Lehrer fliehen aus der Schule

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
svenska-nyheter
-bot-
Beiträge: 16218
Registriert: 9. Juli 1998 17:00

Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon svenska-nyheter » 9. Mai 2012 09:09

Der Lehrerberuf wird in Schweden zunehmend unattraktiv. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Zentralamtes sind heute 37.500 ausgebildete Lehrer in einem Beruf außerhalb der Schule tätig. Somit ist jeder sechste Lehrer nach abgeschlossener Ausbildung abgesprungen.

(Die Tickermeldung musste auf Wunsch von sr.se stark gekürzt werden. Wir bitten um Verständnis.)

Mehr...
(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

unbekannt

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon unbekannt » 9. April 2016 08:36

Das ist auch völlig verständlich. Ständig müssen sich die Lehrer mit irgendwelchen nicht funktionierenden Computern, Programmen und digitalen Whiteboards herumärgern. Dann gibt es kein Totalverbot von Smartphones an den Schulen, was dringend notwendig ist. Die schlechten Schüler können sich nicht konzentrieren, weil sie mit ihren Notebooks und Smartphones alles andere machen außer lernen.

Ein Riesenfehler ist auch der Nachmittagsunterricht an den Schulen. Das heißt, dass ganz normaler Unterricht an den Nachmittagen bis etwa 16:00 stattfindet. Da geht natürlich nichts mehr in den Kopf rein und abends hat kein Schüler mehr Lust selbständig zu lernen, den Stoff zu wiederholen oder Hausaufgaben zu machen. Die Schüler nehmen ja ihre Schulsachen auch nicht nach Hause mit. Besser ist es an den Nachmittagen betreute Hausaufgabenhilfe anzubieten, um gerade die schwachen Schüler zu fördern. Aber dieses Angebot gibt es an den meisten Schulen nicht.

An schwedischen Schulen geht es laut zu. Zum Lernen kommen die Schüler nicht. Es wird viel Geld für elektronischen Unsinn ausgegeben, der den Lernerfolg verschlechtert. Alle pädagogischen Aufsätze über Motivation und individuelles Lernen sind reine Makulatur. Schüler und Lehrer sind gestresst. Da leere Klassenzimmer aus Sicherheitsgründen von den Lehrern immer abzuschließen sind, haben die Schüler keine Möglichkeit sich zurückzuziehen, um in Ruhe etwas zu lernen.

Vor einigen Jahrzehnten wurde für die Lehrer eine Anwesenheitspflicht an den Schulen eingeführt. Abgesehen von 5 Stunden pro Woche können die Lehrer also nicht mehr in Ruhe von zu Hause aus arbeiten, wie das in Deutschland üblich ist. Viele Lehrer erledigen dann während der Arbeitszeit am Computer ihre privaten Dinge. Diese unsinnige Anwesenheitspflicht macht den Lehrerberuf in Zusammenhang mit der schlechten Bezahlung unattraktiv.

Fazit: Für Lehrer ist der Arbeitsplatz an der Schule zu laut und zu chaotisch. Und für Schüler ist die Schule kein geeigneter Ort um in Ruhe zu lernen.

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1285
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon Petergillarsverige » 9. April 2016 09:52

Ich hatte mal 6 Studenten in einer Vorlesung. Davon waren 4 fast ständig dabei auf dem Smartphone rumzutippen. Verbieten durfte ich denen das nicht. Entsprechend fiel die die Klausur aus.
Wir hatten früher Klassenarbeiten. Waren die schlecht, war die Versetzung gefähret. Es gibt immer mal ein paar schlechte Schüler, die gingen dann in die Wirtschaft und wurden Bonzen. ;-)
Insgesamt hat uns der Druck nicht geschadet.
Das alte ist nicht zwangsweise schlecht.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

unbekannt

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon unbekannt » 9. April 2016 12:24

Das einstige Vorzeigeland Schweden ist meines Erachtens bereits schon auf dem Weg sich in das europäische Mittelfeld zu bewegen. Was in der Schule oder in jungen Jahren versäumt wird, lässt sich nur noch schwer wieder aufholen. Kein anderes Land baut jedes Jahr in den Pisa-Studien so schnell ab wie Schweden, das als Antwort darauf die Pisa-Kriterien in Frage stellt. Man scheint für die wahren Ursachen einen blinden Fleck zu besitzen.

