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 Betreff des Beitrags: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 20:02 
Ein Film heute Nachmittag , der traditionell der 60-er Jahre etwas mit „Schmalz“ bedeckt war, zwingt mich einfach mal ein Thema aufzugreifen ,welches vor kurzer Zeit in einem anderem Forum diskutiert wurde ,welches dann aber leider durch unqualifizierte und absolut dumme Threads abglitt. Der Admi hat sich da selbst ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.
Jedenfalls griff der Film von 1958 mitunter Probleme der Samis auf , über die sich so gut wie kein Tourist Gedanken macht, wobei ich jetzt schon öfter Beiträge im Fersehen geshen habe ,die dieses Thema endlich auch aufgreifen.
Da die Samis nicht so „bodenständig“ sind wie der „Otto.Normalverbraucher“, waren sie auch einer gewissen Verfolgung seitens der Regierungen Norwegens , Schwedens, Finnlands und Russland ausgesetzt.
Ich glaube, erst Ende der 60-er Jahre erhielten sie ein Mitspracherecht im Schwedischen Parlament.
Nun nimmt der Tourismus in Lappland extreme Ausmaße an ,der zweifelsohne Geld in das Land bringt. Aber verträgt Lappland bzw. ganz Skandinavien dieses Geschäft von einigen Wenigen.
Nehmen wir mal das Eishotel bei Jukkasjärvi . Zum Anfang ein Gag, der gelungen war. Heute aber kommen in einem kurzen Zeitraum über 100.000 Gäste, die dort nicht nur übernachten. Nein , mit Schneescootern wird in einer Jahreszeit das Wild und die Rentiere in einer Weise gestört ,dass es existenzbedrohend ist.
Nun verlangt keiner ein Freilandmuseeum und Schneescooter ,Hubschrauber und geländegängige Fahrzeugen gehören zu den Arbeitsmitteln der Samis.
Aber sollten z.B. Projekte wie das „Eishotel“ oder gelinde gesagt , alles was mit Massentourismus zu tun hat , eingedämmt werden?


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 20:15 
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Eine gute Frage und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der Tourismus der richtige Weg ist, allerdings ist die Abwanderung der dort ansässigen Menschen kaum aufzuhalten und so versuchen eben die Komunalen Politiker gegenzusteuern.
Sicher nicht immer mit dem richtigen Maß.
Ich erlebe hier in Bergslagen auch ein großes Abwandern in die Städt.
Hällefors hatte vor 10 Jahren, als wir unser Haus kauften noch 10 000 Einwohner und nun sind wir auf 7600 geschrumpft. Hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit tragen dazu bei, dass wir uns mit dem Gedanken tragen neue Ertragsquellen im Tourismus und damit einhergehend Arbeitsplätze zu schaffen. Der dadurch ausgelösten Synergieeffekt kann sich positiv in der Gemeinde, deren Bewohner und den kleinen Unternehmen durchsetzen.
Hier wurde versucht mit Nostalgidager ein highlight zu schaffen, aber nicht die Vergangenheit sollte unsere Zukunft sein.
Und ich denke auch Lappland sollte sich für die Zukunft rüsten.
Freue mich wenn ich darauf eine Antwort bekomme.

Liebe Grüße Gundi


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 20:31 
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Das Massentourismus früher oder später schädlich ist,sieht man an anderen Beispielen!
Es ist eben ein zweischneidiges Schwert:auf der einen Seite wird die Wirtschaft angekurbel und Arbeitsplätze geschaffen-auf der anderen Seite leidet(nicht nur) die Natur früher oder später darunter.
Bis auch das letzte Fleckchen unberührte Natur sich nicht mehr so nennen darf.
Es ist ziemlich schwierig da einen guten "Spagat" hinzukriegen.
In einigen afrikanischen Ländern ist man mittlerweile dahinter gekommen,das die Menschen sich "auch" für den sog.sanften Tourismus
begeistern.Das heißt,das nur von den Einheimischen!Touren organisiert werden und sie auch alles andere(Andenken-was manchen eben so brauchen) in eigener Regie machen.Die Teilnehmer sind immer begrentzt,es dürfen nur bestimmte Wege benutzt werden usw.
Damit will man das Ausufern verhindern.Es scheint zu funktionieren-jedenfalls teilweise.Meine Kollegin erzählte mir,das diese Art Tourismus "boomt".Was natürlich auch wieder Massen anzieht...Letztendlich gibt es meiner Meinung nach keine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung.
Grüße
Sabine

