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Schweden
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Schweden und Norwegen - Fähre, Urlaub, Reisen & Meer

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 Betreff des Beitrags: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010 12:43 
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Registriert: 7. Mai 2010 21:14
Beiträge: 17
Hallo,

Keine Angst, das wird kein "Schweden ist doof"-Beitrag, weil wir (mein Freund und ich) das auch nicht so empfinden. Die Stimmung fährt mehr Achterbahn und ich glaube uns wird so langsam klar, dass wir die Auswirkungen von unserem Experiment Schweden auf die Psyche gnadenlos unterschätzt haben.

Als wir uns Tipps geholt haben, haben wir primär an so Fragen gedacht wie "Wie kommen wir an eine Wohnung?" - "Welche Kosten kommen auf uns zu, einmalig und laufend?" - "Wie am besten die Jobsuche angehen?" usw. nicht besonders außergewöhnlich. Ich denke wir waren in unserer Erwartungshaltung auch nicht sonderlich Bullerbyn-verklärt, sondern haben uns auf jede Menge Arbeit eingestellt.

Und jetzt ist es wie erwartet aber auch ganz anders. Leider noch immer kein Job in Aussicht, was meinem Freund zunehmend auf den Magen schlägt. Ich hab ja wenigstens die Zusage von der Uni und suche mehr einen Nebenjob. Aber er ist von einer 80 Stunden Woche auf Schule, Bewerbungen schreiben, nachtelefonieren und Jobcoach-Terminen geschrumpft.

Auch wenn wir (grad weil wir noch nicht soooo lange hier sind) immer wieder tolle Sachen erleben und entdecken, ist es genauso oft frustrierend, kräftezehrend und belastet vor allem unsere Beziehung.

Habt ihr das ähnlich empfunden als ihr hier hin gezogen seit? Wie lange hat es gedauert bis ihr euch heimisch gefühlt habt? Und wie habt ihr zusammen mit Familie und/oder Partner das "durchgestanden"?

Danke fürs lesen und antworten

liebe grüße
tats


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010 15:05 
Ich empfehle Dir das Buch "Schweden für Jeden" gibt es in Ikea Germany zu kaufen. Diese Buch beantwortet alle Deine Fragen! Und Du bekommst ein realistiches Bild von Schweden! Ich kann diese Buch nur jeden Empfehlen der nach Schweden auswandert. In dem Buch wird unter anderem beschrieben, wie die Mentalität, Tradition und Historie der Schweden in Wirklichkeit ist. Positives wie Negatives halten sich realistisch die Waage. In dem Buch wird sehr genau hinter die Kulissen geschaut unter anderem, was sich hinter der so genannten ersten Freundlichkeit wirklich verbirgt....

Viele Grüße aus Mittelschweden - 7 Jahre wohnhaft hier in Schweden


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010 15:15 
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Registriert: 15. Januar 2010 13:18
Beiträge: 19
Wohnort: Kalmar län
Hej tats,

ich lebe mit meinem Mann seit einem guten Jahr in Schweden. Wir haben vorher viele Jahre jeden Urlaub hier verbracht(genau 19) und müssten also alles bestens kennen und trotzdem ist es völlig anders ganz hier zu leben.

Ich konnte jetzt nicht so genau herausfinden, was Euch so schwer fällt, bzw was es ist, das die "Achterbahngefühle" hervorruft. Auf einen Nenner gebracht drückte eine Austauschstudentin aus Philadelphia das so aus: "Die Schweden sind eine geschlossene Gesellschaft" und sie bezog sich dabei wohl vor allem auf den Umgang der Menschen untereinander. Die Beziehungen sind oberflächlicher, die Begegnungen seltener, Probleme werden nicht im Freundeskreis besprochen. So habe ich das erlebt.

Das andere ist die Unzuverlässigkeit, die uns auch schon oft auf die Palme gebracht hat. Da braucht man ein dickes Fell und Durchhaltevermögen, das Bewußtsein, woanders ist es anders.

Obwohl ich sehr gerne hier lebe treibt mir so manches den Schweiß auf die Stirn und die Zornesröte ins Gesicht. Ich versteh's manchmal schlicht weg nicht.

