Kapitalertragssteuer?

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vinbergssnäcka
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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon vinbergssnäcka » 13. Januar 2015 12:24

Ja, so ist es scheinbar.....kriegst sicher noch bessere Antworten.


Allerdings sehe ich in Eurem Fall überhaupt keinen Grund, in Zukunft Steuererklärungen in Deutschland abzugeben, solange ihr kein in Deutschland zu versteuerndes Einkommen habt.

Und natürlich habt ihr alle Vorzüge eines Sozialstaates, die ihr ausnützen könnt. Mach dich schlau, was Euch für Euer Kind in Schweden zusteht....ein Dagisplatz ist wohl nicht zu verachten oder? Eine kostenlose Sprachausbildung für Dich beim SFI wohl auch nicht?
Und wenn Du soweit bist, dann suchst Du Dir eine Arbeit, so wie die meisten Schwedinnen mit Kind und Kindern auch....ist auch wichtig in Hinsicht auf deinen zukünftigen Rentenanspruch. In Schweden gibt es keine Hinterbliebenenrente....

Grundsätzlich habe ich hier in Schweden alles ein wenig "einfacher" empfunden....braucht man Hilfe oder Beratung, dann wendet man sich an entsprechende Behörde....und Steuererklärungen sind schon (fast) fertig ausgefüllt...natürlich nicht mit Deinen deutschen Kapitaleinkünften....aber auch da wird man dir weiterhelfen...beim skatteverket...
liebe Grüsse

Heike

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EuraGerhard
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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon EuraGerhard » 13. Januar 2015 13:36

Frieda hat geschrieben:- da es kein Ehegattensplitting gibt, zahlt mein Mann weiter genau seine Steuern wie vorher. Also durch uns nicht mehr und nicht weniger. Oder gibt es zumindest für eigene Kinder in Schweden Steuervorteile?

Richtig. Ob es für im eigenen Haushalt lebende Kinder in Schweden Steuervorteile gibt, weiß ich nicht sicher. Ich glaube aber nicht.

Frieda hat geschrieben:- zukünftig müssen wir also 3 Steuerklärungen erstellen: Mein Mann und ich jeder in S eine. Und eine gemeinsame in D, wo mir unklar ist, was er da eintragen soll. Sein schwedisches Erwerbseinkommen?

Nur für 2014 müsst ihr auf jeden Fall 3 Steuererklärungen erstellen. Ab dem Steuerjahr 2015 dann vermutlich nur noch 2 in Schweden, eine für Dich und eine für Deinen Mann. Das kommt aber soweit ich weiß darauf an, welcher Art Deine Kapitalerträge sind. Hier solltest Du Dich beim deutschen Finanzamt bzw. auch Deiner Bank erkundigen.

Frieda hat geschrieben:- wenn ich in Schweden steuerpflichtig bin und es hier keine Freigrenze für Zinseinkünfte gibt, ist also die Folge, dass ich volle schwedische Steuern auf alle meine Kapitaleinkünfte zahle. Obwohl die Zinsen in D anfallen und ich/wir da weit unter dem Freibetrag liegen.

Richtig, so weit ich weiß. Der deutsche Freibetrag steht Dir meines Wissens nach nur zu, wenn Du in D unbeschränkt steuerpflichtig bist. Normalerweise heißt das, dass Du in D wohnen musst. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du beantragen, auch ohne deutschen Wohnsitz in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig zu sein. Ob das in Deinem Fall aber möglich bzw. sinnvoll ist, weiß ich nicht, bezweifle es aber.

Frieda hat geschrieben:Und mein Mann hat finanziell nur Nachteile durch uns: dieselben Steuern, unseren Lebensunterhalt und nun auch noch mein persönliches Taschengeld, wofür ich meine Zinseinkünfte eingeplant hatte. Also gegenüber unserem bisherigen Nichtverheiratetsein fängt unsere Ehe finanziell mit einem ziemlichen Rückschlag an :(

Richtig. Allerdings hat das mit der Heirat nichts zu tun, sondern allein mit dem Umzug nach Schweden. In Schweden macht es - im Gegensatz zu Deutschland - steuerlich keinen Unterschied, ob man alleinstehend, verheiratet oder unverheiratet zusammenlebend ist.

