Moin,
Als gelernter Landwirt kann ich dir nur sagen: Überlege dir genau was du tust.
Landwirtschaft ist nicht nur praktische Arbeit.
Der Papierkram wird immer mehr, vor allem was Flächenprämien und Herdbuchführungen betrifft.
Als erstes solltest du dir überlegen WAS du machst.....
Nur Ackerbau? Da kannst du dich schonmal drauf einstellen das du unter 150ha keinen wirtschaftlichen Betrieb aufbauen kannst.
Ackerbau ist ein Saisongeschäft. Du erwirtschaftest in der Ernte den Ertrag fürs ganze Jahr. Dazu solltest du auf langjährige Erfahrung im Getreide/Raps/Mais anbau zurück greifen können. Alles andere ist reiner Wahnsinn.
Denn wenn das nach hinten losgeht kannste einpacken und dein Traum ist geplatzt da du keine Ressoucen und Rücklagen hast.
Da sind die Schweinemäster und Milchviehbetriebe doch etwas besser raus.
Vor allem von heute auf morgen einen Betrieb auf einem unbekannten Standort zu gründen stelle ich mir äusserst schwierig, wenn nicht unmöglich vor.
Du kennst die Flächen so gut wie garnicht, dh. Frostbegünstigte Zonen, Nährstofflöcher etc. können dir nen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.
Weisst du was ein Kostendeckungsbeitrag ist?
Das Wort ist dann Programm
Also haken wir das schonmal ab.
Hast du Erfahrung mit Schweinen oder Milchvieh?
Schweinemast / Ferkelerzeugung wäre ein guter Weg.
Stall könnte man sicherlich günstig Pachten
Wo wir wieder bei der Erfahrung sind....
Du musst wissen was du Impfen musst/darfst, Kastrieren musst du können, das richtige Auge und den richtigen Tierverstand.
Du musst wissen wie du die Übergänge von Winter/Frühling und Herbst Winter im Stall handhaben musst, sonst sind Erkältungen vorprogrammiert.
Ein krankes Schwein zu lange übersehen, und du kannst deinen Kompletten Bestand behandeln oder im schlimmsten Fall Keulen lassen.
Also auch: Entweder Erfahrung oder Finger weg!!
Von Milchvieh würde ich generell abraten, aber das eher aus persönlichen Gründen. Wäre mir zu Zeitgebunden jeden Tag von 0500 bis 0700 und von 1600 bis 1800 Uhr im Melkstand zu stehen.
Ich habe mit dem Gedanken auch schon gespielt in Schweden Landwirtschaft zu machen... Aber es ist mir ein zu großes Risiko in jeglicher Hinsicht.
Die Flächen sind klein, SEHR steinig, und oft verwinkelt. Das allein schränkt die Wirtschaftlichkeit schon arg ein.
Das einzige was ich dir empfehlen könnte wäre Rindermast
im kleinen Nebenerwerb.
Ne kleine Galloway oder Fleckviehherde.
Nichts desto trotz brauchste auch dafür Geld für Hof, Flächen und ganz wichtig: Maschinen.
Ich denke für 100 000 Euro bekommste das nötigste zusammen. Natürlich gebraucht.
Ich weiß auch nicht wie es in Schweden mit den Prämien ist, in Deutschland musst du staatlich geprüfter Landwirt sein, sonst gibts garnix aus Brüssel.
Ausnahme sind ältere Betriebe mit älteren Wirtschaftern.
Vielleicht solltest du erstmal die Ausbildung zum Landwirt hier in D machen, da bekommst du das wichtigste vermittelt. Ohne geht es einfach nicht. Höchstens wenn du von einem Hof kommst und damit aufgewachsen bist.
Hast du schonmal über ein Lohnunternehmen nachgedacht?
Das würde bei dir ja näher liegen...Maschinenringe gibt es in Schweden genauso wie in D.
Da wäre dann vielleicht sogar Kooperationspotential gegeben.
Ich würde mir das alles an deiner Stelle nochmal ganz genau überlegen.
Es dauert für gewöhnlich Jahre bis Jahrzehnte einen Betrieb aufzubauen.
"Mal eben" einen Hof aus dem Boden zu stampfen gehört zu den schwierigsten Dingen.
Gruss
Björn