Lappland und der Tourismus

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon amarok » 4. Februar 2008 01:22

Hej nobse,

mit den "anderen" die "den Nutzen" ziehen meinte ich die, die das Land der Sami "besetzt, okkupiert" haben und nicht die Touristen. Mich würde wirklich bei diesem Thema interessieren wie die Samen selber darüber denken. Wie viele Samen gibt es noch, die in traditioneller Lebensweise in Lappland leben? Ich könnte mir eher vorstellen, dass die traditionelle Lebensweise von vielen Samen in Teilen wieder angenommen wird und das ein umweltverträglicher Tourismus dabei durchaus für die Samen positive Akzente setzen kann.

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nobse

Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon nobse » 4. Februar 2008 05:55

amarok hat geschrieben:Hej nobse,

mit den "anderen" die "den Nutzen" ziehen meinte ich die, die das Land der Sami "besetzt, okkupiert" haben und nicht die Touristen.

Amarok


Genau , ich rechne aber noch die "Touristen" z.B. vom Eishotel dazu.
Die Okkupation die du ansprichst, ist Weltweit vorhanden , war zu jeder Zeit und aus verschiedenen Gründen,von den Indianern Nordamerikas (Land),über die Inka(Gold) und heute der Irak (Oel),wobei dies nur ein kurzer Abriss von dem regelrechtem Ausrotten vieler Kulturen ist .
In zwei Reportagen über Lappland ,wurde endlich dieses Thema mal angesprochen ,welches mich auch zu diesem Thread veranlasste.
Man kann eigentlich nur von Glück sprechen,dass in Lappland noch keine ,oder geringe Bodenschätze gefunden wurde.Wobei Kiruna und Gällivare für dieses Land massive positive Vorteile hat.
Ich spreche hier nicht vom Individualtourismus ,zu den die Samen sehr positiv gegenüber stehen.
Für mich stellt sich die Frage ,wo ist die Grenze,wo ist der Grad, um diese
Natur und Kultur zu erhalten.

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon Skogstroll » 4. Februar 2008 09:20

nobse hat geschrieben:Man kann eigentlich nur von Glück sprechen,dass in Lappland noch keine ,oder geringe Bodenschätze gefunden wurde.


Na ja. Solltest du mal mit dem Flugzeug nach Gällivare fliegen, dann siehst du (sofern du links sitzt und der Flieger - zumindest bei Westwind - von Osten her anfliegt) kurz vor der Landung ein gigantisches Loch im Boden. Das ist Europas grösster Kupfertagebau. Ich glaube, nur irgendwo in Südamerika gibt es noch einen grösseren. Dort soll demnächst noch ein zweites Loch hinkommen, man verdoppelt die Produktion.
Dann haben wir noch die LKAB, die in Kiruna und Malmberget grosse Mengen Eisenerz fördert und der gerade beide Städte zum Opfer fallen, weil sie auf diesem Erz stehen. In Jokkmokk wird gerade nach Gold gesucht. Also an Bodenschätzen ist schon einiges da, und es ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen für das Land.

Was die Samen betrifft, so ist ihr Verhältnis zu den Schweden nach wie vor gespannt, auch wenn die meisten gar nicht mehr als Samen zu erkennen sind und nur noch wenige Rentierzucht in so grossem Maßstab betreiben, dass sie davon leben können. Es gab noch vor ein oder zwei Jahren langwierige Gerichtsverhandlungen, die sich ernsthaft damit beschäftigten, wer zuerst da gewesen ist: Schwede oder Same. Der Hintergrund: Schwedische Waldbesitzer wollten den Samen verbieten, ihre Rentiere in ihren Wäldern weiden zu lassen.
Seitens der Samen findet man oft trotzige Abgrenzung, seitens der Schweden alles von völliger Ignoranz bis zu Neid auf das samische Privileg der Rentierzucht (was sie selbst natürlich nie ausnutzen würden, aber das ist egal).
Vielen gelten die Samen als unzivilisierte Barbaren, eine Ansicht, die gefördert wird durch Alkoholismus oder auch gewisse Ereignisse wie grausam getötete Adler, auch wenn nicht bewiesen ist, dass es Samen waren.
Kurzum: An der Oberfläche ist alles staatlich verordnet FriedeFreudeEierkuchen mit netter Folklore und bunten Trachten, unter der Oberfläche gärt es gewaltig.

