Kulturaustausch

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asianworld123
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Re: Kulturaustausch

Beitragvon asianworld123 » 28. Januar 2007 23:12

Hallo Uwe,

kurz bevor ich Deine Nachricht gelesen habe, war ich beim Betrachten eines Bildes, das ich im Internet gefunden habe. Das Bild war nur ein Ausschnitt, das Thema des Bildes ist mir dunkel geblieben. In dem Ausschnitt sah ich ‚"zwei Füchse im Garten". Nach Angabe des Verkäufers sollte das Bild schon über 100 Jahre alt sein, aber daran zweifle ich... ich vermute, das ist nur eine Nachahmung der japanischen alten Malerei; solche Sache lassen wir erstmal beseite für die Kunsthistoriker.

Was mich an das Bild fesselt, sind die heimlichen Tritte der Füchse, besonders die des Fuchses, der im Vordergrund steht. Seine Tritte sind weich und vorsichtig, nein, "versteckend". Er versucht, seine Tritte zu "verstecken". Als ich die Tritte der Füchse betrachtet habe, bin ich aufgeweckt worden, wach geworden.

Hast Du mal gedacht, dass nur die Leute, die relativ wach sind, können sich oder etwas verstecken? Denn sie wissen, was sie, im positiven Sinne, zu verstecken haben.

Ich bin wie Ihr alle in dem Forum, frisch und leidenschaftlich, wir machen unsere Tür auf, um etwas mehr zu erfahren. Unsere Lebenswege gehen irgendwann auseinander, jeder tritt seine Richtung. In diesem Moment aber sind wir zusammen, wenn wir etwas zu sprechen haben.

Ich bin nicht interessanter als die anderen, die (selbst nur einmal) in dem Forum aufgetaucht sind. Ich habe vorher mal ein paar Texte in einer chinesischen Zeitschrift veröffentlicht, aber für Euch sind sie nur langweilige akademische Texte, die man ohne Bedauern jahrelang in dem höchsten Fach des Regals liegen lassen kann. Sie sagen nicht viel, mindestens nicht viel von mir. Sie können vielleicht "über mich" sprechen, aber niemals "von mir".

Sich selbst zu zeigen, ich meine nicht, die Identität zu ziegen, sondern die Authentizität zu zeigen, braucht man gewisse Mut und Leidenschaft.

Missverstehe mich nicht, dass ich Deine Fragen abgeschlagen habe; nur ich finde, es ist noch zu früh, über diese Sache zu sprechen. Wir haben noch viel zu sprechen, bevor wir die sogenannte gesellschaftliche Realität vor Augen zu stellen.

Ich habe überhaupt keine Absicht, die Realität zu vermeiden, aber lassen wir noch ein wenig Zeit, zu schweben oder wie ein Kind zu spielen. Wenn die Zeit kommt, wird die Knospe aufbrechen. Die Kunst der Langsamkeit ist sehr schön, wenn man sie versteht.

Haruki Murakami war, vielleicht jetzt noch, Lieblingsschriftsteller einiger meinen Freunde, aber ich habe leider nur ein Buch von ihm, "Hard-Boiled Wonderland and the End of the World", das ich zufällig in der Bilbiothek gefunden habe, angelesen. Sein avangardistischer Schreibstil hat mir gefallen. Leider habe ich sein Buch ‚"Norwegian Wood", das häufig mit ihm zusammen erwähnt wird, nicht gelesen.

Wenn mein Schreibstil, wenn ich ihn überhaupt habe, wie Du erwähnt hast, ein wenig Dich an Murakami erinnert, kann nur deswegen sein, weil Du seine Werke (metaphorisch gesagt, sein Haus) so liebst, dass Du sogar das Vögelchen, mich, das nur ein Nest auf seinem Dach gebaut hat, mitliebst... Ich schäme mich so, bald muss ich sein Buch unter meine Nachtlampe stellen.

Meine Kenntnisse über die schwedische bzw. nordeuropäische Kultur sind wirklich wenig, so viel wie ein Kind über die Politik wissen kann. Ich erwarte und hoffe, dass jemand, ein Erwachsene von der Kultur mich aufbringt.