Obwohl Schwedisch nur meine Zweitsprache ist, muss ich mich als Lehrer bemühen ein vereinfachtes Schwedisch zu sprechen, da viele Wörter meines Wortschatzes selbst 13-jährigen Schülern, die Schwedisch als Muttersprache besitzen, unbekannt sind. Von den Schülern, die nicht in Schweden geboren sind, will ich lieber nicht reden. Obwohl es die schwedische Grammatik erlaubt, ist der eingeschobene Nebensatz aus der schwedischen Sprache inzwischen fast verschwunden. In 20 Jahren wird wahrscheinlich „lättläst svenska“ (leicht lesbares Schwedisch) den Standard bilden. Ein gutes Buch oder eine gute Unterhaltung lässt sich nicht durch alberne Unterhaltungs-Software zum Vertrödeln der Zeit ersetzen. Seine Muttersprache muss man gut können, um seine Gedanken und Gefühle ordnen zu können. Wir brauchen unsere Sprache zum Nachdenken. Wer das nicht kann, wird es im Leben nicht einfach haben und viele Fehlentscheidungen treffen. Wer ein schlechtes Textverständnis besitzt, dem bleibt vieles von der Welt verschlossen und ist eher nur ein Spielball dieser. Das macht nicht glücklich.

Vollmundig wird in Schweden immer wieder einem Mantra gleich beteuert, dass die Zukunft eines Landes von den Kindern abhängt. In Wirklichkeit geht man einen anderen Weg. Schweden wirbt junge Akademiker und Wissenschaftler aus dem Ausland ab, die dann in den Ursprungsländern fehlen. Gleichzeitig spart man sich dann auch die Kosten für teure Studiengänge, weil das Ausland diese Investitionen geleistet hat. Oft ist dieses Verhalten eine Art Betrug ausgerechnet an dem Ausland, das seine qualifizierten Arbeitskräfte am dringendsten notwendig hat. Auf der anderen Seite betreibt man eine verfehlte und kostspielige Einwanderungspolitik, in denen man Aufenthaltsrechte Einwanderern verspricht, die trotz großer staatlicher Förderung nie beruflich und wirtschaftlich in Schweden auf eigenen Füßen stehen werden können. Ohne wirtschaftliche Perspektive in einer fremden Kultur werden diese Menschen, die vom Sozialstaat demütigend geduldet sind, nie richtig glücklich. Sie müssen sogar auf Grund der gescheiterten Integration statistisch gesehen mit einer kürzeren Lebenserwartung rechnen. Dafür kann Schweden vor dem Rest der Welt sein humanitäres Gewissen reinwaschen. Aber das Gefälle zwischen Arm und Reich wird weltweit und innerhalb der Länder noch ausgeprägter. Schweden hat die Prinzipien seines eigenen Modelstaates durch die bewusste Schaffung und Förderung vielfältiger und oft rückständiger Parallelgesellschaften mit Füßen getreten und Unfrieden geschaffen. Eine Chance auf Frieden gibt es nur, wenn die Gedanken frei sind und Menschen gelernt haben, ihr Gehirn zu benutzen. Und dafür ist die Schule da.

Benutzeravatar
Auswanderer
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 603
Registriert: 16. Oktober 2006 21:59

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon Auswanderer » 11. April 2016 09:56

Volker hat geschrieben:Das einstige Vorzeigeland Schweden ist meines Erachtens bereits schon auf dem Weg sich in das europäische Mittelfeld zu bewegen.


Wie wahr. Sehr, sehr gut beschrieben in dem Buch Fishing in Utopia. Dieses Buch sollten alle hier lesen.

