Kündigungswelle erfasst Lehrer

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svenska-nyheter
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Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon svenska-nyheter » 11. März 2009 11:13

Mehr als 1.000 Lehrerstellen an öffentlichen Schulen sollen gestrichen werden. Das zeigt eine Umfrage des Lehrerverbandes unter den Kommunen des Landes. Demzufolge sind besonders die Kommunen mit finanziellen Problemen zu Kündigungen genötigt.


>>ganzer Artikel

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

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Imrhien
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Imrhien » 11. März 2009 20:57

Ja, ich habs heute im Radio gehört und war entsetzt. So viel zur guten Bildung und dem tollen System in Schweden.
nur mal aus Neugier: Werden in Deutschland auch Lehrer entlassen weil die Wirtschaftskrise tobt? Und dann noch so viele?
Das ist mal wieder eine typische (politische) Lösung. Milchmädchenrechnung vom Feinsten. Wir kürzen heute an der Bildung damit morgen keiner mehr Geld und damit Steuern verdienen kann. Hauptsache wir sanieren den Haushalt noch in dieser Legislaturperiode...

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Mondland » 12. März 2009 11:23

Nein. In Deutschland werden deswegen keine Lehrer gekündigt.
Sie sind ja auch beamtet, und können schon deshalb nicht gekündigt werden.
In Deutschland werden schon seit Jahren kaum Lehrer eingestellt.
Man nimmt es lieber hin, dass Schule ausfällt....

hansbaer

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 11:34

Imrhien hat geschrieben:Ja, ich habs heute im Radio gehört und war entsetzt. So viel zur guten Bildung und dem tollen System in Schweden.
nur mal aus Neugier: Werden in Deutschland auch Lehrer entlassen weil die Wirtschaftskrise tobt? Und dann noch so viele?
Das ist mal wieder eine typische (politische) Lösung. Milchmädchenrechnung vom Feinsten. Wir kürzen heute an der Bildung damit morgen keiner mehr Geld und damit Steuern verdienen kann. Hauptsache wir sanieren den Haushalt noch in dieser Legislaturperiode...


In Schweden ist das Sache der Kommunen, und wenn die kein Geld mehr hat, dann hat sie halt keins mehr. Sie hat auch weniger Haushaltsspielräume als der Gesamtstaat. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn in der Wirtschaftskrise im Gesundheits- und Bildungssystem Kürzungen so schnell vorgenommen werden.
In Deutschland werden dann einfach weniger neue Beamten eingestellt und die Krankenkassenbeiträge erhöht. Das hat interessante Langzeiteffekte. Als ich Abi machte, galten Lehrer um die 50 als jung. Mittlerweile sind die fast alle in Pension, und wenn ich heute die Liste der Lehrer an meiner Schule anschaue, finde ich da kaum noch bekannte Namen.
Hier in Schweden schmeißt man stattdessen die Leute raus.

So oder so: wenn die Steuereinnahmen ausbleiben, kann der Staat kein Geld herzaubern, und wenn er sich weiter verschuldet, meckern auch alle. Schulden haben nämlich beide Länder.

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Aelve
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Aelve » 12. März 2009 11:35

Hallo Wiebke,

ja, da kann ich Mondland beipflichten. In Deutschland wird seit Jahren von Seiten der Lehrergewerkschaft aber auch von Elternseite gefordert, genügend Lehrkräfte einzustellen. Das wurde in D schon seit langem sträflich vernachlässigt.

Ich schrieb es schon im anderen Threat, bei einer gestrigen Gesprächsrunde, die wegen des unfaßbaren Amokslauf kurzfristig angesetzt war, sagte ein Gast, Deutschland hat keine Rohstoffe, also muß volkswirtschaftlich dann wenigstens in Bildung investiert werden, damit wir damit punkten können.
Das vernachlässigt Deutschland seit Jahren, was zur Folge hat, dass es laufend Unterrichtsausfälle gibt, dass anstatt 13 Jahre bis zum Abitur nur noch 12 Jahre geht, was dazu führt, dass die jetzigen Schüler das Pensum gar nicht schaffen können. Seit Jahren hört man nur noch Negatives in der Hinsicht Bildung und dass es auf Kosten der Schüler/innen geht und der Qualität der Bildung.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

hansbaer

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 11:49

Aelve hat geschrieben:Das vernachlässigt Deutschland seit Jahren, was zur Folge hat, dass es laufend Unterrichtsausfälle gibt, dass anstatt 13 Jahre bis zum Abitur nur noch 12 Jahre geht, was dazu führt, dass die jetzigen Schüler das Pensum gar nicht schaffen können. Seit Jahren hört man nur noch Negatives in der Hinsicht Bildung und dass es auf Kosten der Schüler/innen geht und der Qualität der Bildung.


Das Abi nach 12 Jahren ist an sich schon richtig, denn das ist europäischer Standard. Deutsche Hochschulabsolventen sind älter als im europäischen Durchschnitt, und das ist wiederum ein Wettbewerbsnachteil. Leider hat man es versäumt, die Lehrpläne entsprechend anzupassen. Es ist ja nicht damit getan, indem man 13 Jahre auf 12 komprimiert.