Einmal habe ich einen Freund, der in Italien studiert hat, gesagt, wenn ich alt werde, werde ich in Nordeuropa leben und ein privates Tagebuch schreiben. Ausgelacht hat er mich, Du wollest immer nach Norden gehen, das Klima dort sei doch nicht so gut für alte Leute.

Gott weiss, ob mein früheres Dasein mal ein Eisbär war!

Viele Grüsse

Wong

P.S. Ich habe das Bild von den zwei Füchsen hinzugefügt.
Dateianhänge
Fuchs1.jpg

asianworld123
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Re: Kulturaustausch

Beitragvon asianworld123 » 30. Januar 2007 12:49

Lieber Uwe,

ein unerwarteter Anruf aus Kanada hat Dich und Haruki Murakami in unser Gespräch gezogen. Mein Freund war interessiert, was für Leute ich in dem Forum getroffen habe. Er war auch Liebhaber für Murakamis Romane und hat die Gelegenheit genutzt, seine Leidenschaft Murakamis Literatur zu widmen: ein Stündchen Ausflug von seinem Büro auf das Freienland der Literatur, von Murakami, Kakfa bis zum Existenzialismus. Ich war glücklich, weil er so begeistert eine andere Welt, die ihm schon verschwunden war, erzählt hat.

Ich kenne ihn: seine Sehnsucht, Enttäuschung und Liebe. In der Jugendzeit haben wir die Leidenschaft für das Freienland geteilt. Als Verfechter dafür war er noch gewagter als ich; ich habe nicht wenig Gefühle der Realität von meinen Eltern geerbt. Wie viele anderen Leute hat er sich in das Familiensystem eingepasst, unter dem Druck des alltäglichen Lebens (Arbeit, Familie, Religion) wurde er zu dem Psychoanalytiker getrieben. Jahrelang hat er versucht, die Balance seines Lebens zu finden - vergeblich wie eine Katze ihren Schwanz verfolgt. Gott verzeih mir, dass ich hier über ihn schreibe... Wenn ich auf Chinesisch schreiben würde, könnte ich niemals den Mut ergreifen.

Er hat mich ermutigt, wie ein Vater zu seinem Kind spricht, das Schreiben ernst zu nehmen. Die Wärme seiner Träume haben mich sanft in die Verlegenheit gedrängt, ich bin höflich geblieben... Er war wegen meiner unmotivierten sanften Stimme enttäuscht. Ironisch gesagt, wir sind zusammen "passiv+aggressiv", ich spiele die passive Rolle und er die aggressive. Er ist nur mir gegenüber aggressiv, weil ich oft es ablehne, mich auf den Stuhl zu setzen, auf den ich mich seiner Meinung nach setzen soll. Er fühlt sich gezwungen, auf meinem Stuhl zu sitzen, um mit mir, der daneben steht, zu sprechen.

Uwe, ich habe ihm Deine Texte erwähnt, die ich in der Textprobe gelesen habe. Der Scharfsinn und die Intelligenz sind darin zu finden, wie ein Chirurgmesser für den Körper der Gesellschaft, die sich schon lange in der Krankheit befindet. Das hat ihn entzückt... Er hat gelacht. Ich bin erleichtert, jedesmal wenn er lacht...

Wegen dem Thema ’’Verstecken’’, das ich in meinem letzten Text eingesetzt habe, habe ich von ihm milden Tadel bekommen.

Er ist geschwiegen, ich konnte ihn nur durch sein nervöses Tippen auf der Keyboard hören; er hat protestiert... und ich bin wortlos geblieben... bis er plötzlich gesagt hat: "So ist das Leben!" Ich dachte: "Wie, so ist das Leben?!" In meinem Kopf ist ein Bild sofort aufgetaucht, in dem ich sah, wie er mich angestarrt hat. Schrecklich!

Wie in der letzten Szene des Films von George Cuckor "Rich and Famous", wo sich die beiden Freundinnen nach dem heftigen Streit mit einander versöhnen. Die eine sagt, wir seien schliesslich alte Freunde, was sonst? Die andere sagt, alte Gegner! ... Zitat von meinem Freund: "So ist das Leben!"


