Krankenhaus verweigert teure Behandlung

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Storstadstjej

Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Storstadstjej » 14. September 2007 10:56

Naja der Umgang mit Behinderten ist hier in S eine Kopfsache - hier setzt man auf Integration, in D ist man eher dazu geneigt einem Behinderten - nun spreche ich von z.B. einem Paraplegiker, der eigentlich voll einsatzfähig im Büro ist, irgendwelche finanziellen Goodies in der Hand zu drücken, als ihm durch Hilfsmittel zu erleichtern, seinen Weg ins Berufsleben zu finden.

In Schweden zieht man durch das kaputte (und bankrotte) Gesundheitssystem dagegen vor Leute in eine Warteschlage zu stellen - wenn man Glück hat, erledigt sich die Krankheit. Ich kenne wirklich keinen Deutschen, der seit Jahren krankgeschrieben ist, in S dagegen waren in diesem sommer 76 000 Menschen MEHR ALS EIN JAHR krankgeschrieben. Und Faul/ zu Bequem zum arbeiten war wahrscheinlich vor allem Anfangs ein geringer Teil vor Ihnen, dass ein psychisch Kranker nach Jahren fehlender Behandlung aber dafür Krankschreibung sich nicht so fühlt als wäre er arbeitsfähig ist ein Normales.

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Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon janaquinn » 14. September 2007 12:05

Das Problem in Deutschland ist der Umgang der Gesellschaft mit den Besonderen Menschen unter ihnen. Sie werden, leider, nur solange akzeptiert, solange sie nicht in der eigenen Nachbarschaft leben oder als Kinder mit den Nachbarskindern spielen wollen. Ich habe mit Yannic Dinge erlebt, die ich nicht mal meinem schlimmsten Feind wünsche. Sprüche wie: "Sowas wäre unter Hitler verga... worden" oder " Der ist doch hoffentlich nicht ansteckend" waren für meinen Sohn und mich an der Tagesordnung. Genauso die Tatsache, das wir aus einer Krabbelgruppe ausgeschlossen wurden, weil Yannic verstärkt gesabbert hat und lauter weinte. Uns wurde nahe gelegt, eine Gruppe zu suchen, wo wir unter "Unseresgleichen" wären. Von den alltäglichen Angiftungen, nachdem Taima da war, a´la "Hat schon einen Krübbel und lasst sich noch ein Kind andrehen, um vom Staat abzukassieren" bis zu "gutgemeinten" Ratschlägen, ich solle Yannic doch nun ins Heim geben, schliesslich hätte ich doch endlich ein gesundes Kind, war alles dabei.

Solange sich das Denken im Kopf der Menschen nicht ändert, wird es in Deutschland auch keine Verbesserung der Gesamtsituation für Behinderte Menschen und ihre Angehörigen geben.
Natürlich kann man sagen, ich könne gut reden, schliesslich lebe ich tagtäglich mit dieser Situation, aber bereits vor Yannic, bereits in meiner Kindheit hatte ich Kontakt mit behinderten Kindern, so das ich bereits da keine Berührungsängste hatte.

Egal, ist eigentlich total OffTopic, aber es musste einfach mal gesagt werden. Und ich will damit nicht behaupten, das es solche dummen Aussagen nur in Deutschland gibt und nicht in Schweden, diese Menschen mit einem solchen Denken findet man rund um den gesamten Erdball. LEIDER!"

LG JANA
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Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Manty » 14. September 2007 12:52

"...Sprüche wie: "Sowas wäre unter Hitler verga... worden" oder " Der ist doch hoffentlich nicht ansteckend" waren für meinen Sohn und mich an der Tagesordnung. Genauso die Tatsache, das wir aus einer Krabbelgruppe ausgeschlossen wurden, ..."

Ich finde sowas zum :smt078

Storstadstjej

Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Storstadstjej » 14. September 2007 12:59

Zum k* reicht nicht aus ...

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Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon janaquinn » 14. September 2007 13:04

Danke, mehr brauche ich nicht zu sagen! : :danke:

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Storstadstjej

Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Storstadstjej » 14. September 2007 14:17

Grade den passenden Smiley für solche Leute gefunden:
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Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Imrhien » 14. September 2007 16:22

Genaugenommen ist das nicht nur ärgerlich und zum in die Tonne treten (oder eben das Klo), es ist wirklich traurig. Für die Eltern und das Kind und auch die Geschwister ist sowas doch wirklich verletzend. Sehr traurig, dass es solche Menschen immer noch gibt. Dass man vielleicht berührungsängste hat ist eine Sache. Aber so mit ihnen umgehen ist absolut daneben und solche Menschen kann man auch sonst nicht mehr ernst nehmen.
Zum Glück habt Ihr in Schweden bisher bessere Erfahrungen gemacht und ich drücke feste die Daumen, dass sie Euch auch noch lange lange (für immer) erspart bleiben.

Liebe Grüße

Wiebke

Storstadstjej

Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Storstadstjej » 14. September 2007 19:27

Berührungsangst ist eines, solche Sprüche von sich zu geben ist aber nicht nur allerunterste Schublade, sondern zeigt deutlich die Kurzsichtigkeit und fehlende Wertevorstellung eines Menschen!

