Körpersprache

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Tulipa
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Re: Körpersprache

Beitragvon Tulipa » 21. April 2009 22:15

vinbär hat geschrieben: wenn man sich ständig um Kontakte bemueht, das Haus z.B. voller schwedischer Kinder hat, diese mittags mit nach Hause nimmt, zwar die Meldung bekommt, dass sie gerne zu uns kommen, aber irgendwie selten eine Gegeneinladung kommt.


Wie schon angesprochen, scheitert das sicher u.a. an der Zeit/Kraft/Lust, abends deswegen zu telefonieren.

Und für die anderen Eltern ist es vermutlich einfacher und absehbar komplikationsloser, ihre Kinder bis zur gewohnten Abholzeit im Dagis/Fritids zu wissen, egal wie gern diese zu anderen Leuten gingen.

Ich rufe selbst abends Eltern nur an, wenn etwas besonderes anliegt. Aber da ich unsere Kinder regelmäßig am frühen Nachmittag hole, wollen häufig andere spontan zum Spielen mitkommen. Das paßt uns auch meistens, aber dann müssen wir eben erst deren Eltern in der Arbeit erreichen und mit denen herummachen, wann abholen/zurückbringen usw. Daß die das etwas nervt bzw. alle es zumindest umständlich finden, verstehe ich schon. Wenn die auch nur mit wirklichem Grund nein sagen und recht erfreut tun. Und ich sage immer mein Sprüchlein "war so schön und gern mal wieder und es paßt fast immer" und trotzdem kommt ganz selten mal von anderen ein Vorstoß :roll:

LG
Tulipa
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Re: Körpersprache

Beitragvon vinbär » 21. April 2009 22:29

wie gesagt, genau so geht es mir....Schade, dass wir alle auseinander wohnen :wink:

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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 22. April 2009 07:17

Hallo,

Imrhien hat geschrieben:Ich kenne auhc einige Schweden, die länger im Ausland waren und einer davon meint selbst, dass er sich kaum als Schwede fühlt und nicht so richtig bescheid weiss wie manches gehändelt wird. Und er lästert ganz schön oft ab über die Schweden im allgemeinen und über manche Dinge, die hier anders laufen als sonst wo.

Diese Frage finde ich noch interessant: Man gibt zwar gerne an, andererseits aber scheint es durchaus legitim, über sich selbst als Schweden zu lästern oder sich "bescheiden" klein zu machen - solange es nicht personenbezogen ist sondern das Land und die Allgemeinheit betrifft.
Sehe ich das falsch?

Beispiel:
Bei einem zwanglosen Zusammensein im beruflichen Umfeld versuchte einmal ein Schwede sich bei mir und zwei anderen Amerikanern (ich zählte für ihn in diesem Zusammenhang als Ami) einzuschmeicheln, u.a. indem er über die schwedische Sprache herzog, die ja sooo "fattig" sei, so ausdrucksarm und primitiv, dass er ja Englisch viel besser fände und sich viel lieber auf Englisch ausdrückte ... Weltsprache, Sprache der Dichter und Denker, der Wissenschaft und der Wirtschaft usw. - also richtig dick aufgetragen. (Vielleicht hatte er einige dieser Mingel-Empfehlungen gelesen. :wink: )

Nun habe ich zwar keine besonders hohe Meinung von der schwedischen Sprache, aber Ähnliches hatte ich zuvor nur von einem Mosambiker gehört, der sich darüber beklagte, das seine Stammessprache keine Worte für Kühlschrank und Auto kennt (und Portugiesisch ihm als Kolonialsprache verhasst ist). Und selbst der hat seine Muttersprache nicht so verrissen.

