Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

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EuraGerhard
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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon EuraGerhard » 24. Juli 2017 20:06

Hallo!

Babou hat geschrieben:Ich habe gelesen, dass man die Holzhäuser ruhig durchfrieren lassen
kann, weil der Frost diesen nicht schadet.

Das Haus selbst kann man durchfrieren lassen. Wichtig ist halt, dass nicht nur sämtliche Wasser- und Abwasserleitungen entleert sind, sondern auch sämtliche Wasserbehälter, Boiler etc. Aber auch transportable Behälter wie z.B. Gießkannen oder Kanister. Auch bei wasserhaltigen Lebensmitteln und Getränkevorräten - abgesehen von wirklich Hochprozentigem - muss man aufpassen: Uns ist im durchgefrorenen Wohnmobil bei Temperaturen um -18 °C mal eine im Unterboden vergessene Konservendose geplatzt! Zum Glück habe ich sie vor dem nächsten Tauwetter entdeckt, sonst hätte es eine ordentliche Sauerei gegeben. Also keine Einmachgläser, Glasflaschen (auch Bier kann bei nordischer Kälte einfrieren) etc. im Haus lassen.

An sich sollte in einem Ferienhaus im hohen Norden die Wasseranlage so ausgelegt sein, dass sie sich relativ einfach entleeren lässt. Irgendwo am tiefsten Punkt der Anlage sollte es ein Entleerungsventil geben. Wichtig ist halt: Alle Hähne ganz aufmachen, Einhebelmischer in Mittelstellung bringen, und dann auch so lassen. Und auch an die Abflüsse denken. Und wenn dann doch noch ein paar Tropfen Wasser in den Rohren zurückbleiben, macht das gar nichts.

Babou hat geschrieben:Aber die Rohre platzen doch, wenn sie durchgefroren sind, und
man wieder Wasser einlassen will. Und nun?

Nein. Rohre platzen, wenn sie im wassergefüllten Zustand einfrieren. Denn von +4 bis 0 Grad Celsius dehnt sich Wasser aus, anstatt sich wie andere Substanzen zusammenzuziehen. Wenn also bei einem Rohrstück beide Enden verschlossen oder bereits zugefroren sind und dann das Mittelstück langsam einfriert, dann kann der Druck so groß werden, dass es platzt. Bemerken tut man den Schaden allerdings meist erst dann, wenn es getaut hat und man die Anlage wieder in Betrieb nehmen will.

Babou hat geschrieben:Wie kann man dieses Problem lösen? Das Häuschen hat ja e-Radiatoren, also heiztechnisch
haben wir keine Probleme. Aber duschen sollten wir schon können :lol:

Auch da hilft das Heizkabel: Das noch leere Rohr kann damit auf über den Gefrierpunkt vorgewärmt werden, bevor es mit Wasser gefüllt wird. Am besten macht man das, noch während das Haus selbst aufgeheizt wird.

Und zur Verlegetiefe: Bei uns in Uppsala werden die Wasserrohre eineinhalb Meter tief im Boden verlegt. Das reicht hier, damit sie auch im tiefsten Winter nicht einfrieren. Aber ob das in Nordschweden reicht, bezweifle ich. Gut, was heißt "Norden" in eurem Fall?

MfG
Gerhard

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Gottfried
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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon Gottfried » 26. Juli 2017 08:48

Ich war ein paar Tage nicht da. Ich kenne das Problem gut aus eigenen Erfahrungen.
Wir haben immer alle Leitungen geleert, mit Pressluft (kleine Pressluftpumpe) durchgeblasen und sind in den Winterschlaf gegangen :nacht: .
WC haben wir ganz geleert! Die zuführende Leitung hatte ,wie gesagt, ein Wärmekabel im Rohr. Das war im Winter natürlich AUS. Also kein Stromverbrauch! Wenn kein Wasser in der Leitung ist, kann nix einfrieren. Wenn wir bei Frost zurückgekommen sind, Wärmekabel einschalten, 10 Minuten warten, Wasser pumpen = kein Problem.
Ein komplett eingefrorenes Holzhaus, wir hatten ein 100 Jahre altes Blockhaus, nimmt wohl keinen Schaden durch den Frost. Allerdings nehmen alle "weichen Sachen" das Auftauen übel. Das Haus nur mit einer Stromheizung aufzutauen, kann ich mit nicht vorstellen. Das dauert wohl ewig. Wir hatten einen grossen Holzofen aus Gußeisen und einen guten Järnspis zur Feuerung und die beiden haben einen Tag gut zum Schaffen gehabt um die Lufttemperatur erträglich zu machen.( Bei Ankunft -1 Grad :patsch: , nach 12 Stunden +11 Grad (zum Frühstücken sehr ungemütlich) und nach weitern 6 Stunden - 36 Grad ( zu Warm! Fenster auf :D :D :D ).....
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon Babou » 28. Juli 2017 11:02

[quote="EuraGerhard"]Hallo!


