Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

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-Tats-
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Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon -Tats- » 13. Mai 2010 11:43

Hallo,

Keine Angst, das wird kein "Schweden ist doof"-Beitrag, weil wir (mein Freund und ich) das auch nicht so empfinden. Die Stimmung fährt mehr Achterbahn und ich glaube uns wird so langsam klar, dass wir die Auswirkungen von unserem Experiment Schweden auf die Psyche gnadenlos unterschätzt haben.

Als wir uns Tipps geholt haben, haben wir primär an so Fragen gedacht wie "Wie kommen wir an eine Wohnung?" - "Welche Kosten kommen auf uns zu, einmalig und laufend?" - "Wie am besten die Jobsuche angehen?" usw. nicht besonders außergewöhnlich. Ich denke wir waren in unserer Erwartungshaltung auch nicht sonderlich Bullerbyn-verklärt, sondern haben uns auf jede Menge Arbeit eingestellt.

Und jetzt ist es wie erwartet aber auch ganz anders. Leider noch immer kein Job in Aussicht, was meinem Freund zunehmend auf den Magen schlägt. Ich hab ja wenigstens die Zusage von der Uni und suche mehr einen Nebenjob. Aber er ist von einer 80 Stunden Woche auf Schule, Bewerbungen schreiben, nachtelefonieren und Jobcoach-Terminen geschrumpft.

Auch wenn wir (grad weil wir noch nicht soooo lange hier sind) immer wieder tolle Sachen erleben und entdecken, ist es genauso oft frustrierend, kräftezehrend und belastet vor allem unsere Beziehung.

Habt ihr das ähnlich empfunden als ihr hier hin gezogen seit? Wie lange hat es gedauert bis ihr euch heimisch gefühlt habt? Und wie habt ihr zusammen mit Familie und/oder Partner das "durchgestanden"?

Danke fürs lesen und antworten

liebe grüße
tats

Cassy

Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Cassy » 13. Mai 2010 14:05

Ich empfehle Dir das Buch "Schweden für Jeden" gibt es in Ikea Germany zu kaufen. Diese Buch beantwortet alle Deine Fragen! Und Du bekommst ein realistiches Bild von Schweden! Ich kann diese Buch nur jeden Empfehlen der nach Schweden auswandert. In dem Buch wird unter anderem beschrieben, wie die Mentalität, Tradition und Historie der Schweden in Wirklichkeit ist. Positives wie Negatives halten sich realistisch die Waage. In dem Buch wird sehr genau hinter die Kulissen geschaut unter anderem, was sich hinter der so genannten ersten Freundlichkeit wirklich verbirgt....

Viele Grüße aus Mittelschweden - 7 Jahre wohnhaft hier in Schweden

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Svenja
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Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Svenja » 13. Mai 2010 14:15

Hej tats,

ich lebe mit meinem Mann seit einem guten Jahr in Schweden. Wir haben vorher viele Jahre jeden Urlaub hier verbracht(genau 19) und müssten also alles bestens kennen und trotzdem ist es völlig anders ganz hier zu leben.

Ich konnte jetzt nicht so genau herausfinden, was Euch so schwer fällt, bzw was es ist, das die "Achterbahngefühle" hervorruft. Auf einen Nenner gebracht drückte eine Austauschstudentin aus Philadelphia das so aus: "Die Schweden sind eine geschlossene Gesellschaft" und sie bezog sich dabei wohl vor allem auf den Umgang der Menschen untereinander. Die Beziehungen sind oberflächlicher, die Begegnungen seltener, Probleme werden nicht im Freundeskreis besprochen. So habe ich das erlebt.

Das andere ist die Unzuverlässigkeit, die uns auch schon oft auf die Palme gebracht hat. Da braucht man ein dickes Fell und Durchhaltevermögen, das Bewußtsein, woanders ist es anders.

Obwohl ich sehr gerne hier lebe treibt mir so manches den Schweiß auf die Stirn und die Zornesröte ins Gesicht. Ich versteh's manchmal schlicht weg nicht.

Und glaub mir, so geht es sehr vielen, die hierherkommen. Es gibt, muss man sagen, auch genügend, die den Rückweg antreten.

Ich mag Schweden, liebe Land und Leute, aber etwas sollte zurückkommen. Bisher war es bei uns Gott sei Dank auch so,

lg Svenja
Det är inte i medvind utan i motvind vingarna stärks (Helena Langenhed)

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Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Utusch » 13. Mai 2010 15:48

Die Unzuverlässigkeit ist tatsächlich schwer zu ertragen, wirkliche Freunde finden
ist nicht leicht und mit schwedischer Arbeitsmoral ist es fuer mich nach wie
vor schwer zu leben.
Nach 3 Jahren hat sich eine Freundschaft zu einer Kollegin enwickelt und jetzt
habe ich endlich das Gefuehl angekommen zu sein.
Fuer meinen Mann ist es sehr schwer das ein oder andere zu akzeptieren und
es endet oft in einen Diskusion.
Trotzdem lebe ich gerne in Schweden, das Gefuehl ein bischen frei zu sein ist
mir sehr viel wert.
Lebe seit 5 Jahren in Schweden.

Ich kann aber jeden verstehen der Rueckwandert!

Viele Gruesse aus Hishult
Ute

Bitte erklären

Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Bitte erklären » 13. Mai 2010 21:39

Hallo,

was meint Ihr mit "Unzuverlässigkeit" der Schweden? Ich lebe auch schon recht lange hier und finde i Gegenteil, dass die Schweden ziemlich verlässlich sind.

