Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

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vibackup
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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon vibackup » 27. November 2015 20:17

EuraGerhard hat geschrieben:Andererseits bin ich der Meinung, dass die Freiheit des Einzelnen im Grundsatz ihre Grenzen nur in der Freiheit anderer finden sollte. Es kann also normalerweise nicht angehen, dass die Erlaubnis irgend einer Sache oder Tätigkeit gerechtfertigt werden muss. Im Gegenteil, wer etwas verbieten will, muss dieses Verbot ethisch begründen und rechtfertigen können!

Das ist ein gutes Argument... ja, das kann ich unterschreiben.

Petergillarsverige hat geschrieben:Evolutiv gesehen hat sich die Ehe als verbindliche Gemeinschaft zwischen Mann und Frau heraus gebildet. Sie wird eigentlich überall als Ideal gesehen. Das Wissen um "Vater, Mutter und Kind(er)" ist systemimmanent, steckt in den Kindern von frühester Zeit an drin. Was Millionen Jahre geklappt hat, soll das jetzt auf einmal falsch sein?

Gerhardt hat dir ja schon darauf geantwortet; nun ziehst du die Bibel heran, um zu belegen, warum es dennoch so ist...
Was glaubst du, warum es in der Bibel überhaupt erwähnt wird, dass der Bischof (damals ja: Gemeindevorsteher, von episcopos, Auf- oder Überseher) nur eine Frau haben soll? So etwas steht vermutlich heute nur in Ausnahmefällen in den Arbeitsverträgen oder Arbeitsbeschreibungen von Priestern...
Solche Forderungen sind in der Regel ein Hinweis darauf, dass das eben nicht der Normalfall ist, sondern mindestens eine neben anderen Lösungen.
Und es gibt meines Wissens keine Stelle in diesem Brief, der dem normalen Christen die Monogamie vorschreibt; sondern nur denen, die ihre Energie eben zumindest teilweise in die Gemeinde legen sollen.
Was schwieriger wird, je mehr Frauen der Mann zu versorgen hat.
Wenn man die Ehe im Kontext sieht, so scheint den Akteuren doch wohl eher das Zölibat der Idealzustand für den, dem es gegeben ist (...wer es fassen kann...), zu sein; die anderen sollen heiraten, "damit sie nicht brennen". Auch Paulus ist deutlich im 1 Korinther 7... oder wie siehst du das?

So die monogame bürgerliche Ehe ist weder in der Menschheitsgeschichte noch in der Bibel der Ideal- oder Normalfall, sondern sie ist eine soziale Konstruktion, die in unserer Gesellschaftsordnung scheinbar derzeit noch die bevorzugte ist, aber eben, wie man sieht, im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderungen an Vorzügen verliert.
Und durch andere Konstrukte ersetzt wird, die die Werte, die derzeit vorwiegend angestrebt werden, besser berücksichtigen.

Mvh

//M

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon Petergillarsverige » 27. November 2015 22:22

Ja, ich sehe das auch so. Der Mann soll eine Frau haben, damit er keinen wilden Sex hat.
Das ist die gute Ordnung.
Doch verlassen wir diese Quelle.

Das Zitat:
Andererseits bin ich der Meinung, dass die Freiheit des Einzelnen im Grundsatz ihre Grenzen nur in der Freiheit anderer finden sollte
ist hier wichtig. Die Freiheit anderer, das ist das Kind was da gezeugt wird und später nicht weiß, wer der Vater ist. Die Freiheit, die seelische Gesundheit des Kindes, wird hier aufs Spiel gesetzt.
Wenn die Frau sich kurzfristig einen Mann sucht, ist das zwar auch nicht gut, aber der Mann ist dann als Vater benennbar und kann für Frau und Kind sorgen.
Ich vermisse bei einigen hier die Empathie für das Kind. Zugegeben, meine Empathie für Kinder ist etwas stärker ausgeprägt.
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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon norrsken » 27. November 2015 23:08

EuraGerhard hat geschrieben:Schließlich kann sich ja eine alleinstehende Frau, die auf natürlichem Wege schwanger werden kann, einen eventuellen Kinderwunsch auch ohne festen Partner jederzeit erfüllen. Mit welcher ethischen Rechtfertigung unterscheidet also der Gesetzgeber zwischen alleinstehenden Frauen, die auf natürliche Weise schwanger werden können, und solchen, die es nicht können?