Viele Grüsse

Wong

asianworld123
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Re: Kulturaustausch

Beitragvon asianworld123 » 31. Januar 2007 15:49

Wenn ich sehe, wie viele Texte ich hier hinterlassen habe und wie unpassend sie zu dem Forum zu sein scheinen und alle meiner Texte wie ein Monolg laufen, denke ich, ob ich das Forum missbrauche. Ein Schamgefühl kommt mir ungezwungen auf... trotzdem schreibe ich weiter? Ich kann nicht verleugnen, dass beim Schreiben meine Hände, psychisch bedingt, starr geworden sind. Ist das ein Konflikt zwischen dem privaten Selbst und sozialen Selbst? Ob ich zu viele Bedenken über die anderen Leute gemacht habe? Oder zu wenig?

Einmal hat mir eine deutsche Freundin gesagt, ich reflektiere ständig. Zu dem habe ich erwidert, wir seien so erzogen, das Reflektieren sei fast die wichtigste Aufgabe für die Kinder userer Generation gewesen, sowohl in der Familie als auch in der Schule.

Das ist eine Freiheit, menschlich gesehen, zugleich Unfreiheit, moralisch gesehen. Wie man den Satz interpretieren soll, überlasse ich es die anderen Leute. Ich möchte hier keine philosophische Diskussion einführen. An meiner Situation habe ich vorher gedacht: ich bin "unzeitgemäss" oder "unkulturgemäss", hier zu leben...

Solche Gedanken waren verraucht, als ich mal und mal zu meiner Heimat zurückgekehrt bin und alles dort Jahr für Jahr mir fremder geworden ist. Der Osten existiere nicht mehr, habe ich mir gesagt, und mit der Trauer bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Zurückkehren und wieder zurückkehren, aber niemals konnte ich zu meiner Heimat zurückkehren! Weder dieser noch jener...

Das war nachmittags in Hong Kong, als diese Unterhaltung zwischen mir und meinem Freund stattgefunden hat. Ich erinnere mich nur noch an die letzten Sätze:

Er sagte, er sei hier zufrieden, hier könne er gut leben; er sei vom Aussen chinesisch aber Innen westlich, aber ich sei umgekehrt. Meine Gefühlswelt sei durchaus chinesisch.

Deswegen wolle ich nach Europa (Deutschland) gehen, sagte ich, eine andere Kultur, andere Atmosphäre. Vielleicht könne ich mich verändern.

Er sagte, einerseits bewundernd anderenseits irnoisch, er hoffe, dass ich etwas Neues lernen und das mit nach Hause bringen könne.

Beim Abschied sah er mich so an, als ob er mich gefragt hätte, ob ich mich wirklich (gefühlsmässig) verändern möchte. Sein Blick zeigte, dass er mich (mein Inneres Selbst) vermissen wird und gleichzeitig daran zweifelte, ob ich mich wirklich verändern kann. Auf seinem Blick habe ich nur mit einem freundlichen Blick geantwortet. Aber jetzt vermisse ich diesen Blick von ihm...so sehr!

Wenn ich zurückdenke, mir ist bewusst geworden, damals hat er mich durchgeschaut. Innerlich kann ich mich nicht verändern oder ich will mich doch nicht verändern.

Ich habe meine Freunde in Asien wieder getroffen, es ist mir aufgefallen, sie haben sich mehr verändert als ich und innerlich westlicher als ich. Wie ein Waisenkind auf der Erde habe ich ihre Geschichten und Gefühlen gehört, die sie mir erzählt haben. Sie waren mehr ähnlich wie die von den Deutschen als von mir. Meine Freunde haben mir sogar beigebracht, wie ich mich mit den Deutschen umgehen sollte. Sie (und die Leute hier) leben nämlich in der gleichen gesellschaftlichen Realität. Diese Erkenntnis hat mich damals ziemlich schockiert...

(Ich habe gemerkt, den Faden verloren zu haben... das ist besser, dass ich aufhöre.)


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