Und glaub mir, so geht es sehr vielen, die hierherkommen. Es gibt, muss man sagen, auch genügend, die den Rückweg antreten.

Ich mag Schweden, liebe Land und Leute, aber etwas sollte zurückkommen. Bisher war es bei uns Gott sei Dank auch so,

lg Svenja

_________________
Det är inte i medvind utan i motvind vingarna stärks (Helena Langenhed)


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010 16:48 
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Registriert: 12. Februar 2010 20:06
Beiträge: 33
Wohnort: Hishult
Die Unzuverlässigkeit ist tatsächlich schwer zu ertragen, wirkliche Freunde finden
ist nicht leicht und mit schwedischer Arbeitsmoral ist es fuer mich nach wie
vor schwer zu leben.
Nach 3 Jahren hat sich eine Freundschaft zu einer Kollegin enwickelt und jetzt
habe ich endlich das Gefuehl angekommen zu sein.
Fuer meinen Mann ist es sehr schwer das ein oder andere zu akzeptieren und
es endet oft in einen Diskusion.
Trotzdem lebe ich gerne in Schweden, das Gefuehl ein bischen frei zu sein ist
mir sehr viel wert.
Lebe seit 5 Jahren in Schweden.

Ich kann aber jeden verstehen der Rueckwandert!

Viele Gruesse aus Hishult
Ute


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 13. Mai 2010 22:39 
Hallo,

was meint Ihr mit "Unzuverlässigkeit" der Schweden? Ich lebe auch schon recht lange hier und finde i Gegenteil, dass die Schweden ziemlich verlässlich sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 08:12 
Hallo @lle,
gut, dass solche Dinge mal angesprochen werden - ich lebe jetzt zweieinhalb Jahre in Stockholm und kann sagen, dass natürlich überhaupt nix so ist wie im Urlaub! Auch wenn ich auch da schon Kontakte zu Schweden hatte.
Freundschaften schließen: Haben ein Paar als "beste Freunde" wie man so sagt und da ist es eigentlich nicht viel anders als in Deutschland.
Was mir Probleme macht, ist diese Mentalität der ständigen Nettigkeit. Ich bin auch ein Netter ;-) aber sage auch gern mal deutlich und direkt meine Meinung. Aber damit kann man böse anecken! Sie sind hier ein bisschen so wie in China: Immer lächeln, immer vergnügt (an der Oberfläche) - wie es innen aussieht, da hat man oft keine Ahnung.
J.


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 11:35 
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Registriert: 7. Mai 2010 21:14
Beiträge: 17
Hej hej,

Hmm :oops: ja stimmt ich hab mich ein bisschen vage ausgedrückt, wahrscheinlich weil ich selber nicht genau weiß wie ich´s am besten erklären soll.
Einerseits ist es tatsächlich so dass wir uns schwer tun hier neue Freunde zu finden. Hoffen dass das im Sportverein besser wird, aber wir haben schnell gemerkt, dass viele zwar nett sein möchten aber nicht so scharf auf näheren Kontakt sind. Das ist natürlich schon ein bisschen verletzend wenn man sich hier die eingeschworene kleine Gemeinschaft in der Straße anschaut und selbst eher außen vor steht, aber damit kommen wir klar.

Viel belastender finde ich dass ich mich mit meinem Freund permanent zoffe - und wir in der Hinsicht total naiv waren als wir in Deutschland das ganze durchgeplant haben. Es gibt bestimmt Pärchen und Familien die durch solche Erlebnisse enger zusammengeschweißt werden - bei uns ist der Ärger mit dem Migrationsverket, Sprachbarrieren, keinen Job (und natürlich keinen Freundeskreis wie wir den in D hatten) Grund genug um wegen allem möglichen, auch kleinem Kram, zu giften.

Ich hab ganz selbstverständlich gedacht dass die Beziehung das kleinste Problem hier sein würde, alles wie immer in den letzten 8 jahren - stattdessen wird das hier auf eine echte Zerreißprobe gestellt.