Realist

Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Realist » 14. Mai 2010 07:12

Hallo @lle,
gut, dass solche Dinge mal angesprochen werden - ich lebe jetzt zweieinhalb Jahre in Stockholm und kann sagen, dass natürlich überhaupt nix so ist wie im Urlaub! Auch wenn ich auch da schon Kontakte zu Schweden hatte.
Freundschaften schließen: Haben ein Paar als "beste Freunde" wie man so sagt und da ist es eigentlich nicht viel anders als in Deutschland.
Was mir Probleme macht, ist diese Mentalität der ständigen Nettigkeit. Ich bin auch ein Netter ;-) aber sage auch gern mal deutlich und direkt meine Meinung. Aber damit kann man böse anecken! Sie sind hier ein bisschen so wie in China: Immer lächeln, immer vergnügt (an der Oberfläche) - wie es innen aussieht, da hat man oft keine Ahnung.
J.

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Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon -Tats- » 14. Mai 2010 10:35

Hej hej,

Hmm :oops: ja stimmt ich hab mich ein bisschen vage ausgedrückt, wahrscheinlich weil ich selber nicht genau weiß wie ich´s am besten erklären soll.
Einerseits ist es tatsächlich so dass wir uns schwer tun hier neue Freunde zu finden. Hoffen dass das im Sportverein besser wird, aber wir haben schnell gemerkt, dass viele zwar nett sein möchten aber nicht so scharf auf näheren Kontakt sind. Das ist natürlich schon ein bisschen verletzend wenn man sich hier die eingeschworene kleine Gemeinschaft in der Straße anschaut und selbst eher außen vor steht, aber damit kommen wir klar.

Viel belastender finde ich dass ich mich mit meinem Freund permanent zoffe - und wir in der Hinsicht total naiv waren als wir in Deutschland das ganze durchgeplant haben. Es gibt bestimmt Pärchen und Familien die durch solche Erlebnisse enger zusammengeschweißt werden - bei uns ist der Ärger mit dem Migrationsverket, Sprachbarrieren, keinen Job (und natürlich keinen Freundeskreis wie wir den in D hatten) Grund genug um wegen allem möglichen, auch kleinem Kram, zu giften.

Ich hab ganz selbstverständlich gedacht dass die Beziehung das kleinste Problem hier sein würde, alles wie immer in den letzten 8 jahren - stattdessen wird das hier auf eine echte Zerreißprobe gestellt.

Zum Thema Zuverlässigkeit: Bekannte, die uns hier wegen Problemen in der Wohnung oder ähnlichem geholfen haben, waren total zuverlässig. Aber was so Organisationen wie Skattverket, Migrationsverket, Försäkringskassan betrifft ist es eigentlich fast schon wieder lustig was man erlebt, ist auf jeden Fall besser nochmal hartnäckig hinterher zu telefonieren um sicher zu gehen das alles klappt ;)

Nico
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Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon Nico » 14. Mai 2010 15:21

-Tats- hat geschrieben:Es gibt bestimmt Pärchen und Familien die durch solche Erlebnisse enger zusammengeschweißt werden - bei uns ist der Ärger mit dem Migrationsverket, Sprachbarrieren, keinen Job (und natürlich keinen Freundeskreis wie wir den in D hatten) Grund genug um wegen allem möglichen, auch kleinem Kram, zu giften.

Kann ja nachvollziehen, dass Belastungen für die persönliche Situation sich auch auf Beziehungen auswirken. Aber ist es nicht etwas naiv, Beziehungsprobleme ganz auf Migrationsverket etc. abzuwälzen?

irni
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Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon irni » 14. Mai 2010 17:31

Nico hat geschrieben:Kann ja nachvollziehen, dass Belastungen für die persönliche Situation sich auch auf Beziehungen auswirken. Aber ist es nicht etwas naiv, Beziehungsprobleme ganz auf Migrationsverket etc. abzuwälzen?


Ich glaube nicht das das so gemeint war. Migrationsverket, Arbetsförmeling usw sehe ich eher als den berühmten Tropfen, der alles zum Überfliessen bringt.
Wie oft habe ich nicht meinem Mann vorgeworfen, dass er als Schwede an allem schuld wäre :D Dass er mich nicht einfach nach Hause schickte.....


Für mich kam der Wendepunkt nach 4 Jahren als ich eine feste Anstellung bekam. Mit meinem wachsenden Selbstvertrauen kam auch ein grösseres soziales Netzwerk und plötzlich fand ich meinen Platz.

silvia

Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?

Beitragvon silvia » 14. Mai 2010 17:45

Realist hat geschrieben:Was mir Probleme macht, ist diese Mentalität der ständigen Nettigkeit. Ich bin auch ein Netter ;-) aber sage auch gern mal deutlich und direkt meine Meinung. Aber damit kann man böse anecken! Sie sind hier ein bisschen so wie in China: Immer lächeln, immer vergnügt (an der Oberfläche) - wie es innen aussieht, da hat man oft keine Ahnung.


Genau mein Problem! Bin auch sehr gern nett und freundlich, hab aber andererseits meist eine klare Meinung. Für mich kein Gegensatz! Anfangs hat mich die "Freundlichkeit" und das stete Bemühen um Kompromisse hier sehr beeindruckt, da ich dachte, das entspringt echtem Verständnis. Inzwischen weiß ich, Hintergrund sind Desinteresse und Feigheit, und seitdem geht es mir zunehmend auf den Geist...


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