/Lehre vorwiegend aus Praxis. Ich kann mir daher beim besten Willen nicht vorstellen, dass schwedische Gymnasialabsolventen da mithalten können. Was nicht an ihnen liegt, sondern am schwedischen Ausbildungssystem, dem sie nicht entkommen können. Denn hier in Schweden haben sie ja nicht die Wahl zwischen Gymnasium und Lehre. Hier gibt es ja nur eine Sache (das Gymnasium) und dort ist alles irgendwie ein bisschen zusammengemauschelt, auf 3 Jahre runterkomprimiert und der Unterricht ist vorwiegend rein theoretisch.

Ein Gutes hat die Sache aber: im Ausland weiss ja kaum ein Mensch, wie ein schwedischer Gymnasialabschluss in Wirklichkeit zustande kommt, alle glauben: toll, Abi in Schweden gemacht, Hochschulreife erworben, wow! Lasset sie in dem Glauben :-)

Jemand mit schwedischem Gymnasialabschluss (z.B. als omvårdare) wird m.E. eine berufliche Lehre im Pflegebereich in Deutschland noch mal ganz neu machen müssen, auch wenn er/sie schon was ähnliches auf dem Gymnasium ausprobiert hat....denn die Ansprüche an fertige Lehrlinge sind in beiden Ländern abgrundtief unterschiedlich.

Tommy2

Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Tommy2 » 28. November 2008 16:58

Die ganzen bisherigen Beiträge zeigen, dass die Wirklichkeit mal wieder ganz unterschiedlich ist. Die schwedische Gymnasialausbildung hat eine enorme Bandbreite. Ziel der Schulpolitik ist, dass alle dadurch sollen, das macht sich auch im Internationalen Zahlenvergleich gut.
Die vielen Dutzenden von verschiedenen Gymnasialprogrammen strecken sich von Auffangprogrammen für Schüler mit grossen Schwierigkeiten welcher Art auch immer, über praktische und berufsorientierte Programme bis zu rein theoretischen Programmen zur Vorbereitung auf weiterführende Hochschulen.
Das schwedische Gymnasium mit dem deutschen zu vergleichen ist völlig unmöglich, weil die Struktur und das Ziel ganz anders sind. Auch die "allmänna högskolebehörigkeit" die man am Ende erhält, hat mit der deutschen Hochschulreife nichts zu tun. Mit "allmänna högskolebehörigkeit" wird man mitnichten bei jeder Hochschule angenommen, eigentlich nirgends. Es werden immernioch zusätzlche Kurse gefordert.
Auch hat man nicht unbedingt eine Berufsausbildung nach dem Gymnasium. Ausser Frisör und Automechaniker ist mir kene Linie bekannt, wo man gleich als berufsausgebidet arbeiten könnte, zumal es den Begriff der geregelten Berufausbildung in S garnicht gibt. Vergleiche sind daher unmöglich.

Anni und Tobi
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Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon Anni und Tobi » 28. November 2008 17:16

FAZIT:

(wer auch "DiereineLeere" und "Tommy2" immer sein mögen - meldet euch an!)

Die Ausbilungssysteme in Schweden und Deutschland sind grundverschieden und letztlich kann nur eine "Anerkennungskommission" sei es bei der Handelskammer, sei es bei anderen Behörden die Frage klären!

...alle Beiträge, die direkt auch die Ausgangsfrage geantwortet haben waren ja reine Spekulation!

Grüsse Tobi

nysn

Re: mal was anderes: Anerkennung umgekehrt

Beitragvon nysn » 28. November 2008 17:20

Angemeldet oder nicht: Der Beitrag von DiereineLehre - verdient ein dickes Lob!

Verständlich und sachlich dargestellt, wie es sich in Schweden mit der gymnasialen Ausbildung verhält!

:danke:

S-nina


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