Körpersprache

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Re: Körpersprache

Beitragvon Faxälva » 9. April 2009 16:15

Samweis hat geschrieben:
(Abgeschoben haben sie ihn trotzdem.)

Samweis



..., inzwischen ist er aber wieder da... ganz offiziell mit gueltigen Einreisepapieren, die fehlten wohl frueher...
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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 9. April 2009 16:46

Hallo Faxälva,

Faxälva hat geschrieben:..., inzwischen ist er aber wieder da... ganz offiziell mit gueltigen Einreisepapieren, die fehlten wohl frueher...

Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen, dass er es "geschafft" hat.

Aber was ich sagen wollte ist: In bezug auf Offenheit oder Toleranz nehme ich eine gewisse Zweideutigkeit oder gar Ambivalenz wahr (wie bei einigen anderen Themen in diesem Land auch).

Er ist beliebt, man setzt sich für ihn ein. Aber als vd von Nordea, SCA, Volvo etc. wäre er undenkbar.

Viele Grüße

Samweis

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Re: Körpersprache

Beitragvon Distriktläkare » 9. April 2009 21:41

HeikeBlekinge hat geschrieben:Wenn das jetzt also total anders herum ist als man es aus Deutschland kennt, fallen einem mal wieder die Schuppen von die Augen :lol:
DANKE Samweis fuer diesen erbaulichen Beitrag!
Werde mich demnächst mal immer so verhalten.

LG
Heike


Hehe, als ich hier in D as Landarzt angefangen habe, bin ich (natürlich) als gut erzogener Mensch immer zur "Haupteingangstür" gegangen und habe artig geklingelt. Da waren die Reaktionen meiner Patienten auch sehr unterschiedlich, zwischen "blankem Entsetzen" und völligem Unverständins. Wie ich erfahren musste, kommen nur der Pastor und der Tod (außer bei hohen Festen) durch die Haupttür. Im Normalfall geht man durch die Stalltür, dann durch die Küche in die Diele und ruft dann ein herzliches "moin", dann wird sich schon jemand melden. Fand ich auch erstmal sehr komisch, aber wenn man es so handhabt, gibt es keine Probleme. Insofern gibt es sowas auch (noch) in Deutschland, und wenn man das nicht weiß, hat man ein Problem auf dem platten Land.

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Re: Körpersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 10. April 2009 08:28

DESWEGEN haben also die schwedischen Häuser immer zwei, bzw. einen Vorder- und einen Nebeneingang! :lol:
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

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Re: Körpersprache

Beitragvon vinbär » 10. April 2009 11:00

Also bei den schwedischen Nachbarn hier bei uns wird geklingelt, dann wird einem die Tuere aufgemacht und je nachdem, ob´s passt oder nicht, wird man hereingebeten oder es wird offen gesagt, dass es eben gerade nicht passt. Genaus so wie ich es auch in Deutschland "gelernt" habe. Keiner wuerde auf die Idee kommen, einfach reinzuspazieren. Eingangstueren gibt es hier an jedem Haus eine, bei Abwesenheit abgeschlossen, mit Tuerklingel versehen. :)

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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 10. April 2009 13:30

Hallo vinbär,

vinbär hat geschrieben:Also bei den schwedischen Nachbarn hier bei uns wird geklingelt, dann wird einem die Tuere aufgemacht und je nachdem, ob´s passt oder nicht, wird man hereingebeten oder es wird offen gesagt, dass es eben gerade nicht passt. Genaus so wie ich es auch in Deutschland "gelernt" habe. Keiner wuerde auf die Idee kommen, einfach reinzuspazieren. Eingangstueren gibt es hier an jedem Haus eine, bei Abwesenheit abgeschlossen, mit Tuerklingel versehen. :)


Türklingeln?? Noll-åtta, va? :wink:

Nee, bei uns gibt's keine Klingel. Die Türen sind offen. Das heißt: "Komm rein."
Steckt der Schlüssel von außen, so heißt das: "Such mich im Stall."

Steckt kein Schlüssel aber es steht Gebäck auf dem Tisch und es ist Kaffee in der Maschine, so heißt das: "Bin gerade im Wald. Setz Dich, trink einen Kaffe und warte ein bißchen. Bin in spätestens drei Stunden wieder da."
(Letzteres findet man aber nur noch bei älteren Leuten und es nimmt in dem Maße ab, wie die Einbrüche zunehmen. Schade.)

Das hört sich ja fürchterlich zivilisiert an, wo Du wohnst. :wink:
Hier kümmert man sich noch um einander. D.h. wenn man eine Zeit nichts gehört hat, dann schaut man mal vorbei. Findet man den Bewohner nicht, dann sucht man ihn. Im Haus, im Keller, unter'm Holzstapel... Blutflecken an der Motorsäge? Nein. Hm, vielleicht sitzt er in der Badewanne?
Und wenn man ihn dort findet, ja, dann ist ja alles gut. :wink:

Im Ernst: Dass hier ein unangemeldeter Besuch ins Haus spaziert und, wenn er in der Küche nicht fündig wird, im Rest des Hauses nach Dir sucht, ist der Normalfall.
Ich habe schon mit meiner Frau in der Wanne gesessen und hörte jemanden die Treppe heraufkommen. "Oh - hast Du die Tür abgeschlossen?" "Nee - Du?" :shock:

Schöne Ostern

Samweis

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Re: Körpersprache

Beitragvon vinbär » 10. April 2009 17:45

Ne, nicht noll-åtta, es gibt auch ausserhalb Stockholm Tuerklingeln :wink: . Kuemmern tut man sich genau in dem Rahmen, wie man es in "freundschaftlich" guter städtischer Nachbarschaft eben tut.
Frohe Ostern ebenfalls :)

nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 14. April 2009 09:13

Hej Samweis,
Danke für deine Postings und deine Erfahrungen - spannend und aufschlussreich (das mit den offen stehenden Türen habe ich bisher noch nicht so erlebt. Wohne aber in Göteborg und nicht direkt auf dem Land.)