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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 20:42 
Natürlich,natürlich. Niemand will die Zeit aufhalten ,Tourismus ist wichtig und die hohe Arbeitslosigkeit ,die die meisten Urlauber nicht sehen ,ist mir bekannt. aber durch Überdimensionierung zieht man sich doch selbst den Stuhl weg.
Beispiele gibt es doch rund um den Globus.
Die Samen haben ein sehr schweres Leben und sie sollen auch alle Technik der Welt benutzen, welches es ihnen erleichtert , aber müssen es denn "Geldsäcke " sein , die zu Hunderten bei -35 Grad das Wild zu Tode treiben? Wenn ich meinen Hund im Sommer dort frei laufen lasse, werde ich bestraft ,trotzdem er eigentlich dahin gehört. Siehe Wolf und Bär.
Die andere Seite der Abwanderung kann man nicht verhindern.Die Jugend will überall auf der Welt vom großen Kuchen etwas abhaben. Siehe Lofoten. Die Abwanderung begann nicht durch Fangquote oder Rückgang des Fischbestandes. Nein, sie begann mit der Einführung des TV Programmes .Ich will jetzt aber nicht den Samen das Fernsehen verbieten. Aber durch eine gewisse Reglementierung z.B. beim Eishotel ,steigt automatisch der Preis und die meisten, die da hinfahren ,bezahlen den auch. Außerdem gibt es genügend Campingplätze ,wo man sich seinen Iglu selber bauen kann. Ist vielleicht sogar schöner.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 21:09 
Sabine ,diesen Spagat ,wie du ihn nennst , den meine ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 21:18 
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Das Problem bei solchen Sachen ist doch immer,das es Leute gibt,bezahlt haben und denken das sie damit sämtliche Rechte auf Alles! erwerben!
ich wohne direkt an einem "geschützem" Wald.Es gibt jedes Jahr Touris die ihren Hund freilaufen lassen,obwohl überall Schilder sind,die auf Leinenpflicht hinweisen.
Darauf angesprochen höre ich oft:"Irgendwo müssen wir sie ja frei laufen lassen!"
Was habe ich mich schon über so viel Ignoranz aufgeregt!
Aber woanders ist es auch nicht besser:Durch das Mieten eines Snowmobils mietet man eben gefälligst alles andere mit!-Ist ja bezahlt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 21:18 
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Sabine hat geschrieben:
auf der einen Seite wird die Wirtschaft angekurbel und Arbeitsplätze geschaffen-


Tja, stimmt einerseits, aber doch auch nicht so ganz, da z. b. die herkömmliche (d.h. bei den Sámi die Rentier-)Wirtschaft wiederum darunter leidet, d.h. zum Teil stark eingeschränkt wird.
Es geht also gar nicht nur um Ökonomie gegen Ökologie, sondern auch um traditionelle Wirtschaft der Ureinwohner gegen moderne Wirtschaft der Kolonialmacht. Was nicht heißen soll, dass nicht auch Sámi vom Tourismus profitieren würden. Aber in diesem Maße bräuchten sie diesen Erwerbszweig ja gar nicht, wenn sie noch mehr ihren herkömmlichen Tätigkeiten nachgehen könnten (die dann auch ganz nebenbei noch besser für die Natur waren).


