Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 7. Oktober 2008 14:51

Hin und wieder machten wir eine kleine Rast, natürlich war es für beide etwas seltsam, den Gehrhythmus mit einer anderen Person abstimmen zu müssen. Natürlich unterhielten wir uns auch die ganze Zeit über die Gott und die Welt, irgendwann kannte ich fast den ganzen Lebenslauf des Dänen, von den 3 Kindern über die beiden Scheidungen und den Job bis hin zur Espressomschine.
Als wir bereits über die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, fing es etwas zu nieseln an, hielt sich jedoch noch in Grenzen. Bald kamen uns auch die ersten Wanderer entgegen. Natürlich wollte der Däne noch zum Dreiländer-Grenzstein gehen und Fotos machen. Ich selbst hatte beschlossen, an diesem Abend noch ein letztes Mal in der Kuohkimajärvihütte zu übernachten, bevor es wieder zurück in die Zivilisation und auch bald wieder in den Süden ging. Er ging noch mit zur Hütte, wo wir kurz nach halb 1 ankamen, und fuhr dann mit dem nächsten Boot um halb 5 zurück nach Kilpisjärvi.
Als wir in der Hütte ankamen, war sie zunächst leer, doch nach und nach kamen jede Menge Wanderer, die vom mittlerweile stärker gewordenen Regen alle nasse Regenkleider hatten, die natürlich über dem Ofen getrocknet werden musste. Bald hatte sich die kleine Hütte in eine Art Sauna verwandelt. Draußen regnete es nach wie vor und es kamen immer mehr Leute an, so dass es bald extrem unangenehm wurde. Ich spielte mit dem Gedanken, doch noch mein Zelt draußen aufzustellen, doch dazu war einfach der Regen zu stark. Trotzdem standen irgendwann jede Menge Zelte um die Hütte verstreut rum. Nachmittags zeigte das Außenthermometer noch 14°C, gegen Abend immer noch 12°C.
Da in der Hütte mit 6 Schlafplätzen letztendlich 12 Menschen übernachteten, wurde Tisch und Bänke verrückt, eine Person schlief auf der Bank, mindestens 4 auf dem Boden, auch im Vorraum. Natürlich hielt es trotzdem niemand für nötig, nachts zu lüften. Ich legte mich extra umgekehrt direkt mit dem Kopf neben eines der Fenster, das ich soweit öffnete, dass ich meinen verpackten Schlafsack quer dazwischenlegen konnte. Es war schließlich so warm, dass mir mein Flanell-Inlet zum Zudecken genügte.

(Fortsetzung folgt)
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19kuohkimajärvi-hütte.jpg
Hütte am Kuohkimajärvi (Bild von 2003)
bild16.jpg
Dreiländereck (Bild von 2003)
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon amarok » 7. Oktober 2008 16:43

Die Episode mir dem Dänen ist ja "nett". Weißt Du, ob die Suchaktion für ihn Konsequenzen hatte?
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 7. Oktober 2008 17:05

amarok hat geschrieben:Die Episode mir dem Dänen ist ja "nett".


Ja, schon interessant, was man unterwegs so erlebt.

amarok hat geschrieben:Weißt Du, ob die Suchaktion für ihn Konsequenzen hatte?


Wie's am Ende ausgegangen ist, weiß ich auch nicht. Er hatte jedenfalls eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. Immerhin waren sogar 2 Helikopter wegen ihm im Einsatz, wie er mir erzählte. Allerdings war er etwas unsicher, ob die Versicherung die Kosten übernehmen würde, da er den Hubschrauber am "Fundort" wieder weggeschickt hatte und trotz angeschlagenem Knie den weg zu Ende laufen wollte.
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon amarok » 7. Oktober 2008 17:41

Sápmi hat geschrieben:Er hatte jedenfalls eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. Immerhin waren sogar 2 Helikopter wegen ihm im Einsatz, wie er mir erzählte. Allerdings war er etwas unsicher, ob die Versicherung die Kosten übernehmen würde, da er den Hubschrauber am "Fundort" wieder weggeschickt hatte und trotz angeschlagenem Knie den weg zu Ende laufen wollte.

