Körpersprache

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Stig Vox
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Re: Körpersprache

Beitragvon Stig Vox » 5. März 2009 23:59

[quote="tilmann"]Ich habe mal gehört, in Göteborg wohnen die freundlichsten SchwedInnen? ....

Das ist Quatsch, die nettesten Schwedinnen wohnen in der Umgenbung von Karlstad am Vänern..........dort gibbet auch die besten Partys :D :D

Tulipa
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Re: Körpersprache

Beitragvon Tulipa » 6. März 2009 21:53

S-nina hat geschrieben:
Elternversammlungen: die sind ein GRAUS! Alle sitzen da, keiner sagt irgendwas, alle gucken in eine andere Richtung. Wir kennen uns alle schon seit 9 Schuljahren - immer die gleichen Leute - immer der gleiche Ablauf bei den Elternversammlungen. Mein schwedischer Mann weigert sich da hin zu gehen ...
...


Also, Elternversammlungen finde ich eigentlich mehr inhaltlich so furchtbar: kaum brauchbare Informationen, wenige Fragen, keine Diskussion. Und das alles - habe ich ja auch schon mal geschrieben - so diskret leise, dass ich eh nur die Hälfte verstehe.
Ansonsten plaudern schon alle da irgendwie mit irgendwem in freundlicher Stimmung.
Für mich selbst habe ich übrigens einen Trick entdeckt, und seitdem geht es besser: Ich sehe mich um, wer ausser mir noch einsam und verloren da herumsteht und spreche ihn/sie dann gezielt an. Besonders 1-2 schüchterne Papas sind da gute Kandidaten, die richtig erfreut über meine Gesellschaft wirken.

Gestern während des Turnens wartete ich mit anderen Eltern in der Umkleide und auch da eine recht muntere Runde und mir gegenüber durchaus nicht unfreundlich. Aber ich merkte wieder, dass ich bei diesem Durcheinandergerede doch sprachlich nicht mithalten kann. Und irgendwie auch nicht inhaltlich.

Und, schlimmer, mir kam der Gedanke: könnte ich eigentlich in vergleichbarer DEUTSCHER Runde inhaltlich noch mithalten ? Manchmal denke ich, durch diese einsamen schwedischen Jahre wird man ja doch irgendwie weltfremd ... oder wie geht es euch dabei ?

LG
Tulipa
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nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 6. März 2009 22:11

Und, schlimmer, mir kam der Gedanke: könnte ich eigentlich in vergleichbarer DEUTSCHER Runde inhaltlich noch mithalten ? Manchmal denke ich, durch diese einsamen schwedischen Jahre wird man ja doch irgendwie weltfremd ... oder wie geht es euch dabei ?


Wie lange bist du denn schon in Schweden?

Weltfremd fühle ich mich eigentlich nicht. Dank Internet und deutschem Fernsehen bleibt man/frau ja irgendwie schon gut informiert. Außerdem reisen wir recht oft - mindestens 2 x im Jahr nach Deutschland und im Sommer meist in ein anderes Land ... das finde ich für mich und mein Leben wichtig.

Nur Schweden, nur schwedische Medien und nur schwedisches Kulturangebot fände ich schon etwas einseitig auf die Dauer.

Was bei mir wohl am meisten abgefärbt hat, das ist die Langsamkeit. Wenn ich nach einigen Monaten von Schweden z. B. nach München komme, dann kommt mir das Tempo dort einfach viel schneller vor und ich merke, dass ich da nicht mehr drin bin. Man/frau ist dann anfänglich auch die vielen Menschen überall nicht mehr richtig gewöhnt.

S-nina

Tulipa
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Re: Körpersprache

Beitragvon Tulipa » 6. März 2009 22:21

Ja, "weltfremd" ist vielleicht der falsche Ausdruck. Sicher kann man durch alle möglichen Medien an jedem Ort dieser Welt informiert bleiben.

Aber du weisst doch sicher selbst, worüber in so einer Runde geredet wird (oder auch nicht, wenn bei euch keiner etwas sagt :D ). Fällt dir etwas dazu ein, ausser deinem hochgeschätzten Fachwissen, was wir hier kennenlernen ? Und das will auch nicht unbedingt jeder beim Warten auf die Kinder hören.

Zusammenfassend: Mir gehen einfach oft die Gesprächsthemen aus, und das kann ich nicht unbedingt den SchwedInnen anlasten, die ich tagaus tagein so treffe.

Vielleicht gefällt es mir auch deswegen bei euch so gut, da fällt mir viel mehr ein :D , aber der Schritt in die virtuelle Welt bringts ja auch nicht allein, eller hur ?

