Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

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Arbeitslose Ausländer

Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Arbeitslose Ausländer » 26. November 2011 10:53

Guten Tag,

Dagens Nyheter schreibt heute online: Mehr als ein Drittel aller registrierten Arbeitslosen in Schweden stammt aus dem Ausland (in Prozent ausgedrückt: vor 6 Jahren waren es 22 %, heute sind es 35 %, Stand Oktober 2011).

Im Artikel wird auch beschrieben, dass Schweden zwar im Rahmen theoretischer Studien gute Noten in puncto Integration bescheinigt werden, in der Wirklichkeit sehe es jedoch ganz anders aus. Die Studien messen nur die formalen Rechte von Ausländern in Schweden - und nicht die Resultate der integrationspolitischen Bemühungen bzw. die wirkliche Integration in den Arbeitsmarkt.

Hier der Link zum Artikel:
http://www.dn.se/nyheter/sverige/utanfo ... r-blev-det

Mfg

Klaus

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon GF.Skaraborg » 26. November 2011 12:51

Meine Gedanken hierzu:

Die soziale Integration in die Bevölkerung funktioniert in vielen Bereichen. Nicht ueberall aber im Grossen und Ganzen. Der Arbeitsmarkt und die Integration dort sollte aber viel differenzierter gesehen werden. Durch den hohen Anteil an aussereuropäischen Asylbewerbern sieht dass Bild aber duester aus und wird es auch in Zukunft wohl so bleiben. Meiner Meinung nach aus folgenden Gruenden:
- Viele dieser Eingewanderten konzentrieren sich in Gebieten, die ganz einfach keinen Arbeitsmarkt haben, der diese Leute aufsaugen könnte
- Man entlässt sehr viele Leute zu frueh aus den Sprachprogrammen, es genuegt nicht, sich einigermassen verständlich zu machen, man sollte auch Wert darauf legen, auch geschriebenes zu verstehen und dass diese Leute sich auch schriftlich ausdruecken können
- Viele kommen aus Gebieten, in denen traditionell nur die Männer auf dem Arbeitsmarkt tätig sind, Frauen sind oftmals ueberhaupt nicht ausgebildet, tauchen aber aus Gruenden, fuer die schwedische System allein verantwortlich ist, in der Arbeitslosenstatistik auf
- Ausbildungen aus dem Nicht EU-Raum werden so gut wie nie anerkannt, aus dem EU-Raum nur mit vielen Hindernissen, im Vergleich dazu aus den nordischen Ländern gibts so gut wie nie Probleme mit der Anerkennung einer Ausbildung, persönlich finde ich dass eine Ueberheblichkeit ohnesgleichen. Es gibt Instrumente um eine Ausbildung zu beurteilen, aber da ist glaube ich Mangel an "wollen"
- Kleinere und mittlere Betriebe ziehen es meist vor, einheimische statt Immigranten bei gleichen Voraussetzungen vorzuziehen. Manchesmal habe ich das Gefuehl, dass der "versteckte Rassismus" der Schweden die Ursache dafuer ist
- Bei grösseren Betrieben kommt letzterer Punkt eigentlich nicht so zum tragen, allerdings habe ich den Eindruck, dass die Einstellung meist immer eine Stufe niedriger erfolgt als bei einem Einheimischen. Ein gewisses Misstrauen in die Fähigkeiten des Bewerbers schlägt sich so in der Platzierung nieder.
-und auch wenn ich jetzt anecke, aber ich bin der Meinung, dies ist ein Punkt der gesagt werden sollte. Viele dieser Arbeitslosen bekommen genuegend finanzielle Unterstuetzung, sodass ein Lebensstandard mit dem nach schwedischen Verhältnissen eigentlich wenigem Geld fuer diese Leute eine wesentliche Verbesserung ihres Standards wie sie ihn im Heimland hatten bringt. Ein Einbringen auf dem Arbeitsmarkt erachten sie deshalb fuer nicht notwendig, demzufolge werden auch keine Bemuehungen gemacht an der Situation etwas zu ändern.

Es gibt sicher noch einige Punkte mehr, die ich hier nicht angesprochen habe, Diskussionsstoff duerfte aber trotzdem reichlich vorhanden sein.

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon stavre » 26. November 2011 12:55

es werden auch einige eu-berufe nicht anerkannt.

ich kämpfe immer noch,dass mein beruf anerkannt wird.

und dann hat man es schwer ,wenn man überqualifiziert ist

das ist meine meinung

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Realist » 7. Januar 2012 08:50

"Kleinere und mittlere Betriebe ziehen es meist vor, einheimische statt Immigranten bei gleichen Voraussetzungen vorzuziehen. Manchesmal habe ich das Gefuehl, dass der "versteckte Rassismus" der Schweden die Ursache dafuer ist

-und auch wenn ich jetzt anecke, aber ich bin der Meinung, dies ist ein Punkt der gesagt werden sollte. Viele dieser Arbeitslosen bekommen genuegend finanzielle Unterstuetzung, sodass ein Lebensstandard mit dem nach schwedischen Verhältnissen eigentlich wenigem Geld fuer diese Leute eine wesentliche Verbesserung ihres Standards wie sie ihn im Heimland hatten bringt. Ein Einbringen auf dem Arbeitsmarkt erachten sie deshalb fuer nicht notwendig, demzufolge werden auch keine Bemuehungen gemacht an der Situation etwas zu ändern."