Was wird wohl solche eine Versicherung kosten? Jedenfalls habe ich in einer stillen Minute auch schon einmal über eine solche Situation nachgedacht, wenn einer von uns auf Paddel- oder Wandertour wegen einer schwerwiegenderen Sache ausgeflogen werden müsste. Auf der Tour denken wir zwar an so etwas nicht, aber ... .

P.S. Ich habe schnell drei mal auf Holz geklopft.
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 7. Oktober 2008 17:49

amarok hat geschrieben:Was wird wohl solche eine Versicherung kosten? Jedenfalls habe ich in einer stillen Minute auch schon einmal über eine solche Situation nachgedacht,


Ich hab diesen Sommer auch mal wieder daran gedacht, als ich bei einer Wanderung in Finnland so eine Aktion mit abgefeiert hab. Eine junge Finnin hatte sich irgendwie die Schulter verrenkt oder verzerrt oder so, jedenfalls konnte sie nicht mehr weiter wandern und wurde dann vom Heli geholt.
Die Versicherung dürfte gar nicht so teuer sein. Ich kenne jemanden, der kürzlich einen Unfall im Fjäll hatte, und seine Versicherung hat den Helitransport bezahlt. Muss ihn bei Gelegenheit nochmal fragen, was die Versicherung kostet.
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon mecki19 » 8. Oktober 2008 07:19

Hallo, die Versicherung kostet soviel wie die Bergrettung n der Schweiz. Vor 5 Jahren hat sie noch 100 Euro gekostetfür 4 Wochen. Zahle ich gerne, denn wir haben sie noch nie gebraucht. Nur wenn, dann wird man wohl arm dabei. Wir sind immer zu zweit unterwegs.
mit freundlichen Grüßen

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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 8. Oktober 2008 15:37

Letzter Tag:
(huch, hatte die Überschrift zu Wandertag 3 vergessen... :oops: )