LG
Tulipa
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nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 6. März 2009 22:46

Aber du weisst doch sicher selbst, worüber in so einer Runde geredet wird (oder auch nicht, wenn bei euch keiner etwas sagt ). Fällt dir etwas dazu ein, ausser deinem hochgeschätzten Fachwissen, was wir hier kennenlernen ? Und das will auch nicht unbedingt jeder beim Warten auf die Kinder hören.


??? - den Satz habe ich jetzt zweimal gelesen - aber ich muss sagen, ich stehe irgendwie auf der Leitung. Ich verstehe jetzt nicht, was du meinst ... außer, dass ich dir möglicherweise auf die Nerven gehe :?

Nö, mir fällt nichts dazu ein. Meistens schwätze ich, wenn ich Leute "im richtigen Leben" treffe, einfach so drauf los - irgendein Thema findet sich eigentlich immer. Ich überlege da nie groß vorher ... :D

S-nina

schwedenoma

Re: Körpersprache

Beitragvon schwedenoma » 6. März 2009 23:53

Hallo Rosemarie,
ich habe zwar ein sehr gutes Verhältnis zu den Schweden, aber ich Lebe wie ein Einsiedler. Habe zwar ein sehr inniges Verhältnis zu meinen unmittelbaren Nachbarn, aber das war es schon. Alle Kennen mich hier in der Umgebung, aber ich Kenne sie nicht. Auch ist es bei den Schweden so, wenn es etwas umsonst gibt, sind sie alle da. Regelmäßig habe ich immer meine Umgebung eingeladen, habe sogar dafür Nachts in der Küche gestanden Kuchen gebacken und Essen vorbereitet
um ein herzliches Verhältnis zu meinen Nachbarn aufzubauen. Gelungen ist es nur zu meinen unmittelbaren Nachbarn. Dort geht es sogar soweit, das ich zur Familie gehöhre. Sehr oft wird mein Nachbar von seiner Frau zu mir geschickt, er soll schauen, was Peter macht. Auch kommt sein Schwiegersohn regelmäßig zu mir. Auch veranstalten wir regelmäßig im Sommer Grillabende. Auch werde ich zu Weihnachten eingeladen. Auch interessant, wie die Schweden Weihnachten feiern.
Selbst zu Silvester werde ich regelmäßig eingeladen in die Kirche. Meine Nachbarin macht mir auch Mut: Es gibt auch Kaffee und Kuchen in der Kirche. Da ich aber nichts am Hut mit der Kirche habe, feiere ich lieber allein bei schöner Musik und einem Glas Sekt oder auch Zwei, Silvester allein.
Ich habe mich an mein Leben allein gewöhnt. Das hat auch was mit meiner Krankheit zu tun. Ich würde noch heute gern arbeiten gehen, doch ich kann es nicht.
Dafür habe ich mich aber für ein Leben in Schweden entschieden. Ein Leben in der Natur, ohne Stress und Hektik, ein eigenes Heim zu haben, nicht wie in Hamburg zu Leben in einem Wohngetto mit 128 Wohnungseinheiten, wo ich noch türkisch, polnisch und andere Sprachen lernen müßte?
Auch sollten viele Bedenken, mein letzter Arbeitstag war am 04.09.1995. Viele Dinge sehe ich von einer anderen Seite. Mit meinem Arbeitskollegen, der ein Ferienhaus in der Nähe von Perstorp hat, mit dem ich mich regelmäßig treffe, der geht mir zum Teil auf die Nerven. Er kennt immer nur seine Arbeit. Ich kann es zum Teil verstehen. Aber ich Lebe in einer Welt?
Ich komme immer wieder von eins ins andere. Bitte entschuldige?
Lass uns lieber über den Frühling reden. Hoffentlich kommt er bald? Alles andere kann uns doch nicht erschüttern?
Peter

tinil

Re: Körpersprache

Beitragvon tinil » 7. März 2009 22:02

Das kenne ich auch!
Sowohl diese Elternabende als auch diese "Einsamkeit" und das Gefühl nicht ganz dazu zu gehören. Wenn ich einen schlechten Tag habe geht mir eine Freundin ab. Nicht dass ich keine Freunde hätte in Schweden, jede Menge, aber mir fehlt doch jemand, der mich wirklich gut kennt und vielleicht sogar deutsch spricht. Auch das Gefühl nirgends richtig zu Hause zu sein überfällt mich manchmal. In Schweden fehlt mir die Umgebung meiner Kindheit und in Österreich fehlt mir ein grosses Stück meines Erwachsenenlebens. Das hat weniger mit Sprache zu tun, eher mit Gefühlen und Erinnerungen.

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Re: Körpersprache

Beitragvon Tulipa » 7. März 2009 22:44

Guten Abend, hier spricht heute mal Rosemarie :)

Danke dir, lieber Peter und dir, liebe Tinil, für eure Antworten.