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 3. Februar 2008 21:35 
Das mit den Hunden können wir ja in einem anderen Beitrag aufgreifen .
Mit den Schneescootern hast du vollkommen Recht , denn die Leute die dort hinkommen(jetzige Eishotel) kommen nicht der Natur wegen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 00:48 
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Da hat Nobse ein interessantes Thema aufgegriffen. Wenn man dies diskutiert gibt es sicher viele "Für" und "Wider". Ich bin ja selber Lappland- und (Schweden-) Tourist und nutze in meinem Urlaub das Land mit seinen Ressourcen, den Wald, die Fjälls, die Gewässer u.a.m.. Das Allemansrätt bietet mir dafür genau die Möglichkeiten. Und genau aus diesem Grund fahren ja viele von uns dorthin. Wie umweltgerecht muss man sich verhalten, um der Umwelt dort nicht zu schaden? Sehr umweltgerecht! Eigentlich dürfte man gar nicht dort sein, um es mal fundamentalistisch auszudrücken. Wie sehen die Samis dieses "Problem" aber selbst (?). Immerhin leben wir im Zeitalter der Globalisierung und das trifft auch für den Tourismus zu. Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Samis mit dem Tourismus an sich ein Problem haben. Das Problem liegt vielleicht eher darin, das andere den Nutzen aus dem Tourismus in Sapmi dem Land der Sami ziehen.

Amarok


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 01:31 
Hey Amarock, ich habe doch auch manchmal Gewissensbisse, aber ich sagte schon ,es ziehen nur einige wenige richtig Profit daraus, gegen Nutzen ist ja nichts einzuwenden.Ich gönne es auch den Samen und du wirst dich auch schon dabei erwischt haben , wenn du merkst ,dass es sich um Samen handelt ,die ohne Profitgier Waren feil halten ,du etwas kaufst ,trotzdem du gar nichts kaufen wolltest. Leider sind diese Stände in den letzten 3 (!) Jahren so gut wie restlos verschwunden und statt der handwerklichen Arbeit bekommst du z.B. Messer ,deren Bausatz ich mir im Internet kaufen kann.
Es geht mir um den Tourist der massenhaft eingeflogen wird , sich keinerlei Gedanken um Natur und Kultur macht und wie Sabine schon richtig sagte :" mit meinem Geld habe ich ja alles bezahlt",die Sache abhandelt.
Es gibt genug Samen die ihre traditionelle Lebensweise beibehalten wollen und dies sollte man respektieren.
Wer gibt uns das recht zu sagen ,ihr seid rückständig ,unterentwickelt ,es muss bei euch moderner werden.
Einen ganzen Kontinent hat die" zivilisierte"Welt mit dieser Denkweise zu Grunde gerichtet ,nämlich Afrika.Die waren aber schon einmal so weit entwickelt , da ist man in Europa noch mit der "Trommel um den Baum " gelaufen. Ich habe jedenfalls größte Achtung vor den "Naturvölkern".


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 02:22 
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Hej nobse,

mit den "anderen" die "den Nutzen" ziehen meinte ich die, die das Land der Sami "besetzt, okkupiert" haben und nicht die Touristen. Mich würde wirklich bei diesem Thema interessieren wie die Samen selber darüber denken. Wie viele Samen gibt es noch, die in traditioneller Lebensweise in Lappland leben? Ich könnte mir eher vorstellen, dass die traditionelle Lebensweise von vielen Samen in Teilen wieder angenommen wird und das ein umweltverträglicher Tourismus dabei durchaus für die Samen positive Akzente setzen kann.

Amarok


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 06:55 
amarok hat geschrieben:
Hej nobse,

mit den "anderen" die "den Nutzen" ziehen meinte ich die, die das Land der Sami "besetzt, okkupiert" haben und nicht die Touristen.

