Jultidning schon im August

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Jultidning schon im August

Beitragvon unbekannt » 28. August 2011 12:12

Hallo zusammen,

dieser Tage hatten wir schon den zweiten Besuch eines geschäftstüchtigen Kindes, welches an der Haustür eine Weihnachtszeitung (jultidning) verkaufen möchte. Das hat Tradition in Schweden. Aber ich finde das im August etwas verfrüht. Ich bin noch nicht in Weihnachtsstimmung. Welche Erfahrungen habt Ihr?

Siehe auch unter http://sv.wikipedia.org/wiki/Jultidningar: "Försäljningen av jultidningar har sedermera blivit ett sätt för ungdomar mellan 9 och 15 år att tjäna extrapengar. Förlagen lockar med goda förtjänster, (upp till 33 procent) och olika bonusvaror där de elektroniska blivit alltmer dominerande genom åren.".

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Berta
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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon Berta » 28. August 2011 13:59

Hej Volker,

eine solche Jultidning-Tradition gibt es hier natürlich nicht - aber seit letzter Woche stehen im Supermarkt schon sämtliche Weihnachtsutensilien, die man sich vorstellen kann: Lebkuchen, Dominosteine, Spekulatius, ... Hier sind noch Sommerferien und an dem Tag, an dem alles einsortiert wurde, hatten wir rund 35 Grad.

Gruß
Berta.

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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon kilopapa » 28. August 2011 15:06

Berta hat geschrieben: seit letzter Woche stehen im Supermarkt schon sämtliche Weihnachtsutensilien, die man sich vorstellen kann: Lebkuchen, Dominosteine, Spekulatius,


Konsequenterweise müßten dann zu Sylvester die Osterartikel in den Regalen stehen ......... finde ich schlimm, sowas. Ebenso das Verteilen der jultidning im August.
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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon irni » 28. August 2011 15:20

Wie mit aller Werbung, alle wollen die ersten sein, also schickt man die Jultidningskataloge zum Schulanfang raus. Es kann taktisch sein dann gleich die Nachbarschaft abzugrasen bevor sonst jemand kommt und den Markt kaputt macht. Immerhin gibt es einige Verlage, die mit diesem Konzept arbeiten und fast jedes Kind hat mal Jultidningar verkauft. Wir sind in der Nachbarschaft zusammengegangen und haben die Verlage auf unsere Kinder verteilt, damit alle was verkaufen konnten ohne das Revier des anderen allzusehr einzuschränken.
Auch wenn ich noch keine Weihnachtsstimmung aufbringen kann und ich das mit den Jultidningar eigentlich zu früh finde, was kann ich daran ändern? Ich bestelle jetzt und bekomme meine Artikel dann lagom zum ersten Advent, das ist zumindest einigermassen ok.

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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon kilopapa » 28. August 2011 15:40

irni hat geschrieben: Ich bestelle jetzt und bekomme meine Artikel dann lagom zum ersten Advent, das ist zumindest einigermassen ok.


Spaß an: Und wenn Du bis dahin vergessen hast, was Du bestellt hast, dann gibt es noch eine schöne adventliche Überraschung. Spaß aus.

Ich finde, es geht durch diese aberwitzig frühen Aktionen viel der weihnachtlichen Vorfreude und Stimmung verloren. Durch die lange Zeit bis Weihnachten wird das ganze dann mehr oder weniger lästig. So kommt es jedenfalls bei mir an.
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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon goteborgcity » 28. August 2011 16:43

Die vier Verlage, die mittlerweile Jultidningar herausgeben, haben sich dieses Jahr entschlossen alle am gleichen Tag ihre Zeitschriften zu versenden, damit der Konkurrenzdruck geringer werden soll.

Es geht dabei für die Verlage um ein Mehrmillionengeschäft, das darauf aufbaut, dass Kinder für eine möglichst hohe Summe Artikel verkaufen um, dann ebenfalls zu Weihnachten, eine Playstation 3, ein Ipad oder auch eine Systemkamera zu bekommen, was vom Umsatz der Kinder abhängt. Diese Verkaufserfolge sind selten, aber erfordern auch einen monatelangen Einsatz der Kinder. Um z.B, eine Playstation 3 zu bekommen, müssen sie für rund 7500 Kronen Artikel an der Haustür verkaufen.

Jultidningar sind ein uralter Brauch in Schweden und werden heute wegen der immensen Gewinne der Unternehmen weitergeführt. Der schwedische Verbraucherverband rät bereits davon ab und warnt vor dem Missbrauch der Kinder, die natürlich auch nicht allein von Tür zu Tür gehen können, sondern oft ein Elternteil in der Nähe haben müssen, allein aus Sicherheitsgründen.