Genau!

EuraGerhard hat geschrieben:Ob der Vater nun tagein, tagaus gearbeitet hat, oder in den Krieg gezogen ist, oder gestorben war, eines war er nahezu immer: Abwesend!


Und heute ist es auch nur in Einzelfällen anders wie anscheinend bei Peter! Die Väter arbeiten, danach wollen sie in aller Regel ihre Ruhe haben (vor dem Fernseher). Oder sie sind in Vereinen unterwegs, machen Sport, treffen Freunde.. Am Wochenende machen schon viele Männer was mit der Familie - zugegeben! Das war früher anders - und Urlaub gabs da auch nicht. Arbeiten die Väter nicht, tun das heutzutage die Mütter! Die hat nach der Arbeit dann noch den liegengebliebenen Haushalt zu erledigen und auch keine Zeit für die Kinder. Also einen von beiden müssen die Kinder die Woche über immer entbehren - und oft sogar alle beide, wo dann die Kinder sich selbst überlassen sind.
Also solche Bilderbuchfamilien wie bei Dir, lieber Peter sind wirklich Einzelfälle und kommen eben nur im Bilderbuch (oder Bibelbuch) vor!
Aber es gibt eine gute Nachricht für Dich: Aus den meisten Beiträgen lese ich heraus, daß hier keiner die Ehe generell verteufeln will. Auch ich selbst hatte geschrieben, daß es ja in den MEISTEN Fällen noch so ist wie eh und je - Mann und Frau lernen sich kennen, verlieben sich, ziehn zusammen, heiraten (oder auch nicht), bekommen Kinder und ziehn sie (mehr oder weniger) gemeinsam auf. Das wird auch so bleiben - weil es in unserer Natur liegt, uns nach dem anderen Geschlecht die Hälse zu verrenken..
Aber für die, bei denen es so nicht funktioniert hat und der Kinderwunsch dennoch vorhanden ist - sollte es eben verschiedene andere Lösungen geben!
Empathie für Kinder hab ich auch mehr als andere. Und eben darum weiß ich, wie sehr Kinder in zerrütteten Ehen millionenfach leiden (Einnässen, Weglaufen, Drogenkonsum, Selbstmord). DIESER seelische Schaden wird sehr unterschätzt und tritt oft erst im Erwachsenenalter zutage, nämlich unter anderem in Form von Beziehungsangst und -unfähigkeit. Wo war hier die Freiheit der Kinder?

Liebe Grüße,
Kati

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon EuraGerhard » 29. November 2015 11:58

Petergillarsverige hat geschrieben:Wenn die Frau sich kurzfristig einen Mann sucht, ist das zwar auch nicht gut, aber der Mann ist dann als Vater benennbar und kann für Frau und Kind sorgen.

Hmm, wie stellst Du Dir das vor, wenn das Kind mit 16 Jahren die Mutter danach fragt? Die kann sich dann vielleicht noch an drei oder vier in Frage kommende Kandidaten erinnern, von denen sie nur noch die Vornamen weiß, und sich vielleicht noch nicht einmal sicher ist, ob die Vornamen überhaupt stimmen ...

Die Wahrscheinlichkeit, 16 Jahre nach einer künstlichen Befruchtung den biologischen Vater über die Datenbank der Klinik ausfindig zu machen, dürfte da um einiges höher sein.

Was das Familienideal betrifft: Egal wie man zum Wahrheitsgehalt der biblischen Texte steht, Tatsache ist, dass die biblische Geschichte sowohl zeitlich als auch geografisch nur einen winzigen Teilausschnitt der menschlichen Entwicklungsgeschichte darstellt.

Und was schließlich die Ausgangsfrage betrifft: Ich bin nach wie vor unentschieden. Aber es ist gerade Deine Argumentationsweise, Peter, die mich mehr und mehr dazu tendieren lassen, der Erlaubnis der künstlichen Befruchtung für alleinstehende Frauen zuzustimmen.