Zu deinen etwas OT-Bemerkungen:

Schließlich ist Fremdes per se auch interessant. Verbirgt man es, wird man eher uninteressant, aber dennoch kein "hiesiger".

S-nina hat geschrieben:
Allerdings habe ich auch gemerkt, dass sich die Schweden im Ausland ganz anders verhalten als zu Hause.
...
Sogar bei meinem Mann - in München hat es ihn nie gekümmert,

Eben. Er hat sich vielleicht gedacht: "Det qvittar mig lika, vad de tyskarna tror."
Statt den von vornherein erfolglosen Versuch zu unternehmen, ein Bayer zu sein, hat er vielleicht seine Karte der "Andersartigkeit" ganz offensiv gespielt?

Ich meine: Wie weltoffen sind denn die Schweden? Und sind sie darin wirklich so anders als andere Menschen?
Nyfiken sind sie. Ja. Und wie! (Vorsicht, unzulässige Verallgemeinerung...)
Aber weltoffen?


Bin gerade nach einem längeren Osterurlaub in Süddeutschland wieder in Schweden gelandet. Außer dem wärmeren Klima da unten - im Stuttgarter-Raum waren die Bäume schon ganz grün und alles hat geblüht - erschien mir auch dieses Mal die "Stimmung im Süden" um einiges heiterer und leichter als hier im Norden.

Irgendwie macht sich ein gewisser Stimmungsunterschied z. B. schon am Flughafen am Gate bemerkbar, wenn sich wie bei unserem Flug überwiegend Skandinavier versammeln: Es wird nicht mehr laut gesprochen oder mal gelacht, die Stimmung ist gleich viel gedämpfter und zurückhaltender. Niemand interessiert sich, so scheint es, für den anderen.

Das war wohl auch der Unterschied, den mein Mann in München gespürt hatte. Sicher hat er die "Andersartigkeits"-Karte gezogen. Aber im Unterschied zu Schweden, waren die Leute dort in München irgendwie interessierter und offener als hier im eher "verschlossenen Schweden". München ist im Vergleich eine internationale Großstadt, wo wirklich alle Nationalitäten vertreten sind - und das wirkt sich schon auf die Stimmung aus. Ich würde schon sagen, dass man "dort unten im Süden" weltoffener und auch toleranter ist als hier im Norden, wo man meiner Meinung nach Fremdes eher als "lästig" empfindet und sich im besten Fall gar nicht dafür interessiert. Also ganz banal gesagt: Weltoffen empfinde ich die Schweden nicht.

S-nina

Samweis
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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 14. April 2009 21:01

Hallo S-nina,

S-nina hat geschrieben: Weltoffen empfinde ich die Schweden nicht.

Nein. Sicher nicht. Auch wenn sie sehr gerne so scheinen wollen.

Sicher wirkt eine Großstadt erst einmal offener. Besonders auf jemanden, der "heimkehrt".
Ob das aber ein Farbiger oder ein Türke auch so sieht, lasse ich mal dahingestellt. Oder der "Sau-Preiss". :wink:
Ich habe mal bei Dresden gewohnt. Die Leute waren sehr nett und offen. So hat mich doch eine ältere Dame an der Bushaltestelle direkt angesprochen und mit mir gequatscht. Als ich den Mund aufgemacht habe, um zu antworten, war das Gespräch beendet. Ich konnte noch nicht sächseln.
Dann habe ich eine Weile im Schwabenland gewohnt. Ziemlich am Anfang wollte ich morgend Brötchen holen.
"Guten Tag."
Ein böser Blick, dann wurde der bedient, der nach mir reingekommen war und ordnungsgemäß "Grüß Gott" gegrüßt hatte.
Mist, da hättste ja auch dran denken können. Noch einmal:
"Grüß Gott. Ich hätte gerne drei Brötchen."
Noch ein böser Blick. Und wieder kam der nächste dran.
Ach ja, die Dinger heißen ja hier irgendwie anders... wie denn nur... Schrippen? Semmeln? Bullen? - Wecken!

Trotzdem wurde es in beiden Fällen noch eine schöne Zeit.

Ob die Menschen in Großstädten eher interessierter sind - oder eher vielleicht eher uninteressierter, so dass es ihnen egal ist, wie man spricht oder ausschaut? Ich weiß nicht...
Leicht ist es für einen "Fremden" wohl nie, und es ist nicht jedermanns Sache, die Karte der "Andersartigkeit" offensiv zu spielen und um die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu buhlen.
Wenn man dann noch unbewusst in irgendwelche Fettnäpfchen tritt oder auf "Einladungen" und Anknüpfungspunkte nicht reagiert, weil man die Signale nicht oder falsch verstanden hat, wird's frustrierend.
Wo der Urlauber noch meint: "Hier geht's ja ganz locker zu", da stößt der Auswanderer an Grenzen.

Viele Grüße

Samweis

Tommy3

Re: Körpersprache

Beitragvon Tommy3 » 14. April 2009 21:26

Hej,

ich kann Nina sooo gut verstehen. War selber gerade in D und habe diesen Kulturkreis sehr genossen. Habe nur freundliche Menschen getroffen, konnte in der Fleischerschlange scherzen und die Brötchenfachverkäuferin hat mit ein schönes Wochenende gewünscht - in S passiert das echt selten.


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