Lebensunterhalt realistisch?

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Murmel
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Murmel » 2. Mai 2012 21:51

Hej,

ich habe auch gerade bei einem Bieterverfahren ein Haus in Schweden gekauft. Es gab überhaupt keine Schwierigkeiten, weder mit dem Makler, noch mit dem Verkäufer. Wichtig ist meineserachtens, darauf zu achten, ob der Makler gut Englisch spricht, solange man selbst nicht genügend Schwedisch kann. Ich habe das oft schon beim ersten Email-Kontakt bemerkt. Eine Maklerin glaubte, nach meiner Frage, ob sich ein Pferdestall in der Nähe befände, dass ich das Pferd im Haus halten wolle, also quasi in der Küche.... :D Das ging natürlich nicht... das Haus habe ich mir garnicht erst angeschaut, denn ich konnte der Maklerin den Sachverhalt dann auf Schwedisch noch erklären, aber die gesamte Verhandlung auf Schwedisch zu führen habe ich mich nicht getraut.

Ein klares Finanzierungskonzept zu haben hilft auch, ich habe mit meinem Makler offen darüber gesprochen wie und wann sich wieviel Geld wo befinden muss, und wie lange eine Überweisung aus Deutschland dauert.

Wir haben allerdings kein sehr begehrtes Objekt gekauft, sondern ein altes, renovierungsbedürftiges Haus in einem Dorf 30 km von Umeå entfernt. In Göteborg sieht es möglicherweise anders aus...

MvH,
Murmel

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon unbekannt » 2. Mai 2012 22:25

Das stimmt, dass das Bieterverfahren für niemanden juristisch bindend ist. Sollte sich allerdings herausstellen, dass der Höchstbietende die Finanzierung nicht aufbringen kann, muss der Makler das Bieterverfahren wieder von vorne neu aufrollen. So hat uns das jedenfalls ein Makler erklärt. Ist die Nachfrage nach einem Objekt groß, sind ausländische Bieter deshalb ein schwer kalkulierbares Risiko, das manche Makler und Hausverkäufer nicht eingehen wollen.

Wir hatten uns etwa 15 Häuser angeschaut, wobei zwei Makler wenig Interesse an uns zeigten. Das war im Zusammenhang mit Objekten, bei denen bis zu 30 Familien auf der visning, also der Hausbesichtigung, erschienen.

Bei Maklern, die unbedingt mit uns Deutsch reden wollten, obwohl sie das nur gebrochen konnten, waren wir übrigens immer sehr vorsichtig.

Wir hatten dann übrigens ein Haus gekauft, das auf dem Foto in http://www.hemnet.se ziemlich blöd und langweilig aussah. Trotzdem oder gerade deshalb sind wir immer noch sehr zufrieden. Wir haben zwei Garagen, was gerade im Winter für zwei Autos sehr angenehm ist. Nur den Garten hatten wir mit der Zeit umgestaltet und einen Kaminofen eingebaut.

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Pink_Panther » 5. Mai 2012 23:16

jörgT hat geschrieben:Im 1. Arbeitsjahr hat man in Schweden keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub, also heisst es entweder durcharbeiten oder auf Minusstunden gehen bzw. unbezahlten Urlaub...

LG JANA



Hej Jana!
Wo hast Du denn diese Weisheit her? Die stimmt nämlich definitiv nicht!

:[/quote]

Tut mir leid Volker, aber da hat Jana schon Recht! Aber sicher gibt es auch Ausnahmen, das kommt natürlich ganz auf den Kollektivvertrag an.
Gang und Gäbe ist allerdings:
- zunächst wird der eingearbeitete Urlaubsanspruch erst einmal auf einem Urlaubskonto gutgeschrieben. Stichtag für den Saldo ist meistens der 30. April. Alles, was bis dahin an Urlaub eingearbeitet wurde, steht einem dann zur Verfügung. Was danach eingearbeitet wird, hat man dann im folgenden Jahr nach dem 30. April zur Verfügung.
Fängt man also nach dem 30 April bei einem Unternehmen neu an, dann kann man bis zum darauffolgenden Stichtag bestenfalls unbezahlten Urlaub nehmen, auch wenn man anschließend schon einige Tage auf dem Konto haben sollte. Diese bekommt man erst im nächsten Rechnungsjahr zur Verfügung gestellt. Etwas verwirrend, ich weiß :-)

