Körpersprache

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Imrhien
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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 22. April 2009 19:39

Zum gleichen Verein aber mehr zum Körper zurück.

Besonders lustig und für manche entwürdigend fand ich die Veranstaltung zum Auftakt des Schuljahres nach den Weihnachtsferien. Da kamen 2 junge nette Frauen von der KOmmune, ich hab vergessen wie der Titel war aber sie machen was mit Gesundheit und Ernährung. Eigentlich eine tolle Sache. Ich dachte, wow, die machen mal was. Vielleicht gibts jetzt ne tolle Schulung oder mehr Obst oder was weiss ich. Neee. Es gab für alle anwesende eine Pflichtsportstunde. Ok, es waren nur 10-15 Minuten. Aber man muss sich mal vorstellen: Da waren etwa 100 Leute aus rund 40 Nationen in Winterkleidern, meist noch Jacken und machten die Frühgymnastik mit, die vorne auf der Bühne vorgemacht wurde. Unglaublich lächerlich. Es wurde auch noch fotografiert um es dann schön auf der Stadtinternen intranetseite zu zeigen. Klasse, oder?
Wenn man bedenkt, dass gemeinsamer Sport nicht in allen Kulturen zum Alltag gehört und mancher auch einfach sowas nicht mag, dann finde ich das unglaublich rüchsichtslos und unsensibel. Sich dabei dann auch noch einzubilden, dass man was Gutes für die Belegschaft gemacht hat und deren Gesundheit gefördert hat, das grenzt für mich an... mir fehlen die WOrte.
Bin jedenfalls froh, dass ich bei sowas nicht mehr mitmachen muss. Dafür hab ich nicht mehr genug Stunden.

Noch was tolles aus dem Verein:
Die haben im Dezember allen Angestellten mit Vertrag, also nicht wie ich stundenbasis, sondern Prozentvertrag, eine mail geschrieben, dass alle Stellen neu ausgeschrieben werden. Da alle ja immer nur vom ersten bis zum letzten Schultag angestellt sind und in den Ferien nicht, geht das problemlos. Die Verträge laufen ja aus. Bisher war es üblich, dass es automatisch weiterläuft. Sie sagen auch, dass das wieder so ist und dass das nur ist, damit sie mehr Sicherheit haben. Man kann sihc aber die UNsicherheit bei vielen vorstellen. Bekomme ich nach den Ferien meinen Job noch? Wollen sie womöglich was am Gehalt drehen? Die Ängste und der Ärger, gerade bei Leuten, die da schon lange arbeiten und drauf angewiesen sind, waren sehr hoch. Nicht gerade einfühlsam... Dabei sollte man das gerade bei solchen Leuten in den Positionen erwarten können.

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Re: Körpersprache

Beitragvon Aelve » 22. April 2009 19:49

Liebe Wiebke,

es gibt immer Leute, die wollen sich selber groß machen, indem sie andere erniedrigen. Um solche Person scheint es sich zu handeln, von der Du berichtest. Dann habe ich auch festgestellt, dass - genau wie Du es sagst - gerade die Personen, die so tun, als ob sie besonders aufgeschlossen sind oder auch besonders ordnungsliebend, es gerade nicht sind.
Das Phänomen habe ich auch schon sehr oft bemerkt. Ich bekomme dann auch solch bitteren Beigeschmack, wenn ich denke, na, die hat es gerade nötig. Kannst Du nicht einfach mal zu ihr - natürlich sehr freundlich - sagen, bei ihrem Wissen und ihrem Posten hätte ich geglaubt, dass sie weltoffener sind.

Ich kann mich oft bei solchen Leuten nur schlecht zurückhalten, ihnen auch mal zu sagen, dass sie nicht richtig liegen.
Manchmal glaube ich, dass für solche Posten Leute ausgesucht werden, die gar nicht so ausländerfreundlich sind, denn das habe ich auch schon erlebt, dass sie gegen diese Leute, für die sie sein sollten, waren. Z.B. habe ich es selbst erlebt bei einem Legastheniebeauftragten, dass er gerade gegen Legastheniker war, also ein Antilegasthenikerfreund. Da blieb mir auch die Spucke weg, ich würde ihm am liebsten heute noch sagen, was ich von solcher Machenschaft halte.