Amarok


Genau , ich rechne aber noch die "Touristen" z.B. vom Eishotel dazu.
Die Okkupation die du ansprichst, ist Weltweit vorhanden , war zu jeder Zeit und aus verschiedenen Gründen,von den Indianern Nordamerikas (Land),über die Inka(Gold) und heute der Irak (Oel),wobei dies nur ein kurzer Abriss von dem regelrechtem Ausrotten vieler Kulturen ist .
In zwei Reportagen über Lappland ,wurde endlich dieses Thema mal angesprochen ,welches mich auch zu diesem Thread veranlasste.
Man kann eigentlich nur von Glück sprechen,dass in Lappland noch keine ,oder geringe Bodenschätze gefunden wurde.Wobei Kiruna und Gällivare für dieses Land massive positive Vorteile hat.
Ich spreche hier nicht vom Individualtourismus ,zu den die Samen sehr positiv gegenüber stehen.
Für mich stellt sich die Frage ,wo ist die Grenze,wo ist der Grad, um diese
Natur und Kultur zu erhalten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 10:20 
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nobse hat geschrieben:
Man kann eigentlich nur von Glück sprechen,dass in Lappland noch keine ,oder geringe Bodenschätze gefunden wurde.


Na ja. Solltest du mal mit dem Flugzeug nach Gällivare fliegen, dann siehst du (sofern du links sitzt und der Flieger - zumindest bei Westwind - von Osten her anfliegt) kurz vor der Landung ein gigantisches Loch im Boden. Das ist Europas grösster Kupfertagebau. Ich glaube, nur irgendwo in Südamerika gibt es noch einen grösseren. Dort soll demnächst noch ein zweites Loch hinkommen, man verdoppelt die Produktion.
Dann haben wir noch die LKAB, die in Kiruna und Malmberget grosse Mengen Eisenerz fördert und der gerade beide Städte zum Opfer fallen, weil sie auf diesem Erz stehen. In Jokkmokk wird gerade nach Gold gesucht. Also an Bodenschätzen ist schon einiges da, und es ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen für das Land.

Was die Samen betrifft, so ist ihr Verhältnis zu den Schweden nach wie vor gespannt, auch wenn die meisten gar nicht mehr als Samen zu erkennen sind und nur noch wenige Rentierzucht in so grossem Maßstab betreiben, dass sie davon leben können. Es gab noch vor ein oder zwei Jahren langwierige Gerichtsverhandlungen, die sich ernsthaft damit beschäftigten, wer zuerst da gewesen ist: Schwede oder Same. Der Hintergrund: Schwedische Waldbesitzer wollten den Samen verbieten, ihre Rentiere in ihren Wäldern weiden zu lassen.
Seitens der Samen findet man oft trotzige Abgrenzung, seitens der Schweden alles von völliger Ignoranz bis zu Neid auf das samische Privileg der Rentierzucht (was sie selbst natürlich nie ausnutzen würden, aber das ist egal).
Vielen gelten die Samen als unzivilisierte Barbaren, eine Ansicht, die gefördert wird durch Alkoholismus oder auch gewisse Ereignisse wie grausam getötete Adler, auch wenn nicht bewiesen ist, dass es Samen waren.
Kurzum: An der Oberfläche ist alles staatlich verordnet FriedeFreudeEierkuchen mit netter Folklore und bunten Trachten, unter der Oberfläche gärt es gewaltig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 18:00 
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amarok hat geschrieben:
Eigentlich dürfte man gar nicht dort sein, um es mal fundamentalistisch auszudrücken.


Das stimmt natürlich. Wenn man's genau nimmt. Aber ich denke, es geht auch nicht darum, gar keine Reisen mehr zu machen, sondern einfach dabei etwas das Hirn einzuschalten :smt003

amarok hat geschrieben:
Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Samis mit dem Tourismus an sich ein Problem haben. Das Problem liegt vielleicht eher darin, das andere den Nutzen aus dem Tourismus in Sapmi dem Land der Sami ziehen.


