Körpersprache

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Aelve
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Re: Körpersprache

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 13:43

Liebe Wiebke,

das stimmt, in Deutschland ist es oft der Fall, dass die Frau die ersten Jahre nach der Geburt der Kinder zuhause bleiben MUSS. Und das ist das, was mir nicht an Deutschland gefällt. Als Frau hat man niedrigere Chancen auf einen gut bezahlten Job, weil in der Regel die Frauen die Kindererziehung übernehmen. Wollen die Frauen nach der Mutterzeit wieder eine Arbeit anfangen, dann beginnen die Schwierigkeiten. Die Frau hat noch nicht soviel Berufserfahrung, ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, hat also schlechtere Chancen als Männer im Beruf.

Da ich immer für eine Berufstätigkeit war, auch immer - mein Leben lang - gearbeitet habe, finde ich das schwedische System einfach besser, weil dort die Chancengleichheit im Beruf ein wenig höher ist als in Deutschland, wenn auch noch nicht ganz ausgeglichen gegenüber der Männerwelt.
In Deutschland gibt es viele schwere Schicksale, die damit zusammenhängen, dass nicht beide Partner arbeiten können, von alleinerziehenden Müttern mal ganz abgesehen, wie die das auf die Reihe bekommen, ist mir schleierhaft.

Natürlich ist in Schweden auch nicht alles für alle Leute ideal, aber für meinen Teil und meine Vorstellung würde ich die Familienpolitik von Schweden vorziehen, da bei mir Gleichberechtigung und Chancengleichheit an erster Stelle stehen. Und jeder muß sich dann fragen, was für Vorteile bringt Schweden für mich, wenn es mehr Nachteile in dem Land als Vorteile sind, dann ist es für mich nicht das Land, in welchem ich bleiben würde.
Oder man muß sich selber immer wieder sagen, würden mir die Nachteile der anderen Länder eher gefallen oder auch nicht so toll sein für die Familie.

Grüße Aelve
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Re: Körpersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 21. April 2009 13:44

Nachtrag - Besonders den Satz find ich klasse:

“Ich glaube nicht, dass die vom Sozialamt Sadisten sind”, sagt eine SFI-Lehrerin in Vårberg, “sie folgen wohl bloß ihren Regeln.”
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nysn

Re: Körpersprache

Beitragvon nysn » 21. April 2009 14:05

Hat uebrigens jemand die neue Geo-Spezial "Schweden" gelesen?
Auch fuer "schon Eingewanderte" empfehlenswert, äähh... unterhaltsam


Ganz ehrlich - ich war zu geizig.
Habe kurz am Flughafen darin geblättert - die ersten Seiten fand ich ganz amüsant - die Vorstellung der typisch schwedischen Familie - mit Angaben über Einkommen, Auto, Haus und dass die berufstätige Frau zwar recht gesund, aber häufig auch unter Nackenschmerzen oder so ähnlich leidet usw. Irgendwie dachte ich, dass da wohl wieder ziemlich viele Klischees drin sein werden und habe das Heft dann wieder zurückgelegt.

Ist es wirklich gut?

S-nina

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Re: Körpersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 21. April 2009 14:19

@Nina: ich betonte ja eher >unterhaltsam ;-)
Aber die Bilder sind Klasse. Und der Artikel ueber die Samin war auch sehr gut.

Nochmal zum text bei http://www.fiket.de.
Alle (z.T. uebersetzten) Texte des Journalisten Maciej Zaremba finden sich hier
http://www.fiket.de/2009/04/08/warten-auf-schweden/
Ich finde sie geben ebenfalls einen guten Einblick in die schwedische Mentalität oder wie wir hier im Thread sagen "Körpersprache".

.....Da ich immer für eine Berufstätigkeit war, auch immer - mein Leben lang - gearbeitet habe, finde ich das schwedische System einfach besser, weil dort die Chancengleichheit im Beruf ein wenig höher ist als in Deutschland, wenn auch noch nicht ganz ausgeglichen gegenüber der Männerwelt......


Irgendwo hier wurde doch hier schon das Buch "Bitterfotze" von jemanden empfohlen oder? Von einer Schwedin und seit kurzem in D erhältlich.
Das ist bestimmt interessant fuer dich, Christa!

Ansonsten hoffe ich, dass der Thread nicht allzusehr vom Ausgangsthema abkommt :-), das wäre schade.
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Re: Körpersprache

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 14:46

Hallo liebe Heike,

danke für den Tipp, werde mich mal nach dem Buch umschauen.