Grüße Aelve
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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 22. April 2009 20:00

Weisst Du, in dem Fall ist das Schlimme, dass diese Person sich selbst überhaupt so ganz und gar nicht als ausländerfeindlich auffasst. Ich glaube, es ist einfach das Feingefühl das da fehlt. Dieser Mensch würde von sich selber sagen, dass er weltoffen ist und glaubt es auch noch. Ich bin fest überzeugt, dass das niemand ist, der im eigentlichen Sinne gegen Ausländer ist. Absolut nicht. Dass es auch Grauzonen gibt, scheint hier völlig unbekannt zu sein in diesem Falle.
Ich habe aber eh schon einen schlechten Stand da, weil ich meinen Mund zu wenig halte :) Werde also nicht noch mehr sagen... Überhaupt... die Deutschen haben da einen schlechten Ruf. Sowohl die Eltern als auch die Lehrer. Die würden sich immer so lautstark äussern und ihre Rechte einfordern. Das wird dann zwar in manchen Situationen als positiv rausgestellt, man hört aber förmlich den Seufzer und den Ärger raus. Meine Vorgängerin, die mir in ihrem Beisein auch als besonders duktig dargestellt wurde, wurde dann nachdem sie weg war, auch nicht mehr so nett betitelt. Natürlich wollte keiner wörtlich was schlechtes über sie sagen. Es ist so wie wenn ein Chef schreibt: dass sich jemand stets bemüht hat und sehr kommunikativ war. Es klingt freundlich und alle wissen was gemeint ist. So kommt auch hier ein Lob oft nicht so an wie es klingen mag.

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Re: Körpersprache

Beitragvon tjejen » 22. April 2009 20:59

Samweis hat geschrieben:Allerdings sprechen die von Dir angeführten Regeln auch dafür, dass man als "outsider" aus einem Schweden wenig herausbekommen wird, d.h. der Versuch, über die Mentalität zu diskutieren, nicht unbedingt glückt.

Wenn ich mit Leuten mit Migrationshintergrund rede, rede ich von "Outsider" zu "Outsider" und gewinne wenig Insider-Informationen.

Mit Leuten mit Migrationshintergrund meine ich schon die, die in Schweden sozialisiert worden sind (also entweder geboren oder in jungen Jahren hergekommen), aber dennoch eine andere Erziehung von zuhause dabeihaben. Ich sprach auch nicht von Insiderinfos sondern bezog mich auf Erfahrungsaustausch, also das gleiche, was wir hier auch machen.

Versteh mich nicht falsch, ich mach auch ganz gerne mal soziale Experimente (hab einen ganzen Korridor voll Forschungsobjekte), aber manche Dinge musste ich einfach lernen zu ignorieren ;)

---

zu den Anekdoten von Imrhien:

So Ähnliches habe ich auch erlebt, als ich mit den Verantwortlichen für die Zulassung der internationalen Masterstudenten an meiner Hochschule an einem Tisch sass. Ich dachte aber, dass viele der Vorurteile (dabei ging es eher um wie die Menschen sich verhalten als um deren Länder) auf Erfahrungswerten beruhen. Das dies zu ungesunden Verallgemeinerungen führt ist klar, aber leider wohl nicht unvermeidbar.

Zum Glück (erstaunlicherweise?) habe ich bei den schwedischen Studenten (ich bin in dem Falle einer von ihnen), die sich für die internationalen Studenten engagieren, solche Dinge noch überhaupt nicht (!) feststellen können. Es gibt also Hoffnung?
Gnäll suger, handling duger.

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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 23. April 2009 12:21

Weisst Du, es ist ja eigentlich normal. Jeder, oder fast jeder hat und pflegt seine Vorurteile. Wenn man lange und viel mit anderen Nationen zusammenarbeitet, merkt man irgendwann welche Klischees stimmen und welche nicht. Dagegen habe ich nichts. Ich habe auch Nationen mit denen ich besser kann und welche mit denen ich weniger gut kann. Das heisst ja nocht nicht, dass man pauschal alle Menschen, die von da kommen verutreilt. Was ich eigentlich so schlimm finde hier, ist die Tatsache, dass damit so unsensibel umgegangen wird. Wieso sagen sie Sachen, wenn ich dabei bin? Oder auch andere und womöglich auch die, die es betrifft. Das finde ich schlimm. Es ist ja nicht nur bei Ländern so, in dem Fall. Hier wird auch einfach über Leute abgelästert, und zwar im Beisein von anderen Kollegen. Das finde ich schlimm. Da ich das in meiner ersten Woche so erlebt habe, traue ich denjenigen nicht mehr über den Weg. Wieso sollte ich auch ein Lob von der Seite ernst nehmen, wenn ich sehe, wie andere niedergemacht werden, nachdem sie gelobt wurden.
Das geht mir nihct ganz in den Schädel. Warum erst loben und nicht einfach den Mund halten? Und warum dann öffentlich lästern? Es geht hier um Führungspersonen. Nihct um andere Kollegen. Das wäre schon schlimm genug. Aber ein Chef sollte doch einfach wissen was er laut sagen kann und was nicht...

