Kinder, vorher oder nachher?

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Danskepige

Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Danskepige » 16. April 2007 12:32

Mein Freund (29) und ich (26) möchten auch gern nach Schweden auswandern.
Nun stellt sich uns die Frage, wann denn der "richtige" Zeitpunkt dafür wäre.
Ich sagte ihm, dass es mir lieber wäre, nach dem ersten Kind auszuwandern. Denn ich wünsche mir familiäre Unterstützung bei dem ersten Kind, ausserdem wäre mir auch wohler, wenn die ersten Untersuchungen hier in Deutschland stattfinden würden (auch für den Fall, dass es noch sprachliche Probleme geben würde). Und wenn das Kind dann schon ein gewisses Alter erreicht hätte, könnte man es dort ebenfalls schon in eine Tagesstätte geben und ich könnte nebenbei auch noch arbeiten.
Mein Freund hingegen würde allerdings schon gern vor der ersten Schwangerschaft auswandern. Er möchte dort gern erst einmal ohne Kinder alles aufbauen und sich zurechtfinden.
Hm, wie kommt man denn da nur auf einen Nenner?

Grunsätzlich wäre ich auch dafür, sich dort ein festes Standbein aufzubauen.
Aber auf der anderen Seite möchte ich mich dort auch nicht hilflos fühlen, mit so einem Wurm. Und da es ein sehr kinderfreundliches Land ist (Schweden) hätte ich wohlmöglich auch kaum Probleme den Wurm für einen halben Tag in eine Stätte geben zu können (im schlimmsten Fall, sogar für ein paar Wochen bei Oma und Opa zu lassen).
Und da mein Freund dort schon einmal für ein halbes Jahr gearbeitet hatte, gibt es dort auch noch ehem. Arbeitskollegen, die uns dort bzgl. Job und Heim unter die Arme greifen könnten/würden.

glada

Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon glada » 16. April 2007 14:23

Wir haben unser drittes Kind in Schweden bekommen. Mal abgesehen von dem bürokratischen Aufwand, den die Geburt eines deutschen Kindes im Ausland mit sich bringt, kann ich dir nur raten, euer Kind in D zu bekommen. Die Gründe dafür nennst du zum Teil selbst: Die Familie, die man anrufen und um Hilfe bitten kann, fehlt komplett im Ausland. Du wirst dann die ersten Monate wahrscheinlich alleine zuhause sein, während dein Partner arbeitet. Da kann es schon passieren, dass dir die Decke auf den Kopf fällt.

Auch fand ich vor allem die medizinische Betreuung unserer ersten beiden Kinder vor der Geburt, im Krankenhaus und danach sehr viel besser. Ultraschalluntersuchungen finden nur ein einziges Mal während der Schwangerschaft in Schweden statt.

Solltest du noch weitere Fragen haben, melde dich ruhig.

Oliver

Danskepige

Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Danskepige » 16. April 2007 14:39

Vielen Dank für deine Antwort! Das ist schon wieder ein Argument mehr das erste Kind hier in Deutschland zu bekommen.
Hätten wir als Ausländer überhaupt Anspruch auf Kindergeld und wenn ja ab wann?

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Skogstroll » 16. April 2007 15:55

Ich kann Ollie nur beipflichten. Das Argument mit der familiären Unterstützung ist schon recht stark, hängt aber auch von der jeweiligen Familie ab.
Dann ist es wirklich so, dass die medizinische Betreuung von Schwangeren recht minimal ist. Während einer Schwangerschaft bekommt die werdende Mama im Normalfall gar keinen Arzt zu sehen, es gibt nur eine Ultraschalluntersuchung (die auch die Hebamme macht), dafür aber umso mehr Gruselgeschichten, die ich lieber nicht wiedergeben möchte. Bei der ersten Schwangerschaft sind die werdenden Eltern doch meist etwas unsicherer und fühlen sich bei intensiverer Betreuung eher wohler, jedenfalls ging uns das so. Ich würde auch zum ersten Kind in Deutschland raten.

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glada

Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon glada » 16. April 2007 16:44

Anspruch auf Kindergeld besteht, sobald einer von euch Beiden arbeitet und ihr eine Personennummer habt. Zahlstelle ist die försäkringskassan ( siehe auch http://www.fk.se - teilweise Infos auf Deutsch).

Oliver

glada

Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon glada » 16. April 2007 16:48

Ich habe dir noch mal die betreffende Seite der försäkringskassan auf Deutsch rausgesucht:
http://www.fk.se/sprak/tys/foralder/
Dort findest du alle Informationen um finanzielle Unterstützung, die Kinder/Eltern bekommen, auf Deutsch.

