Kritik an Lagerungsmethode

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svenska-nyheter
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Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon svenska-nyheter » 4. Juni 2009 09:15

Der von der Gesellschaft für Kernbrennstoffhantierung gefasste Beschluss, ein Atommüll-Endlager in Östhammar, nahe dem Kernkraftwerk Forsmark, zu bauen, stößt auf Kritik.
Laut dem Geschäftsführer der Kernbrennstoffhantierung wählte man den Standort Forsmark allein aus Sicherheitsgründen. „Langfristige Sicherheit war ausschlaggebend für die Entscheidung. In Forsmark ist das Gestein sehr homogen und dicht, und damit eine sehr effektive Barriere“.


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(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

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Skogstroll
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Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon Skogstroll » 4. Juni 2009 14:46

Stösst auf Kritik? Vielleicht in Oskarshamn, wo der radioaktive Müll - immerhin 12000 t - nun nicht (end-?) gelagert werden soll. Ich habe gestern dazu einen Beitrag dazu im Radio gehört. In Östhammar waren ausnahmslos alle Interviewten sehr froh über die Entscheidung, den Müll an die Backe gebunden zu bekommen. Das gibt ja Arbeitsplätze, sogar noch für die nächste Generation! Vorausgesetzt natürlich, dass die nicht an Leukämie eingeht. Eine einzige Stimme in Oskarshamn war erleichtert, das Zeug nicht vor der Haustür zu haben. Oskarshamn bekommt nur den Trostpreis und darf die offenbar doch zu dünnen Kupferkapseln bauen. Vielleicht liegt ja Boliden hinter der Kritik der Kupferkapseln, man könnte ja noch viiiel mehr Kupfer verkaufen!

Die Blauäugigkeit und Kritiklosigkeit der Schweden zum Thema Kernkraft verblüfft mich immer wieder!

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eireanna
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Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon eireanna » 27. August 2009 13:27

Hallo!

Ja, genauso habe ich es auch mitgekriegt. Leider gibt es hier u Forsmark/Östhammar kaum bis gar keine Opposition, vielleicht liegt es aber auch an dem Umfeld (ich kenne überwiegend Leute, die in Forsmark oder woanders für Vattenfall arbeiten) und ich habe diese Menschen noch nicht getroffen.
In Interviews waren auch alle sehr positiv, fast schon stolz, dem Enlager gegnüber gestellt. Die meisten hier aus der Gegend scheinen halt der Überzeugung, dass Atomkraft nach wie vor die beste Lösung ist (und hier wieder das Standard-Atomlobby-Argument: Atomkraft würde kein CO2 ausstossen. Schockierend, wenn man bedenkt wieviel CO2 tatsächlich freisetzt z.B. beim Bau eines Atomkraftwerkes und der Uranminen.). Und über die unglaublichen Kosten, die mit dem Bau eines Atomkraftwerkes, seiner Aufrechterhaltung und ständigen Erneuerung der Sicherheitsstandards, seiner Entsorgung und Suche nach einem (wahrscheinlich nie wirklich auffindbarem) einigermassen sicheren und langfristigen Endlager verbunden sin, scheint sich hier auch keiner Gedanken zu machen. Wozu auch: es werden ja dadurch neue Arbeitsplätze geschaffen! Dass man das Geld auch in die Forschung und Errichtung von Quellen erneuerbarer Energien stecken könntee, scheint hier vielen fremd zu sein. Das würde ja auch Arbeitsplätze schaffen..

Der Onkel meines Freundes ist einer der wenigen, der dagegen ist, er sagt, das wäre in den späten 80ern noch anders gewesen aber mittlerweile traut sich keiner mehr etwas dagegen zu sagen. Sobald man auf die Risiken von Atomkraft hinweist heisst es gleich "ach Tschernobyl mal wieder, das war doch etwas ganz anderes, die Atomkraftwerke von heute sind mit dem gar nicht vergleichbar und viel sicherer" und der Vorfall in Forsmark von 2006 wird auch extrem runtergespielt nach dem Motto "Die Medien habe übertrieben". Eigentlich stand in den grossen Medien ja gar nichts negatives oder besorgniserregendes, verständlich wohl, da Vattenfall ja zu 100 Prozent dem schwedischen Staat gehört.

Vielleicht sehe ich es auch zu schwarz? Ich komme jedenfalls aus der Nähe von Gorleben und habe eine sehr oppositionelle Haltung demgegenüber und bin regelrecht schockiert, dass es hier kaum jemanden gibt, der grün ist bzw. wenigstens gegn Atomkraft ist. Woran kann das liegen?

Auf jeden Fall gibt es auch etwas positives: mein Freund (ursprünglich extrem pro-atom) hat sich bereit erklärt am 5.9.09 mit auf die bundesweite Demo nach Berlin zu kommen und war auch bei der letzten Castor-Demo dabei. Man muss scheinbar nur hartnäckig immer wieder seine Argumente wiederholen.

