Lebensunterhalt realistisch?

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draussen
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Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon draussen » 5. April 2012 13:54

Hallo zusammen,

auch wir (meine Frau, ich (28 u. 29) und zwei Kinder (3 Wo, 2.5 Jahre)) tragen uns derzeit mit dem Gedanken evtl. nach Schweden zu gehen. Allerdings weniger um aus prinzip nach Schweden zu gehen, sondern um der Arbeit willen (ohnehin, erstmal auf 2 Jahre begrenzt).
Hierzu habe ich kommende Woche ein Bewerbungsgespräch in Göteborg.
Aus den vielen Informationen die ich hier und bei weiterführenden Links gesammelt habe kommen bei mir rechte Zweifel über das finanzielle Gelingen dieses vorhabens auf.

Bisher hatte ich mir gedacht: wo man arbeitet ist ja egal irgendwie wirds schon werden - andere Leute leben und arbeiten ja auch da ;-D (klingt fast naiv).

Ich habe mehrfach gelesen, dass das Gehalt geringer ausfällt als in Deutschland (das habe ich erwartet) und daher 2 Gehälter erforderlich sind. Da wir ein Baby haben, fällt das zweite Gehalt quasi aus.

D.h. es ergibt sich folgende Einnahmenseite:

mein Gehalt:
ca. 30000 SEK - davon gehen aber bis zu 63% ab (hatte ich auf der Hauptseite gelesen)
macht also nur noch rund 11000 SEK raus.

Kindergeld (auch niedriger als in Deutschland):

rund 2000 SEK (zwei Kinder).

Elterngeld (meine Frau bekommt Daheim den Mindestsatz):
ich gehe mal von 0 aus:

Macht zusammen:
13000SEK

Kommen die Ausgaben:

Da man in Schweden Häuser kauft statt mietet (hab ich auch gelesen) hab ich mal bei Blocket.se und Hemet.se gestöbert.
Mit einem Eigenkapitial von rund 30000Eur kann man schon für rund 11000SEK/Monat ein Haus aus den 80ern kaufen. (Mal den Verlust den man macht, wenn das gute Stück nach 2 Jahren wieder verkauft wird, außen vorgelassen).

Bleibt also noch das Kindergeld zum Essen, Heizen, Autofahren und Unternehmungen machen.
Da sind wir doch nach einem Monat im Eigenheim verhungert?!

Kann mir jemand sagen wo mein Denkfehler ist? Sind die Abgaben (63%) wirklich so hoch?
Falls ja könnte ich mir den Flug schon fast sparen (wobei Göteborrg immer eine Reise wert ist).

Ich danke vielmals im Voraus für Ratschläge, Kommentare und Hinweise.

MfG

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Dietmar » 5. April 2012 14:26

Hallo "draussen",

Da hast du ja schon richtig Recherchearbeit geleistet. Respekt!
Zu den konkreten Zahlen will ich mich nicht äußern, da ich gerade nicht in Schweden lebe.

Aber es gibt ja genug Ausgewanderte hier im Forum -- wer kann was dazu sagen?

Grüße
Dietmar

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon draussen » 5. April 2012 14:46

Hallo Dietmar,

danke für die Blumen :danke: . Ich hab zwar ein bischen recherchiert, hoffe aber doch dass ich mich irgendwo vertan habe, sonst wird das nix mit der neuen Arbeitsstelle. Oder ich muss ein für die Position ungewöhlich hohes Gehalt fordern - und dann wirds wahrscheinlich wieder nix ;-D.

MfG

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon tjejen » 5. April 2012 15:04

Also wo du die 63% her hast ist mir ein grosses Rätsel ;)

Was du an Steuern zahlst hängt von deinem Wohnort und der Höhe des Einkommens ab. Ein Monatsgehalt von 30 000 kr ist nicht überdurchschnittlich viel, sondern enstpricht einer Hochschulausbildung und ein paar Jahren Arbeitserfahrung, vielleicht auch eine untere Chefsposition. (Ist natürlich hauptsächlich von der Bransche abhängig.)

Deine Steuer kannst du ausrechnen:
1. Schau nach welche Skattetabell du anwenden musst: http://www.skatteverket.se/privat/skatt ... 02414.html

2. Entsprechend der Skattetabell kannst du sehen wieviel Steuern du bei welchem Einkommen zahlst, Spalte 1 wird für dich relevant sein: http://www.skatteverket.se/privat/skatt ... #lontagare

Hab einfach mal wahlfrei ein Län und Kommun angegeben und bei 30 000 kr zahlt man da (Tabelle 31) 7 300 kr Steuern im Monat, bleiben also mehr als 22 000 kr übrig.
Gnäll suger, handling duger.

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon meckpommbi » 5. April 2012 15:31

vieleicht hat er es umgedreht verstanden die 63 prozent sind ungefähr das was dir bleibt und ein interessierter arbeitgeber hilft dir auch bei der wohnungssuche
gruss birgit

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon draussen » 5. April 2012 15:53

Hallo,

danke für die Info mit den Tabellen. Damit sieht die Welt schon etwas anders aus.

Die 63% stammen übrigens hierher:
http://www.schwedentor.de/auswandern-le ... ung/arbeit
unter "Sozialabgaben und Steuern" sind als mximale Abzüge 63% genannt wenn man über den steuerfreien rund 34.000 Eur im Jahr liegt. Da dachte ich: ich gehe mal vom schlimmsten Fall (63%) aus.

@Birgitt: der Arbeitgeber ist bestimmt behilflich was zu finden, bezahlen müssen wir aber trotzdem :-D. Wie erwähnt könnte ich mich sogar mit einem Hauskauf anfreunden, da dabei das Angebot deutlich größer zu sein scheint. Unterkünfte in Göteborg zu mieten ist ohnehin äußerst schwierig (auch wenn gewisse Arbeitgeber da besondere Möglichkeiten haben).

