Komisches Benehmen eines Lehrers....

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HeikeBlekinge
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Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon HeikeBlekinge » 10. Dezember 2013 17:33

Hej ihr, die an schwedsichen Schulen Kinder haben....

Letzte Woche hat mein Sohn (13) mir etwas erzählt was mir keine Ruhe lässt.
Irgendwie kamen wir auf seinen Sportlehrer zu sprechen und das dieser nicht akzeptieren wuerde
das mein Sohn, der an Asthma leidet, nicht immer eine so gute Kondition hat.
Im Laufe des Gespräches ergab sich, das alle aus seiner Klasse diesen Lehrer eh hassen wuerden.
Und das der steinalt sei und niemand wisse wieso der ueberhaupt noch unterrichte!
Ausserdem wuerde der Mädchen "anfassen", oder einige Mädchen hätten erzählt er fasse ihnen an den Po. Und etliche (Mädchen) hätte er schon wiederholt zum heulen gebracht.
Nunja, und das der Lehrer die Ruecken der Mädchen untersucht hätte ob diese grade seien... nur von Mädchen... Letzteres hätte er selbst miterlebt.

Ich wies meinen Sohn strickt an mit niemandem mehr darueber zu reden, denn schliesslich könne er nicht wissen was wahr ist und das Kinder auch grausam sein können wenn sie einen Lehrer vielleicht einfach nur nicht mögen... Das solche Geruechte, und das sind sie ja (noch?), Leben zerstören können!

Natuerlich lässt mir das Ganze keine Ruhe.
Das ist ein sehr brenzliges Thema - fuer jede Seite. Ich kann es nicht mit meinem Gewissen abmachen NICHTS zu tun. Aber was soll ich tun?

Redet man mit dem Kurator der Schule oder an wen wendet man sich bei einer so empfindlichen Sache? Wie seht ihr das mit den "Rueckraduntersuchungen" des Lehrers? Ist sowas ueblich??

LG von einer etwas ratlosen
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon stavre » 10. Dezember 2013 17:38

gibt es einen vertrauenslehrer an der schule?

Petergillarsverige
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon Petergillarsverige » 10. Dezember 2013 18:04

Es gibt in unseren Bereichen (Kirche) klar vorgeschriebene Vorgangsweisen.
Es muss eine Person geben, die in Fragen von Missbrauch ansprechbar ist.
Keine Rückmeldung an den Lehrer.
Alle Beobachtungen aufschreiben.
Den Rücken der Mädchen untersuchen? Das ist Sache eines Arztes, nicht des Lehrers. Dieser kann evtl., falls ihm Fehlhaltungen auffallen, dem Mädchen (Eltern) anraten zum Arzt zu gehen.
Seine Finger hat er bei sich zu behalten, den Po eines Mädchens darf er nicht berühren, zumindest mal nicht gezielt.
Mit den notierten Beobachtungen zum Beauftragten für Mißbrauch gegen. (ggf. Vertrauenslehrer)
Wenn hinreichende Verdachtsmomente vorliegen: Die Kinder zum Weinen gebracht, falls das keine Kinkerlitzchen sind, z.B. abwertende Bermerkungen, ist das Mißbrauch.
Wenn die Sache schwerwiegend ist, die Polizei einschalten und den Lehrer aus dem Dienst entfernen.

Was nicht sein darf: Kein Lehrer darf ein Kind schlagen.
Umgekehrt darf ein Lehrer nicht deshalb angeklagt werden, weil er "alt" ist.
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon AnJo » 10. Dezember 2013 18:24

Hej Heike!

Für medizinische/diagnostische Untersuchungen gibt es für gewöhnlich an den Schulen eine skolsköterska, von daher klingt das mit den "Rückgraduntersuchungen" für mich erstmal seltsam.
Aber es kann auch eine ganz normale Situation gewesen sein. Grundsätzlich ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Lehrer auf die Körperhaltung ihrer Schüler achten.