Das Haus selbst kann man durchfrieren lassen. Wichtig ist halt, dass nicht nur sämtliche Wasser- und Abwasserleitungen entleert sind, sondern auch sämtliche Wasserbehälter, Boiler etc. Aber auch transportable Behälter wie z.B. Gießkannen oder Kanister. Auch bei wasserhaltigen Lebensmitteln und Getränkevorräten ...

.. Wichtig ist halt: Alle Hähne ganz aufmachen, Einhebelmischer in Mittelstellung bringen, und dann auch so lassen. Und auch an die Abflüsse denken. Und wenn dann doch noch ein paar Tropfen Wasser in den Rohren zurückbleiben, macht das gar nichts.


Hallo Gerhard,

herzlichen Dank für deine wirklich tollen Tipps. Wir sind etwas unter Zeitdruck, weil es am Sonntag spätestens los geht, gen Norden... das ist in unserem Fall 7 km von Mala entfernt. In dieser Gegend sinken die Temperaturen gern mal auf -30 bis -40 Grad. Auch dort sollen die Rohre "nur" 1 1/2 m tief sein, und damit angeblich frostgeschützt. Die Wasserversorgung ist über dein Hauseigenen Brunnen, wie so häufig in Schweden.

Deine Tipps sind für uns sehr wertvoll. An Lebensmittel und Getränke hätten wir beispielsweise nicht gedacht. Sind viel zu sehr abgelenkt vom Entleeren der Wasserrohre. :lol:

Ebenso hätten wir das mit den Hähnen nicht gewusst. Aber man lernt immer wieder dazu. Nun habe ich auch verstanden, dass die Aussage, Rohre würden beim Wiedereinfüllen von Wasser platzen, schlicht und ergreifend nonsens war. Logisch, dass man Rohrdefekte, die vorher entstanden sind, erst DANN merkt. Leider hatte diese falsche Aussage uns lange beschäftigt.

Ich sehe, es gibt Lösungen, man muss sie nur kennen lernen, oder finden. :danke:

Wie toll, dass ich gerade dieses Forum ausgewählt habe, und euch gefunden habe. Das hilft uns wirklich ungemein.
Vermutlich ging euch das ja irgendwann mal ähnlich.

Wenn du, Gerhard, noch weitere Tipps für uns hast, wir würden uns freuen. Man kann leider selbst zu zweit immer nur an das denken, was einem bewusst ist.

Einen lieben Gruß, Almut

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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon Babou » 28. Juli 2017 11:14

Gottfried hat geschrieben:Das Haus nur mit einer Stromheizung aufzutauen, kann ich mit nicht vorstellen. Das dauert wohl ewig. Wir hatten einen grossen Holzofen aus Gußeisen und einen guten Järnspis zur Feuerung und die beiden haben einen Tag gut zum Schaffen gehabt um die Lufttemperatur erträglich zu machen.


Hallo Gottfried,

auch dir zunächst herzlichen :danke: für deine Tipps. Ich bin leider wegen all der Vorbereitungen zeitlich verspätet dran.

Das Häuschen, welches wir zu kaufen gedenken, hat e-Radiatoren, einen zentralen Holzofen, und eine LuftWärmePumpe. Was bitte ist ein Järnspis? Wir waren nur im Glauben, dass wir ja kein Wasser in die Heizrohre einlassen dürfen. Wenn das alles doch möglich ist, sollte es auch bald warm werden.

Netterweise hat sich die Person, die uns das Häuschen verkauft, bereit erklärt, sich um das Haus zu kümmern. Mit viel Glück wird sie schon ein wenig einheizen, bevor wir kommen. :D

Schauen wir mal... ich hoffe erst einmal, dass unsere Wünsche und Träume sich erfüllen.

Liebe Grüße, Almut

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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon Babou » 28. Juli 2017 11:17

Babou hat geschrieben:

Hallo Gerhard,

herzlichen Dank für deine wirklich tollen Tipps. Wir sind etwas unter Zeitdruck, weil es am Sonntag spätestens los geht, gen Norden... das ist in unserem Fall 7 km von Mala entfernt. In dieser Gegend sinken die Temperaturen gern mal auf -30 bis -40 Grad. Auch dort sollen die Rohre "nur" 1 1/2 m tief sein, und damit angeblich frostgeschützt. Die Wasserversorgung ist über dein Hauseigenen Brunnen, wie so häufig in Schweden.

Deine Tipps sind für uns sehr wertvoll. An Lebensmittel und Getränke hätten wir beispielsweise nicht gedacht. Sind viel zu sehr abgelenkt vom Entleeren der Wasserrohre. :lol:

Ebenso hätten wir das mit den Hähnen nicht gewusst. Aber man lernt immer wieder dazu. Nun habe ich auch verstanden, dass die Aussage, Rohre würden beim Wiedereinfüllen von Wasser platzen, schlicht und ergreifend nonsens war. Logisch, dass man Rohrdefekte, die vorher entstanden sind, erst DANN merkt. Leider hatte diese falsche Aussage uns lange beschäftigt.

