Interessantes Thema für Schweden mit seinem staatlichen Gesundheitssystem. Private Krankenversicherungen sind eher ungewöhnlich und wenn, dann werden sie meistens über den Arbeitergeber als Zusatzversicherungen angeboten:
http://www.mappis.se/privat-sjukforsakring/http://www.svd.se/nyheter/inrikes/150-0 ... 115778.svdMeistens bringen sie nur eine schnellere Überweisung zum Facharzt oder sie ersparen manchmal die Überweisung vom Allgemeinmediziner. Es kommt auf die Versicherung an. Der Facharzt muss aber meines Wissens auch privat zugelassen sein, was auch selten ist. Dies schreibt dann die jeweilige Privatversicherung auch vor.
Beim Gedanken an eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Patienten stehen wahrscheinlich in Schweden immer noch den allermeisten Patienten und selbst denen, die behandeln, die Hutschnur hoch. Sonderbehandlungen würden einfach nicht ins System passen. Privatkliniken und privat zugelassene Ärzte sind eher unüblich und wenn, dann eher in den Großstädten anzutreffen. Nur Zahnärzte sind recht häufig in Privatpraxen tätig. Aber um diese in Anspruch zu nehmen, bedarf es keiner zusätzlichen Versicherung. Ich kenne keinen Schweden in meinem Bekanntenkreis, der sich privat zusatzversichert hat.
Hier habe ich noch eine Werbung gefunden:
http://www.lansforsakringar.se/privat/f ... fault.aspxSo einfach ist das also auch nicht, denn wenn es diese privat niedergelassenen Dienstleistungen in meiner Nähe nicht gibt, habe ich auch nicht viel von dieser Krankenversicherung. Und eine examinierte Krankenschwester kann man so oder so rund um die Uhr kostenlos anrufen. Dafür braucht man keine Extraversicherung.
Aus meiner persönlichen Erfahrung als Patient sehe ich keinen Vorteil in einer Privatversicherung. Bis jetzt habe ich jeden Facharzt rechtzeitig bekommen, der erforderlich war und dies wesentlich gezielter als in Deutschland. Allerdings muss ich dazu fairerweise sagen, dass es von Län zu Län erhebliche Unterschiede in der Krankenversorgung gibt. Sollte man sehr lange auf eine Operation warten müssen, kann man ja mit seiner ganz normalen försäkringskassa verhandeln, dass diese Operation in Deutschland ausgeführt wird und die Kosten übernommen werden.
Nachtrag: Es gibt doch so etwas wie eine Zweiklassengesellschaft der Patienten in Schweden. Laut einer Untersuchung hängt die Qualität der Behandlung vom Bildungsgrad und Einkommen des Patienten ab, obwohl alle untersuchten Personen ganz normal bei der F-Kassa versichert sind. Wer gezielter beim Arzt die besseren Fragen stellen kann und sich kooperativer zeigt, bekommt auch eine bessere Behandlung. Wir sind eben alle nur Menschen.