Frieda hat geschrieben:Was würde denn passieren, wenn ich gar keine Steuererklärung abgebe? Wäre (zumindest nach meinem Gefühl :) ) keine Steuerhinterziehung, da der 30%-Abschlag ja gleich einbehalten wurde.

In Schweden steigt Dir dann das Skatteverket aufs Dach und verhängt erst mal Bußgelder. Gibst Du trotzdem partout keine Erklärung ab, so wird Dein Einkommen geschätzt und die Steuer darauf notfalls per Gerichtsvollzieher eingetrieben. Und wenn Du in Deutschland keine Erklärung abgibst, dann werden halt Deine Kapitaleinkünfte aus 2014 sowohl in Deutschland als auch in Schweden besteuert. Ab 2015 brauchst Du allerdings, siehe oben, in D wahrscheinlich keine Steuererklärung mehr abzugeben.

Zum Thema "Steuerausländer": Dies hat - soweit ich weiß - etwas mit der Quellensteuer zu tun. Wenn man bei der Bank als Steuerausländer registriert ist, führt die Bank keine Quellensteuer mehr direkt ans Finanzamt ab.

MfG
Gerhard

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon Krümel7 » 14. Januar 2015 19:47

Du kannst in D für 2014 einen Antrag auf Einzelveranlagung stellen und kannst deine Einkünfte aus Kapitalvermögen u. evtl. andere Einkünfte erklären. Sollten diese Zinsen deine einzigen Einkünfte sein, würdest du die KapESt auch zurückbekommen, wenn sie höher als der Freibetrag von 801 € wären, da du ja als unbeschränkt Stpfl. noch einen Grundfreibetrag von über 8.300€ hättest.
Deine KapEst würdest also wiederbekommen. Die Einkünfte des Ehemannes musst du bei dieser Einzelveranlagung nicht angeben, da du ja nur deine eigenen Einkünfte versteuern musst. Falls dein Mann lediglich Arbeitslohn in S bezieht, ist dieser ja auch damit in S voll steuerpflichtig. Aufgrund der Beibehaltung des dt. Wohnsitzes gilt dein Mann zwar auch in D unbeschränkt stpfl., mangels in D stpfl. Einkünfte hätte das FA m.E.n. jedoch kein Interesse an einer Steuererklärung. Du könntest das ja in einem Anschreiben zu deiner Steuererklärung in D so erklären, um den Sachverhalt zu erläutern.
Für 2015 würde ich dir empfehlen, eine schwedische Ansässigkeitsbescheinigung bei der Bank einzureichen. Denn du giltst als in S ansässig und somit sind die Zinsen in S stpfl. und dürften! in D nicht mehr besteuert werden. Das kann die Bank jedoch erst wissen und entsprechend handeln, wenn du dies erklärst.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Erledigung dieser Angelegenheit.
Grüße Krümel

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon Frieda » 14. Januar 2015 21:44

Danke, liebe/r Krümel auch für diese Antwort.

Eine Verständnisfrage: der Antrag auf Einzelveranlagung bezieht sich auf die Ehegatten, also dass jeder (in dem Fall ich) eine eigene Erklärung abgibt, anstelle der gemeinsamen?
Das ist mir neu und würde in meinem Fall rein technisch viel erleichtern, da ich dann bei den eh schon weiten und belastenden Europareisen nicht noch meinen ganzen Anhang zum FA schleppen und mein Mann alle möglichen schwedische Unterlagen mitnehmen müsste.
Zumindest für 2014 könnte ich dann also meine dt. Steuererklärung allein und fast wie gewohnt machen? Da fällt mir ein regelrechter Stein vom Herzen :)

LG
Frieda

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon Krümel7 » 14. Januar 2015 22:46

Hej Frieda,
ja du kannst auf jeden Fall einen Antrag auf Einzelveranlagung stellen. Es wäre bestimmt hilfreich, das bereits erwähnte Anschreiben zur Erläuterung dazu zu fertigen, bzgl. der Einkünfte deines EM. Bitte denke daran der Steuererklärung, die Steuerbescheinigung über die KapESt im ORIGINAL beizufügen. Sonst erfolgt keine Anrechnung. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.
Grüße Krümel

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon Auswanderer » 21. Januar 2015 13:27

Also....