Das ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt, also dass nun andere (die irgendwann mal mir nichts dir nichts das Land eingenommen) von ihrem Land profitieren. Aber es gibt auch Auswüchse des Tourismus, die für viele Sámi eine Belastung sind, d.h. eben diejenigen, die noch Rentierzucht betreiben (oder betreiben würden), dazu zählt z. B. der Hundeschlittentourismus oder auch z. T. das Ausmaß des Motorschlittentourismus. Das meinte ich mit tradioneller Wirtschaft versus moderner Wirtschaft.
Natürlich gibt es auch immer mehr Sámi, die sich an die neue Zeit anpassen und ihre Kultur in den Hintergrund stellen. Ist ihre eigene Entscheidung, bzw. sollte es zumindest sein. Denn irgendwie werden sie ja doch auch durch die äußeren Umstände dazu gezwungen. Von Menschen, die sich ihnen gegenüber nicht gerade respektvoll verhalten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 18:07 
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Skogstroll hat geschrieben:

Was die Samen betrifft, so ist ihr Verhältnis zu den Schweden nach wie vor gespannt, auch wenn die meisten gar nicht mehr als Samen zu erkennen sind und nur noch wenige Rentierzucht in so grossem Maßstab betreiben, dass sie davon leben können. Es gab noch vor ein oder zwei Jahren langwierige Gerichtsverhandlungen, die sich ernsthaft damit beschäftigten, wer zuerst da gewesen ist: Schwede oder Same. Der Hintergrund: Schwedische Waldbesitzer wollten den Samen verbieten, ihre Rentiere in ihren Wäldern weiden zu lassen.
Seitens der Samen findet man oft trotzige Abgrenzung, seitens der Schweden alles von völliger Ignoranz bis zu Neid auf das samische Privileg der Rentierzucht (was sie selbst natürlich nie ausnutzen würden, aber das ist egal).
Vielen gelten die Samen als unzivilisierte Barbaren, eine Ansicht, die gefördert wird durch Alkoholismus oder auch gewisse Ereignisse wie grausam getötete Adler, auch wenn nicht bewiesen ist, dass es Samen waren.
Kurzum: An der Oberfläche ist alles staatlich verordnet FriedeFreudeEierkuchen mit netter Folklore und bunten Trachten, unter der Oberfläche gärt es gewaltig.


Vielen Dank für Deinen Beitrag.
Du meinst sicher (u. a.) den jahrzehntelangen Streit um die Winterweiderechte in Jämtland, das ist echt unterste Schublade, wie sich die Waldbesitzer da aufführen.
Hinzu kommen natürlich noch die diversen Fluss-Vergewaltigungen für Wasserkraftwerke, etc. Das alles mag auch irgendwo seinen Sinn haben, aber es geht zum großen Teil zu Lasten der Sámi, die einfach in ihrem eigenen Land überrumpelt wurden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 18:10 
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Sápmi hat geschrieben:
[Aber es gibt auch Auswüchse des Tourismus, die für viele Sámi eine Belastung sind, d.h. eben diejenigen, die noch Rentierzucht betreiben (oder betreiben würden), dazu zählt z. B. der Hundeschlittentourismus oder auch z. T. das Ausmaß des Motorschlittentourismus.


Der Motorschlittentourismus spielt allerdings eine verschwindend kleine Rolle verglichen mit dem Skoterverkehr der Einheimischen. Der hat sich zu einer echten Plage entwickelt und entzweit schon ganze Dörfer und Städte. Angesichts der durchaus üblichen Fahrweise und der Tatsache, dass schon Acht- bis Neunjährige (illegal) mit 150-PS-Maschinen durch die Landschaft schiessen, ist es fast ein Wunder, dass es in dieser Saison bisher "nur" neun Tote gab. Zumal viele populäre Skoterwege mit leeren Bierdosen förmlich gepflastert sind.

Auf die 18000 Einwohner der Kommune Gällivare kommen 7000 registrierte Skoter plus eine unbekannte Dunkelziffer unregistrierte und unversicherte Maschinen, die auf 100km locker ihre 20 Liter verbrauchen, manche das Doppelte, die meisten Zweitaktgemisch. Die Folgen für Mensch und Umwelt kann man sich vorstellen.
In manchen Dörfern sollen Grundstücksbesitzer schon Stahldraht zwischen die Bäume spannen.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 4. Februar 2008 19:57 
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Skogstroll hat geschrieben:
verglichen mit dem Skoterverkehr der Einheimischen. Der hat sich zu einer echten Plage entwickelt und entzweit schon ganze Dörfer und Städte. Angesichts der durchaus üblichen Fahrweise und der Tatsache, dass schon Acht- bis Neunjährige (illegal) mit 150-PS-Maschinen durch die Landschaft schiessen, ist es fast ein Wunder, dass es in dieser Saison bisher "nur" neun Tote gab.