Zum Thema Zuverlässigkeit: Bekannte, die uns hier wegen Problemen in der Wohnung oder ähnlichem geholfen haben, waren total zuverlässig. Aber was so Organisationen wie Skattverket, Migrationsverket, Försäkringskassan betrifft ist es eigentlich fast schon wieder lustig was man erlebt, ist auf jeden Fall besser nochmal hartnäckig hinterher zu telefonieren um sicher zu gehen das alles klappt ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 16:21 
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Registriert: 21. April 2010 10:28
Beiträge: 66
-Tats- hat geschrieben:
Es gibt bestimmt Pärchen und Familien die durch solche Erlebnisse enger zusammengeschweißt werden - bei uns ist der Ärger mit dem Migrationsverket, Sprachbarrieren, keinen Job (und natürlich keinen Freundeskreis wie wir den in D hatten) Grund genug um wegen allem möglichen, auch kleinem Kram, zu giften.

Kann ja nachvollziehen, dass Belastungen für die persönliche Situation sich auch auf Beziehungen auswirken. Aber ist es nicht etwas naiv, Beziehungsprobleme ganz auf Migrationsverket etc. abzuwälzen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 18:31 
Schwedenfreund
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Registriert: 14. August 2008 14:02
Beiträge: 336
Nico hat geschrieben:
Kann ja nachvollziehen, dass Belastungen für die persönliche Situation sich auch auf Beziehungen auswirken. Aber ist es nicht etwas naiv, Beziehungsprobleme ganz auf Migrationsverket etc. abzuwälzen?


Ich glaube nicht das das so gemeint war. Migrationsverket, Arbetsförmeling usw sehe ich eher als den berühmten Tropfen, der alles zum Überfliessen bringt.
Wie oft habe ich nicht meinem Mann vorgeworfen, dass er als Schwede an allem schuld wäre :D Dass er mich nicht einfach nach Hause schickte.....


Für mich kam der Wendepunkt nach 4 Jahren als ich eine feste Anstellung bekam. Mit meinem wachsenden Selbstvertrauen kam auch ein grösseres soziales Netzwerk und plötzlich fand ich meinen Platz.


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 18:45 
Realist hat geschrieben:
Was mir Probleme macht, ist diese Mentalität der ständigen Nettigkeit. Ich bin auch ein Netter ;-) aber sage auch gern mal deutlich und direkt meine Meinung. Aber damit kann man böse anecken! Sie sind hier ein bisschen so wie in China: Immer lächeln, immer vergnügt (an der Oberfläche) - wie es innen aussieht, da hat man oft keine Ahnung.


Genau mein Problem! Bin auch sehr gern nett und freundlich, hab aber andererseits meist eine klare Meinung. Für mich kein Gegensatz! Anfangs hat mich die "Freundlichkeit" und das stete Bemühen um Kompromisse hier sehr beeindruckt, da ich dachte, das entspringt echtem Verständnis. Inzwischen weiß ich, Hintergrund sind Desinteresse und Feigheit, und seitdem geht es mir zunehmend auf den Geist...


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 19:05 
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Registriert: 7. Mai 2010 21:14
Beiträge: 17
Nico hat geschrieben:
Kann ja nachvollziehen, dass Belastungen für die persönliche Situation sich auch auf Beziehungen auswirken. Aber ist es nicht etwas naiv, Beziehungsprobleme ganz auf Migrationsverket etc. abzuwälzen?


Nö. Wie gesagt, wir sind seit 8 Jahren ein Paar und haben davor wie in jeder Beziehung auch mal Krach und auch mal schwere Zeiten gehabt. Was hier mit uns passiert, in einem fremden Land, mit fremder Sprache, Kultur, ohne Familie und Freunde, ohne festes Einkommen, stellt unsere Beziehung auf eine echte Zerreißprobe, die wir in unserer alten Umgebung sicherlich nicht so ohne weiteres erlebt hätten.
Ich sage aber NICHT, dass ich Migrationsverket, Schweden oder sonst irgendwelche Allgemeinplätze zum Buhmann mache (schließlich bin ich freiwillig hier und werd so schnell auch nicht aufgeben). Natürlich hat das was mit UNS zu tun, wie wir den Stress bewältigen und wie wir aufeinander reagieren.