War das "typisch schwedisch"? Oder "typisch Mingel?" :hmm:

Ich habe jedenfalls geantwortet, dass Übersetzungen von klassischer Literatur auf Schwedisch schon deutlich hinter dem Original zurückbleiben - dass aber Russisch eine sehr ausdrucksstarke und vokabelreiche Sprache sein soll.
Damit war der Zweck der Englisch-Schmeichelei abgebogen - aber seine Muttersprache war noch immer "fattig". Das schien ihm 'runterzugehen wie eine Rolle Stacheldraht. Also alle "Demut" nur gespielt?
(Sorry, war wieder ein Experiment an lebenden Schweden. :twisted: )

Viele Grüße

Samweis

nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 22. April 2009 08:01

Bei einem zwanglosen Zusammensein im beruflichen Umfeld versuchte einmal ein Schwede sich bei mir und zwei anderen Amerikanern (ich zählte für ihn in diesem Zusammenhang als Ami) einzuschmeicheln, u.a. indem er über die schwedische Sprache herzog, die ja sooo "fattig" sei, so ausdrucksarm und primitiv, dass er ja Englisch viel besser fände und sich viel lieber auf Englisch ausdrückte ... Weltsprache, Sprache der Dichter und Denker, der Wissenschaft und der Wirtschaft usw. - also richtig dick aufgetragen. (Vielleicht hatte er einige dieser Mingel-Empfehlungen gelesen. )


Hej Samweis,
nun hast du mich hier aber schon kräftig zum Lachen gebracht - kann mir die Situation lebhaft vorstellen ... :lol:

Hier mein "Senf" dazu:
Ich würde sagen, der Schwede wollte in erster Linie ausdrücken:
1. (selbstverständlich zurückhaltend und ödmjukt), wie hervorragend er die englische Sprache beherrscht (die meisten Schweden gehen übrigens davon aus, dass sie das beste Englisch überhaupt sprechen - sogar noch besser als Engländer oder Amerikaner selbst) :wink:
2. wollte er natürlich, dass ihm heftigst widersprochen wird - er dachte wohl nicht daran, dass wirklich jemand anderes Schwedisch konnte (schon gar kein Amerikaner)

War das "typisch schwedisch"? Oder "typisch Mingel?"


Beides würde ich sagen - typisch Mingel-schwedisch!

S-nina

P.S.: Ich sammle alte Merian-Hefte - hier ein Auszug aus einem Heft aus den 70er-Jahren:
"Die Schweden wissen, dass sie einem kleinen Volk angehören, über das in der Welt viel diskutiert wird. Das "Schwedenbild" im Ausland - das ist ein Punkt, in dem sie sehr empfindlich sind. In ihrer Selbstkritik rücksichtslos, scheuen sie Kritik von außen. Sie wollen nicht von oben herab angesprochen werden und sehen in jedem erhobenen Zeigefinger eine unerwünschte Einmischung in ihre Familienangelegenheiten. Solidarisch auf Prestige bedacht, verteidigen sie ungeachtet ihres politischen Standortes mit einer bewundernswerten Loyalität ihre Gesellschaftsordnung (oder - unordnung).

... Hier ist eben fast alles definitiv geregelt. Wer nicht bewusst gegen den Strom schwimmt und sich an die Spielregeln hält, wird sich in Schweden wohlfühlen."

(aus MERIAN Heft 3/XXVII - "Kleiner Knigge für Schwedenfahrer")

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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 22. April 2009 08:58

was mir die Woche aufgefallen ist:
Bei uns in der Strasse war früher eine Firma, am Ende. Da war dahinte nur noch ein kleiner Trampelpfad, über den man eine Abkürzung zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu einem anderen Ortsteil nehmen konnte. Davon nehmen viele Leute gebrauch, vor allem die mit Kindern, da der normale Weg entlang der Strasse geht, die keinen Gehweg hat. Nun ist da eine Familie eingezogen und die möchte das Gelände natürlich privat nutzen und ich glaube die wollen auch eine kleine Firma da rein machen.. Keine Ahnung. Jedenfalls stand da die Tage plötzlich ein Schild, dass es nun an der Zeit sei das Haus und auch das Gelände auf ihr Leben da umzubauen und zu gestalten und dass sie nun die Anwohner darum bitten dies in Zukunft als Privatgelände zu betrachten.
Oj, dachte ich. Das wird Ärger geben. Natürlcih sagt keiner was... Aber ärgern tun sich viele.
Ich habe am gleichen Nachmittag, weil ich echt nicht wusste, dass da schon jemand das Haus gekauft hat, eine Nachbarin auf das Schild angesprochen und gefragt ob das Haus denn echt schon verkauft wäre und an wen. Sie erzählte es mir und nahm mich dann plötzlihc in den Arm um zu sagen: man blir ju helt förbannat. Dann lies sie mich wieder los, fing an zu lachen und meinte, das sei aber eben so und man könne ja nichts machen. Eigentum ist eben Eigentum. Aha. Das ist ja richtig. Die Art, dass sie mich in den Arm nahm um mir zuzuflüstern, dass sie sich ärgert, fand ich trotzdem interessant.
Sie ist eine nette und ältere NAchbarin und wir mögen uns. Vom Umarmen waren wir bisher aber weit entfernt.
Ich bin mal gespannt was das noch wird. Vermutlich wird aber gar nicht viel passieren, denn ich glaube kaum, dass sie jemand direkt darauf ansprechen wird. Und machen kann man ja wirklich nicht viel. Es ist ihr Gelände und ich würde auch nciht wollen, dass der halbe Ort durch meinen Hof trampelt und das zu jeder Zeit.
Ich werde das aber nutzen und mich weiter umhören. Da habe ich dann eine gute Gelegenheit der Nachbarschaft auf den Zahn zu fühlen. :)