Das ist natürlich leider wahr. Ich wollte auch gar nicht behaupten, dass die Einheimischen immer nur alles richtig machen, also auch die einheimischen Sámi.
Nur ging's halt hier in erster Linie um den Tourismus und seine Auswirkungen auf die Region.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 7. Februar 2008 22:40 
Skogstroll danke für diese Informationen,aber deshalb werde nicht sagen ."die Einheimischen machen es ,also kann ich es auch",so benehme ich mich hier auch.
Die Schweden haben ein riesen Land und sind es gewohnt zu nutzen.Ich denke ,sie stehen jetzt vor dem Konflikt mit der immer sich schneller und weiter entwickelnden modernen Technik. Zumal es eine große Landflucht gibt , also Leute die nicht mehr so viel mit der Natur am Hut haben.
Sie also nicht nutzen ,sondern ausnutzen.
Dieses Problem ist leider global und wird durch die ´TourismusINDUSTRIE" förmlich voran getrieben.
Es muss eben jeder mit sich selbst vereinbaren.
Wenn ich 45 Jahre zurück denke ,ist es heute ein Hohn unsere Umgebung noch als Natur zu bezeichnen. Meine Finger und Zehen zusammen reichen nicht aus ,um alleine die Vogelarten aufzuzählen ,die nicht mehr Brutvögel im Umkreis von 5 Km um meinen Wohnort sind.Nur Vögel!


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 12:06 
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Skogstroll hat geschrieben:
Auf die 18000 Einwohner der Kommune Gällivare kommen 7000 registrierte Skoter plus eine unbekannte Dunkelziffer unregistrierte und unversicherte Maschinen, die auf 100km locker ihre 20 Liter verbrauchen, manche das Doppelte, die meisten Zweitaktgemisch. Die Folgen für Mensch und Umwelt kann man sich vorstellen.
In manchen Dörfern sollen Grundstücksbesitzer schon Stahldraht zwischen die Bäume spannen.

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Das ist eine konkrete Aussage zu diesem "Lappland und Tourismus" Beitrag.
Leider könnte es über kurz oder lang dann auch in Lappland darauf hinauslaufen, dass der Staat regelnd eingreifen wird. Von Deutschland kennen wir solche Dinge ja schon ganz gut, z.B. Befahrungsbeschränkungen/ -verbote für Gewässer u.a.m..
Mich würde interessieren ob derartige Maßnahmen in Lappland bereits durchgeführt werden bzw. welche Vorhaben in dieser Richtung angedacht sind?

Amarok


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 13:26 
Ich habe scon desöfteren Schilder gesehen "Scooterverbot" ebendso sind Strecken für Scooter ausgeschildert. Finde ich sinnvoll.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 14:00 
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nobse hat geschrieben:
Ich habe scon desöfteren Schilder gesehen "Scooterverbot" ebendso sind Strecken für Scooter ausgeschildert. Finde ich sinnvoll.


Das kenne ich ja auch alles und es löst ganz offensichtlich nicht das hier dargestellte "Scooter-Problem".


