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Ich kann gut verstehen, dass bei Euch die Nerven blank liegen. Ich erinnere mich gut an meine Anfangszeit in Schweden vor zwei Jahren und das Gefuehl, dass jeder Kontakt mit einem Amt oder einer Bank einen Kampf bedeutete, bis man das gewuenschte Ergebnis erzielt hatte und ich fuehlte mich häufig auch sehr allein gelassen. Ich war fuer einen neuen Job nach Schweden gezogen und mein Mann (wir waren gerade 6 Monate verheiratet) blieb erstmal in Deutschland. Der Plan war, dass er sich dann ein paar Monate später hier auch einen Job suchen sollte. Diese Vorstellung war etwas zu optimistisch, wie sich später dann herausstellen sollte. Das ganze zog sich hin, währenddessen pendelte ich jedes zweite Wochenende nach Hamburg und wir fingen an uns zu fragen, ob wir unsere Anstrengungen doch wieder auf Deutschland konzentrieren sollten und ich hätte dann versucht mir dort einen neuen Job zu suchen.
Ich weiss, dass ich während dieser Zeit wirklich verzweifelt war, vor allem fand ich die Ungewissheit so belastend, das Gefühl, sich nirgendwo zuhause fuehlen zu können, sollte ich jetzt wirklich die gesamte Energie darein stecken, mich in Schweden einzuleben, wenn es doch bald wieder zurück ginge? Außerdem fühlte ich mich oft einsam, keiner wollte mit mir Schwedisch sprechen (auch eine Sache, die ich enorm unterschätzt hatte, das Schwedischlernen, wenn es zu einer flüssigen Konversation noch nicht reicht).
Dass mein Mann nicht bei mir war, hat es natuerlich auch nicht besser gemacht und ich wurde oft mit Unverständnis konfrontiert, weshalb er denn nicht einfach zu mir gezogen ist und sich erstmal irgendeinen schlechtbezahlten Job gesucht hat. Dann wären wir wenigstens zusammen gewesen. Fuer mich war allerdings die Vorstellung unerträglich, dass er wegen mir hier ohne Arbeit sitzen würde oder seinen Beruf nicht mehr ausüben könnte und ich hatte enorme Angst davor, dass stille Vorwürfe unsere Beziehung belasten könnten.
Letztendlich haben wir dann unheimlich Glück gehabt, er hat nach 9 Monaten endlich Arbeit in Dänemark gefunden und pendelt täglich über die Öresundbrücke und wir haben nach längerer Suche (noch so eine Sache, die ich unterschätzt hatte) auch eine gemeinsame Wohnung gefunden, in der wir uns wohlfühlen. Er lernt fleißig Dänisch und ich Schwedisch und wir streiten uns über das Fernsehprogramm. Klar, Zugeständnisse sind in jeder Beziehung erforderlich und mir ist bewusst, dass es für ihn mit jeweils einem Bein in einem anderen Land auch nicht einfach ist, sich hier zuhause zu fühlen. Aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass wir uns gegenseitig für unsere Miseren verantwortlich machen und bin froh, dass wir die Durststrecke am Anfang hinter uns gebracht haben. Während der schwierigen Zeit hat uns geholfen, so viel wie möglich gemeinsam zu unternehmen, die Gegend kennenzulernen und draußen zu sein (jetzt wird das ja hoffentlich auch wieder mehr möglich). Das kann einem den Druck der Ungewissheit natürlich nicht nehmen, aber macht es ein bisschen leichter erträglich. Und so hat man auch die Zeit gut genutzt, falls es wieder nach Deutschland geht und man kann das ganze mehr als Experiment betrachten. Ich finde gerade durch die vielen Stolpersteine am Anfang habe ich viel über mich, mein Heimatland und meine Wünsche gelernt. Und unserer Beziehung hat es trotz der entfernungsbedingten Auseinanderdriftung zwischendurch im Endeffekt auch nicht geschadet, im Gegenteil. Wir wissen noch nicht wie lange wir bleiben werden, Experiment mit offenem Ende.
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