Dachte mir, wir sind bestimmt nicht die einzigen die das erleben oder erlebt haben und finds einfach schön zu lesen wie andere damit umgegangen sind.

gruß
tats

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Mein Blogg aus und über Stockholm


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 14. Mai 2010 19:19 
Schwedenfreund
Schwedenfreund
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Registriert: 16. April 2007 23:03
Beiträge: 572
Wohnort: D/Kreis Pinneberg
@ Nico: Ich glaube nicht, daß es Aufgabe des Forums oder einzelner Forumsmitglieder ist, die Ursachen von Beziehungsproblemen Anderer zu analysieren oder zu kommentieren.

Tats´ Frage war, ob Ähnliches auch anderen, nach Schweden gezogenen Paaren/Familien passiert ist.

Gruß,
Rüdiger


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 16. Mai 2010 11:58 
Alter Schwede
Alter Schwede
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Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Hej,
ich kann Eure Probleme gut nachvollziehen. Bei unslief es zwar anders, was aber auch daran lag, dass wir direkt mit einem Einkommen gestartet sind. Aber allein die Anstrengung, die man nicht bewusst wahrnimmt und daher auch schnell unterschätzt, macht zu schaffen. Smalltalk wenn man die Sprache nohc nicht kennt. Gespräche mit Ämtern und Missverständnisse dort. Das macht arg zu schaffen und das ist auch logisch. Wenn andere sagen, dass sie das nie hatten und nicht verstehen können, dann haben sie entweder sehr viel Glåck gehabt oder ne dickere Haut. Manche Menschen haben auch andere Vorstelleungen vom Leben. Das heisst nicht, dass es schlechter ist. Aber mir sind smalltalk über den Gartenzaun und mit Kollegen schwer gefallen. Und zwar weil ich gerne akzeptiert werden wollte. In Deutschland konnte ich sagen, dass mir das egal ist. Da wusste ich, dass ich da nicht bleiben will und es war mir egal was die Nachbarn dachten. Hier bin ich mehr auf gute Integration angewiesen und wollte daher, dass das klappt. Ausserdem sind meine Ansprüche an meine Sprache recht hoch. Also sag ich nicht nach drei Monaten im Land, dass ich fliessend spreche und keine Probleme habe. So viel also zu unterschiedlihcer Einstellung und daraus resultierender Probleme.
Oft war ich abends hundemüde und kann auch verstehen, dass man dann schnell streitet. Wenn dann noch Sorgen um Zukunft und so dazukommen, kein Wunder. Bei uns war es die Sorge ob sich die Kinder wohlfühlen und ist es immer noch. Von aussen betrachtet sind wir Vorzeige-Einwanderer. Integriert, Sprache gelernt, Job und alles gut. Probleme gibt es trotzdem, wie fast überall.
Ich könnte mir vorstellen, dass Ihr beziehungsmässig wieder runter kommen müsst. Klingt jetzt doof... Ich meine, dass Ihr so viel wie möglich über alles redet. Mal einen Abend Auszeit nehmt, was schönes machen. Dann würde ich (das ist jetzt rein persönlich meine Sache, was Ihr macht, ist Eure) mir mit meinem Partner in einem ausgedehnten Gespräch überlegen ob es das wirklich wert ist. Muss die Beziehung aufs Spiel gesetzt werden für Schweden? Das heisst nicht scheitern. Das heisst, dass es zu dem Zeitpunkt und unter diesen Bedingungen nicht klappt. Mit einem Job ginge es Euch besser und das wiess man auch aus Deutschland, dass Arbeitslosigkeit belastet. Da hat man aber nicht noch Sprache und INtregration als weiteres Problem. Ich würde mir also mit dem Partner gemeinsam eine Liste machen. Warum Schweden und am Ende würde ich ein Ultimatum setzen. Bis wann halten wir es aus ohne, dass es alles zerbricht? Ab wann ist ein geregelter Umzug mit einem noch erfolgreichen Neuanfang in Deutschland möglich? Wartet man bis die Beziehung am Ende ist, hilft auch der Umzug nicht mehr.
Es kann alles schnell besser werden, wenn sich die Bedingungen in Schweden ändern. Aber wichtig ist doch, dass Ihr Euch vorher überlegt welche Strategie für Euch am Besten ist. Was andere davon halten und ob es dann Schweden oder doch wieder Deutschland ist, ist letztlich egal, solange ihr es beide tragen könnt und wollt.