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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 23. April 2009 15:08

Hallo,
Imrhien hat geschrieben:Weisst Du, es ist ja eigentlich normal. Jeder, oder fast jeder hat und pflegt seine Vorurteile. Wenn man lange und viel mit anderen Nationen zusammenarbeitet, merkt man irgendwann welche Klischees stimmen und welche nicht.

Ich glaube nicht, dass es die Klischees sind die stimmen (nämlich wenn mit Klischees gemeint ist: Der Mensch aus... ist so, und der Mensch aus ... ist anders.)
Meiner Ansicht nach hat sich der Mensch seit der frühen Steinzeit nicht mehr verändert und ist überall gleich.

Es gibt nur "ein paar" Kommunikationsprobleme, weil
1. beiderseits bekannte Begriffe unterschiedlich besetzt sind,
(z.B. Eleganz schreibt sich auf Französisch wie auf Englisch gleich. Aber eine elegante Problemlösung sieht
französisch ganz anders aus als amerikanisch. Oder man unterhält sich mit einem Amerikaner über den Begriff
Freiheit. Auf Schweden bezogen fällt mir leider gerade kein tolles Beispiel ein.)
2. beiderseits anerkannte Werte unterschiedlich priorisiert werden
Freiheit, Ehrlichkeit, Fleiß, Verantwortung, ... alles wichtig. Aber was ist wichtiger?
Wertmaßstäbe sind eben nicht starr und auch nicht "natürlich" sondern "vereinbart".
In Schweden finde ich z.B. ist das Gleichgewicht Wohl der Gesellschaft/des Staates zum Wohl des Einzelnen auf, hm, interessante Art und Weise verschoben.

Mit all' dem kann ich leben, auch wenn's manchmal schmerzhaft sein kann.
Imrhien hat geschrieben: Wieso sagen sie Sachen, wenn ich dabei bin? Oder auch andere und womöglich auch die, die es betrifft.

Das aber ist für mich eine andere Kategorie und hat m.E. nichts mit Sitten und Gebräuchen, anderen Wertmaßstäben oder Kommunikationsfehlern zu tun. Für mich sind das echte menschliche Fehler, die mit der Nationalität nichts mehr zu tun haben. In jedem Land sammeln sich die hirn- und erfolglosen, um ihr Gruppengefühl auszuleben und sich jemanden zu suchen, der schwächer scheint.

In Schweden ist es mir schon einmal passiert (OK, das ist 30 Jahre her), dass Kinder unter dem amüsierten Grinsen ihrer Eltern mit dem H... H... Gruß hinter mir hergelaufen sind. Typisch schwedisch? Hoffentlich nicht.
Typisch Idioten. Ja.

Imrhien hat geschrieben: Aber ein Chef sollte doch einfach wissen was er laut sagen kann und was nicht...

Kennst Du das Peter-Prinzip? http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip
Oder noch schlimmer: das Dilbert-Prinzip? http://de.wikipedia.org/wiki/Dilbert-Prinzip
Es gibt gute Führungskräfte und schlechte. Auch in Schweden.

Viele Grüße

Samweis

nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 23. April 2009 16:45

Samweis hat geschrieben:Es gibt nur "ein paar" Kommunikationsprobleme, weil
1. beiderseits bekannte Begriffe unterschiedlich besetzt sind,
(z.B. Eleganz schreibt sich auf Französisch wie auf Englisch gleich. Aber eine elegante Problemlösung sieht
französisch ganz anders aus als amerikanisch. Oder man unterhält sich mit einem Amerikaner über den Begriff
Freiheit. Auf Schweden bezogen fällt mir leider gerade kein tolles Beispiel ein.)

Ich weiß nicht, ob das nun ein gutes Beispiel ist - das passiert mir zumindest in Schweden häufiger - und zwar, wenn ich etwas lauter sage:

"Ich fühle mich heute unheimlich gestresst, hasse alles, außerdem werde ich gleich wahnsinnig ...

