Kündigungswelle erfasst Lehrer

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blueII
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon blueII » 13. März 2009 20:42

amarok hat geschrieben:Die Privatschule ist einer der Indikatoren der (unserer) Mehrklassengesellschaft. Tendenz steigend.


8) Tja, wer kann entflieht halt manchen Systemen. Ist aber auch gleichzeitig ein Armutszeugnis. :roll:

Als ich den Satz geschrieben habe, dachte ich, es wird nur eine Frage der Zeit sein, wann so eine Bemerkung kommt.

Aber ich darf beruhigen. In Schweden heißt privat, nicht gleich elitär.
Nicht unbedingt sind Zusatzschulgelder zu zahlen.
Das Schulgeld des Staates wandert mit dem Schüler.
In Schweden ist es insofern elitär, dass man eventuell mehr Zeit hat die Kinder in solche Schulen zu fahren, anstatt in die Schule zu bringen, die zum Arbeitsweg gehört :wink: , egal welcher Qualität.

Heike

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Imrhien » 14. März 2009 15:11

Noch mal zu den entlassenen Lehrern bzw. der Androhung.
Auch in Schweden fallen Unterrichtsstunden aus weil Lehrermangel herrscht. Nicht nur in Deutschland also. Hier fallen schon Stunden aus und zusätzlich werden Lehrer entlassen. Was wird das wohl bewirken? Mehr Ausfall.
Was die Bezahlung der Lehrer angeht, also, dass auch in Deutschland Lehrer nur für die Schulzeit bezahlt werden, das wundert mich, dass das durchgeht. In Schweden ist es fast normal. Alle Lehrer die nicht fest angestellt sind, und das werden immer mehr, bekommen nur Verträge bis zu den nächsten Ferien. In den Ferien müssen sie sich was suchen. Das gilt oft übrigens auch für Kindergartenpersonal. Die werden zusätzlich noch schlechter bezahlt. Als Paketsortierer oder Zimmermädchen kann man hier deutlich mehr verdienen als als Lehrer oder Erzieher. Das ist doch mal ein Zeichen was die Bildung dem Staat wert ist. Vermutlich sind sich Deutschland und Schweden da nicht ganz unähnlich.