Ich wünsche Euch alles Gute und viel Erfolg
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 16. Mai 2010 19:42 
Ich kann gut verstehen, dass bei Euch die Nerven blank liegen. Ich erinnere mich gut an meine Anfangszeit in Schweden vor zwei Jahren und das Gefuehl, dass jeder Kontakt mit einem Amt oder einer Bank einen Kampf bedeutete, bis man das gewuenschte Ergebnis erzielt hatte und ich fuehlte mich häufig auch sehr allein gelassen. Ich war fuer einen neuen Job nach Schweden gezogen und mein Mann (wir waren gerade 6 Monate verheiratet) blieb erstmal in Deutschland. Der Plan war, dass er sich dann ein paar Monate später hier auch einen Job suchen sollte. Diese Vorstellung war etwas zu optimistisch, wie sich später dann herausstellen sollte. Das ganze zog sich hin, währenddessen pendelte ich jedes zweite Wochenende nach Hamburg und wir fingen an uns zu fragen, ob wir unsere Anstrengungen doch wieder auf Deutschland konzentrieren sollten und ich hätte dann versucht mir dort einen neuen Job zu suchen.

Ich weiss, dass ich während dieser Zeit wirklich verzweifelt war, vor allem fand ich die Ungewissheit so belastend, das Gefühl, sich nirgendwo zuhause fuehlen zu können, sollte ich jetzt wirklich die gesamte Energie darein stecken, mich in Schweden einzuleben, wenn es doch bald wieder zurück ginge? Außerdem fühlte ich mich oft einsam, keiner wollte mit mir Schwedisch sprechen (auch eine Sache, die ich enorm unterschätzt hatte, das Schwedischlernen, wenn es zu einer flüssigen Konversation noch nicht reicht).

Dass mein Mann nicht bei mir war, hat es natuerlich auch nicht besser gemacht und ich wurde oft mit Unverständnis konfrontiert, weshalb er denn nicht einfach zu mir gezogen ist und sich erstmal irgendeinen schlechtbezahlten Job gesucht hat. Dann wären wir wenigstens zusammen gewesen. Fuer mich war allerdings die Vorstellung unerträglich, dass er wegen mir hier ohne Arbeit sitzen würde oder seinen Beruf nicht mehr ausüben könnte und ich hatte enorme Angst davor, dass stille Vorwürfe unsere Beziehung belasten könnten.

Letztendlich haben wir dann unheimlich Glück gehabt, er hat nach 9 Monaten endlich Arbeit in Dänemark gefunden und pendelt täglich über die Öresundbrücke und wir haben nach längerer Suche (noch so eine Sache, die ich unterschätzt hatte) auch eine gemeinsame Wohnung gefunden, in der wir uns wohlfühlen. Er lernt fleißig Dänisch und ich Schwedisch und wir streiten uns über das Fernsehprogramm. Klar, Zugeständnisse sind in jeder Beziehung erforderlich und mir ist bewusst, dass es für ihn mit jeweils einem Bein in einem anderen Land auch nicht einfach ist, sich hier zuhause zu fühlen. Aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass wir uns gegenseitig für unsere Miseren verantwortlich machen und bin froh, dass wir die Durststrecke am Anfang hinter uns gebracht haben. Während der schwierigen Zeit hat uns geholfen, so viel wie möglich gemeinsam zu unternehmen, die Gegend kennenzulernen und draußen zu sein (jetzt wird das ja hoffentlich auch wieder mehr möglich). Das kann einem den Druck der Ungewissheit natürlich nicht nehmen, aber macht es ein bisschen leichter erträglich. Und so hat man auch die Zeit gut genutzt, falls es wieder nach Deutschland geht und man kann das ganze mehr als Experiment betrachten. Ich finde gerade durch die vielen Stolpersteine am Anfang habe ich viel über mich, mein Heimatland und meine Wünsche gelernt. Und unserer Beziehung hat es trotz der entfernungsbedingten Auseinanderdriftung zwischendurch im Endeffekt auch nicht geschadet, im Gegenteil. Wir wissen noch nicht wie lange wir bleiben werden, Experiment mit offenem Ende.


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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 17. Mai 2010 14:18 
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Registriert: 7. Mai 2010 21:14
Beiträge: 17
Hej,

Danke für eure Erfahrungsberichte und freu mich dass sich alles noch zum Guten gewendet hat!