Ich denke, es ist wichtig, dass du mit jemandem an der Schule über die Sache sprichst, zu dem du Vertrauen hast - ob das der Klassenlehrer, der Kurator, die Skolsköterska oder der Rektor ist, ist dabei nebensächlich. Für alle dürfte nämlich ein ähnlicher Verhaltenskodex gelten: die Sache an den Rektor weiterleiten, der das Anliegen mit dem Sportlehrer direkt bespricht und ggf. weitere Maßnahmen einleitet.

Grundsätzlich haben alle Erwachsenen an der Schule eine "anmälningsplikt": beim Verdacht, dass ein Kind misshandelt wird (in der Schule oder Elternhaus) muss das an den Rektor weitergegeben werden, der sich wiederum um die Sache kümmern und evt. weitere Maßnahmen ergreifen muss.

Schwedische Kinder erlebe ich als sehr aufgeklärt (manchmal zu sehr) was sexuelle Gewalt und Pädophilie angeht. Allerdings nur sehr oberflächlich - sprich: sie wissen, dass sexuelle Gewalt etwas sehr Schlimmes ist und sie mit diesem Vorwurf viel Aufmerksamkeit bekommen und sehr große Mühlen in Gang setzen können.

Gleichzeitig können sie oft nicht beurteilen, welches "Anfassen" ok ist und welches nicht. Ein Kollege von mir ging neulich durch eine Schülertraube, die sich vor einem verschlossenen Klassenzimmer versammelt hatte um die Tür aufzuschließen. Dabei war Körperkontakt zu den Schülern (4. Klasse) nicht zu vermeiden und sofort riefen einige "ped!" (also pedofil).

Ähnlich erging es einer Kollegin, die einen Schüler unsanft an den Schultern festhielt, als der auf einen noch rollenden Bus zustürmte, um als erster an der Bustür zu sein. Das war keine Gewalt, das ist (hoffentlich) ein natürlicher Reflex, wenn ein Kind bei Glatteis auf einen fahrenden Bus zurennt.

In beiden Situationen waren andere Erwachsene in Sichtweite, die im Falle eines Falles als Zeugen hätten bestätigen können, dass es sich um Alltagssituationen und nicht um unangemessenes "Anfassen" handelte.
Aber ohne Zeugen hätten ein fantasiebegabtes oder auch nur sehr sensibles Kind und ebensolche Eltern aus diesen harmlosen Situationen ein Drama für alle Beteiligten machen können.

Ich will keinesfalls unterstellen, dass Dein Sohn ein solches Kind oder du eine solche Mutter bist. Du schreibst ja selbst, dass du dir der möglichen Konsequenzen für den Lehrer bewusst bist.

Trotzdem ist es natürlich wichtig für Dich (und die Schule) dass du mit Deinen Gedanken nicht alleine bleibst. Such dir eine Person an der Schule, der Du vertraust, wer und welche Aufgaben er/sie hat, ist in diesem Fall gleichgültig, das Vorgehen des Schulpersonals sollte das Gleiche sein, egal mit wem du sprichst. Für solche Situationen gibt es an den Schulen üblicherweise einen handlingsplan.

Viele Grüße und viel Erfolg in der Sache!
A.
Zuletzt geändert von AnJo am 10. Dezember 2013 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon HeikeBlekinge » 10. Dezember 2013 18:25

Ich habe eben mal dem Schulkurator eine Mejl geschickt.
Mal schauen, was die dazu meint.

Ein paar Bekannte die ich heute nachmittag fragte, meinten auf jeden Fall das ein "Untersuchen von Ruecken" niemals die Aufgabe eines Sportlehrers sei.