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon Sápmi » 4. Februar 2008 17:00

amarok hat geschrieben:Eigentlich dürfte man gar nicht dort sein, um es mal fundamentalistisch auszudrücken.


Das stimmt natürlich. Wenn man's genau nimmt. Aber ich denke, es geht auch nicht darum, gar keine Reisen mehr zu machen, sondern einfach dabei etwas das Hirn einzuschalten :smt003

amarok hat geschrieben: Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Samis mit dem Tourismus an sich ein Problem haben. Das Problem liegt vielleicht eher darin, das andere den Nutzen aus dem Tourismus in Sapmi dem Land der Sami ziehen.


Das ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt, also dass nun andere (die irgendwann mal mir nichts dir nichts das Land eingenommen) von ihrem Land profitieren. Aber es gibt auch Auswüchse des Tourismus, die für viele Sámi eine Belastung sind, d.h. eben diejenigen, die noch Rentierzucht betreiben (oder betreiben würden), dazu zählt z. B. der Hundeschlittentourismus oder auch z. T. das Ausmaß des Motorschlittentourismus. Das meinte ich mit tradioneller Wirtschaft versus moderner Wirtschaft.
Natürlich gibt es auch immer mehr Sámi, die sich an die neue Zeit anpassen und ihre Kultur in den Hintergrund stellen. Ist ihre eigene Entscheidung, bzw. sollte es zumindest sein. Denn irgendwie werden sie ja doch auch durch die äußeren Umstände dazu gezwungen. Von Menschen, die sich ihnen gegenüber nicht gerade respektvoll verhalten.

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon Sápmi » 4. Februar 2008 17:07

Skogstroll hat geschrieben:
Was die Samen betrifft, so ist ihr Verhältnis zu den Schweden nach wie vor gespannt, auch wenn die meisten gar nicht mehr als Samen zu erkennen sind und nur noch wenige Rentierzucht in so grossem Maßstab betreiben, dass sie davon leben können. Es gab noch vor ein oder zwei Jahren langwierige Gerichtsverhandlungen, die sich ernsthaft damit beschäftigten, wer zuerst da gewesen ist: Schwede oder Same. Der Hintergrund: Schwedische Waldbesitzer wollten den Samen verbieten, ihre Rentiere in ihren Wäldern weiden zu lassen.
Seitens der Samen findet man oft trotzige Abgrenzung, seitens der Schweden alles von völliger Ignoranz bis zu Neid auf das samische Privileg der Rentierzucht (was sie selbst natürlich nie ausnutzen würden, aber das ist egal).
Vielen gelten die Samen als unzivilisierte Barbaren, eine Ansicht, die gefördert wird durch Alkoholismus oder auch gewisse Ereignisse wie grausam getötete Adler, auch wenn nicht bewiesen ist, dass es Samen waren.
Kurzum: An der Oberfläche ist alles staatlich verordnet FriedeFreudeEierkuchen mit netter Folklore und bunten Trachten, unter der Oberfläche gärt es gewaltig.


Vielen Dank für Deinen Beitrag.
Du meinst sicher (u. a.) den jahrzehntelangen Streit um die Winterweiderechte in Jämtland, das ist echt unterste Schublade, wie sich die Waldbesitzer da aufführen.
Hinzu kommen natürlich noch die diversen Fluss-Vergewaltigungen für Wasserkraftwerke, etc. Das alles mag auch irgendwo seinen Sinn haben, aber es geht zum großen Teil zu Lasten der Sámi, die einfach in ihrem eigenen Land überrumpelt wurden.

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon Skogstroll » 4. Februar 2008 17:10

Sápmi hat geschrieben:[Aber es gibt auch Auswüchse des Tourismus, die für viele Sámi eine Belastung sind, d.h. eben diejenigen, die noch Rentierzucht betreiben (oder betreiben würden), dazu zählt z. B. der Hundeschlittentourismus oder auch z. T. das Ausmaß des Motorschlittentourismus.