Die Entwicklung der letzten Jahre ist so negativ aber nicht. Die Einführung der sechsjährigen Grundschule in einigen Bundesländern ist ein Schritt in die richtige Richtung, und die letzten PISA-Tests fielen ja auch recht erfreulich aus. Das ändert freilich nichts daran, dass noch vieles im Argen liegt.

nysn

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon nysn » 12. März 2009 11:54

Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn in der Wirtschaftskrise im Gesundheits- und Bildungssystem Kürzungen so schnell vorgenommen werden.


Ich glaube, ein Unterschied ist auch, dass in Schweden solche Kürzungen sogar noch sehr viel schneller erfolgen - das war auch bei der letzten Finanzkrise so. Die Leute werden entlassen, später als sog. "Vikarie" (mit zeitbefristeten Verträgen von wenigen Monaten) wieder eingestellt. Am härtesten betroffen die Gruppen Lehrer, Krankenschwestern, Pflegepersonal.

Heute habe ich z. B. auch gelesen, dass ab dem nächsten Jahr die Renten gekürzt werden - z. B. muss ein Rentner mit 12.000 SEK/Monat im nächsten Jahr mit einer Kürzung von 525 SEK/Monat rechnen - 4,3 % weniger, das finde ich für diese Gruppe schon hart und ich kann mich nicht erinnern, dass ich das mal in Deutschland gehört hätte, dass man so drastische Einschnitte in so rasantem Tempo vornimmt.

S-nina

hansbaer

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 12:02

S-nina hat geschrieben:Heute habe ich z. B. auch gelesen, dass ab dem nächsten Jahr die Renten gekürzt werden - z. B. muss ein Rentner mit 12.000 SEK/Monat im nächsten Jahr mit einer Kürzung von 525 SEK/Monat rechnen - 4,3 % weniger, das finde ich für diese Gruppe schon hart und ich kann mich nicht erinnern, dass ich das mal in Deutschland gehört hätte, dass man so drastische Einschnitte in so rasantem Tempo vornimmt.


Vor kurzem habe ich zum Thema Renten einen interessanten Beitrag gehört. Dort sagte ein Experte, dass die Risiken unterschiedlich gelagert sind. In einem reinen umlagefinanzierten System wie in Deutschland hat man das Risiko, dass irgendwann nicht mehr genügend Nachwuchs da ist. Bei einem Fondssparermodell wie in Schweden ist das Risiko in den Märkten.

Allerdings wird man auf Dauer wohl mit dem schwedischen Modell besser fahren, denn die Investition des Geldes ermöglicht es, von der günstigen Entwicklung fremder Märkte zu profitieren. Sollte also die heimische Wirtschaft nicht mehr genügend in ihrer Leistung wachsen, kann das hierdurch etwas ausgeglichen werden.

nysn

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon nysn » 12. März 2009 12:17

Allerdings wird man auf Dauer wohl mit dem schwedischen Modell besser fahren, denn die Investition des Geldes ermöglicht es, von der günstigen Entwicklung fremder Märkte zu profitieren.


Ich gebe zu, ich habe dieses Modell noch nicht richtig durchschaut. Habe irgendwie nicht den Durchblick über die diversen AP-Fonds - bedenklich erschien mir heute jedoch: (Artikel http://www.di.se)

Det negativa resultatet för 2008, minus 261 miljarder kronor, förklaras i huvudsak av krympta värden i AP-fonderna, vilket i sin tur är en följd av de dramatiska kursfallen på världens aktiebörser, enligt Försäkringskassan.


Der Artikel wurde inzwischen geändert - heute morgen stand da noch: man ist von einem Überschuss von plus 18 Mrd. auf minus 243 Mrd. gegangen (ingesamt also minus 261 Mrd.) - in nur einem Jahr.

Das hört sich für mich so an, als wäre man als Renter in Schweden ziemlich heftig den Schwankungen an der Börse ausgesetzt und in dem Ausmaß finde ich es irgendwie zu riskant - ich meine 500 SEK weniger bei einem Monatseinkommen von 12.000 SEK :o

Mir kommt es so vor, als hätte man dieses Modell in der Vergangenheit, wo die Börse im Prinzip ja nur gestiegen ist, etwas zu optimistisch gesehen.

hansbaer

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 12:24

S-nina hat geschrieben:Der Artikel wurde inzwischen geändert - heute morgen stand da noch: man ist von einem Überschuss von plus 18 Mrd. auf minus 261 Mrd. gegangen - in nur einem Jahr.

Das hört sich für mich so an, als wäre man als Renter in Schweden ziemlich heftig den Schwankungen an der Börse ausgesetzt und in dem Ausmaß finde ich es irgendwie zu riskant - ich meine 500 SEK weniger bei einem Monatseinkommen von 12.000 SEK :o

Mir kommt es so vor, als hätte man dieses Modell in der Vergangenheit, wo die Börse im Prinzip ja nur gestiegen ist, etwas zu optimistisch gesehen.


Ich würde es genau umgekehrt sehen: trotz massiven Einbruchs aller Aktienmärkte ist die Rente nur um 4,3% gefallen. Die Leute verfallen zu gerne dem Glauben, investieren hieße automatisch Gewinn machen. Wenn man eine sichere Einlage will, dann muss man ein Sparbuch nehmen, und das ist schlecht verzinst. Wenn die staatlichen Rentengelder nur auf sichere Wertpapiere gesetzt würden, käme nachher eine sehr kleine Rente heraus.

Hier ist das Rentensystem schön erklärt:
http://www.fiket.de/2009/02/04/wort-der-woche-pension/


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