Grüsse
Wiebke

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Re: Körpersprache

Beitragvon tjejen » 22. April 2009 09:49

Samweis hat geschrieben:Bei einem zwanglosen Zusammensein im beruflichen Umfeld versuchte einmal ein Schwede sich bei mir und zwei anderen Amerikanern (ich zählte für ihn in diesem Zusammenhang als Ami) einzuschmeicheln, u.a. indem er über die schwedische Sprache herzog, die ja sooo "fattig" sei, so ausdrucksarm und primitiv, dass er ja Englisch viel besser fände und sich viel lieber auf Englisch ausdrückte ...
[...]
Ich habe jedenfalls geantwortet, dass Übersetzungen von klassischer Literatur auf Schwedisch schon deutlich hinter dem Original zurückbleiben - dass aber Russisch eine sehr ausdrucksstarke und vokabelreiche Sprache sein soll.
Damit war der Zweck der Englisch-Schmeichelei abgebogen - aber seine Muttersprache war noch immer "fattig". Das schien ihm 'runterzugehen wie eine Rolle Stacheldraht. Also alle "Demut" nur gespielt?

Naja, moment! Hier kommen wir aber zu einem ganz natürlichen Verhalten, dass nicht unbedingt typisch schwedisch ist:

- Ich darf schlecht über meine Mutti reden, du aber nicht.
- Ich darf schlecht über mein Land reden, du aber nicht.
- Der Extremfall: nur ich darf schlecht über mich reden: du aber nicht.

Ist auch vergleichbar mit: man darf zu jemandem sagen, er sei zu dünn, aber nicht dass er zu dick sei.

Nur mal kurz überlegt man hätte über Deutschland geredet. Als Deutscher kann man in einem Privatgespräch Deutschland kritisieren, weil: man hat als Deutscher quasi das Recht dazu, denn Kritik an D ist ein bisschen wie Kritik an einem selbst. Kommt jetzt aber ein Nichtdeutscher daher und regt sich fürchterlich über D auf, ist man schon ein wenig entrüstet, wie derjenige sich überhaupt einbilden könne, solche Dinge zu sagen. Schliesslich mache man sein Land ja auch nicht schlecht.

Nun kann man natürlich überlegen, was den Schweden dazu bewogen hat seine Sprache (als ob es keine schlimmeren Kritikpunkte gebe) schlecht zu reden. Würde mir nicht im Traum einfallen über deutsch oder schwedisch herzuziehen ... (russisch vielleicht, aber das ist ein anderes Thema ;) ) In solchen Frage ist es wohl am besten nicht drauf einzugehen/einfach still zu sein oder unauffällig das Thema zu wechseln.

Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass der Fall typisch schwedisch ist. Ich glaub im Englischen könnte man auch sagen: it's fishing for compliments ...
Gnäll suger, handling duger.