Der Motorschlittentourismus spielt allerdings eine verschwindend kleine Rolle verglichen mit dem Skoterverkehr der Einheimischen. Der hat sich zu einer echten Plage entwickelt und entzweit schon ganze Dörfer und Städte. Angesichts der durchaus üblichen Fahrweise und der Tatsache, dass schon Acht- bis Neunjährige (illegal) mit 150-PS-Maschinen durch die Landschaft schiessen, ist es fast ein Wunder, dass es in dieser Saison bisher "nur" neun Tote gab. Zumal viele populäre Skoterwege mit leeren Bierdosen förmlich gepflastert sind.

Auf die 18000 Einwohner der Kommune Gällivare kommen 7000 registrierte Skoter plus eine unbekannte Dunkelziffer unregistrierte und unversicherte Maschinen, die auf 100km locker ihre 20 Liter verbrauchen, manche das Doppelte, die meisten Zweitaktgemisch. Die Folgen für Mensch und Umwelt kann man sich vorstellen.
In manchen Dörfern sollen Grundstücksbesitzer schon Stahldraht zwischen die Bäume spannen.

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon Sápmi » 4. Februar 2008 18:57

Skogstroll hat geschrieben:verglichen mit dem Skoterverkehr der Einheimischen. Der hat sich zu einer echten Plage entwickelt und entzweit schon ganze Dörfer und Städte. Angesichts der durchaus üblichen Fahrweise und der Tatsache, dass schon Acht- bis Neunjährige (illegal) mit 150-PS-Maschinen durch die Landschaft schiessen, ist es fast ein Wunder, dass es in dieser Saison bisher "nur" neun Tote gab.


Das ist natürlich leider wahr. Ich wollte auch gar nicht behaupten, dass die Einheimischen immer nur alles richtig machen, also auch die einheimischen Sámi.
Nur ging's halt hier in erster Linie um den Tourismus und seine Auswirkungen auf die Region.

nobse

Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon nobse » 7. Februar 2008 21:40

Skogstroll danke für diese Informationen,aber deshalb werde nicht sagen ."die Einheimischen machen es ,also kann ich es auch",so benehme ich mich hier auch.
Die Schweden haben ein riesen Land und sind es gewohnt zu nutzen.Ich denke ,sie stehen jetzt vor dem Konflikt mit der immer sich schneller und weiter entwickelnden modernen Technik. Zumal es eine große Landflucht gibt , also Leute die nicht mehr so viel mit der Natur am Hut haben.
Sie also nicht nutzen ,sondern ausnutzen.
Dieses Problem ist leider global und wird durch die ´TourismusINDUSTRIE" förmlich voran getrieben.
Es muss eben jeder mit sich selbst vereinbaren.
Wenn ich 45 Jahre zurück denke ,ist es heute ein Hohn unsere Umgebung noch als Natur zu bezeichnen. Meine Finger und Zehen zusammen reichen nicht aus ,um alleine die Vogelarten aufzuzählen ,die nicht mehr Brutvögel im Umkreis von 5 Km um meinen Wohnort sind.Nur Vögel!

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Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon amarok » 8. Februar 2008 11:06

Skogstroll hat geschrieben: Auf die 18000 Einwohner der Kommune Gällivare kommen 7000 registrierte Skoter plus eine unbekannte Dunkelziffer unregistrierte und unversicherte Maschinen, die auf 100km locker ihre 20 Liter verbrauchen, manche das Doppelte, die meisten Zweitaktgemisch. Die Folgen für Mensch und Umwelt kann man sich vorstellen.
In manchen Dörfern sollen Grundstücksbesitzer schon Stahldraht zwischen die Bäume spannen.

Skogstroll


Das ist eine konkrete Aussage zu diesem "Lappland und Tourismus" Beitrag.
Leider könnte es über kurz oder lang dann auch in Lappland darauf hinauslaufen, dass der Staat regelnd eingreifen wird. Von Deutschland kennen wir solche Dinge ja schon ganz gut, z.B. Befahrungsbeschränkungen/ -verbote für Gewässer u.a.m..
Mich würde interessieren ob derartige Maßnahmen in Lappland bereits durchgeführt werden bzw. welche Vorhaben in dieser Richtung angedacht sind?

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nobse

Re: Lappland und der Tourismus

Beitragvon nobse » 8. Februar 2008 12:26

Ich habe scon desöfteren Schilder gesehen "Scooterverbot" ebendso sind Strecken für Scooter ausgeschildert. Finde ich sinnvoll.


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