Kinder, vorher oder nachher?

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Die Vier
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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Die Vier » 20. April 2007 23:02

Hallo ihr Lieben,

ich komme gerade von einem seeeeeehr ruhigen Dienst nach Hause und wollte nochmal schnell reinschauen.
Ich informiere mich nun schon seit einiger Zeit über die Arbeitsweise und Bedingungen für Hebammen in Schweden,habe aber noch längst nicht alles geklärt,was mich so interressiert.Was ich bisher schon in Erfahrung bringen konnte,ist die Arbeit in der vårdcentral.Hier ist es so,dass nach Terminabsprache (für die Frau) die Vorsorge durch die Hebamme gemacht wird,mit allen notwendigen Untersuchungen.Einen Arzt sieht die Schwangere maximal 3mal in der Schwangerschaft (wenn überhaupt notwendig).Zur Geburt geht Frau dann in die Klinik -über dieses Detail habe ich leider noch keine ausreichenden Informationen( Arbeitsweise,rollendes System?Betreuungsschlüssel...).MeinesWissens sind die "Liegezeiten nach der Geburt sehr kurz,max. 3 Tage,dann geht es wieder nach Hause.Die Hebamme in der zuständigen vårdcentral bekommt per Fax einen Kurzbericht über den Geburtsverlauf und setzt sich mit der Frau in Verbindung um einen Untersuchungstermin zu vereinbaren.Die Betreuung durch die Hebamme geht wohl ca 10 Tage,dann ist eine Kinderkrankenschwester für die Untersuchungen beim Kind zuständig und für die Frau weiterhin die Hebamme,das wird für mich eine grosse Umstellung, weil ich bis zu 8 Wochen beide betreue und für Fragen und Probleme auch darüber hinaus für "meine " Frauen ansprechbar bin . Aufgrund der räumlichen Entfernung ist eine Betreuung zu Hause,wie in Deutschland üblich,natürlich nicht machbar.Hausgeburtshilfe gibt es nach meinem bisherigen Wissensstand nicht.In Schweden gibt es ebenfalls Geburtsvorbereitungskurse.

@ Wiebke:
In Deutschland sind Ultraschalluntersuchungen durch die Hebamme nicht üblich,ich habe das zwar in meiner Ausbildung(allerdings noch zu "Ostzeiten") gelernt,aber es gehört nicht zu den Hebammentätigkeiten(aber ich habe da kein Problem zu delegieren,zumal ich anhand anderer Untersuchungen mir ein sehr genaues Bild von der Situation machen kann).
Klinikgeburt und Anwesenheit eines Arztes: übliche Vorderung von Ärzteseite im Krankenhaus,bei normalem Verlauf nicht zwingend notwendig,aber eben üblich.Idealerweise hält sich dieser aber im Hintergrund und macht nichts.
Hebammenbetreuung generell: Leider ein grosses Konkurrenzdenken,wir Hebammen bekommen die Frauen erst viel zu spät "in die Finger" und viele niedergelassene Ärzte sind eben nicht scharf darauf,dass die Frauen so genau über das Betreuungsangebot informiert sind.Die Schwangerschaft wird hier durch den Gynäkologen bestätigt,in Schweden durch die Hebamme,damit sind die Weichen gestellt...
Hier sind auch ganz klar die Krankenkassen gefragt,da sollten die Zuständigkeiten viel klarer definiert werden!

@ Oliver: erklär mir doch bitte nochmal was du mit "rollendem System "meinst, Schichtarbeit(ist auch hier üblich,wenn ihr nicht gerade eine Beleghebamme hattet)?

So,vielleicht war das ja für den Einzelnen nochmal ganz interressant,wer noch Informationen hat,gerne her damit.

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Imrhien » 29. April 2007 10:14

Die Vier hat geschrieben:Schichtarbeit(ist auch hier üblich,wenn ihr nicht gerade eine Beleghebamme hattet)?


Das kann ich nur bestätigen. Ich habe auch erlebt, dass die Hebammen durch den Schichtdienst (in Deutschland) wechseln können. Zwar hatte ich immer Glück, dass bei mir in der "heissen" Phase nur eine da war und ich weiss, dass die meisten Hebammen nicht einfach weggehen nur weil der Dienst zu Ende ist. Aber da meine Geburten immer ganz schnell waren, stellt sich bei mir die Frage auch nicht. Schichtwechsel war bei mir immer am Anfang oder gleich danach :)
Wär aber mal spannend zu sehen wie unterschiedlich das in Schweden gehandhabt wird... ich werde es ja vielleicht noch erleben. Von einer Freundin in Irland weiss ich, dass es da eher wie in Schweden ist und das scheint gut zu klappen :)
Wiebke

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 29. April 2007 12:51

Ich möchte hier auch etwas dazu sagen, ohne das System als solches Beurteilen zu können, aber darum geht es mir auch sekundär.