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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 22. April 2009 10:05

Das ist grundsätzlich richtig was Du schreibst. Ich habe es aber komischerweise schon recht häufig erlebt, dass sich Schweden kritisch über andere Länder äussern. Auch über Deutschland wenn ich dabei bin. Je nach dem wie nett sie sind und wie wenig voreingenommen, verpacken sie es mal nett, mal in einen Scherz oder eben gar nicht und sagen nur, dass dies oder das in Schweden besser ist. Ich habe da nur bei manchen das Gefühl, dass sie vorsichtig sein wollen um mir nicht auf die Füsse zu treten. Manchen ist das egal... Muss dazu sagen, dass das bisher zum Glück nur bei denen der Fall war, die mich persönlich nicht gut oder gar nicht kennen aber zufällig in der Nähe waren und wussten, dass ich Deutsche bin.

Grüsse
Wiebke

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Re: Körpersprache

Beitragvon Samweis » 22. April 2009 10:54

Hallo tjejen,

tjejen hat geschrieben:- Ich darf schlecht über meine Mutti reden, du aber nicht.
- Ich darf schlecht über mein Land reden, du aber nicht.
- Der Extremfall: nur ich darf schlecht über mich reden: du aber nicht.

Das ist vollkommen richtig - deshalb hatte ich mich ja auch nicht zu schwedischer Literatur geäußert sondern zur Qualität von Übersetzungen. Die sind ja manchmal wirklich gräuslig, wobei man sich aussuchen kann, ob das an der "Armut" der schwedischen Sprache liegt, an der geringen Qualifikation der Übersetzter oder an dem Versuch, auch etwas schwerverdaulichere Brocken für Medelsvensson verständlich zu machen.

Allerdings sprechen die von Dir angeführten Regeln auch dafür, dass man als "outsider" aus einem Schweden wenig herausbekommen wird, d.h. der Versuch, über die Mentalität zu diskutieren, nicht unbedingt glückt.
tjejen hat geschrieben:mit den Schweden geht, die selber eine Zeit im Ausland gelebt haben. Mit denen kann man sogar gelegentlich (!!) die Mentalität diskutieren. Noch einfacher natürlich mit denen mit Migrationshintergrund.

Wenn ich mit Leuten mit Migrationshintergrund rede, rede ich von "Outsider" zu "Outsider" und gewinne wenig Insider-Informationen.
Rede ich als "Outsider" zu einem offenen "Insider" ist das schon etwas besser - aber nicht zu vergleichen damit, wenn sich zwei "Insider", also zwei Schweden über andere Nationen oder über Deutsche unterhalten.

Da muss ich auch Imrhien zustimmen,
Imrhien hat geschrieben: dass sich Schweden kritisch über andere Länder äußern.
und dies auch gerne - oder manchmal hat man den Eindruck: bevorzugt - wenn Menschen aus diesen Ländern zugegen sind.

Was das "fishing for compliments" angeht, so musste der Schwede schon sehr naiv sein, wenn er dachte dass ein Amerikaner, der die schwedische Sprache überhaupt nicht kennt, eine Banalität und Selbstverständlichkeit wie die Vorzüglichkeit der Englischen Sprache oder die Überlegenheit der amerkanischen Nation in Abrede stellen wird.

Allenfalls hätte er ein "Amerikaner sprechen ja kein Englisch" zu hören bekommen (und dazu könnte ich noch eine Menge schreiben, aber das passt nicht zu Schweden :wink: )

Viele Grüße

Samweis

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Re: Körpersprache

Beitragvon Aelve » 22. April 2009 15:11

Hallo,

genau wie Tjejen es beschreibt, so sehe ich es auch, bzw. es ist Tatsache, dass man selber mal z.B. über die Kinder, über den Mann schimpfen kann, aber wehe, wenn jemand anders über die Kinder oder den Mann etwas Negatives sagt, dann findet man das gar nicht mehr gut.
Insofern glaube ich auch, dass das keine typisch schwedische Eigenschaft ist, wenn man mal etwas negatives zu seinem Land findet und es anspricht.