Warum anecken? So ist die Realität, es gab ja auch eine grosse Serie in der DN zu dem Thema. Übrigens haben sie nicht nur rausgefunden, dass Schweden am liebsten Schweden anstellen, sondern Einwanderer auch am liebsten Einwanderer. Ist ja klar wenn man den ethischen und sprachlichen Hintergrund betrachtet.
Ich arbeite viel in dem Wohngebiet Järva (Rinkeby, Tensta, Husby usw.) in Stockholm und da sieht man was Sache ist.

Die Regierung hat ja halb und halb zugegeben, dass sie mit ihrer Einwanderungspolitik gescheitert ist. Und wie sie das ganze Einwanderungs/Arbeitslosigkeitsproblem lösen wollen ist mir ehrlich gesagt schleierhaft... Warten wir mal ab.

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Sumac » 7. Januar 2012 10:18

GF.Skaraborg hat geschrieben:Meine Gedanken hierzu:

Die soziale Integration ......................................
...................................deshalb fuer nicht notwendig, demzufolge werden auch keine Bemuehungen gemacht an der Situation etwas zu ändern.

irgendwie hatte ich beim lesen deines beitrages das gefühl, du schreibst über die gegebenheiten in DE. wo ist da bitte der unterschied?

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Gotlandschaf » 8. Januar 2012 16:01

GF.Skaraborg hat geschrieben:- Kleinere und mittlere Betriebe ziehen es meist vor, einheimische statt Immigranten bei gleichen Voraussetzungen vorzuziehen. Manchesmal habe ich das Gefuehl, dass der "versteckte Rassismus" der Schweden die Ursache dafuer ist


Also mit verstecktem Rassismus hat das, meiner Meinung nach, gar nichts zu tun. Auch in Deutschland und hier in der Schweiz (wo ich lebe) sind die meisten Arbeitgeber grundsätzlich eher geneigt eigene Landsleute einzustellen. Das Hemd ist einem immer näher aus die Hose! In Deutschland gab es sogar "Feldversuche" dazu und siehe da; in einer überwältigenden Mehrheit der Fälle, haben Arbeitgeber den gleichqualifizierten Deutschen Bewerber dem Ausländischen vorgezogen.

Vielleicht vergisst man bei einem Umzug ins Ausland gerne, dass man dort Ausländer ist und eben wie ein solcher behandelt wird.

Dass es immer einige Menschen gibt, die sich mit ihrer Arbeitslosigkeit gut arrangieren können, ist kein Geheimnis. Die gibt es wohl überall auf der Welt und selbst die besten Integrationsprogramme können da nicht fruchten. Zwangsintegration gibt es nunmal nicht. Das ist wohl der Preis, den die Welt für die Globalisierung bezahlen muss...

Hier in der Schweiz gibt es diese Probleme auch und die Politik bekommt sie nicht in den Griff. Hier wird es mit offener Diskriminierung versucht, was die Probleme nur noch vergrössert. Ausländer werden hier teils offen im Fernsehen und der Presse von Politikern beleidigt. Das ist, meines Erachtens, auch nicht die Lösung. Es macht die Probleme nur noch grösser und facht Fremdenhass an. Die Integrationsbereitschaft der Ausländer wird dadurch aber nicht vergrössert.

Ich denke, wenn sich jemand integrieren möchte, schafft er das. Wenn er nicht möchte, schafft das kein Programm der Welt. Weder in Schweden, noch in der Schweiz noch sonstwo.

Ach ja; in Deutschland und der Schweiz werden auch nicht alle ausländischen Berufsausbildungen anerkannt und wer keine Ahnung von den genauen Lohnverhältnissen hat, wird auch hier in der CH gerne mal "übers Ohr gehauen".

Meiner Meinung nach, gibt es das sorgenfreie Land einfach nicht und jeder der auswandert, weil er hofft in einem neuen Land auf weniger Probleme zu treffen, kann nur enttäuscht werden. Das ist nämlich schlicht und ergreifend eine Illusion!

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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Rwitha » 8. Januar 2012 20:11

Das hast du sehr gut formuliert, Gotlandschaf, gibt's nichts hinzuzufügen. :smt023
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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Gottfried » 9. Januar 2012 11:41

Gotlandschaf hat geschrieben:....Ich denke, wenn sich jemand integrieren möchte, schafft er das.


Naja..ganz sooo einfach ist es halt auch nicht.
Ich habe da so meine konkreten Erfahrungen und Freunde/Bekannte in Schweden, die wirklich gut integriert sind. Aber wenn du Müller, Mayer oder Zimkowsky heißt, wirst Du Deinen Job schneller in einer Firma verlieren, als der Eriksson, Andersson oder Karlsson! Es gab auch tolle Versuche( Lokalradio) mit Einstellungsgesprächen..die Schweden, die sich mit ausländisch klingendem Namen vorgestellt hatten, wurden gar nicht erst eingeladen......Integration, Qualifikation..spielen keinerlei Rolle.
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)

jms

Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon jms » 9. Januar 2012 12:33

tsss Schweden -Traumland ?

ist doch in Deutschland nicht anders ..erst Ausländer dann Ungelernte dann Zeitarbeiter dann kinderlose Mitarbeiter ...so ist das bei Entlassungen ....

funktioniert in jedem Land der Welt genau so , :smt064

Kling
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Re: Jeder dritte reg. Arbeitslos in Schweden ist Ausländer

Beitragvon Kling » 9. Januar 2012 13:18

wir hatten auch so einige Bewerbungen hier in schweden geschrieben und wurden auch eingeladen zu Vorstellungsgesprächen. Klar ist es nicht einfach als Ausländer einen Job zu finden. DAs ist aber überall so in Europa. Aber man kann es trotzdem schaffen wenn man es nur will.


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