Grob Geschätzt geht jedenfalls 1/3 vom Brutto weg. Dann noch 1/3 für die Miete bleiben noch rund 10000SEK.
Kann man von rund 10000 SEK den Rest zum Leben bestreiten - ich meine das ist noch recht eng? Wir waren zwar schonmal für vier Monate in Göteborg, ich kann mich aber nicht mehr recht an die Kosten entsinnen. Ich meine Lebensmittel waren quasi wie daheim. Abends Essen gehen ist definitiv teurer, machen wir aber daheim auch nicht.
Dennoch, alles in allem brauchen wir exkl. Miete zuhause auch immer so rund 1400 eur/Monat.

Hat hier noch jemand Erfahrungen, Relationen für Schweden?

Muss man noch irgendwelche größeren Batzen berücksichtigen, an die ich noch nicht gedacht habe? Dagis vlt.?


Ich danke für alle Hinweise.

MfG

Georg

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Dietmar » 5. April 2012 16:25

draussen hat geschrieben:Die 63% stammen übrigens hierher:

Hallo Georg,

das sind aber maximale Obergrenzen für Besserverdiener; und zwar nur wenn man alles zusammenrechnet! Also Steuern, Sozialabgaben, Rentenversicherung etc.
Trifft auf deinen Fall so sicherlich nicht zu :-)

Die Zahlen waren glaube ich aus den Statistiken von 2008... Ich werde mal schauen wie die neuen Werte aussehen.

Gruß
Dietmar

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon HeikeBlekinge » 5. April 2012 17:18

Einen Dagisplatz werdet ihr nicht so leicht bekommen wenn deine Frau zuhause bleibt. Andersherum: Sie kann arbeiten gehen ;-)

Neben barnbidrag werden euch auch föräldrarpenning und je nach Einkommen evtl bostadsbidrag zustehen:
http://www.forsakringskassan.se/privatp ... GOTJHQVAy/

Wir kommen mit 10000 sek fuer eine 5-köpfige Familie gut hin, sind aber auch zum Teil Selbstversorger ;-) und haben geringe Ansprueche.

lg
Heike
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

auch Neuling

Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon auch Neuling » 5. April 2012 18:00

Hallo Georg,

ich bin Schwedin und wohne in Schweden. Für eventuelle Rechtschreib- oder Sprachfehler entschuldige ich mich im Voraus. Vielleicht kann ich jedoch ein paar deiner Fragen beantworten.

Das mit den 63% stimmt in etwa wenn man von der Sicht des Arbeitsgeber rechnet, aber von dem Gehalt das ein Arbeitgeber anbietet sind die Abgaben die der Arbeitsgeber zu zahlen hat schon abgerechnet. In den Steuern die du noch zu zahlen hast, sind Rentenversicherung und alle anderen Sozialversicherungen (ausser Arbeitslosenversicherung) enthalten (Sozialversicherungsabgaben werden in Schweden nicht getrennt angegeben - das sind alles "Steuern"). Die Summe 7300,- stimmt so ungefähr. Im kommenden Jahr, wenn du deine Steuererklärung abgibst, wird die endgültige Summe berechent. Dann kann es sein, dass du eine kleinere Summe zuzahlen musst oder du bekomst eine Rückzahlung.

Ob man von dem was übrig bleibt leben kann, ist schwierig zu sagen. Die einen können von sehr wenig leben, und für den anderen reicht noch nichtmal ein Vermögen. Grundsätzlich ist es in Schweden so, dass wenn eine Familie von nur einem Gehalt leben will, muss sie sich sehr einschränken, und am liebsten auch ein Spaarkapital haben.

Deine Frau müsste auch Elterngeld bekommen (SEK 180,- pro Tag = Mindestbetrag für 480 Tage pro Kind, minus die Tage in Deutschland)

Du hast recht, dass es schwierig sein kann Miethäuser/-wohnungen zu finden. Häuser werden meistens nur vermietet wenn der Besitzer für einige Zeit wo anders wohnt und bei Mietwohnungen ist die Wartezeit oft lang.

Woher kommt die summe 11.000 fürs Wohnen? Hauskauf ist auch nicht so leicht. Die Preise beruhen zum grossen Teil an der Lage. (Es gibt bessere und schlechete Viertel, zu welcher Kategorie ein Viertel gehört sieht man meistens nicht beim ersten Blick, Ortskenntnis ist gefordert.) Ich würde am Anfang doch versuchen zu meiten.

Ja, es gibt noch viel was man über Schweden sagen kann, da könnte man Romane schreiben, aber es ist besser wenn du konkrete Fragen stellst und ich versuche sie zu beantworten.

Gruss
Ingrid

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon meckpommbi » 5. April 2012 18:53

nun vieleicht siehst du den hauskauf auch als wertanlage beim derzeit wackelnden euro :) aber davon abgesehen es giebt auch miethäuser wie das allerdings im umland von gothenborg aussieht mmmm keine ahnung warscheinlich eng
ja ich denke mit ein bisschen sparsammkeit kann man mit 10000 kronen im monat ganz gut hinkommen in diesem ballungsraum sind auch alle billigketten gut vertreten
beim haus solltet ihr vieleicht drauf achten keine reine strom oder oelheizung zu haben holz oder pellets oder bergwärme sind da deutlich kostenschonender und wenn deine frau sowieso zu hause bleibt kann sie ja auch ein bisschen anbauen und sich um die heizung kuemmern
je weiter du weggehst von gö um so billiger wirds wohl sein muss man dann aber wieder die fahrtkosten gegenrechnen
gruss birgit


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