Ich sehe, es gibt Lösungen, man muss sie nur kennen lernen, oder finden. :danke:

Wie toll, dass ich gerade dieses Forum ausgewählt habe, und euch gefunden habe. Das hilft uns wirklich ungemein.
Vermutlich ging euch das ja irgendwann mal ähnlich.

Wenn du, Gerhard, noch weitere Tipps für uns hast, wir würden uns freuen. Man kann leider selbst zu zweit immer nur an das denken, was einem bewusst ist.

Einen lieben Gruß, Almut

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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon EuraGerhard » 28. Juli 2017 14:29

Babou hat geschrieben:gen Norden... das ist in unserem Fall 7 km von Mala entfernt.

Du meinst wahrscheinlich Malå, mit Kringel auf dem zweiten a, richtig? Ja, dort kann es richtig knackig kalt werden. Das sind mehr als 5 Breitengrade weiter nördlich als wir wohnen, und darüber hinaus noch ein Stück höher oben.

Was die frostsichere Verlegetiefe von Wasserrohren betrifft, so bin ich mir auch nicht ganz sicher: Hier bei uns in Uppsala, knapp am 60. Breitengrad und dank Küsten- und Mälarennähe noch mit vergleichbar mildem Klima, sind 1,5 Meter für ganzjährig benutzte Wasserrohre vorgeschrieben. Wie es da oben aussieht, weiß ich nicht. Vielleicht solltest Du Dich mal bei der Kommune erkundigen.

Was den Brunnen betrifft, so stellen sich auch noch die Fragen: Wie tief ist der? Und: Wo sitzt die Pumpe?

Babou hat geschrieben:Deine Tipps sind für uns sehr wertvoll. An Lebensmittel und Getränke hätten wir beispielsweise nicht gedacht. Sind viel zu sehr abgelenkt vom Entleeren der Wasserrohre. :lol:

Danke!

Trockene Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Knäckebrot etc. können, zumindest wenn sie luftdicht (und auch mäusedicht) verpackt sind, problemlos bei so tiefen Temperaturen gelagert werden. Das war es dann aber auch schon so ziemlich, denn wenn die Temperatur längere Zeit unter ca. -25 °C absinkt, dann gefrieren sogar hochprozentige "Lebensmittel" :wink: wie z.B. Wodka. Und mit wasserhaltigen Körperpflegemitteln, Kosmetika etc. sollte man auch vorsichtig sein.

Am kritischsten ist es immer, wenn solche wasserhaltigen Substanzen in irgendwelchen festen Behältern eingesperrt sind, denn die können mehr oder weniger heftig platzen.

Unkritisch sind hingegen Öle und Fette wie z.B. Olivenöl. Die werden zwar auch fest, wenn es zu kalt wird, aber sie dehnen sich dabei nicht aus.

Und falls ihr irgendwelche elektronischen Geräte, z.B. einen Fernseher im Häuschen habt, dann lasst die nach dem Aufwärmen des Hauses noch mindestens eine Nacht aufwärmen, bevor ihr den Stecker wieder reinsteckt.

MfG
Gerhard

Babou
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Re: Lappland - Nordschweden - Inbetriebnahme von Ferienhäuschen im Winter

Beitragvon Babou » 28. Juli 2017 18:06

EuraGerhard hat geschrieben:Du meinst wahrscheinlich Malå, mit Kringel auf dem zweiten a, richtig? ...

... Und mit wasserhaltigen Körperpflegemitteln, Kosmetika etc. sollte man auch vorsichtig sein. ...

Und falls ihr irgendwelche elektronischen Geräte, z.B. einen Fernseher im Häuschen habt, dann lasst die nach dem Aufwärmen des Hauses noch mindestens eine Nacht aufwärmen, bevor ihr den Stecker wieder reinsteckt.




Hallo Gerhard,

ja, das Mala mit dem Kringel :lol: - Mir war nur nicht klar, wie man den Kringel schreibt... :?

Dass mit den Körperpflegemitteln, und der Kosmetika wurde mir mittlerweile auch klar, nachdem,
was du über Konserven und Co geschrieben hast. :lol: Danke dir, dass du es aber vorsichtshalber noch mal
erwähnst.

Auch das mit den technischen, bzw. elektronischen Geräten wäre mich nicht klar gewesen. Ein weiteres
Mal bin ich froh über deine Tipps. :goodman:

Ich merke mehr und mehr, dass sich die "Sache" zu einem Abenteuer ausweitet.
Aber ich liebe solche Art der Spannung.

Dann werde ich mal berichten, wie sich unser Abenteuer weiter entwickelt.

Einen lieben Gruß, Almut


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