Aber Jana, Du bist nicht die Einzige, die sich soetwas anhören musste - habe eine Bekannte, die ein Kind mit Spina Bifida (angeborener Rückenmarksschaden, fehlende Feinmotorik und andere kleinere Besonderheiten) geboren hat. Mittlerweile ist die Tochter 18 Jahre und macht dieses Jahr Abitur machen und wird in Dänemark studieren. Auf D hat sie keine Lust. Auch wenn ich sonst immer sage, wer in der Heimat nicht klarkommt, wird im Ausland wahrscheinlich auch scheitern, so mache ich hier eine riesengrosse und meiner Meinung nach sehr vernüftige Ausnahme!
Jedenfalls hat sich tatsächlich jemand erdreistet sein "Beileid" in etwa so auszudrücken - "Ja schade, dass es zu der Zeit noch keine vernünftigen Untersuchungen gegeben hat, dann hättest Du's ja wegmachen lassen können" *sprachlos*

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Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon janaquinn » 15. September 2007 07:36

Hejsan,
nochmals Danke für eure netten und warmen Worte, ich habe sie Yannic vorgelesen und er hat sich sehr gefreut!

Berührungsängste; die hat jeder! Es ist absolut legitim und auch verständlich, viele Bekannte, welche uns das erste Mal besuchten, gaben im Vorfeld zu, diese zu haben. Meist hat sich das innerhalb von 10 min. gegeben, dann sind gestandene Männer und Frauen, welche aussahen, als wenn sie gerade der "Vouge" entsprungen wären, mit Yannic über den Boden gekrabbelt. Andere wiederrum gaben zu, das sie länger bräuchten, es ist nun mal einfach eine Hemmschwelle da. Aber alle empfanden eine tiefe Sympathie für Yannic, gaben zu, das er ein fazinierendes Kind ist.

Der Tochter deiner Bekannten wünsche ich auf jeden Fall alles erdenklich Gute, sie wird etwas vollkommen neues Kennenlernen, nämlich ein Leben ohne dumme Sprüche, ohne Angestarre und vorallem ein Leben, wo nicht ihre Besonderheit sondern ihr Wissen, Ihr Können, SIE als MENSCH zählt!

Diese dummen Sprüche sind leider auch absolut normal in D., es gibt leider auch noch immer Ärzte, die nach Feststellung der Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder ähnlicher "kleinerer" Behinderungen, den schwangeren Frauen zur Abtreibung raten. Oder aber die Frauen werden mit der Diagnose vollkommen allein gelassen!
Wir erfuhren es erst sehr spät in der Schwangerschaft, die Ärzte wußten nicht genau, ob es wirklich eine Behinderung ist oder nur eine kleine Abweichung in der Entwicklung. Wir bekamen die erhoffte Unterstützung! Die Oberärtztin und auch ein Assistensarzt sagten damals, selbst wenn Yannic eine leichte oder auch schwere Behinderung hat, wird er durch unsere Liebe ein absolut normales Leben haben,er wird eben immer etwas ganz besonderes sein!

Ich hatte schon mal geschrieben, das ich jeden Tag dankbar für meinen Sohn bin und das ist auch so! Denn ich habe gelernt, nichts für Selbstverständlich zu nehmen, wenn er sich auf die Füsse in Stand zieht, wenn er normales Essen zu sich nimmt, wenn auch püriert, wenn er einfach nur laut und glücklich lacht, weil er in die Schule gehen darf. Und vorallem das er viel ruhiger, zufriedener und glücklicher ist, seit wir in Schweden leben, einfach weil er merkt, das wir freier leben. Und weil er spürt, das er mit all seinen Besonderheiten trotzdem nur einer unter vielen anderen ist.

LG JANA
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Storstadstjej

Re: Krankenhaus verweigert teure Behandlung

Beitragvon Storstadstjej » 15. September 2007 10:09

Hej Jana,

freut mich, wenn sich Yannic freut :-) Natürlich bekommt er voll und ganz mit, wie Menschen sich ihm und seiner Familie gegenüber verhalten. Und es freut mich, dass er sich hier in Schweden willkommen und akzeptiert fühlt.
Ich werde Steffi deine Wünsche natürlich ausrichten - habe momentan einen engen Kontakt mit den Beiden und werde mit Fragen überschüttet, wie es denn ist wenn, man in einem skandinavischen Land lebt. Mütter machen sich ja naturgemäss Sorgen. *augenroll* Steffi ist ein tolles, starkes und herzensgutes Mädchen und ich mache mir gar keine Sorgen - sie wird ihr Leben definitiv meistern.
Was Berührungsängste angeht - davon sind sehr viele Menschen nicht frei, auch ich nicht, auch wenn ich meine an "anderen Stellen" habe. Es ist nichts ungewöhnliches, man ist immer vorsichtig vor etwas, was man nicht kennt. Aber es ist umso mehr bewundernswert, wenn man es selbst zugibt, sich den Ängsten stellt und dann aktiv daran arbeitet, diese loszuwerden.
LG in den "Süden"


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