LG,E.

Tommy3

Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon Tommy3 » 27. August 2009 15:27

Hej,
<<<verständlich wohl, da Vattenfall ja zu 100 Prozent dem schwedischen Staat gehört.
>>>
das verstehe ich nicht so ganz. Noch sind die Medien in S nicht staatsgesteuert. Aber in S glauben die meisten Leute, was Staat, Behörden, Obrigheiten usw. sagen. Gesundes Misstrauen wie in D oder vielen anderen Ländern ist hier nicht üblich. Es kann einfach nicht sein, dass im Staate Schweden unsichere Sachen herumstehen. Wenn der Staat das genehmigt hat, ist das schon OK. Und schwedische Technik ist allem anderen sowieso überlegen. Und deswegen ist das OK mit Atomkraft, zumindestens in Schweden.
So fühlen die meisten hier.

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Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon eireanna » 27. August 2009 15:52

Tommy3 hat geschrieben:Hej,
<<<verständlich wohl, da Vattenfall ja zu 100 Prozent dem schwedischen Staat gehört.
>>>
das verstehe ich nicht so ganz. Noch sind die Medien in S nicht staatsgesteuert. Aber in S glauben die meisten Leute, was Staat, Behörden, Obrigheiten usw. sagen. Gesundes Misstrauen wie in D oder vielen anderen Ländern ist hier nicht üblich. Es kann einfach nicht sein, dass im Staate Schweden unsichere Sachen herumstehen. Wenn der Staat das genehmigt hat, ist das schon OK. Und schwedische Technik ist allem anderen sowieso überlegen. Und deswegen ist das OK mit Atomkraft, zumindestens in Schweden.
So fühlen die meisten hier.



Vielleicht liege ich da auch falsch. Aber sicher kann man ich mir auch da nicht sein. Geld ist ja fast immer ab einer bestimmten Summe korrumpierend und dass der jetztige Saat seine Wählerschaft nicht wieder zu Anti-Atomkraft Gegnern umkehren will ist ja auch kein Geheimnis (Rückkehrmachung des vor 30 Jahren bestimmten Volksentscheids zum Ausstieg aus der Atomkraft) und wie sehr das im Zusammenhang mit dem Staatskonzern Vattenfall als Geldquelle einhergeht, gt darüber mag sich jeder seine eigene Meinung bilden. Natürlich besagt das alles nichts, es sind halt keine Fakten nur Spekulationen. Ich hatte auch leider den Eindruck, gerade was die grossen Medien, wie DN angeht und wie sie über die Vattenfall-Aktionen in Deutschland berichteten, es würde im Vergleich zu den deutschen Medien sehr runtergespielt und einfach damit begründet, dass verschiedene Parteien nach einem guten Wahlthema suchen und die Vorfälle deshalb in den Medien ausschlachten. Ich habe aber nur Stichproben mässig einige Artikel gelesen und die ganze Sache dann nicht mehr in den schwedischen Medien verfolgt.

VG,E.

Tommy3

Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon Tommy3 » 27. August 2009 16:45

Hej,

schon klar, dass die schwedischen Medien aus den hiesigen Zwischenfällen kaum mehr als einen Zweizeiler machen. Das interessiert hier keine Sau, wenns im AKW nebenan brennt. Man fährt ja auch zum Kaffeeausflug dahin.
Insofern gehen die schwedischen Medien und die Regierung Hand in Hand. Aber ich glaube nicht, dass die Medien dazu von der Regierung gedrängt oder gar bestochen werden.
Katastrophenberichte über AKW's verkaufen sich nunmal nicht hier.

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Re: Kritik an Lagerungsmethode

Beitragvon eireanna » 27. August 2009 18:57

Tommy3 hat geschrieben:Hej,

schon klar, dass die schwedischen Medien aus den hiesigen Zwischenfällen kaum mehr als einen Zweizeiler machen. Das interessiert hier keine Sau, wenns im AKW nebenan brennt. Man fährt ja auch zum Kaffeeausflug dahin.
Insofern gehen die schwedischen Medien und die Regierung Hand in Hand. Aber ich glaube nicht, dass die Medien dazu von der Regierung gedrängt oder gar bestochen werden.
Katastrophenberichte über AKW's verkaufen sich nunmal nicht hier.


Ja, vielleicht das. Wär auch eine Erklärung. So hab ich's bis jetzt noch nicht interpretiert, macht aber schon Sinn. Da sehe ich vorerst schwarz für die anti-atomare Zukunft Schwedens... schade. Jetzt wo ich auch gerade ausgerechnet hierher gezogen bin (und endlich vom Vattenfall-Zwischenfall-Krümmel weg bin), bauen sie mir ein Endlager in den Garten. Grandios. *seufz*


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