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 14:14 
Zeugt aber davon , dass die Samis sich Gedanken machen und nicht, wie in einem anderem Forum behauptet, die Touristen ,nur mit offnen Armen des Geldes wegen ,empfangen und alles andere "ewig Gestrige"sind.
Ja solche "Schwedenfreunde" gibt es auch.
Die Mehrzahl der Touris ,sind aber die Skandis selbst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 14:16 
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Die Schweden nehmen ja fast alles relativ klaglos hin, was die jeweilige Regierung ihnen sagt. Ein Skoterverbot allerdings würde mit einer Revolution enden.
Es gibt verschiedene Herangehensweisen. In Kiruna hat man beispielsweise das Befahren von öffentlichen Strassen in bestimmten Gebieten erlaubt. Eigentlich nur, um so den nächsten Skoterweg zu erreichen, aber in der Praxis hat es dazu geführt, dass jetzt auch quer durch die Wohngebiete geknüppelt wird, was schon zu verletzten Kindern geführt hat, Fahrerflucht inklusive.
In Gällivare haben Anwohner und Skivereine massiv protestiet, weil hier trotz Verbot über Gehwege und Langlaufloipen geheizt wurde. Besonders die Loipen scheinen es manchen Skoterpiloten angetan zu haben. Man diskutiert nun über die Schliessung bestimmter Skoterwege, aber die Skoterlobby holt gerade zum Gegenschlag aus.
Das nächste Problem sind minderjährige und betrunkene Fahrer, am besten in Kombination. Die Polizei veröffentlicht die Bussgelder in Zeitungsannoncen, aber was sollen zwei Skoterstreifen auf 18000 qkm ausrichten?
Besonders gefährlich wird es im Frühling, wenn das Eis schmilzt. Unter Kids gilt es als Mutprobe, mit dem Skoter über das offene Wasser zu fahren. Theoretisch geht sowas, der Skoter hat genug Vortrieb, um ausreichend dynamischen Auftrieb zu entwickeln. Dafür sind die Dinger aber nicht gebaut, also saufen regelmässig welche dabei ab, manche mit Fahrer. Im Skoteroverall zu schwimmen ist extrem schwer, und gerät man unters Eis, ist das ein besonders unschöner Tod.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 16:19 
Skogstroll hat geschrieben:
Besonders gefährlich wird es im Frühling, wenn das Eis schmilzt. Unter Kids gilt es als Mutprobe, mit dem Skoter über das offene Wasser zu fahren.


Ehrlich? Man die Dummheit stirbt nicht aus.Ich hätte schon Panik wenn ich übers Eis fahren müsste. Aber nach dem was ich so erlebt habe glaube ich dir. Eis scheint relativ häufig benutzt zu werden, egal ob es ein See oder ein vollkommener unberechenbarer Bach ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 16:39 
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Ehrlich.
Es geht sogar noch weiter. Die richtigen Experten fahren nämlich auch im Sommer über die Seen. Das ist lebensgefährlich, aber nicht verboten. Das heisst doch, es ist ein bisschen verboten. Das kleine Stück über den Strand bis zur Wasserline gilt als terrängkörning und ist verboten.
Es finden ja immer wieder Wettkämpfe und Shows statt, in denen es darum geht, die wildesten Stunts mit dem Skoter hinzulegen. Einer der Akteure sagte dazu: "Es hilft, das Gehirn zu Hause zu lassen".
Das ist ein unter Skoterfahrern weit verbreiteter Brauch.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 18:00 
Skogstroll hat geschrieben:
"Es hilft, das Gehirn zu Hause zu lassen".
Das ist ein unter Skoterfahrern weit verbreiteter Brauch


Das Gehirn abzuschnallen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 18:32 
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Beiträge: 1264
Wohnort: im Wald
http://www.youtube.com/watch?v=hRphHuSkZgM&NR=1

http://www.youtube.com/watch?v=vEKe7aOtM8o&NR=1

Bild


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 18:41 
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Beiträge: 1380
Wohnort: Gällivare / Lappland
Noch Fragen?
Jetzt kann man nur noch drüber nachdenken, was mit dem Öl in dem abgesoffenen Teil passiert...

:evil: Skogstroll :evil:


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 8. Februar 2008 19:02 
Danke!
Aber normal ist das nicht, oder? :smt021


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 Betreff des Beitrags: Re: Lappland und der Tourismus
BeitragVerfasst: 10. Februar 2008 20:39 
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Wohnort: Orsa
Mal was ganz anderes:
Für alle, die schwedisches Fernsehen empfangen können - heute kommt auf svt2 "Sami nieida jojk" über die Suche der Autorin Liselotte Wajstedt nach ihrer eigenen samischen Identität ...
Jörg :wink:


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