Viele Grüße,

Paul

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon janaquinn » 7. Mai 2012 07:06

Danke Paul, dass du unsere Erfahrungen der letzten Jahre bestätigst. Denn so haben wir es bisher bei allen 3 Jobs erlebt,

Grüsse JANA
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon unbekannt » 7. Mai 2012 07:26

Pink_Panther hat geschrieben:Tut mir leid Volker, aber da hat Jana schon Recht! Aber sicher gibt es auch Ausnahmen, das kommt natürlich ganz auf den Kollektivvertrag an.
Paul

Das braucht dir nicht leid tun, Paul, denn ich habe zu dem Thema über bezahlten Urlaub überhaupt nichts geschrieben.

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Auswanderer » 8. Mai 2012 20:22

draussen hat geschrieben:Die 63% stammen übrigens hierher:
http://www.schwedentor.de/auswandern-le ... ung/arbeit
unter "Sozialabgaben und Steuern" sind als mximale Abzüge 63% genannt wenn man über den steuerfreien rund 34.000 Eur im Jahr liegt. Da dachte ich: ich gehe mal vom schlimmsten Fall (63%) aus.


Falsch verstanden. Ich zitiere:

Die Einkommensteuer wird zum Teil von der Gemeinde festgesetzt; sie ist unabhängig von der Höhe des Einkommens und beträgt durchschnittlich 31%.
Der zweite Teil wird vom Staat erhoben und richtet sich nach der Höhe des individuellen Einkommens (Steuerprogression). Der Grundbetrag von 34.120 € Jahreseinkommen ist steuerfrei. Darüber werden 20% bis 25% fällig.


Man zahlt also ca. 31% auf die ersten EUR 34.000 und zusätzlich 25% auf das, was darüber ist (und 7% Rentenversicherung). Die EUR 34.000 sind nicht steuerfrei, sondern darauf zahlt man 31%; sie sind nur steuerfrei bezüglich den zusätzlichen 25%. Man zahlt aber dann nicht plötzlich 56% auf alles, sondern bis 34.000 zahlt man 31% und ab 34.000 zahlst du 56% auf das, was über 34.000 liegt.

Dies ist ein Stufenmodel, was sogar einfacher ist als das von der FDP, Kirchhoff und Merz, da es nur 2 Stufen hat. Wer hat einen Bierdeckel? :-| (Ich glaube aber nicht, dass die Neoliberalen in Deutschland mit den Höhen der Stufen zufrieden wären, auch nicht (was genau so wichtig und oft bei solchen Diskussionen weggelassen wird) ab welchem Einkommen sie gelten.)

Konkret heißt das, bezogen auf das Gesamteinkommen: ab 0 (oder, genauer gesagt, ab 100 Kronen im Jahr) zahlt man 31%, bis EUR 34.000 im Jahr, danach steigt der Satz langsam an und nähert sich asymptotisch 56%.

In Deutschland ist der Eingangssteursatz unter 19% und greift erst ab ca. 10.000 im Jahr. In Schweden zahlt man also viel mehr, oder? Nein. Erstens ist der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungen ca. 20%, ab dem ersten Cent. In Schweden ist das in den "Steuern" darin. Ein Steuersatz von 25% (durcschnittlich, nicht der Endsteuersatz auf den letzten Cent) bei der Einkommenssteuer in Deutschland entspricht also 45% insgesamt an Steuern und Abgaben.