Neulich habe ich mal darüber nachgedacht, warum ich Eure negativen Erfahrungen nicht teile oder nicht selber erfahre, wenn ich in Schweden bin.
Viele Dinge bekomme ich natürlich gar nicht mit, wie Ihr, z.B. im Arbeitsleben jeden Tag erfahrt. Wenn wir in Schweden sind, dann sind wir selber mit unseren Sachen so beschäftigt, dass uns ein Kontakt zu Schweden überhaupt nicht fehlt. Wobei ich auch in Deutschland aufgrund Zeitmangel eher selten laufend Besuche zu Bekannten und Verwandten unternehme. Ich bin in einigen Clubs Mitglied, da bin ich schon voll mit ausgelastet.
Deshalb - wie bereits gesagt - fehlt mir der Kontakt zu Schweden gar nicht. Wenn wir dort in Schweden sind, treffen wir uns mit den deutschen Bekannten, da haben wir schon alle Hände voll zu tun, alles auf die Reihe zu bekommen. Und letztendlich sind wir dann froh, dass wir auch einmal alleine im Haus und im Garten sind, um die schöne Natur geniessen zu können.

Wie es wird, wenn wir länger in Schweden sein werden, muß sich erst rausstellen. Bis jetzt habe ich mit den Nachbarn in Schweden nur positive Erfahrungen gemacht, sie kommen durch den Haupteingang, obwohl wir auch einen Nebeneingang haben, den wir selber stets benutzen.
Ich kann kaum eine Eurer Aussagen bestätigen, dass die Nachbarn angeben oder prahlerisch sind, noch dass sie nicht grüßen oder gar abweisend sind.
Auch die Nachbarn, die erst neu zugezogen sind, es sind sehr junge Leute, grüßen uns, wenn wir mit dem Auto am Haus vorbeifahren.

Es mag in Großstädten oder nahe Großstädte anders sein, aber ich finde die Schweden sehr aufgeschlossen, sehr hilfsbereit, stets freundlich, ob in Geschäften oder einfach so beim Spazierengehen.

Grüße Christa
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Re: Körpersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 21. April 2009 15:21

Vieles, vieles zeigt sich erst viel später. Wenn man länger im Land ist.
Ich denke das kommt auf beiden Seiten daher, das man irgendwann nicht mehr denken kann man selbst ist oder die Ausländer sind nur ein paar Wochen im Jahr da und man oder die anderen sich trösten können mit: "Das ist ja nicht (fuer) immer so." Besonders auf schwedischer Seite fehlt da ueberwiegend die Ehrlichkeit Probleme oder Schwierigkeiten klar und deutlich anzusprechen oder auszusprechen. Genau das hat sich ja nun in vielen Berichten unterschiedlichster Art hier immer wieder bestätigt. Jede gute Eigenschaft (meinetwegen die Schweden als nett zu empfinden weil sie sich so nett geben) hat auch ihre andere Seite (nämlich, das diese Nettigkkeit durchaus gespielt und verlogen sein kann) Leider.
Aber nichtsdestrotrotz kommen wohl alle mehr oder weniger damit klar, muessen es evtl. und solche Threads wie dieser tragen zum Glueck gut dazu bei, das sich zwei Mentalitäten in einem angeblich so ähnlichem Kulturraum doch erheblich unterscheiden können, und das die Weitergabe so manches "Aha-Erlebnisses" bares Gold wert sein kann ;-)

vh
Heike
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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 21. April 2009 16:21

Danke Christa!
Ich weiss nicht ob ich das jetzt richtig sehe und es würde mir leidtun, wenn nicht, aber ich habe das als das erste mal empfunden, dass Du sagtest, dass Du bei Deinen Besuchen in Schweden automatisch ein anderes Bild hast als diejenigen, die hier arbeiten. Das fehlte mir irgendwie bisher.
Vielleicht sind die Schweden in Deiner Ecke anders. Das wäre schön. Vielleicht ist es aber auch so, wie geschrieben, dass es daran liegt, dass Du nicht dauerhaft da bist.
Ich möchte aber auch noch einmal sagen: Meine Nachbarn sind alle supernett!!!!!
Ich mag sie alle und sie grüßen freundlich, fragen wie es uns geht und so weiter. Was ich schade finde, ist die Tatsache, dass man es allegemein schwerer hat Freunde zu finden. Das ist nicht mal so, dass ich deshalb weniger gerne hier lebe. Zur Zeit noch nicht. Aber ich weiss nicht wie das auf Dauer ist. Wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht in 10 Jahren immer noch so wäre... da wäre ich traurig und würde vielleicht nicht mehr hier leben wollen. Bisher glaube ich noch daran, dass es irgendwann anders wird, wenn man nur lange genug hier lebt. Nennt es Naivität oder Optimismus :) Ich mag Schweden, auch mit seinen Macken und Fehlern.

Grüße
Wiebke

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Re: Körpersprache

Beitragvon tjejen » 21. April 2009 16:38

Super Zusammenfassung Heike!