Volker hat geschrieben:Vollmundig wird in Schweden immer wieder einem Mantra gleich beteuert, dass die Zukunft eines Landes von den Kindern abhängt. In Wirklichkeit geht man einen anderen Weg. Schweden wirbt junge Akademiker und Wissenschaftler aus dem Ausland ab, die dann in den Ursprungsländern fehlen. Gleichzeitig spart man sich dann auch die Kosten für teure Studiengänge, weil das Ausland diese Investitionen geleistet hat. Oft ist dieses Verhalten eine Art Betrug ausgerechnet an dem Ausland, das seine qualifizierten Arbeitskräfte am dringendsten notwendig hat.


Dies wird auch in anderen Ländern, auch in Deutschland, gemacht, Stichwort "Wettbewerb um die besten Köpfe". Eigentlich das Gegenteil einer nachhaltigen Entwicklungspolitik. (Übrigens, ist es inzwischen bewiesen, dass der Fachkräftemangel eine Mär ist, damit die Industrie die Löhne drücken kann.)

Volker hat geschrieben:Schweden hat die Prinzipien seines eigenen Modelstaates durch die bewusste Schaffung und Förderung vielfältiger und oft rückständiger Parallelgesellschaften mit Füßen getreten und Unfrieden geschaffen.


Wir werden sehen, wie das in Deutschland wird, mit den neuen Flüchtlingen, und in der Schweiz, wo man der schmutzigen, unreinen Frau, die womöglich ihre Regel hat, nicht die Hand gibt, wenn man ein guter Muslim ist.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

Benutzeravatar
HeikeBlekinge
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2069
Registriert: 4. Januar 2008 20:20
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon HeikeBlekinge » 11. April 2016 12:07

Sehr bedauerlich @Auswanderer, dass du Volkers objektive Beurteilungen fuer
deine subjektiven, teilweise populistischen Ausuferungen missbrauchst!
Besonders dein letzter Satz ist mehr als nur peinlich fuer dich - okej, er zeugt dann auch wieder von einem begrenztem Horizont oder schlechter Bildung. Naja, dann schliesst sich der Kreis ja wieder.

@Volker: Das mit dem eingeschobenem Nebensatz ist ein gutes Beispiel. Ich habe festgestellt, das wenn ich zu lange oder komplizierte Sätze verfasse die Schweden nix verstehen. Spalte ich alles in kurze Sätze auf klappt es dann bestens. Jedesmal grauenvoll fuer mich, denn irgendwie klingt dann alles nur noch banal und uninteressant.

lg
Heike
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1285
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon Petergillarsverige » 12. April 2016 16:22

Heute hatte ich Brasilianer hier zu einer Schulung. In der Pause sprachen wir auch über Urlaub, dass ich gerne nach Schweden fahre. Da meinte sie: "Die sind doch die Nummer eins bei den Schulen, nirgendwo sind die besser!"
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

vibackup
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1216
Registriert: 26. Januar 2013 19:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon vibackup » 12. April 2016 17:08

Petergillarsverige hat geschrieben:Heute hatte ich Brasilianer hier zu einer Schulung. In der Pause sprachen wir auch über Urlaub, dass ich gerne nach Schweden fahre. Da meinte sie: "Die sind doch die Nummer eins bei den Schulen, nirgendwo sind die besser!"

Ja, ich habe bis vor kurzem auch noch deutsche Pädagogikstudenten getroffen, die hierher kommen, weil ja die schwedische Schule so gut sei... leider dauert es immer eine Zeit, bis sich Fakten durchsetzen.
Und so wie Schweden jetzt unverdient Lob bekommt, wird es vermutlich (wenn es so läuft, wie das normalerweise geschieht) dann gleichermaßen unverdienterweise Misstrauen ernten, wenn das Schulsystem wieder im Lot ist.
Was soll man machen...

//M

unbekannt

Re: Lehrer fliehen aus der Schule

Beitragvon unbekannt » 12. April 2016 17:35

Bis das schwedische Schulsystem wieder im Lot ist, dauert es noch viele Jahre. Ich bin jetzt in einem neuen Schulgebäude, das aufwendig renoviert wurde. Die normalen Whiteboards gibt es nicht mehr. Wir arbeiten nur noch mit den digitalen Whiteboards, die aber Macken haben. Plötzlich öffnen sich irgendwelche Fenster oder das Bild verschwindet. Der Kontrast ist bei Tageslicht übrigens schlecht, beklagen sich die Schüler.