Nach der recht schlaflosen Nacht stand ich schon vor 7 Uhr auf, um schnell noch vor dem großen Andrang etwas Teewasser kochen zu können. Danach packte ich eifrig meine Sachen und stellte schon mal alles raus. Die anderen standen nach und nach auch auf und obwohl ich noch sehr viel Zeit hatte, hielt ich mich nicht mehr lange auf.
So marschierte ich bereits um 7:45 Uhr los und lief in gemäßigtem Regen, daher mit Poncho, den breiten Weg zurück zur Koltaluokta, wo ich in der winzigen Hütte weiter zu warten gedachte. Doch als ich nach halb 9 in mittlerweile etwas stärkerem Regen dort ankam und die Tür öffnen wollte, war diese verschlossen. Sie wurde kurz darauf von innen geöffnet, wo 2 Finnen übernachtet hatte. Für eine dritte Person war eigentlich nicht wirklich Platz, doch aufgrund des Regens blieb ihnen nichts anderes übrig, als mich mit meinem Gepäck hereinzulassen. Zum Trocknen wurde der Ofen gefeuert und ich ließ meinen Rucksack darin stehen, während ich ab und zu nach draußen ging. Es dauerte ja noch fast 2 Stunden, bis das Boot ankommen und nach weiteren 2 Stunden erst Richtung Kilpisjärvi schippern sollte. Natürlich ging ich nach 10 Uhr ständig nachsehen, ob man das Schiff schon von weitem sehen kann.
In der Zwischenzeit waren auch die meisten anderen Leute von der Kuohkimajärvihütte hierher gelaufen und hatten sich als erstes in dem großen Sámizelt eingenistet und selbst für die relativ kurze Wartezeit ein Feuer darin entfacht. Als das Schiff endlich am Steg anlegte, stürmte ich gleich hinein, um meinen Rucksack dort zu deponieren. Ich beschloss dann, die restliche Zeit weitgehend im Boot zu warten. Dort plauderte ich etwas mit dem Bootsmann und fragte ihn schließlich, ob er Sámi sei und Samisch spreche, was er bejahte. So konnte ich noch ein paar Takte Samisch mit ihm sprechen, wenn ich ihn auch nur schwer verstehen konnte, da sich die Akzente ja örtlich unterscheiden. Immerhin hatte ich zum ersten Mal in einen Samischsprecher in Kilpisjärvi aufgespürt, wo ja nur 100 Menschen leben, und in der gesamten Gemeinde sollen nur 8% Samisch sprechen.
Kurz darauf kam sogar noch ein zweiter Sámi mit ins Spiel, der sich mit seinem Hund in das Schiffchen gesetzt hatte. Er hieß Issat und sein Hund Bijja oder so. Wir unterhielten uns dann auch ein bisschen, in oder vor dem Boot, wo wir die Wartezeit absaßen. (ein Jahr später traf ich Issat zufällig wieder im Wanderzentrum in Kilpisjärvi und es stellte sich im Gespräch heraus, dass sowohl er als auch der Bootsmann Kalle eigentlich im schwedischen Karesuando leben, d. h. mit den oben erwähnten 8% hatten sie gar nichts zu tun ;) ).
Die anderen Wanderer kamen langsam aber sicher auch aus dem Sámizelt gekrochen und gegen Ende trafen natürlich wieder die Tagesgäste ein, die vom Dreiländereck zurückgetippelt kamen. Trotz des schlechten Wetters waren doch eine Menge Leute zu diesem Zweck herübergefahren.
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05-193.jpg
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 8. Oktober 2008 15:39

Um halb 1 fuhren wir dann endlich los, das Schiffchen war natürlich gestrichen voll. Als ich um 13 Uhr aus dem Boot stieg und hoch zur Straße lief, kam der Däne, entgegen, der ja noch einen Tag in Kilpisjärvi geblieben war und heute erst um 18 Uhr mit dem Bus nach Tromsø weiter fahren wollte. Ich erzählte ihm kurz, wie mies die letzte Nacht verlaufen war, und wir trafen uns später nochmal im Restaurant.
Am darauffolgenden Tag musste auch ich in den Bus nach Tromsø steigen, von wo es mit dem Flieger wieder nach Frankfurt ging. :cry:
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon Sápmi » 28. Oktober 2008 21:45

Sápmi hat geschrieben:Die Versicherung dürfte gar nicht so teuer sein. Ich kenne jemanden, der kürzlich einen Unfall im Fjäll hatte, und seine Versicherung hat den Helitransport bezahlt. Muss ihn bei Gelegenheit nochmal fragen, was die Versicherung kostet.


Hab gerade mit dem Bekannten telefoniert und ihn gefragt. Das ist so'ne Auslandsversicherung beim Deutschen Ring und kostet wohl (er wusste es grad nicht auswendig) so um 30 Euro im Jahr.
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Re: Kurzwanderbericht Finnland/Schweden 2005

Beitragvon amarok » 28. Oktober 2008 22:53

Sápmi hat geschrieben:Hab gerade mit dem Bekannten telefoniert und ihn gefragt. Das ist so'ne Auslandsversicherung beim Deutschen Ring und kostet wohl (er wusste es grad nicht auswendig) so um 30 Euro im Jahr.


Danke für die Info und den preislichen Orientierungswert.
"Auslandsversicherung", heißt das so profan? Naja, kommt dann darauf an was alles versichert oder wieder nicht versichert ist und welche Ausschlüsse ... bla, bla. Eine genaue Prüfung halte ich da auf alle Fälle für notwendig. Sicher ist es jedoch eine Überlegung wert.
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