Früher in meiner Arbeit in Süddeutschland hat das irgendwie nie irgendwelche Besorgnis ausgelöst. Mein Chef hat mir höchstens mal geraten, das mit dem "Wahnsinnig werden" noch eine Weile rauszuschieben, zumindest bis nach Büroschluss ... :wink:

Dort wurden solche oder ähnliche Äußerungen meinerseits eher als "südländisches Temperament" ausgelegt und ich hatte nie Probleme damit. Hier in Schweden vermeide ich - wenn möglich - solche "Temperamentsausbrüche" tunlichst, denn es ist schon öfters vorgekommen, dass ich dann wohlmeinende Ratschäge bekam, ich sollte doch professionelle Hilfe in Form von Psychologengesprächen oder Lebenshilfecoaches suchen, wenn es mir nicht gut geht ... :roll:

Also was in Bayern/Süddeutschland ein simpler Temperamentsausbruch sein kann - wird hier im kühlen, nach außen immer so gefassten, beherrschten Skandinavien als "behandlungsbedürftig" eingestuft.

Was Wiebke erzählt, kann ich teilweise auch nachempfinden und das habe ich in ähnlicher Form auch schon erlebt. Ich finde es ist schon ein bisschen "typisch schwedisch", dass man sich einfach aufgrund des gemeinhin so verstandenen Umstandes: "Schweden ist fantastisch" - als etwas "Besseres" fühlt. D. h. alle Ausländer, die nach Schweden kommen, sollten sich dann hier erst mal den Sitten und Gebräuchen zu 100 % anpassen, wenn nicht sogar "unterordnen".

Ich hatte bisher noch nie das Gefühl, dass man sich hier gerne von Ausländern "inspirieren" lässt - Ausnahme vielleicht von Trends aus dem anglosächsischen Raum.

Manchmal empfinde ich es eher so, als würde man von schwedischer Seite als "armer Ausländer" eher von oben herab belehrt oder bemitleidet werden.

S-nina

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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 23. April 2009 18:45

Hallo S-nina,

S-nina hat geschrieben:"Ich fühle mich heute unheimlich gestresst, hasse alles, außerdem werde ich gleich wahnsinnig ...

Naja, schon alleine, dass Du so eine persönliche "Schwäche" eingestehst (und nicht etwa eine allgemeine, unpersönliche), weckt da sicher schon die schlimmsten Befürchtungen... :wink:

S-nina hat geschrieben:wohlmeinende Ratschäge bekam, ich sollte doch professionelle Hilfe in Form von Psychologengesprächen oder Lebenshilfecoaches suchen, wenn es mir nicht gut geht ... :roll:

Ja, hilfsbereit sind sie, gell? :wink:

S-nina hat geschrieben:
Ich hatte bisher noch nie das Gefühl, dass man sich hier gerne von Ausländern "inspirieren" lässt - Ausnahme vielleicht von Trends aus dem anglosächsischen Raum.

Das Kleine-Land-Syndrom.
Ist das nicht schon im Kindergarten so?
Die Kleinsten krähen am lautesten, damit sie auch gehört werden, wollen sich von niemandem etwas sagen lassen - außer vom "Stärksten". An den hängen sie sich und eifern ihm in allem nach.
Warum sollten sich Erwachsene von etwas trennen, das sie so früh gelernt und geübt haben und wenigstens halbwegs beherrschen?

Viele Grüße

Samweis

P.S.: Inspirieren läßt man sich ja schon. Im Fastfood-Bereich (da möchte man ja auch keine Spitzenposition) von Thailand (Schwellenland) und Mexico (Schwellenland). Und glaubt wahrscheinlich, dass die dort wirklich so ulkiges Zeugs essen... :wink:

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Re: Körpersprache

Beitragvon blueII » 24. April 2009 08:36

S-nina hat geschrieben:
"Ich fühle mich heute unheimlich gestresst, hasse alles, außerdem werde ich gleich wahnsinnig ...

Früher in meiner Arbeit in Süddeutschland hat das irgendwie nie irgendwelche Besorgnis ausgelöst. Mein Chef hat mir höchstens mal geraten, das mit dem "Wahnsinnig werden" noch eine Weile rauszuschieben, zumindest bis nach Büroschluss ... :wink:



Hihi, kommt mir sehr bekannt vor und ich kann von zwei sehr gegensätzlichen Reaktionen berichten.