Ich finde es einfach nur schade, dass hier (wie auch in der Gesellschaft allgemein) Grabenkämpfe zwischen den Autoritäten ausgefochten werden, die im Endeffekt immer auf Kosten des Patienten gehen, egal ob bie Geburten oder allgemein :!:

Ich finde es auch etwas zu einfach dem Patienten als solches reine Ärztehörigkeit zu unterstellen, nur weil er sich (und das in vielen Fällen begründet und wohl überlegt) für den Schulmediziner entscheidet. Es gibt durchaus gute Gründe Ärzte (Schulmediziner) zu präventieren. Genauso gibt es gute Gründe sich für Homäopathische oder andere medizinische Berufsgruppen zu entscheiden, denn eins sollte doch wohl unstrittig sein:

Es gibt in allen diesen Berufsgruppen sowohl gute als auch miserable Vertreter.

Ich persönlich musste bereits im nähsten Verwandtenkreis erleben, wie eine Hebamme auf Teufel komm raus natürlich gebären wollte und trotz 17 Stunden Wehen im Bereich von 85-95% der Maximalwehe und sich dauerhaft nicht öffnendem Muttermund (von der viel zu geringen Erstöffnung mal abgesehen) erst von der einschreitenden Mutter, die eigenmächtig den (zu Hause sitzenden - die Hebamme hielt seine Anwesenheit nicht für notwendig) Arzt rufen liess (eine Klageandrohung war notwendig damit das Personal bereit war diesen überhaupt anzupiepsen, gestoppt werden konnte. Der eintreffende Arzt hätte mit seiner anschließenden OP-Vorbereitung höchstwahrscheinlich alle Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, so schnell und voller Panik in den Augen entfernte er alle angeschlossenen Geräte brüllte den Anästhäsisten und anderes notwendiges Personal zu sich um in einer NotOP (um Unterschrift o.Ä. wurde hier nicht einmal mehr gefragt) das Kind (welches sich bereits mehrfach in der eigenen Nabelschnur verfangen hatten und an Sauerstoffmangel zu leiden drohte) per Kaiserschnitt zu holen. Das Kind ist glücklocherweise gesund geboren worden. Der Fuss war durch das Ge- und Entwickeln etwas verstaucht, aber das gab sich schnell wieder. Mein Stiefsohn hatte leider nicht so viel Glück.

Auch kenne ich einen Fall in dem ein Hömäopath wochenlang an einer Patientin (auch nahe Verwandte) rumdockterte und dabei mal eben einen Hinterwandinfarkt übersah.

Auf der anderen Seite suchen diverse Schulmediziner bei mir seit nunmehr 15 Jahren nach der Ursache von Lungenprobleme, und finden auch nur Symptome aber keine Ursache, das macht auch nicht gerade Mut.

Was ich damit nur sagen will, ist dass es doch völlig Blödsinnig ist Berufsgruppen gegeneinander aufzurechnen. Ich bin als Militärmusikportepeeunteroffizier in V-Fallverwendung als Sanitäter, Krankenpflegehelfer und Rettungsassistent ausgebildet worden. Dabei habe ich diverse Praktika (auch im Krankenhaus und auf dem RTW) machen müssen, und dabei tolle Kollegen und absolute Graupen kennenglernt.

Zum zentralisierten System vielleicht noch folgendes. Ich war (wie gesagt) 12 Jahre beim Bund und musste dort auch zunächst zum zuständigen Standortarzt und wurde nur bei Bedarf zum Facharzt überwiesen. Auch das behandelnde Bw- oder Zivilkrankenhaus wurde uns gegebenenfalls zugewiesen. Ich habe dieses als optimales System empfunden, weil hierdurch auf der einen Seite Kompetenzen kostengünstig gebündelt werden können und auf der anderen Seite ein jeder verantwortungsvolle Arzt eine Überweisung ausfüllt sobald er nicht mehr weiter weiss, oder eine korespondierende Meinung einholen möchte. Er tut sich hiermit auch deutlich leichter als der niedergelassene Kollege, da er vom System unabhängig von der Zahl der behandelnden Patienten bezahlt wird. Aber auch bei den niedergelassenen macht jeder verantwortungsvolle Arzt so was. Als Beispiel gebe ich velleicht mal den Fall als ein wehrpflichtiger Gynäkologe warum auch immer bei uns als Standortarzt eingesetzt wurde. (Das war übrigens vor der Totalöffnung der BW für Frauen) Naturgegebener Maaßen war in diesem 3/4 Jahr fast jeder von uns beim Facharzt (mehr Zivil als BW da das nächste BwK mindestens 110km weg ar und die nächste Kaserne immerhin auch knapp 20km) und der Kammerad setzte sich mehr in anderen Bereichen ein. Und hatte damit auch kein Problem weil es eben keinen finanziellen Unterschied machte.

Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob die Systeme (BW und Schweden) wirklich so vergleichbar sind wie es auf den ersten Blick aussieht, aber prinzipiell sehe ich zentralisierte Systeme als Chance und nicht als Gefahr. Und wenn man wirklich mal eine Graupe erwischt, gibt es ja noch den Beschwerdeweg.

So jetzt will ich aber (endlich) aufhören. Ich hoffe keiner versteht mich falsch, und ich habe den ersten Fall auch nicht deshalb so viel ausführlicher als die anderen geschildert, weil ich was gegen Hebamen habe (ganz im Gegenteil) sondern weil er eben am ehesten in das Ausgangsthema dieses Threads passt.

Kurz um mehr miteinander statt gegeneinander wäre glaube ich ein guter Anfang, und das gilt sowohl unter medizinischen Kollegen als auch zwischen Mediziner und Patient.
Hejdå

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Die Vier » 29. April 2007 22:50

Europeean schreibt:
Kurz um mehr miteinander statt gegeneinander wäre glaube ich ein guter Anfang, und das gilt sowohl unter medizinischen Kollegen als auch zwischen Mediziner und Patient.[/quote]

Genau das ist es ,was ich meine! Jeder hat seine "Daseinsberechtigung"und Kompetenzen!

Susanne
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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 29. April 2007 23:03

Ich schreibe das jetzt bewusst als Frage, und nicht als Vermutung oder Unterstellung:

Kann der fehlende oder geringere Standesdünkel in Schweden wovon Susanne schreibt daran liegen, dass in Schweden Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal ebenfalls studierte Akademiker sind. (Fände ich eher schade, denn dann wäre es doch nicht so sehr anders als bei uns, sondern nur andere Grundvoraussetzungen) oder liegt es doch en einem Gesammtkollegenverhältniss in einem homogenen System unabhängig der ausbilungstechnischen Anamnese?

Wäre sehr schön. Bei uns habe ich letzteres (natürlich mit unrühmlichen Ausnahmen) sowohl im Militärmusikdienst als auch im Sanitätsdienst erleben dürfen, und empfand das als sehr angenehm.
Hejdå

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Danskepige » 31. Mai 2007 13:18

Vielen, vielen herzlichen Dank!

Yippie, wir haben eine Lösung finden können :)

Sagt mal, kann man seine (bis jetzt eingezahlten) Rentenbeiträge nach Schweden übertragen lassen? Sollte doch machbar sein, oder? :roll:

Im übrigen wollen wir im April ´09 nach Schweden und wir freuen uns jetzt schon riesig :D

glada

Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon glada » 31. Mai 2007 13:35

@ Oliver: erklär mir doch bitte nochmal was du mit "rollendem System "meinst, Schichtarbeit(ist auch hier üblich,wenn ihr nicht gerade eine Beleghebamme hattet)?

Entschuldige, Susanne, ich war der Meinung, auf die Frage geantwortet zu haben. Ich hatte es wohl vor aber nicht geschafft. :oops:
Bei der Geburt von unseren älteren Kinder war die Hebamme, die die Aufnahmeuntersuchung begleitet hatte, jeweils bei der Geburt der Kinder dabei - das kann natürlich Zufall gewesen sein.
In Schweden sind wir gegen 13.00 im Krankenhaus angegekommen, unserer Tochter wurde um 15.45 Uhr geboren, in der Zeit hatten wir 3 Hebammen getroffen, die die verschiedensten Untersuchungen gemacht haben. Das fand ich nicht so schön, weil so eine Geburt ja schon eine Vertrauenssache ist. Die Hebamme, die die Geburt durchgeführt, war aber trotzdem klasse!

Oliver

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Re: Kinder, vorher oder nachher?

Beitragvon Danskepige » 11. Juni 2007 13:09

Ich hätte da noch eine Frage :roll:
Mein Freund hatte vor ein paar Jahren schon mal in Schweden gewohnt und gearbeitet. Er hat demnach schon eine Personen Nr.
Wäre die dann noch aktuell (bis auf die Anschrift) oder müssten wir eine neue beantragen. So weit ich weiss, war sie nicht zeitlich begrenzt (wie bei Aupair´s).


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