Grüße
Wiebke

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Aelve » 15. März 2009 12:19

Hallo Amarok,

auch ich kann keineswegs behaupten, dass für uns die Privatschule elitär war oder dass wir uns besser vorkamen als der Durchschnittsbürger. Ganz das Gegenteil war der Fall, denn es gibt sehr oft Vorurteile gegen Privatschulen. Ich kann mich davon nicht freisprechen, denn auch ich hatte vorher oft gehört, dass auf Privatschulen nur Kinder gehen, die vorne gezogen werden und von hinten geschoben werden. Also, deren Eltern ihre mißratenen Kinder auf die Privatschule schickten, weil die Intelligenz für eine normale Schule nicht reichte. Das war auch ein wenig meine Meinung und ich hätte es deshalb gerne vermieden, unsere Kinder auf eine Privatschule zu schicken. Wir haben aber festgestellt, dass die Schüler hier keineswegs weniger tun mußten als auf öffentlichen Schulen, es war nur strenger dort und der Kontakt mit den Eltern war intensiver.
Dann kann ich auch berichten, dass es zwar auch Geschäftsleute waren, die hier ihre Kinder anmeldeten, aber genauso viele Eltern, die ganz durchschnittlich verdienten und es gab Mütter, die extra Putzstellen annahmen, um ihrem Kind diese Privatschule bezahlen zu können. Wenn das normale Schulwesen nicht allen Kinder ihrer Begabung gemäß eine Schulbildung bietet, dann finde ich das sehr extrem und es hat mich jahrelang geärgert und daher auch mein Verdruß über die deutsche Bildungspolitik. Denn ich bin der gleichen Meinung, wie Du lieber Amarok, dass es eine Gleichberechtigung geben muß, dass nicht einem Arbeiterkind die Bildung vorenthalten wird, nur weil es aus einer armen Familie kommt, aber tatsächlich über die Intelligenz verfügt, um einen guten Schulabschluss zu erreichen. In Deutschland ist es ganz krass mit der Benachteiligung von Kindern, das ist das was mich hier am Bildungssystem am meisten stört und ich deshalb das schwedische System tausendmal besser finde. Nichts ist nach meiner Auffassung schlimmer, als intelligente Kinder von einer hinreichenden Bildung fernzuhalten, weil sie vorher aussortiert werden. Es ist auch volkswirtschafltich nicht vertretbar, denn es wird oft genug dann gestöhnt, dass es an gut ausgebildeten Fachkräften mangelt oder z.B. keine Mathematiker oder Naturwissenschaftler gibt. Vorher wurden aber Kinder, die zwar mathematisch sehr begabt sind, aber dafür die Rechtschreibung nicht so beherrschten systematisch auf die Hauptschulen verwiesen. Ich hatte jahrelang Einblick in diese Bereiche, daher weiß ich, wovon ich schreibe.
Tatsache ist, dass Privatschulen nicht teurer sind als öffentliche Schulen, nur der Staat Deutschland gibt den Privatschulen keine Zuschüsse, deshalb mußten wir unseren Kindern ihre Bildung selber bezahlen, der Staat hat in unserem Fall das Geld für die öffentliche Schule gespart. Ich glaube, in Schweden ist das anders geregelt und wenn Eltern dann für ihre Kinder sich die Schule aussuchen können, dann finde ich das eine gute Sache, es steht ja jedem Elternteil zu, sich nach einer vernünftigen Schule umzuschauen.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Skogstroll » 16. März 2009 11:03

blueII hat geschrieben:Man wird mal kurz im nächsten Jahr 5 von den 8 Schulen der Insel schließen.
Die Insel hat mal geschätzt 40x30 km Ausmaße...darauf verteilt 3 Schulen, da kann man sich ausmalen was dann passiert.


Das sind noch vergleichsweise paradiesische Zustände. In Norrbotten sind Schulwege um die 60km längst Alltag. Das Patentrezept heisst kürzen, zentralisieren + schliessen. Der Rest der ländlichen Strukturen wird endgültig plattgemacht, weil es nicht nur unattraktiver, sondern fast unmöglich wird, ausserhalb der Stadt zu wohnen, zumindest mit Schulkindern.

Und dann sind da die Privatschulen. Das hat in Schweden mit Elite wirklich nichts zu tun, die sind oft aus der reinen Not geboren, wenn Eltern versuchen, die Dorfschule auf diese Weise weiterzuführen. Auch die Privatschulen dürfen kein Geld von den Eltern nehmen (zumindest noch nicht), sie finanzieren sich über den staatlichen Beitrag pro Schüler und Vermietung von Räumlichkeiten.
Ich habe selbst an einer Privatschule unterrichtet. Die Schule ist finanziell notorisch klamm, die Klassenstärke liegt bei stolzen 32. Man darf um Gottes Willen keine Schüler verlieren, denn das verschlechtert die finanzielle Situation weiter. das wenige Geld wird also in das Wohlbefinden der Damen und Herren Schüler investiert, d.h. in Sitzgruppen und Tischfussball. Für Lehrmittel ist nix übrig. Und natürlich darf sich niemand überfordert fühlen, wozu notfalls das Niveau gesenkt wird.

Leider ist die kommunale Schule auch nicht besser, das Gymnasium erfreut sich eines exorbitant besch...eidenen Rufs, und auch dort wird fröhlich gekürzt und entlassen. Der neueste Schrei ist distansundervisning, das heisst der Lehrer sitzt in Malmberget und soll dem Schüler im >200km entfernten Pajala per Computer z.B. Französisch beibringen.

Armes Schweden!

Skogstroll


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