Neulich kamen meine wenigen Elitemädels aus der 7. zum mir. Sie wollen mehr mit den Büchern arbeiten, Aufsätze schreiben und Übersetzungen verfassen. Die meisten Schüler machen aber mit ihren Notebooks nur Blödsinn. Schnell klicken sie die Facebookseite weg, wenn ich schaue, wie es mit der Übersetzung läuft, die einige in ihrer Dreistigkeit noch mit Google Translate erledigen. Einige haben schon ganz abgeschaltet, hängen wie unter Drogen betäubt mit einem leeren und traurigen Blick herum und hören nur noch Musik. Da fehlt jede Bereitschaft zur Anstrengung. Sich konzentrieren zu müssen, wird als Zumutung empfunden. Solche Schüler finden alles langweilig.

Es ist ein Trauerspiel zu sehen, wie die Chancen junger Menschen auf Grund einer naiven Technik-Gläubigkeit unter Einsatz von viel Geld verspielt wird. Wenigstens habe ich den Kopierer jetzt um die Ecke in der Nähe meines Schreibtisches. Aber es gibt nur einen Kopierer für 500 Schüler und 50 Lehrkräfte.

Interessant ist http://www.oecd-ilibrary.org/docserver/ ... E63E22C111 Seite 43

"Change between 2003 and 2012 in average spending per student from the age of 6 to 15
and change in mathematics performance"

Schweden gibt mehr Geld für die Schule aus als der OECD-Durchschnitt und gleichzeitig gehen die Mathe-Leistungen wie in keinem anderen Land mehr und mehr in den Keller.

In einer anderen OECD-Studie steht, dass schwedische Schüler auf Platz 2 in der Internetnutzung außerhalb der Schule sind. Vereinfacht kann man daraus einen Trend folgern: Je mehr eine Schule in Computertechnik und die Internetnutzung investiert, desto schlechter werden die Schulleistungen. Nach meiner Beobachtung leider darunter besonders die schwachen Schüler. Für gute Schüler ist ein Notebook ein Werkzeug, für die schlechten ein Spielzeug.

Die meiste Kollegen bestätigen mir, dass die Schulleistungen seit der Einführung der Notebooks für jeden Schüler vor 6 bis 7 Jahren im freien Fall sind. Trotzdem versucht man diesen Absturz durch noch mehr Computertechnik aufzuheben.

Was kann man tun? Aufklärung! Aufklärung! Aufklärung! Wirkt als Eltern und Schüler auf die Lehrer, Politiker und Schulleiter ein. Es gibt weltweit genug Studien, die beweisen, dass Notebooks, Smartphones, WLAN, digitale Whitebaords, Tablet-PCs und das Internet die Schulleistungen für die meisten Schüler drastisch verschlechtern, wobei die berühmten Ausnahmen durch geschickt eingesetzte Lernsoftware diese Regel eigentlich nur noch bestätigen.

Übrigens bietet die schwedische Vollzeitschule mit ihrem permanenenten Lärmpegel auf Grund fehlender Disziplin keine Rückzugsmöglichkeiten, um in Ruhe lernen zu können. Ungenutzte Klassenzimmer müssen von den Lehrern abgeschlossen werden. Nachmittags gibt es ganz normalen Unterricht, obwohl die Schüler nicht mehr aufnahmefähig sind. Ideal wäre eine betreute Hausaufgabenhilfe. Dafür fehlt aber den Schülern aber alleine schon die Zeit, wenn der Unterricht wie meistens bis etwa 15:20 geht.

Mein schonungsloses Fazit: Die schwedische Vollzeitschule bietet den Schülern keine Gelegenheit für eine geeignete Lernumgebung und raubt ihnen sogar die Zeit zum effektiven Lernen!

Wenn das so weitergeht, dann nähen in 20 Jahren die Schweden die Hemden und T-Shirts für den chinesischen Markt.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste