Krankenversorgung

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Krankenversorgung

Beitragvon Auswanderer » 21. Dezember 2007 12:16

Zumindest bevor die neue Regierung angetreten ist, schien fast
alles---Schule, Rente, Verwaltung usw.---in Schweden besser zu
sein als in Deutschland. Aber man hört immer wieder, dass die
Krankenversorgung in Schweden schlecht ist, und zwar schon vor
der neuen Regierung.

Stimmt das?

Oder ist es so, dass, wie in Deutschland, viele Leute das deutsche
System kritisieren, aber wenn sie im Ausland krank werden, ist das
erste, was sie wollen, nach Deutschland zurück zu kommen?

Oder geht es um andere Konzepte, und sie, die sie nicht mögen, reden
das ganze System schlecht? Zum Beispiel halte ich es für wirklich
sinnvoll, dass nicht jedes Krankenhaus alles macht, sondern, dass
es eine Aufteilung gibt, und nehme längere Fahrten für Fälle, die nicht
akut sind, im Kauf. Ich habe auch nichts gegen Polikliniken.

Ich war selber nie krank in Schweden. In März war mein Sohn kurz
in Sälen im Krankenhaus, nachdem er beim Skifahren gestürzt war.
Alles war vollkommen in Ordnung. Sonst habe ich keine Erfahrungen
mit dem System.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

Storstadstjej

Re: Krankenversorgung

Beitragvon Storstadstjej » 21. Dezember 2007 12:55

Nicht alles was man hört ist wahr. Einer der Gründe für eine sehr positive Wahrnehmung der Skandinavischen Länder, insb. Schwedens, ist eine erfolgreiche Selbstdarstellung nach aussen hin, gepaart mit Dingen, die man sich in vielen Teilen der Welt wünscht - für die Deutschen ist es ein wenig mehr Paltz und Natur, für US-Amerikaner ein grosszügiges Sozialsystem. Dazu kommen die weltberümten Kinderbücher, mit denen viele Aufgewachsen sind und .. im speziellen Falle Deutschlands darf man nicht vergessen, dass diese besondere Popularität Schwedens während der Zeit der sozialdemokratischen Regierung in BEIDEN Ländern so richtig entfacht worden ist. Da gab es z.B. eine PISA Studie, die Gerd und Co Richtung Schweden sehen liess und einige andere Dinge, Parteibrüder unterstützt man eben.

Tatsächlich gesehen sind die Sossen hier in Schweden die Meister der positiven Darstellung, Schweden sind im Hohen Masse patriotisch und hassen Veränderungen. Wenn man aber Probleme über eine lange Zeit verdunkelt und versteckt kommen sie erst bei einem Machtwechsel heraus. Damit sage ich nicht, dass die Alianz alles richtig macht, ich wüsste jetzt auch nicht ob ich sie wählen würde ABER (!) sie TUN etwas.
Da kann man gut eine Parallele zur Ära Kohl ziehen, der sass auch bequem in seinem Stuhl, obwohl die Geldbeutel des Sozialsystems schon kräftig geleert waren. Die Partei, die danach kommt wird Veränderungen durchziehen MÜSSEN, sie schmecken aber selten und sind auch selten so gut, wie sie in einem langsameren Tempo gewesen währen - nämlich auch während der vorhergehenden Regierungsperiode!

Kurzum, die schwedische Schule ist schon vor der Allianz von den (deutschen) Eltern als katastrophal bezeichnet worden, dass das Gesundheitssystem schrott ist, wusste ich ebenfalls schon vor 2 Jahren. Verwaltung? Tja, die Verwaltung ist theorethischerweise einfacher, dadruch aber nciht an allen Stellen effizienter, aber DAS ist nun wirklich recht Menschlich und in wohl kaum einem Land perfekt.

Auswanderer hat geschrieben:Oder ist es so, dass, wie in Deutschland, viele Leute das deutsche
System kritisieren, aber wenn sie im Ausland krank werden, ist das
erste, was sie wollen, nach Deutschland zurück zu kommen?[/qoute]

Trifft nicht auf jeden und nicht in jeder Situation zu, aber wenn man es verallgemeinern möchte, dann wohl ja. Wobei man da wirklich sehen muss - man ist nach einigen Jahrzehnten Deutschlands eine Verfahrensweise gewohnt und zu einem Zeitpunkt an dem man speziell labil und angreifbar ist (Krankheit), ist es ein natürliches, dass einen andere (nicht schlechtere) Verfahrensweisen erschrecken/verunsichern.

Auswanderer hat geschrieben:Oder geht es um andere Konzepte, und sie, die sie nicht mögen, reden
das ganze System schlecht? Zum Beispiel halte ich es für wirklich
sinnvoll, dass nicht jedes Krankenhaus alles macht, sondern, dass
es eine Aufteilung gibt, und nehme längere Fahrten für Fälle, die nicht
akut sind, im Kauf. Ich habe auch nichts gegen Polikliniken.


Tja, und ICH habe etwas dagegen, dass wenn ich eine Vårdcentral anrufe, man mir prinzipiell sagt, ich solle noch 3 Tage warten und wenn's nicht besser wird nochmals anrufen! Dabei ist es relativ egal, ob ich erst seit dem Anruftag oder schon seit einer Woche krank bin.

Ja, teilweise sind die Konzepte anders und ungewohnt, doch teilweise ist das System so richtig sch*. Ehrlich gesagt - ich würde allein aus dem Aspekt der Versorgungsdichte nicht im Norden Schwedens wohnen wollen.

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Re: Krankenversorgung

Beitragvon Skogstroll » 21. Dezember 2007 13:21

Storstadstjej hat geschrieben:ABER (!) sie TUN etwas.


Das muss mir entgangen sein.
Oder meinst du damit TV-avgift nicht zahlen, Haushalthilfen schwarz anstellen, sich von TV4-Reportern einladen lassen und die Vermögenssteuer abschaffen?

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Re: Krankenversorgung

Beitragvon Imrhien » 21. Dezember 2007 13:53

Storstadstjej hat geschrieben:Tja, und ICH habe etwas dagegen, dass wenn ich eine Vårdcentral anrufe, man mir prinzipiell sagt, ich solle noch 3 Tage warten und wenn's nicht besser wird nochmals anrufen! Dabei ist es relativ egal, ob ich erst seit dem Anruftag oder schon seit einer Woche krank bin.


Dazu kann ich nur sagen, dass der Meinung nicht nur Auswanderer, bzw. so rum ja Einwanderer, sind. Ich habe schon ein paar Schweden gehört, die auch durchdrehen, wenn sie wegen der Krankheit eines Kindes anrufen und vertröstet werden.

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Re: Krankenversorgung

Beitragvon Storstadstjej » 21. Dezember 2007 14:44

Skogstroll hat geschrieben:
Storstadstjej hat geschrieben:ABER (!) sie TUN etwas.


Das muss mir entgangen sein.
Oder meinst du damit TV-avgift nicht zahlen, Haushalthilfen schwarz anstellen, sich von TV4-Reportern einladen lassen und die Vermögenssteuer abschaffen?

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Naja, Mona war ja auch mit der Parteikreditkarte privat einkaufen. Genügend rote, violette, graugrünbunte Politiker gibt es, die das eine oder andere "verbrochen haben". Natürlich ist es äusserst fraglich, ob ein Politiker, der selbst versucht am Gesetz vorbeizukommen, das Gesetz gestalten darf. Aber offenbar gibt es ja keine anderen! (Die Aussage ist, gebe ich zu, GENAUSO polemisch, wie die Behauptung alle Allianzpolitiker wären Verbrecher. )
Was ich dagegen merke ist im Allgemeinen: die kommunale Steuer geht vielrorts runter, die Anzahl der Arbeitslosen ist real gefallen, soviel zu Dingen, die nur teilweise politisch zu beeinflussen sind. Im Konkreten - die entwicklung mit dem Fastighetsskatt finde ich wunderbar - insbesondere für ältere Leute, die genau da wohnen bleiben wollen, wo sie seit 20 Jahren gelebt haben. Diese Besteuerungsart entspricht der Realität. Weiter: Nicht perfekt gelöst aber DRINGENDST notwendig gewesen - die Krankschreibungszeiten. Es ist mir zwar ein Rätsen, wie man sich innerhalb weniger Wochen von einer Krebserkrankung erholen soll, aber wieso soll jemand, der seit 6 Jahren krank ist, krankGESCHRIEBEN sein? (An der Stelle fehlen mir aber Veränderungen im Gesundheitssystem, sodass man die "vorgeschriebenen" Zeiten auch tatsächlich erreichen könnte).
Und wer die ganze Zeit schimpft, die Allianz hätte einen Stockholm-Tunnelblick - überlegt man wer die abgelegenen Teile des Landes finanziert.

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Re: Krankenversorgung

Beitragvon Skogstroll » 21. Dezember 2007 16:12

Storstadstjej hat geschrieben:Und wer die ganze Zeit schimpft, die Allianz hätte einen Stockholm-Tunnelblick - überlegt man wer die abgelegenen Teile des Landes finanziert.


Das ist genau die Einstellung, mit der man sich hier als 08 Freunde macht. Mal drüber nachgedacht, woher der Strom in diesem Land kommt? Das Eisenerz? Das Kupfer?

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Re: Krankenversorgung

Beitragvon jörgT » 22. Dezember 2007 18:55

Stimmt, Klaus!
Gerade der Stockholm-Tunnelblick ist es, der einige Veränderungen (Stichwort fastighetsskatt!) in anderen Landesteilen durchaus nicht so positiv erscheinen lässt ...
Als Stockholmer ist eine "Einheitsabgabe", wie sie jetzt gilt, natürlich positiv - Fam. Reinfeldt spart allein ca. 30.000 Kr!
Und die "Jagd" auf Langzeitarbeitslose und -kranke grenzt schon an Psychopathie ...
Meine Stimme kriegen diese Möchtegern-Politiker jedenfalls nicht - und nur mit 08er-Stimmen gewinnen sie die nächste Wahl nicht!
Versprochen!
Jörg :?

Storstadstjej

Re: Krankenversorgung

Beitragvon Storstadstjej » 22. Dezember 2007 19:26

Jetzt kommt mal eine Offenbarung, ich bin von Haus aus Sozialdemokrat - mit Betonung auf sozial und wenn wir jetzt Statust oder auch Herkunftssymbole sortieren würden, würde die Allianz sicherlich nicht die Partei meiner Wahl sein, ABER: So, wie die Situation derzeit in Schweden (als auch in Deutschland) aussieht, gibt es herzlich wenig dieses "sozialen" und - das ist schon vor Jahren abgeschafft worden. Nicht von irgendwelchen Politikern sondern eben von den Menschen selbst. Ein Wohlfahrtsstaat basiert blöderweise auf menschlicher Verantwortung - nämlich dem Rest der Gesellschaft gegenüber. Beim besten Willen kann es nicht funktionieren, wenn nur noch ein geringer Teil der Gesellschaft arbeitet, während der Rest seinen Unwillen zum arbeiten pflegt. Dabei spreche ich nicht von Menschen, die in der Tat "zwischen den Jobs" sind, sondern Menschen, die seit JAHREN keiner Beschäftigung nachgehen. Ein Wohlfahrtssystem funktioniert nur, wenn dieses in NOTFÄLLEN verwendet wird, d.h. in der Regel für einen kurzen Zeitraum und nicht dauernd (gegebene Ausnahmen sind klar). Was glaubt ihr denn, was früher oder später mit dem noch arbeitenden Teil der Gesellschaft passieren würde? Würde er nicht irgendwann vor überbelastung krank und wäre damit ein rechtmässiger Nutzniesser des Systems? Nur ... wer finanziert dann sein Leben?

Das ist wie immer mit Menschen, immer gibt es etwas zu meckern, Veränderung sind prinzipiell erstmal schlecht, vor Allem wenn sie von jemandem durchgezogen werden, der einen höheren sozialen Status als einer selbst hat - ob es nun der Abteilungschef, CEO des Unternehmens oder eben einer der regierenden Politiker. Wenn ihr alle Nicht-08-er die Veränderungen allesamt für so negativ haltet - dann her mit Euren Vorschlägen, ich erkläre mich gern bereit Reinfeldt persönlich anzuschreiben und ihm Eure Vorschläge vorzutragen!
Alleine die Arbeitslosenzahlen sprechen definitiv für die Allianz.


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