Ich hätte nicht gedacht dass es so ist, aber mir fehlt der smalltalk auch. Wir haben in einem Haus mit sechs anderen Parteien gewohnt und wenn man im Treppenhaus jemanden getroffen hat, wurde manchmal noch eine Stunde gequatscht bis man weiter kam :lol:

Wir haben bisher das Thema "zurück nach Deutschland" immer wieder aufgeschoben, vielleicht weil es sich doch sehr nach scheitern anfühlt, aber auch weil es bedeuten würde, dass ich hier bleibe fürs Studium und mein Freund alleine nach Deutschland zurückkehrt. (Wieder) eine Fernbeziehung gefällt mir zwar nicht, aber ich kann die Chance unmöglich in den Wind schlagen.

Immerin gibts jetzt einen Hoffnungsschimmer - er ist in die engere Auswahl für eine Stelle in Växholm gekommen und vielleicht klappts ja. Falls ja muss glaub ich erst mal alles herhalten was der Weinbestand hergibt :D

lg
Tats

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 Betreff des Beitrags: Re: Job, Sprache, Freunde, Glück - und was wenn nicht?
BeitragVerfasst: 18. Mai 2010 12:30 
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Registriert: 26. April 2008 22:05
Beiträge: 270
Wohnort: Rosenfors (Småland)
-Tats- hat geschrieben:
Leider noch immer kein Job in Aussicht, was meinem Freund zunehmend auf den Magen schlägt. Ich hab ja wenigstens die Zusage von der Uni und suche mehr einen Nebenjob. Aber er ist von einer 80 Stunden Woche auf Schule, Bewerbungen schreiben, nachtelefonieren und Jobcoach-Terminen geschrumpft.

Auch wenn wir (grad weil wir noch nicht soooo lange hier sind) immer wieder tolle Sachen erleben und entdecken, ist es genauso oft frustrierend, kräftezehrend und belastet vor allem unsere Beziehung.

Habt ihr das ähnlich empfunden als ihr hier hin gezogen seit? Wie lange hat es gedauert bis ihr euch heimisch gefühlt habt? Und wie habt ihr zusammen mit Familie und/oder Partner das "durchgestanden"?

Danke fürs lesen und antworten

liebe grüße
tats
Hejsan Tats,

es ist schon so wie Du es beschrieben hast, kann mir gut vorstellen, wenn man Probleme bei der Auswanderung und Integeation im neuen Land hat kann das eine Beziehung ganz schön belasten. Ich hab das auch schon oft in diesem und anderen Foren gelesen das die Schweden ein wenig länger brauchen bis sie auf einen zu kommen oder auch teilweise sehr stur sein sollen. Wir haben diese Erfahrung eigentlich nicht gemacht, sondern nur festgestellt das die Schweden abwarten ob man sich auch integrieren will und das fängt mit der Sprache an. Wir haben auch gemerkt das anfangs eine gewisse Skepsis von Seiten der Schweden vorhanden war die sich aber gelegt hat als sie merkten das wir die Sprache gelernt haben, uns immer besser unterhalten konnten und versucht haben uns ernsthaft zu integrieren.
Ihr habt Euch aber auch einen denkbar schlechten Zeitpunkt für Eure Auswanderung ausgesucht oder Euch ist die Krise in den Weg gekommen, kann man sehen wie man will aber im Moment ist es selbst für viele Schweden nicht einfach einen Job zu finden geschweige denn für Einwanderer.
Es war für uns eigendlich nie ein Thema mit Belastungen durch die Auswanderung da wir immer zusammengehalten haben. Ich bin kein Seelenklempner oder so etwas aber einen Rat kann ich Euch nur geben, macht Euch nicht das Leben gegenseitig schwer, sondern haltet zusammen egal was kommt dann wird man vieles gemeinsam leichter ertragen und schaffen. Damit sind wir bis jetzt seit 22 Jahren bestens gefahren. :wink: Ich wünsche Euch alles Gute und viel Glück.

Viele Grüße aus Småland :flagge:
Harald

_________________
Man muss dem Leben nur gelassen folgen und ihm ein Höchstmaß an Freude entnehmen.


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