Kündigungswelle erfasst Lehrer

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nysn

Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon nysn » 12. März 2009 13:04

Ich würde es genau umgekehrt sehen: trotz massiven Einbruchs aller Aktienmärkte ist die Rente nur um 4,3% gefallen. Die Leute verfallen zu gerne dem Glauben, investieren hieße automatisch Gewinn machen.


Das System in dieser Form gibt es in Schweden noch nicht so lange (glaube seit 2000) - und als das damals eingeführt wurde, da wurde einem quasi schon "suggeriert" man könnte nie Verluste machen, höchstens mal eine Nullrunde - also zwischendurch mal keine Rentenerhöhungen ... aber das nur äußerst selten.

In Zukunft wird es sicher auch in Schweden wieder Diskussionen geben, inwieweit das Modell haltbar ist - kommt wohl auch auf die Dauer der akutellen wirtschaftlichen Krise an.

Hier ein interessanter ARtikel darüber:

http://www.tidskriftenarena.se/text/200 ... onsfiaskot

Att fonderna kan tömmas har hittills beskrivits som helt osannolikt, men kan faktiskt hända.

Men det var inget att vara skraj för, menade tillskyndarna. I själva verket gav börsen större trygghet, menade till exempel moderaten Gunnar Hökmark i en riksdagsdebatt:
”Pensioner blir robusta och trygga och inte utsatta för den politiska verklighetens olika svängningar.”

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Krümel7 » 12. März 2009 17:59

hej,
nochmal zum Entlassen der Lehrer in D, wonach ja am am Anfang gefragt wurde.
Da Bildung in D Ländersache ist, werden die Lehrer längst nicht mehr in allen BL verbeamtet. Berlin verbeamtet Lehrer daher auch gar nicht mehr! Die angestellten Lehrer verdienen daher erheblich weniger als in anderen BL.
Andere Bundesländer, welche eine Verbeamtung bieten können werben derzeit massiv Junglehrer aus Berlin gezielt ab! Das war auch Gegenstand von Pressemitteilungen in den letzten Wochen. Der Bildungssenator ist darüber nicht erfreut. Das Durchschnittsalter an Berlins Schulen empfinde ich als sehr hoch! Am letzten Gymnasium meines Sohnes lag es wohl bei ca. 50 Jahren!!!
Wenigstens kann man bei Dumpinglöhnen mehr Lehrer einstellen, das ist auch der einzige Vorteil den ich darin sehe. :roll:
Hier werden die Lehrer übrigens auch teilweise vom September bis Juli angestellt und beziehen dann in den Ferien ALgeld. Ich glaube jedoch nicht, dass man das Spielchen aus rechtlichen Gründen lange treiben kann.
Grüße Krümel

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon amarok » 12. März 2009 18:30

Mondland hat geschrieben:Nein. In Deutschland werden deswegen keine Lehrer gekündigt.
Sie sind ja auch beamtet, und können schon deshalb nicht gekündigt werden.
In Deutschland werden schon seit Jahren kaum Lehrer eingestellt.
Man nimmt es lieber hin, dass Schule ausfällt....


Das stimmt so nicht. In Deutschland gibt es sowohl verbeamtete Lehrer als auch Lehrer im Angestelltenverhältnis. Wobei sicherlich die Beamten in der Mehrzahl sind und es Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Es werden außerdem Lehrer eingestellt, allerdings häufig nur mit befristeten Arbeitsverträgen. Diese Verträge laufen am Ende aus oder werden vielleicht verlängert.
Unterricht fällt trotzdem weiterhin aus, weil u.a. keine Kapazitäten für Vertretungsstunden bestehen. Die werden einfach aus den bereits genannten Kostengründen nicht berücksichtigt.
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Aelve » 12. März 2009 18:58

Hallo,

ich sehe den Vorteil in angestellten Lehrern einfach darin, dass ich denke, dass sie sich einfach mehr einbringen müssen, weil sie sonst mit Kündigung rechnen müssen. Ich habe schon oft festgestellt, dass Leute, denen keine Gefahr des Arbeitsplatzes droht, sich dann zurücklehnen und nicht mehr groß anstrengen. Natürlich kann man das nicht auf alle Leute beziehen, es gibt auch Personen, denen ihr Beruf Berufung ist.