MfG
Gerhard

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon HeikeBlekinge » 30. November 2015 00:44

kanon@ Gerhard!
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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon Petergillarsverige » 30. November 2015 13:32

Ich hab sicher keine Bilderbuchfamilie. Dafür aber eine reale Familie mit 4 Kindern, inzwischen groß. Solche Familien sind aber real vorkommend, durchaus auch keine Seltenheit. Ich kenne sehr viele.
Damit es mehr davon gibt, sagen wir den Jung schon recht bald, dass sie später Verantwortung tragen müssen. Da hilft ihnen auch ein Ritual. Mit etwa 14 gibt es eine Übernachtung am Lagerfeuer im Wald. Die Väter und einige andere Männer kommen nachts dazu. Die Väter versprechen ihren Söhnen ihnen in den nächsten Jahren beizustehen, wenn sie Männer werden.
Demnächst biete ich einen Abend für Väter an, wie sie mit ihren Kindern herumtoben können. Einige müssen das heute lernen. Wenn Eltern neugeborene Kinder haben, segnen wir die Kinder und die Eltern. Die Eltern bekommen für ihre Aufgabe je nach Bedarf Hilfe. In der Ehevorbereitung ist das auch ein Thema.
Damit möchte ich eines ausdrücken: Wir dürfen das Ziel: glückliche Familien, nicht aus den Augen verlieren und alles dafür tun, dass die Kinder glücklich sein können.
Abgesehen davon kenne ich auch außerhalb meiner christlichen Kreise gute Familien, wo sich die Väter um die Kinder kümmern.
Wenn ein Arzt einer Frau ohne Partner eine anonyme Samenspende gibt, weiß er, dass das entstehende Kind keinen Vater haben wird. Die Standesethik steht gegen dieses Vorhaben, deshalb darf der Arzt das nicht tun.
Die hier genannten Fälle wie Vernachlässigung durch die Väter, Trennungen etc. sind nicht stichhaltig, da die künstliche Befruchtung solche Dinge nicht aufhebt.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon EuraGerhard » 30. November 2015 14:22

Petergillarsverige hat geschrieben:Ich hab sicher keine Bilderbuchfamilie. Dafür aber eine reale Familie mit 4 Kindern, inzwischen groß. Solche Familien sind aber real vorkommend, durchaus auch keine Seltenheit. Ich kenne sehr viele.

Das hat auch nie jemand bezweifelt. Darum geht es hier aber auch nicht.

Petergillarsverige hat geschrieben:Wenn ein Arzt einer Frau ohne Partner eine anonyme Samenspende gibt, weiß er, dass das entstehende Kind keinen Vater haben wird. Die Standesethik steht gegen dieses Vorhaben, deshalb darf der Arzt das nicht tun.

Wie Du diese Aussage in dieser Absolutheit aus den Regeln der medizinischen Ethik herleiten willst, ist mir ein völliges Rätsel.

MfG
Gerhard

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon Petergillarsverige » 30. November 2015 16:05

Das nennt sich: "primum non nocere"

Ein Arzt darf nicht schaden. Er darf z.B. keinen Menschen umbringen, um an dessen Herz zu kommen um dieses dann einem bedürftigen einzupflanzen.
Der Arzt muss bei der künstlichen Befruchtung allein lebender Frauen beachten, dass er dem dadurch entstehenden Kind schadet, denn das Kind wächst ohne Vater auf. Deshalb unterlässt er das Handeln.
Der Arzt muss die positive Wirkung immer mit den Nebenwirkungen abwägen. Ein Medikament gegen Übelkeit in der Schwangerschaft darf z.B. dem Kind nicht schaden.
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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon vibackup » 30. November 2015 20:14

Petergillarsverige hat geschrieben:Das nennt sich: "primum non nocere"

Ein Arzt darf nicht schaden.

So geht Ethik leider nicht; wenn es so einfach wäre, wäre die Medizin ein Kinderspiel.
Und, BTW, Dinge wie Operationen, wo du dem Menschen erst einmal eine Wunde beibringst, um ihm dann zu helfen, wären verboten.
Das tägliche Brot eines Arztes sind ethische Konflikte, in dem verschiedene Prinzipien gegeneinander stehen, die gegeneinander abgewogen werden müssen, etwa so, wie es hier in einigen Beiträgen geschehen ist. Eine absolute Antwort gibt es nur in wenigen Fällen.

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Re: Künstliche Befruchtung auch für allein lebende Frauen

Beitragvon Petergillarsverige » 30. November 2015 20:23

Ich stimme dir zu. Das habe ich auch mit Abwägung gemeint.
Aber das hier ist einer der wenigen Fälle mit absoluter Antwort.
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