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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon kilopapa » 28. August 2011 17:00

Hej Herbert,

das hört sich für mich aber schon pervers an, wenn die Kinder für Haustürgeschäfte losgeschickt werden.
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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon goteborgcity » 28. August 2011 17:17

Jultidningar gehen in Schweden bis ins Jahr 1906 zurück und sollten das Weihnachtsgeschäft etwas ankurbeln. Die erste Jultidning wurde in einer Auflage von 100.000 Exemplaren gedruckt, wobei das besondere der frühen Ausgaben war, dass berühmte Künstler weihnachtliche Zeichnungen dafür malten, die heute sehr teuer verkauft werden. Diese Zeitungen sollten ein weihnachtliches Gefühl, eine Atmosphäre vermitteln. Von Beginn an sollten jedoch Kinder als Verkäufer dienen, die sich damit selbst einen Weihnachtswunsch erfüllen konnten.

Ursprünglich sollten Kinder jedoch nur bei Verwandten und Freunden der Familie als Verkäufer auftreten, was realtiv ungefährlich war. Heute werden sie mit grossen Preisen gelockt, die in vielen Fällen zu einem Tür-zu-Tür-Vertreter-Geschäft wird, was eigentlich nur von den vier Verlagen als positiv gesehen wird. Immer mehr Eltern, vor allem in Städten, werfen die Zeitungen direkt vom Briefkasten in die Tonne, aber durch Internet kann sich jedes Kind natürlich direkt mit den Verlagen in Verbindung setzen.

Es gibt in Schweden aber noch mehrer Ereignisse wo Kinder für Reklamezwecke, auch sehr positive, eingesetzt werden. Eines der positiveren Beispiele ist zum Beispiel die Majblomman:

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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon Imrhien » 28. August 2011 19:17

Hej,
mich nerven die jultidningar unglaublihc und ich finde es nicht gut wie da die Kinder ausgenutzt werden, damit einige Verlage noch mehr Krimskrams verkaufen können. Wenn man nämlich mal in die Kataloge schaut, dann ist es oft Zeugs, das man eigentlich nicht unbedingt braucht und auch nicht mal zum super Sonderpreis. Natürlich steht bei uns seit Jahren immer wieder das gleiche Kind vor der Tür und da man sich hier im Ort kennt, kann man kaum nein sagen. Aber meist kommen noch andere nach, da habe ich dann aber oft schon bestellt. Ich kaufe immer irgendwas, und meist vergesse ich tatsächlich was es war... :)
Die Verlage nutzen ja nur aus, dass man bei Kindern weniger nein sagen kann/will. Das finde ich total unfair und auch nicht fair den Kindern gegenüber. Die werden natürlich gelockt weil man ihnen erzählt, dass sie duktig sind und sogar noch was dran verdienen. Meine Kinder bekommen auch was für getane Arbeit. Finde ich ok, dass Kinder lernen, dass man Geld verdienen muss und wie das mit Kaufen und Verkaufen geht. Aber nicht auf diese Weise, finde ich.

Ach noch eins: Ein Kollege hat letztes Jahr die Zeitung mitgebracht, ins Büro. Er wollte seiner Tochter helfen den Nintendo auf die Weise zu bekommen. Das fand ich schon merkwürdig. Da war der Druck auch vorhanden, dass man ja eigentlich was kaufen müsste. Da hab ich mich aber dann verweigert und gesagt, dass ich aus der gleichen Zeitung schon hätte. Stimmte sogar. Aber ich wollte auch einfach nicht noch mehr kaufen und dann noch so.

Ich beschliesse jedes Jahr, dass ich nächstes Jahr ganz sicher stark bin und nein sage... bisher klappt es nur bedingt. Aber immerhin, mittlerweise kaufe ich nur noch bei dem ersten Kind und nicht mehr bei allen... Wenigstens ein Fortschritt für mich ;)
Grüsse
Wiebke

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Re: Jultidning schon im August

Beitragvon knut245 » 29. August 2011 08:56

Hallo Wiebke,

ich verstehe Dich vollkommen. Aber durch den Kauf beim ersten Kind beförderst Du natürlich genau das Phänomen, dass sie immer früher kommen. Vielleicht nimmst Du Dir vor, beim ersten Kind im Advent zu kaufen? Oder ist das dann schon zu spät? Ich kenne den Brauch ja nicht, denn ich lebe in D.

Aber ähnliches gibt es hier auch, sogar über die Schulen: da werden Spendenboxen vom Vogelschutzbund oder dem Jugendherbergswerk an die Kinder ausgeteilt, zusammen mit einer Liste. Dann sollen sie betteln gehen und ihren Ertrag in die Liste eintragen, und in der Klasse wird dann vorgelesen, wer am meisten hatte. Ursprünglich für die Vernwadtschaft gedacht (schlimm genug), sieht man immer wieder auch Kinder auf der Straße stehen damit :evil:

Wir versuchen unseren Kindern beizubringen, dass Spenden eine sinnvolle, aber freiwillige Sache ist.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.


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