Erstens, bei einer Doppelbesteuerungseinkommen geht es nicht darum, weniger Steuererklärungen abzugeben, sondern doppelte Besteuerung zu vermeiden. Üblicherweise zahlt man in einem Land Steuern und diese werden im anderen Land mit der Steuerschuld verrechnet. Aber eine negative Differenz führt nicht zur Auszahlung. Wenn man einfach keine Steuererklärung abgibt, mit der Begründung, man lebt nicht nur in einem Land, dann könnte man dies in jedem Land sagen und nirgendwo Steuern sparen. Gerade in letzter Zeit gibt es eine stärkere Zusammenarbeit, weil viele Leute, die es sich leisten können, mehrere Wohnsitze zu haben, meinten, sie müssten nirgendwo Steuern zahlen.

Zweitens, andere Länder, andere Sitten. Wenn du in Schweden lebst, dann ist es einfach so (und, meiner Meinung nach, gerechterweise so), dass es keine Freibeträge für Zinseinkünfte gibt. (Derjenige, der den zweiten Job annehmen muss, um über die Runde zu kommen, muss dieses "Zusatzeinkommen" voll versteuern. Jemand, der genug Geld hat, dass er überhaupt nennenswerte Beträge von Zinsen bekommt, und dafür nicht arbeitet, soll einen Freibetrag bekommen? Leuchtet überhaupt nicht ein.) Wenn es dir nicht gefällt, ziehe irgendwo anders hin.

Drittens, wenn ihr verheiratet seid, seid ihr verpflichtet, in Deutschland eine Steuererklärung abzugeben.

Viertens, ja, man muss die Zinseinkünfte gar nicht angeben---das ist ja der Sinn von der Abgeltungssteuer. Bei der Steuererklärung, die ihr ja sowieso abgeben muss, das entsprechende Feld ankreuzen.

Fünftens, bei den niedrigen Zinsen, wenn du nennenswerte Zinseinkünfte hast, dann hast du viel auf der hohen Kante.

Ja, es ist nicht alles klar. Aber du musst dir abgewöhnen, zu denken "in Deutschalnd ist es so, und darum erwarte ich diesen Vorteil auch dann, wenn ich in Schweden lebe".
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon Rallaren » 21. Januar 2015 19:41

EuraGerhard hat geschrieben:Komplett gratis ist es nicht, man zahlt zumindest eine Art Praxisgebühr. Und Zahnarztkosten zahlt man (als Erwachsener) komplett selbst, diese sind allerdings erheblich niedriger als in D. (Für das Geld, was ich hier für eine komplette Füllung bezahle, würde mich ein deutscher Zahnarzt vermutlich noch nicht einmal den Mund aufmachen lassen. :wink: )
MfG
Gerhard

Hej, ich habe eine friskvårdsförsäkring für meine Kauleisten abgeschlossen. Der monatliche Betrag richtet sich nach dem Zustand der Knäcken.
Ich zahle 330 SEK monatlich. Dafür sind alle Behandlungen kostenlos, 2 x im Jahr Zahnhygienist, und einmal im Jahr Komplettdurchsicht.
Das finde ich fair.

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Re: Kapitalertragssteuer?

Beitragvon EuraGerhard » 22. Januar 2015 08:05

Rallaren hat geschrieben:Hej, ich habe eine friskvårdsförsäkring für meine Kauleisten abgeschlossen.

Gut, das hatte ich nicht erwähnt: Man kann, wenn man will, eine private Zusatzversicherung für Zahnbehandlungen abschließen. Aber im staatlichen System sind Zahnbehandlungen für Erwachsene nicht enthalten.

Das ist für mich aber nichts Neues, denn in den Niederlanden war es genauso. Ich habe aber dort ebenso wie jetzt in Schweden auf eine solche Zahn-Zusatzversicherung verzichtet. Ich lege lieber entsprechend Geld auf die hohe Kante und zahle im Zweifelsfalle selbst.

MfG
Gerhard


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