Bei denen - ich nenne sie mal bodenständigen Inselbewohnern - löst es eigentlich Verständnis aus oder ein schmunzeln...je machdem wie man den Spruch hervorbringt

In der abgehobenen Welt meiner Nachbarschaft---den zugeschleckten Göteborgern -- würde ich es mir nicht wagen so eine Bemerkung fallen zu lassen. Gehört sich es doch nicht, obwohl um 7 Uhr das Haus verlassen zu haben um seinen Karrierejob nachgegangen zu sein, abends um 6 die Kinder aus der Frittids geholt zu haben, sein gestyltes Haus gesäubert zu haben und ein entsprechendes Essen gezaubert zu haben...sich irgendwie zu beklagen...die Frisur sitzt...und man ist ja so duktig. :roll:

Absolut normal ist es, in dieser Welt sich zu beklagen, dass die 3-5 jährigen Kinder aufsässig sind und ihre Mutter im Streit öfters gerne "döda" wollen....tja scheinbar doch nicht alles so entspannt, wenn die Kleinen so extrem auf etwas reagieren, scheint ja doch "was in der Luft zu liegen" :twisted:

in diesen Momenten bin ich froh auf "zwei" schwedische Welten zurückgreifen zu können.

Lg heike
......die gerne mal aus den Socken springt :wink:

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Re: Körpersprache

Beitragvon sommarida » 24. April 2009 09:10

S-nina hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob das nun ein gutes Beispiel ist - das passiert mir zumindest in Schweden häufiger - und zwar, wenn ich etwas lauter sage:

"Ich fühle mich heute unheimlich gestresst, hasse alles, außerdem werde ich gleich wahnsinnig ...

Früher in meiner Arbeit in Süddeutschland hat das irgendwie nie irgendwelche Besorgnis ausgelöst. Mein Chef hat mir höchstens mal geraten, das mit dem "Wahnsinnig werden" noch eine Weile rauszuschieben, zumindest bis nach Büroschluss ... :wink:

Dort wurden solche oder ähnliche Äußerungen meinerseits eher als "südländisches Temperament" ausgelegt und ich hatte nie Probleme damit. Hier in Schweden vermeide ich - wenn möglich - solche "Temperamentsausbrüche" tunlichst, denn es ist schon öfters vorgekommen, dass ich dann wohlmeinende Ratschäge bekam, ich sollte doch professionelle Hilfe in Form von Psychologengesprächen oder Lebenshilfecoaches suchen, wenn es mir nicht gut geht ... :roll:

Also was in Bayern/Süddeutschland ein simpler Temperamentsausbruch sein kann - wird hier im kühlen, nach außen immer so gefassten, beherrschten Skandinavien als "behandlungsbedürftig" eingestuft.
S-nina


Hej,

die Frage kann aber auch sein: Woher sollen die Bewohner des "kühlen" Skandinaviens wissen, wie dein Ausbruch zu werten ist?
Ich gebe die Frage nur weiter. Sie kommt von meiner Freundin, geboren und aufgewachsen hier, kennt andere Kulturen nur vom Urlaub. Wir haben hier gestern Abend gelesen, nur die letzten Seiten. Und u.a. kam diese Frage bei ihr auf.

Auch sprachen wir darüber, wie man eine andere Kultur erleben kann. Der Tenor: Schweden sind neugierig, aber "verhalten neugierig". Deutsche werden ( in meiner Umgebung) eher als "offen neugierig" empfunden. Meine Freundin meinte auch, dass sie es ungewöhnlich empfindet, wie sehr man (hier im Forum) darüber nachdenkt, wie man die Schweden besser verstehen kann, sich besser anpassen kann. Seid ihr unzufrieden mit dem, WIE ihr seid?
Wie soll man also auf so einen Ausbruch (siehe Zitat oben) reagieren, wenn man denjenigen, der ausbricht, nicht wirklich kennt und auch von seiner (süd)deutschen Kultur keine Ahnung hat. Auf mich als Norddeutsche wirken Süddeutsche auch ziemlich laut, ständig fluchend, oft schlecht gelaunt....etc. Wie reagiert man da?

Elin und ich sind Freunde seit 15 Jahren. Wir haben nie darüber nachgedacht, warum wir Freunde sind. Es kam einfach so. Wir helfen uns auch gegenseitig, Worte richtig anzuwenden. Denn genau, wie Samweis sagt, gibt es zuviele Worte, die gleich sind, aber anders augefasst werden.
Wenn ich zu meinen Kindern sage, dass ich will, dass sie die Verantwortung für das tragen können, was sie tun, dann meine ich damit das Ganze, immer und ständig.
Sagt Elin das zu ihren Kindern, meint sie genau diese Situation, jetzt und hier.

Ich denke nicht soviel über Hintergründiges nach. Die schwedische Kultur ist anders als meine (nord)deutsche. Ich bin mir dessen bewusst.

hälsningar
Ida
Det ä int så lätt å förklara för nån som int begrip... - Ingemar Stenmark


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