Ich jedenfalls habe mit angestellten Lehrern erheblich bessere Erfahrungen gesammelt als mit verbeamteten Lehrkräften.

Grüße Aelve
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Rüdiger » 12. März 2009 20:19

Nun, ich habe durch meinen ehemaligen Physik-Lehrer (der mich durchs Abi gebracht hat, seit 2 Jahren pensioniert und einer meiner besten Freunde geworden ist) ein wenig Einblick in die Situation der (Noch-) Gymnasien in Schleswig-Holstein.

Das Kultusministerium kann - mangels Masse - lange nicht den Bedarf der Schulen decken und in besonders gefragten Fächerkombinationen ausreichend Lehrer zuweisen. Also gehen die Schulen schon selbst auf die Suche nach geeigneten Lehrkräften, auch nach Quereinsteigern aus Wirtschaft und Industrie. Nur selten gelingt es den Schulen, auch für den Schulbetrieb geeignete Kräfte zu finden: Es gibt zwar den einen oder anderen "guten Fang", aber ob auch genügend - neben der fachlichen Qualifikation - pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte gefunden werden, ist höchst zweifelhaft.

Zwar beruft sich das Ministerium gern auf "skandinavische Modelle" und versucht, die Schulformen entsprechend anzupassen, vergißt dabei aber, daß Klassenfrequenzen bzw. das Zahlenverhältnis Schüler/Lehrer in Skandinavien besser sind als in Schleswig-Holstein. Das - wenn es dies denn gibt - "skandinavische Modell" in Schleswig-Holstein "richtig" umzusetzen bedeutete nämlich, die Zahl der Lehrkräfte erheblich zu erhöhen. Die hierfür benötigten finanziellen Mittel ebenso erheblich zu erhöhen, realisiert die Politik jedoch nicht.


Gerade angesichts der schrecklichen Geschehnisse in Winnenden möchte ich auf einen sehenswerten Beitrag im NDR-Fernsehen hinweisen: Die bisherige Sendeplanung sieht vor, am 30. März um 23:00 Uhr eine Dokureportage über den Schulleiter einer Hamburger Haupt- und Realschule zu senden, der überaus engagiert ist und den Schülern auch bei außerschulischen Problemen als Ansprechpartner dient. Ich habe heute eine Rohfassung dieses Films gebannt verfolgen können.


Gruß,
Rüdiger

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 21:03

Aelve hat geschrieben:ich sehe den Vorteil in angestellten Lehrern einfach darin, dass ich denke, dass sie sich einfach mehr einbringen müssen, weil sie sonst mit Kündigung rechnen müssen. Ich habe schon oft festgestellt, dass Leute, denen keine Gefahr des Arbeitsplatzes droht, sich dann zurücklehnen und nicht mehr groß anstrengen. Natürlich kann man das nicht auf alle Leute beziehen, es gibt auch Personen, denen ihr Beruf Berufung ist.

Ich jedenfalls habe mit angestellten Lehrern erheblich bessere Erfahrungen gesammelt als mit verbeamteten Lehrkräften.


Da wirst du aber zugeben müssen, dass du natürlich etwas "vorbelastet" bist, weil an einer privaten Schule angestellte Lehrer arbeiten, die dies selbst für sich gewählt haben und dementsprechend motiviert sind.

Das Gegenbeispiel dazu ist Berlin - dort stellt man als Sparmaßnahme nämlich nur noch Lehrer als Angestellte ein. Die werden aber für die gleiche Arbeit nicht nur schlechter bezahlt, sondern haben auch nicht die Vorteile, die der Beamtenstatus hat. Dementsprechend fühlen sie sich als Lehrer zweiter Klasse und haben wenig Spaß an ihrer Arbeit. Die Ergebnisse der ganzen Aktion sind fatal: junge talentierte Lehrer wandern in andere Bundesländer ab, weil ihnen dort der Beamtenstatus und bessere Bezahlung winkt. Berlin hat so einen Lehrermangel bekommen.

Sicherlich ist diese Situation sehr speziell, weil Berlin als Stadtstaat die Abwanderung viel leichter macht als es vielleicht ein Flächenland täte. Trotzdem zeigt das Beispiel, dass eine Abschaffung des Beamtenstatus für Lehrer von unerwarteten Nebenwirkungen begleitet wird, denn die Vorteile dieses Status sind mit einer privaten Anstellung kaum adäquat auszugleichen.