Und
S-nina hat geschrieben: Ich verstehe jetzt nicht, was du meinst ... außer, dass ich dir möglicherweise auf die Nerven gehe :?
S-nina


selbstverständlich nicht, liebe S-Nina !
Manchmal habe ich eben den Eindruck, hier in Schweden alles zu verlernen, was ich früher mal gut konnte. Aber vielleicht hat das auch einfach mit veränderten Lebensumständen, zunehmendem Alter usw. zu tun; und gar so schlimm ists ja meistens auch nicht :)

Angesichts dieser Länder-Diskussion hier sollten wir uns aber auch immer mal wieder an die eigene Nase fassen. Und nicht nur überlegen, wo es nun besser oder schlechter ist, sondern auch, wo WIR persönlich gut oder weniger gut sind ... :)

LG
Tulipa
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nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 8. März 2009 11:54

Hier eine kleine Geschichte - nicht ganz off-topic - nur ein bisschen:

Gestern waren wir bei Freunden eingeladen. Dort lag eine Zeitschrift des schwedischen Fachübersetzerverbandes (SFÖ) rum, in der ich etwas geblättert habe. Auch dort wurde das Thema Bullerbüsyndrom angesprochen. Es gab einen kleinen Bericht einer Schwedin, die in Deutschland lebt und ihre Eindrücke sowie einige kulturellen Unterschiede beschreibt - und ich muss sagen, das war auch mir ABSOLUT NEU:

frei übersetzt - im Original ist der Text auf Schwedisch - Facköversättaren 1/09 - Tyskland 2 - Titta in?

Kommt doch mal vorbei
Die Deutschen sind in der Regel direkter als die Schweden. Oder man könnte sagen, wir drücken uns diplomatischer aus. Wenn ein Schwede aus purer Höflichkeit sagt "Kommt doch mal vorbei, wenn ihr in der Nähe seid (titta in någon gång om du har vägarna förbi) dann vermute ich, dass die meisten Schweden darauf antworten würden "Sicher, das werde ich gerne mal tun" (visst, det ska jag försöka) aber beide wissen, dass daraus wahrscheinlich nie was wird. Und niemals, ohne vorher anzurufen.
Für einen Deutschen bedeutet dies eine stehende Einladung und er nutzt gerne die Gelegenheit, einfach mal so an der Tür zu klingeln. Die Deutschen mögen keine "leeren Höflichkeitsfloskeln". Sagt ein Deutscher, dass du willkommen bist, sagt ein Deutscher, dass er/sie kommt, dann tut er/sie das auch. Im Guten wie im Schlechten so sind die Deutschen besser darin, Kritik auszuteilen aber auch einzustecken. Sie sagen, was sie denken und meinen, wobei wir Schweden oft "verpacken" oder "schweigen".


Dass das mit dem "kommt doch mal vorbei" auch nur eine Floskel ist, kam für mich auch sehr überraschend - ich habe das natürlich selbst schon öfters zu Leuten gesagt, aber ich habe das immer auch so gemeint ... :?

Was daran diplomatisch sein soll, wenn man etwas sagt und eigentlich etwas ganz anderes meint, kann ich auch nicht nachvollziehen. Eine solche Art führt doch eher zu Missverständnissen und Konflikten, besonders wenn die Gesprächsteilnehmer aus verschiedenen Kulturen stammen und die jeweiligen "Codes" nicht kennen - Diplomatie sollte doch auch eher auf Wahrheit basieren, finde ich.

S-nina

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Re: Körpersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 8. März 2009 13:51

Klasse Nina!
Was fuer ein Glueck, das Du das gefunden hast. Es bestätigt und erklärt total dieses Verhalten der Schweden, an dem so mancher verzweifelt und sich die Haare rauft.
Ich habe lange ein etwas schlechtes Gewissen gehabt was eine solche Bemerkung meiner Nachbarn anging. Wir konnten dieser "Einladung" aus diversen Gruenden nicht nachkommen. Kann ich also getrost vergessen.
Nun kann man damit umgehen.
Und ich werde damit umgehen!
Wenn das nächste Mal ein Schwede so zu mir spricht, weise ich deutlich auf die Mentalitätsunterschiede hin und erkläre, was solch eine "Einladung", die im schwedischen wohl keine ist, fuer einen Deutschen bedeutet und das er schwer damit umgehen kann.
Das sollte alles klar stellen. Evtl. erschreckt der eine oder andere dann, aber so schnell wird eine solche "Einladung" dann sicher nicht mehr ausgesprochen. Ausser sie ist dann wirklich ehrlich. Gelle?

LG
Heike
www.lilla-koksgarden.se


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