Oliver

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Imrhien » 17. April 2007 11:33

Hm, das interessiert mich aber auch...
bei uns wäre es nicht das Erste sondern auch wie bei glada das Dritte. Beim Ersten war ich schon ganz froh über die "deutsche Gründlichkeit". Klar, vieles ist übertrieben und es wird einem auch schön Angst gemacht nur alle Untersuchungen mitzumachen. Ich hatte zum Glück einen guten Arzt der den für mich richtigen Mittelweg gewählt hatte. Ich fühlte mich gut beraten, er schaute regelmässig nach aber ich hatte nicht ständig Panik.
Ich sehe es auch so, dass die erste Schwangerschaft schon was besonderes ist und man da schneller verunsichert ist. Vor allem wenn die Sprache noch nicht ganz sitzt. Beim 2. oder 3. ist man da lockerer.

@glada und Skogstroll: was genau sind die Vorsorgeuntersuchungen? In Irland gibt es auch keine oder so gut wie keine. Das ist einerseits angenehm weil man sich nicht verrückt macht, aber andererseits weiss man eben nicht ob alles ok ist und ob man vielleicht auch noch was tun könnte. Manche Dinge kann man ja schon in der Schwangerschaft positiv verändern oder eben direkt nach der Geburt, wenn man denn rechtzeitg weiss was los ist...

Wir planen eigentlich das Dritte Kind erst zu bekommen wenn wir in Schweden sind, falls es nicht noch zu lange dauert. Wie habt Ihr Euch bzw. Eure Frauen sich gefühlt? Und wie war das mit der Geburt, wenn wir schon mal beim Thema sind... Ambulant oder stationär im Krankenhaus, Daheim, im Geburtshaus? Gibt es überhaupt solche Sachen? Und wie war da die Betreuung und Beratung (Stillen)?

Danke und Grüße
Wiebke

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Skogstroll » 17. April 2007 13:23

Das Prolem an der schwedischen Schwangerschaftsbetreuung ist das Problem des Gesundheitswesens generell: Sehr schulmedizinisch, und aus Personalmangel wird nur das Allernotwendigste gemacht, manchmal nichtmal das.
Nun muss ich doch mit den Gruselgeschichten kommen. Die Frau eines Kollegen bekam während der Schwangerschaft Blutungen. Sie ist zur Hebamme, und die hat nur beruhigt und abgewiegelt. Die Blutungen gingen weiter, und dazu kamen noch Schmerzen. Die Hebamme hat weiter beruhigt, bis es meinem Kollegen zu dumm wurde und er die vårdcentral gestürmt hat und sehr rigoros eine sofortige Ultraschalluntersuchung gefordert hat. Dabei stellte sich heraus, dass das Kind schon seit Wochen tot war.
Bei einer anderen Bekannten hat man das zwar festgestellt, aber auf eine Ausschabung verzichtet und gewartet, ob sich das Problem von selbst löst. Hat es natürlich nicht, und erst als die Schmerzen trotz Tabletten wirklich unerträglich waren, hat man die Ausschabung gemacht.
Nun ist es sicher so, dass die Ultraschalluntersuchung keinem Fötus das Leben retten kann. Denkt man konsequent, dann hat sie eigentlich nur Sinn, wenn die Eltern entschlossen sind, bei einem "defekten" Kind die Schwangerschaft abzubrechen, aber auf das moralische Glatteis will ich mich gar nicht begeben. Trotzdem gibt die Untersuchung den Eltern einfach eine gewisse Sicherheit.
Die Frau meines Kollegen ist jedenfalls wieder schwanger, und diesmal hat sie einen ausgedehnten Deutschlandaufenthalt dazu genutzt, die Untersuchungen privat durchführen zu lassen.

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon jörgT » 17. April 2007 13:46

Wie bekommt nur die Masse der Schweden ihre Kinder?
Nutzen die auch "einen ausgedehten Deutschlandaufenthalt"?
Ich muss schon zugestehen, dass die Versorgung in Norrbotten besonders schlecht zu sein scheint, aber ich könnte aus meinen 25 Jahren klinischer Erfahrung in Deutschland genausoviele Schauergeschichten über das Gesundheitswesen dort trotz vieler (unsinniger?) Untersuchungen erzählen.
Aber das führt zu nichts ...
Die Säuglingssterblichkeit ist jedenfalls in Schweden weder höher als in Deutschland noch ist die Gesamtlebenserwartung schlechter. Woran liegt das wohl? :(
Jörg

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Skogstroll » 17. April 2007 14:05

Richtig, genau das habe ich auch versucht zu sagen.
Die Ultraschalluntersuchung rettet kein Leben, und auch all die kleinen Schweden sind irgendwie auf die Welt gekommen.
Die Frage ist nur, wie die Eltern die Schwangerschaft psychologisch erleben und wie auf Komplikationen reagiert wird. Mit der Kindersterblichkeit hat das nichts zu tun! Und deshalb ist mein Tipp (sofern man die Wahl hat): Sucht euch in Deutschland einen guten Arzt, der es ruhig angeht und keine Panik macht (es gibt solche, wir hatten auch einen davon) und bringt zumindest das erste Kind in Deutschland zur Welt. Erfahrene Eltern können alle weiteren Kinder nach Belieben handhaben. Für die Staatsbürgerschaft spielt es eh keine Rolle, und die Bürokratie über die deutsche Botschaft abzuwickeln ist ohnehin ein Alptraum.

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