Ich habe bei meiner Bank in Schweden ganz andere Erfahrungen gemacht. Da dort bei unserem Hauskauf und der Finanzierung alles viel leichter und unkomplizierter ablief als in Deutschland, lobte ich das System der schwedischen Bank bei der Sachbearbeiterin und meinte, dass es bei uns in Deutschland komplizierter sei. Sie ist keineswegs darauf angesprungen, ist eher mehr darüber hinweggegangen, dass ich praktisch Schweden gelobt habe und die Formalitäten, wie sie in Deutschland an der Tagesordnung sind, madig machte. Vielleicht merkte man ihr ein wenig an, dass ich mit der Bearbeitung durch die schwedische Bank sehr zufrieden war, aber sie hat es weiter nicht groß kommentiert.
Ich könnte soviele ähnlich gelagerte Fälle aufzählen, die in Deutschland ganz furchtbar schlecht laufen, sei es wenn man etwas Fehlerhaftes in D umtauschen will oder reklamiert. Man muß sich auf große Debatten einstellen, ob man nicht selber den Fehler verursacht hat oder dass man selber an die Herstellerfirma schreiben muß. Wenn ich in Schweden etwas umgetauscht habe oder reklamiert habe, dann jedesmal problemlos, es wurde sich eher entschuldigt als sofort einen Gegenangriff zu starten.
Es mag ja sein, dass die Schweden eher konfliktscheu sind, aber mir ist das lieber, als wenn ich mich jedesmal auf einen Kampf einstellen muß.
Und wie Volker im Threat Versicherungsschaden schon ansprach, in Deutschland hat man mittlerweile das Gefühl, dass man stets und ständig über den Tisch gezogen wird, man muß unheimlich aufpassen, dass man Verträge versteht, dass man sich schlau macht, ehe man etwas unterschreibt.
Das kann im täglichen Leben ganz schön anstrengend sein.

Grüße Christa
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 22. April 2009 19:31

Was das lästern über andere Nationen angeht:
Icha habe beim Zentrum für Zweisprachigkeit gearbeitet und mache es teils auf stundenbasis immernoch. Da bekommt man ja einiges mit... Immerhin bietet die Stadt hier rund 40 verschiedene Sprachen als Muttersprachenunterricht an. Multi-Kulti also. Man sollte meinen, dass die Schweden, die da arbeiten, besonders ausländergeübt sind, um es mal so zu sagen. Dass sie daran gewöhnt sind, das stimmt. Dass sie deshalb feinfühliger sind, das stimmt leider, und besonders in wichtigen Positionen nicht. Einer Kollegin (Europa) wurde tatsächlich bei Lohnverhandlungen folgendes gesagt: "Sie verlangen schon viel. Das ist mehr als die meisten anderen hier bekommen (wohlgemerkt, deutlich unter dem normalen Lehrerniveau und die Frau ist behörig!) aber sie kommen ja aus XY und nicht aus dem Busch. Da kann man das ja machen." Bedarf es mehr WOrte????
Ähnliche Äusserungen fallen immer wieder. Mal mehr, mal weniger auffällig. Und diese Person würde von sich behaupten, dass sie hundertprozentig ausländerfreundlich ist und sehr weltoffen, liberal und was weiss ich noch. Sie sonnt sich gerne darin, dass sie in so einem Multi-Kulitladen was zu sagen hat.
Bei diversen Veranstaltungen wo alle Lehrer zusammen kommen, werden auch immer wieder andere Länder vorgestellt. Da geht es dann meist darum wie schlecht es dort ist, dass da Krieg ist oder Korruption und wie schlecht es die Schulen haben und die Lehrer und und und. Das stimmt in vielen Fällen. Es hat aber für mich schon einen merkwürdigen Beigeschmack wenn man so darauf herumreitet, dass es in anderen Ländern schlechter ist als hier. Gerade wenn aus diesen Ländern Leute dabei sind und sich womöglich gar schämen dafür. Das entspricht dann nicht mehr dem was eigentlich das Ziel dieser Muttersprachengeschichte sein soll. Nämlich das Selbstbewusstsein zu stärken, das Wissen um die eigene Kultur und den Stolz darauf zu stärken. es wird in diesen Fällen leider selten schönes berichtet... Und meist wird in einer Gegenüberstellung gezeigt was doch alles so gut in Schweden ist. Wie gesagt, vieles davon stimmt sogar. Und ich will ja nicht mal sagen, dass man das nicht zeigen darf. Nur die Art finde ich manchmal etwas arg entwürdigend.
Hinzu kommt noch, dass die Leute solche Studienreisen zu einem extrem großen Teil selber zahlen dürfen und sich der Träger am Ende damit schmückt was man für tolle Sachen "anbietet".


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