Ich bin sehr vorsichtig in diesen Dingen - wuerde niemals gegen jemanden ohne konkrete Verdachtsbestätigung angehen. Ist nun sowieso Sache der Schule oder ggfs der Polizei.
Leider habe ich es persönlich erlebt (als erwachsenes Opfer das vom angeheirateten Onkel angetascht wurde) das nicht der Täter angeklagt wurde, sondern ich als Netzbeschmutzer dastand. Ich bereue es bis heute, ihn nicht doch angezeigt zu haben! Aber die Familie hat mich halt dazu ueberredet.
Es war keine wilde Sache was er tat, aber allein der Vertrauensbruch den er da begang hat mich damals kräftig aus der Bahn geworfen. So eine Situation möchte ich keinem jungen Mädchen zumuten - egal ob manche Menschen vielleicht meinen Popofassen sei ja nix wildes.

Meinem Sohn will ich natuerlich ersparen da tiefer mit reingezogen zu werden.
Ich hoffe das geht gut.
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon HeikeBlekinge » 10. Dezember 2013 18:35

Danke Anjo!
Genau soche Bedenken gehen mir durch den Kopf.
Andererseits sollten den Kindern die evtl. nur herum erzählen er hätte sie an den Po gefasst, klar gemacht werden das so etwas sehr gefährlich und keinesfalls als Spass zu verstehen ist.

Zu viel Sensiblität gibt es meiner Meinung bei solch einem Thema nicht ;-)

Kindern oder Betroffenen sollten keine Ängste gemacht werden sich in so einer Sache zu melden.
Peters Vorschlag, dass der Lehrer erst einmal "beobachtet" wird, sehe ich als wesentlich besser an, als das der Rektor sofort mit ihm redet. Wäre ja klar, wie der im Falle eines Falles dann reagiert...
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon Petergillarsverige » 11. Dezember 2013 14:54

In solchen Fällen muss eine Rückmeldung an den Täter unbedingt vermieden werden. Der wird nämlich das Opfer sofort unter Druck setzen. Hat man aber echte Beweise in der Hand, kann der Täter ohne Umschweife sofort entfernt werden. Und auch nicht woanders mit Kindern eingesetzt werden.

In dem Fall hier geht es um Kinder von 13 Jahren. In dem Alter können die sich gut ausdrücken. Wenn der Lehrer den Jungen mit Asthma überfordert, könnte man, ohne jeden Andeutung zu den anderen Vorwürfen um ein von dem Schularzt und Rektor begleitetem Gespräch dem Lehrer die Situation schildern. Der Junge muss sich schonen dürfen.
Leider waren meine Eltern nicht sensibel und informiert genug um mich in meiner Situation als schwerhöriges Kind zu begleiten.
Bei dem Gespräch könnt ihr aber seine grundsätzliche Haltung (kooperativ oder nicht) herausfinden und seid ein gutes Stück weiter.
Man muss bei dem Gespräch keine Kanonen auffahren, sondern um ein Gespräch bitten um die Situation des Jungens zu klären.
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon meckpommbi » 11. Dezember 2013 19:53

ich finde das ist ein sehr guter vorschlag von peter
gruss birgit

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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon HeikeBlekinge » 11. Dezember 2013 21:33

Ist es absolut.

In erster Linie geht es aber nicht um meinen Sohn, sondern evtl. um die Belästigung anderer Schueler. Da werde kaum ich der passende Gesprächspartner sein.

Ich hoffe das ist jedem klar: Das ich nicht gegen den angehen will
weil er Sportkanonen bevorzugt und auf unsportlicheren Schuler rumhackt oder so.
So ein Problem - sollte es sich weiter ausprägen - könnte ich mit einer "Fliegenklatsche" lösen ;-)
Mir geht es um evtl. sexuelle Belästigungen Schutzbefohlener.
Da guck, oder besser hör ich, nicht einfach zu.

Die Kuratorin hat sich uebrigens noch nicht zurueckgemeldet.
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Re: Komisches Benehmen eines Lehrers....

Beitragvon Petergillarsverige » 12. Dezember 2013 11:16

Sicher, aber du hast die Möglichkeit dem Lehrer auf den Zahl zu fühlen. Das wäre wegen dem Asthma deines Sohnes relativ einfach und ihr seid ein Stück weiter.
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