Wer wenig verdient, zahlt in Prozent in Schweden insgesamt weniger an Steuern als in Deutschland, wer mehr verdient zahlt mehr. Das ist aber nicht der Hauptgrund für eine gerechtere Verteilung der Nettoeinkommen (ja, Arbeit soll sich lohnen, aber wer 20 Mal mehr als ich verdient arbeitet weder 20 Mal mehr noch 20 Mal härter); Hauptgrund ist, dass die Unterschiede in den Bruttoeinkommen viel geringer sind als in Deutschland. Wer 40 Stunden pro Woche in Schweden arbeitet hat sicher EUR 1500 im Monat; in Deutschland kann das weniger als 1000 sein. Aber 99% der Bevölkerung verdienen weniger als EUR 5000 brutto im Monat.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Pink_Panther » 9. Mai 2012 17:51

Volker hat geschrieben:Das braucht dir nicht leid tun, Paul, denn ich habe zu dem Thema über bezahlten Urlaub überhaupt nichts geschrieben.


Nein Volker, denn das war ja Jörg .... sorry!!!! :smt006 :lol: :lol: :lol:

Ok Jörg - der letzte Beitrag von mir war also auf Dich bezogen :-)

Viele Grüße,

Paul

jörgT
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon jörgT » 10. Mai 2012 10:40

Ja Paul, das war ich! Aber es gibt Unterschiede, wie Du schon schreibst - ich habe diese Regel weder selbst, noch bei einem anderen Mitarbeiter erlebt!
Oft ist das alles Verhandlungssache ...
Jörg :goodman:

Chris

Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon Chris » 20. Mai 2012 17:50

Hallo,

ich lebe jetzt seit 1,5 Jahren in Göteborg.
Zu den technischen Dingen des Immobilienkaufs und zu den Steuern wurde ja schon einiges gesagt.

Innerhalb von Göteborg kommun wirst Du unterhalb von 2 Millionen Kronen kaum ein ausreichend großes Haus finden.
Dazu sollte man die Vororte Angered, Länsmansgården, Bergsjön absolut meiden. Biskospsgården, Gamle Stan gehen...

Das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr in Göteborg Kommun kostet 475sek/Monat.
Siehe auch hier:
http://vasttrafik.se/Priser--Produkter/

Wohnt man in Göteborg an der richtigen Stelle, dann ist der Nahverkehr aber einfach Spitze!

Wenn Du in der Umgebung von Göteborg schaust, solltest Du darauf achten, dass das Haus nicht direkt an der E20 liegt... die wird demnächst ausgebaut.

Des Weiteren musst Du einkalkulieren, dass in Göteborg Ende des Jahres die sogenannte "Trängselskatt" eingeführt wird. Dies ist vergleichbar mit der Citymaut in Stockholm. (hab jetzt leider den Link nicht mehr gefunden)

Achte also am besten darauf, dass Du eine gute Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln hast.
Hierzu empfiehlt sich auch die Seite von Västtrafik.
Sollte darüber Dein Arbeitgeber keinen eigenen Parkplatz haben, dann solltest Du einkalkulieren, dass Du nicht unter 10 Kronen/Stunde an Parkgerbühren bezahlst.


Chris

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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitragvon draussen » 25. Mai 2012 22:57

Hallo,

danke nochmal für die Antworten.
@Volker: besonderen Dank für die richtige Erklärung der Steuerumstände. In den vorher genannten Tabellen ist doch alles berücksichtigt, oder?

@Chris: das mit der Maut ist interessant. Ich bin aber eh darauf bedacht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. ALs wir das letzte mal in Göteborg waren, hat das auch super geklappt (haben direkt an der 5 gewohnt). Das mit dem Parkplatz beim Arrbeitgeber ist bei Nutzung des öfftl. Nahverkers nicht so wichtig. Meine Erfahrung ist aber, dass in Gbg ein eigener Parkplatz beim Haus mitunter Gold wert ist.

Wie auch immer, wir gehen auf jeden Fall nach Gbg und werden es mit dem Lebensunterhalt irgendwie schaffen.

Falls jemand zufällig ein Häuschen in Reichweite des öffentlichen Nahverkehrs ab September (vlt. auch schon August) zu vermieten hat.

MfG

Georg


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