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Aelve » 12. März 2009 21:28

Hallo Hansbaer,

das stimmt vollkommen. An der Privatschule waren die Lehrkräfte angestellt, sie waren meistens alle recht motiviert. Es waren dort auch Lehrkräfte angestellt, die in der Erwachsenenbildung tätig waren, so haben sie Erwachsene in Abendkursen auf ein Abitur vorbereitet.
Auf jeden Fall hatten wir an der Privatschule das Gefühl als Eltern ernst genommen zu werden, es waren auch Sprechzeiten abends mal möglich, was vorher an der öffentlichen Schule nur bei den obligatorischen Elterngesprächen möglich war.
Es waren auch einige Lehrer dort angestellt, die als Beamte noch keine Stelle gefunden hatten, so dass sie die Anstellung als Übergangslösung nahmen. Der Direktor nahm aber auch Kritik der Eltern an und es wurde versucht, die vorgebrachten Mängel abzustellen

Grüße Aelve
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon blueII » 13. März 2009 10:00

Hej

ob nun angestellt oder verbeamtete Lehrer..eine Privatschule ist nun mal ein Unternehmen und muß seine "Kunden" (Eltern und Kinder ) zufrieden stellen.
Somit liegt es in der Logik der Sache, auch mehr der Elternschaft Gehör zu geben.
Einer der Gründe mich hier in Schweden auch dieser Schulformen zuzuwenden.
Unsere öffentliche Schule am Ort ist ein Massenobjekt geworden.
Man wird mal kurz im nächsten Jahr 5 von den 8 Schulen der Insel schließen.
Die Insel hat mal geschätzt 40x30 km Ausmaße...darauf verteilt 3 Schulen, da kann man sich ausmalen was dann passiert.

LG
Heike

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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon Aelve » 13. März 2009 16:59

Liebe Heike,

da kann ich Dir nur zuraten, ehrlich gesagt. Bei unserer Privatschule war die Klassenstärke sehr gering. So waren teilweise nur 15 Kinder in der Klasse. Da kann sich jede Lehrkraft einfach intensiver um jeden Schüler kümmern. Wie ich bereits berichtet habe, waren unsere beiden Kinder viel zu ruhig, meldeten sich leider nicht so häufig, zum Teil aus Schüchternheit. Die Lehrkräfte können aber bei niedriger Schüleranzahl viel eher erkennen, ob der einzelne Schüler trotz niedriger Beteiligung alles erfaßt hat, ob er oder sie alles verstanden hat. Bei der Privatschule wurden dann die Hausaufgaben ein wenig mit zur mündlichen Beteiligung mitgezählt, sozusagen als Fleißbonus. Die Lehrer dort vertraten die Meinung, dass es nun einmal ruhige und lautere Schüler gibt, da sollten die etwas stilleren Schüler nicht benachteiligt werden. Auch mir liegt das Schreiben mehr als das Reden vor Gruppen, es muß ja nicht jeder ein Redner sein, es werden ja auch Leute gesucht, die eher zurückhaltend sind, aber im schriftlichen Bereich vielleicht gut arbeiten können. Hier in D ist es so, dass die mündliche Mitarbeit viel höhere Gewichtung erfährt als die schriftlichen Arbeiten, so ungefähr 60 % mündliche Beteiligung, 40 % mündliche Beteiligung. Da können die Lehrkräfte dann natürlich die Zensur sehr willkürlich geben, denn mündliche Beteiligung kann man später nicht reklamieren, bei schriftlichen Tests sieht man aber, was der Schüler wußte und was nicht.

Wenn Du Fragen zur Privatschule hast, bin ich stets bereit, Dir Tipps oder meine Erfahrungswerte zu geben, wobei natürlich jede Privatschule auch wieder anders ist und in Schweden sowieso es evtl. anders gehandhabt wird als es in D der Fall ist.

Grüße Dich Aelve
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Re: Kündigungswelle erfasst Lehrer

Beitragvon amarok » 13. März 2009 19:43

Die Privatschule ist einer der Indikatoren der (unserer) Mehrklassengesellschaft. Tendenz steigend.
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