So ist es tatsächlich. Ich war -bevor ich nach Schweden zog- mit einem Stockholmer zusammen. Damals konnte ich kein Wort schwedisch, traf aber natürlich alle seine Nachbarn im Studentenwohnheim, seine Freunde, seine Familie, war auf Parties, etc. Und dachte, oh, sind ja alle total nett und aufgeschlossen. Im Grossen und Ganzen sah ich nicht besonders viele Mentalitätsunterschiede zu Deutschland.

Erst nachdem ich 2005 herzog (mit einigermassen Sprachkenntnissen), habe ich dann Stück für Stück die Eigenheiten kennengelernt. Anfangs dachte ich, es läge an mir, dass ich nicht richtig Anschluss finde, aber so nach und nach habe ich dann die "Prinzipien" begriffen. (Und lerne auch immer noch dazu...)

Ich habe auch gelernt, dass es ein wenig leichter mit den Schweden geht, die selber eine Zeit im Ausland gelebt haben. Mit denen kann man sogar gelegentlich (!!) die Mentalität diskutieren. Noch einfacher natürlich mit denen mit Migrationshintergrund.

Ich bin mittlerweile auch viel abwartender mit meinen Kontaktaufnahmen geworden (was leider nicht immer positiv ist, denn oft muss man sich extra engagieren um eine Freundschaft auf den Weg zu bringen).

Wenn ich eine Einladung ablehne, sage ich immer dazu: "Gärna en annan gång" (Gerne ein anderes Mal) um auch beim nächsten Mal eingeladen zu werden. Wenn jemand meine Einladung wiederholt ablehnt, dann bitte ich explizit darum derjenige möchte sich doch melden, wenn er Zeit hätte: Hör av dig när du har tid. Wenn nix kommt, dann investiere ich auch nicht mehr oder warte sehr lange mit erneuter Kontaktaufnahme.

Zum Thema: besserer Kontakt noch ein Tipp: Jetzt wo das Wetter so schön ist, kann man es ja als Ausrede benutzen in der Mittagspause (nach dem Lunch!) einen kurzen Spaziergang machen zu wollen und die Kollegin zu fragen ob sie nicht mitkommen wolle.
Gnäll suger, handling duger.

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Re: Körpersprache

Beitragvon Imrhien » 21. April 2009 17:54

Hej,
jaaa, das stimmt. Das mit der Mittagspause und dem Spaziergang und auch sonst.
Das mit dem "von sihc hören lassen" merk ich mir. Das ist ein guter SPruch.
Ich kenne auhc einige Schweden, die länger im Ausland waren und einer davon meint selbst, dass er sich kaum als Schwede fühlt und nicht so richtig bescheid weiss wie manches gehändelt wird. Und er lästert ganz schön oft ab über die Schweden im allgemeinen und über manche Dinge, die hier anders laufen als sonst wo. Er ist Pfleger im Krankenhaus und findet das ganze System nicht besonders gut. Eine Krankenschwester, die ich auch sehr gut kenne und die ebenfalls im Ausland war, meinte auch, dass sie da nicht immer sooo zufrieden ist. Am Schlimmsten fand ich die Aussage, dass sie bei der Telefonberatung hin und wieder gezwungen ist Sachen zu sagen, die sie selber privat anders sieht. Sie meinte, dass sie öfter sagen muss, dass es nicht schlimm ist und man noch abwarten soll. Sie meinte, dass sie genau weiss, dass sie in der Situation am anderen Ende was anderes hören wollen würde...
Ich glaube, man braucht einfach mehr Zeit damit die Schweden mit einem warm werden. Es gibt ja sehr viele sehr nette Menschen hier und viel größer als in Deutschland kann der Deppenanteil ja eigentlich nicht sein :)

Grüße
Wiebke

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Re: Körpersprache

Beitragvon vinbär » 21. April 2009 21:41

Die habe ich ja hier selber weniger und verstehe daher schon wie die Schwedinnen denken.. glaube ich. Trotzdem fällt es mir auf, dass mich eher andere Ausländer anrufen und was mit mir ausmachen, als Schweden. Das finde ich schade. Es kostet einfach viel mehr Kraft und Arbeit um hier den gleichen Stand an Freundschaften zu haben, als ich das aus Deutschland gewöhnt war. Auch einfach Bekanntschaften liessen sich da leichter pflegen. Das ist einfach ein Fakt. Für mich ist es so. Und ich bin hier nicht weniger offen oder mehr unfreundlich oder sonst was. Ich verhalte mich gleich, eher etwas angepasster. Trotzdem kostet es mich mehr Anstrengung und das nicht wegen der Sprache.

Schon wieder ein wahres Wort gesprochen, Wiebke, leider.
Ich finde es mit der Zeit auch zuweilen anstrengend und frustrierend, wenn man sich ständig um Kontakte bemueht, das Haus z.B. voller schwedischer Kinder hat, diese mittags mit nach Hause nimmt, zwar die Meldung bekommt, dass sie gerne zu uns kommen, aber irgendwie selten eine Gegeneinladung kommt.


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